Germersheimer ÜbersetzerlexikonGermersheimer Übersetzerlexikon

Albert ZIPPER, 1855–1936

Albert Zipper (Quelle: Kłosy. Czasospismo ilustrowane tygodniowe Bd. XXXVI/1883, Nr. 927, S. 221)
Albert Zipper (Quelle: Kłosy. Czasospismo ilustrowane tygodniowe Bd. XXXVI/1883, Nr. 927, S. 221)

Albert Franz Joseph Zipper kam am 8. Mai 1855 im damals galizischen Lemberg zur Welt, wurde also in Gegebenheiten hineingeboren, in denen sich mehrere Kulturen, wie die polnische, die ukrainisch-ruthenische oder die deutsch-österreichische unmittelbar und nicht immer konfliktfrei begegneten. Unter diesen historischen Umständen wurde Zipper als Übersetzer, Schriftsteller, Germanist, Herausgeber, Literaturkritiker und Feuilletonist aktiv, neben seinem eigentlichen Brotberuf als Gymnasialprofessor für Deutsch, Latein und Altgriechisch.

Seine Eltern waren der österreichische Militärbeamte Eduard Zipper und dessen Gattin Josefine, geborene Müller, die Sprache im Elternhaus war Deutsch. Schon während Jugend und Kindheit wechselte Zipper mehrmals zwischen der Hauptstadt Galiziens und Wien: So besuchte er die Schule in Lemberg, dann vor allem aber in Wien, wo er 1872 die Matura ablegte und ein Jahr lang Germanistik und klassische Philologie studierte. Danach ging er wieder zurück nach Lemberg, wo er zusätzlich noch Jura inskribierte und sein Studium in beiden Fakultäten 1877 abschloss. Drei Jahre später promovierte er in Krakau mit einer Arbeit über die dramatischen Bearbeitungen der Hermannsschlacht bei Schlegel, Klopstock, Kleist und Grabbe. Offenbar strebte Zipper eine akademische Laufbahn an, seine Bewerbung um eine Germanistik-Dozentur an der Universität Lemberg im Jahre 1881 blieb jedoch erfolglos. Ab September 1882 arbeitete er als Gymnasiallehrer in Lemberg, zwei Jahre später legte er die Lehramtsprüfung für deutsche Sprache im Haupt- und klassische Philologie im Nebenfach ab, und zwar mit den Unterrichtssprachen Deutsch und Polnisch. Ab dem Studienjahr 1885/86 hielt er außerdem Vorlesungen zur deutschen Sprache und Literatur an der polytechnischen Hochschule. Die einzige Unterbrechung waren die Jahre 1914 bis 1919, als er sich in Wien aufhielt, wo er u. a. Privatunterricht gab. Ein Jahr nach seiner Pensionierung übersiedelte er 1925 von Lemberg nach Krakau, wo er bis zu seinem Tod am 3. April 1936 lebte.

Sein Lebenslauf legt nahe, dass Zippers erste Sprache Deutsch war (was er in autobiographischen Porträts auch selbst so darstellt) und dass dazu eine wohl hervorragende Kenntnis des Polnischen kam, immerhin die zentrale Verkehrssprache in Lemberg seit Einführung der galizischen Autonomie 1867. Hinzu kommt, dass Zipper stets vom Polnischen ins Deutsche übersetzte, die einzige Ausnahme ist der Prolog zu Schillers Wallenstein-Trilogie, den er 1928 für eine von ihm mitherausgegebene Ausgabe neu ins Polnische übertrug. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass er in einem 1877 an den polnischen Schriftsteller Józef Ignacy Kraszewski geschriebenen Brief (Zipper 1877) seine sprachliche Sozialisation etwas anders beschreibt und dabei Polnisch als seine erste Sprache bezeichnet: In ihr habe man ihn sprechen und denken gelehrt. Obwohl sein Vater offenbar sehr polonophil war, scheint dies jedoch ungewöhnlich, vor allem, da zuhause ja Deutsch gesprochen wurde. Als der Vater – wie erwähnt ein österreichischer Militärbeamter – 1863 versetzt wurde, zog die Familie des damals Achtjährigen nach Wien, wo Zipper nun, wie er in dem Brief an Kraszewski weiter schreibt, „gründliche Deutsch-Kenntnisse“ erworben habe. Als er nach sechs Jahren Schule in Wien für ein Jahr wieder in Lemberg war, habe er jedoch feststellen müssen, dass sein Polnisch ganz verschwunden sei und er es – mithilfe einer auf Deutsch verfassten Grammatik – neu habe lernen müssen. Wieder nach Wien zurückgekehrt, habe sich nun in ihm immer mehr die Überzeugung gefestigt, dass er Pole sei. Zugleich sei er sich aber auch dessen bewusst gewesen, dass er das Polnische nie so beherrschen werde, wie das Deutsche, in dem es für ihn so leicht sei, die subtilsten Abstufungen aller Gedanken zum Ausdruck zu bringen, weshalb er sich nur seiner mit völliger Freiheit bedienen könne.

Es muss wohl bis zu einem gewissen Grad offenbleiben, inwiefern Zippers Schilderungen seiner Sprachbiographie wirklich den Tatsachen entsprachen und nicht nur aus einer momentanen Laune des 22-Jährigen resultierten. Verwundern mag auf jeden Fall sein eindeutiges Bekenntnis zum Polnischen und nicht zu einer gewissen Bikulturalität, wie es seiner Biographie wohl eher entsprechen würde.

Diese besondere kulturelle und sprachliche Sozialisation Zippers, die nicht zuletzt den galizischen Realien im Lemberg des 19. Jahrhunderts geschuldet ist, war auch Grundlage seiner Motivation, sich mit dem Übersetzen zu beschäftigen. Als er sich als junger Erwachsener über seine nationale Identität im Klaren zu werden glaubte, wollte er als Pole, der allerdings besser Deutsch als Polnisch spricht, zumindest durch Übersetzungen einen Beitrag zur Kultur jenes Landes leisten, dem er sich am meisten zugehörig fühlte, was er im Brief von 1877 an Kraszewski ebenfalls zum Ausdruck bringt: Immer stärker sei in ihm nicht nur die Überzeugung gewachsen, dass er sich als Pole fühle, sondern auch der Entschluss, sein Leben der Poesie zu widmen, wobei eine nachhaltige Faszination auf ihn gerade die polnische Literatur ausgeübt habe: Mit unglaublichem Zauber hätten ihn die Beschreibungen polnischer Dichter mitgerissen, der Charakter dieser Poesie sei so eigen und so verschieden von der Dichtung anderer Völker. Zippers Begeisterung für die deutsche Literatur war schon seit früher Kindheit u. a. von seinem Vater, der erklärter Schiller-Liebhaber war, gefördert worden, als er aber als Jugendlicher in Wien begann, Polnisch zu lernen, entdeckte er auch die ihm bislang unbekannte polnische Literatur. Dazu verhalfen ihm die damals populären Handbücher von Hipolit Cegielski Nauka Poezji (Die Wissenschaft von der Dichtung) sowie von Władysław Ewaryst Nehring Kurs literatury polskiej dla użytku szkół (Kurs der polnischen Literatur für den Schulgebrauch), das auch außerhalb der Schulen als erste Gesamtdarstellung der neueren polnischen Literatur gelesen wurde.

Wichtig für Zippers literarische Bildung war außerdem sein Schwager Apolinary Ujejski, der ihn für die polnische Literatur begeisterte und ihm zwei Gedichtbände seines Onkels Kornel Ujejski (den Zipper später übersetzen sollte) zukommen ließ. Apolinary Ujejski wird Zipper 1878 eine seiner ersten Mickiewicz-Übersetzungen widmen. Zwar stimme es ihn traurig, heißt es in dem Brief an Kraszewski weiter, dass er nie auf Polnisch werde dichten können, aber vielleicht sei dies eine eigenartige Fügung des Schicksals: Bis heute würden die Deutschen nämlich die polnische Literatur nicht kennen und es gebe kaum – so wörtlich – drei gelungene Übersetzungen polnischer Poesie. Und weiter:

Ich bin jedoch davon überzeugt, dass die Völker sich kennenlernen müssen, um sich zu lieben. [...] Aber mit willigem Herzen opfere ich Zeit und Mühe, um den Deutschen das angenehm und bekannt zu machen, dessen sich die polnische Literatur rühmt. Mit der Zeit bemühe ich mich überhaupt darum, ihnen die Geschichte Polens, seiner Bildung und unserer Literatur näherzubringen, ebenso wie jene verschiedenen unbekannten oder bislang im falschen Lichte dargestellten Beziehungen. Wenn diese Arbeit eines Vermittlers dazu beiträgt, diesen Nebel, der die Völker noch trennt, etwas zu zerstreuen, dann wäre ich glücklich. (Zipper 1877: 395a sowie 396a–396b; dt. von M. E.)

Dieser Wunsch, zwischen den Kulturen zu vermitteln, blieb für Zipper und sein Schaffen charakteristisch, nicht nur für seine Übersetzungen, sondern auch für seine wissenschaftlichen und feuilletonistischen Arbeiten.

Es waren demnach vor allem persönliche Motive, die Zipper zum Übersetzen veranlassten, was er selbst in einem wenige Jahre vor seinem Tod entstandenen Artikel beschreibt (Zipper 1927: 2): Nachdem er von seinem Schwager Apolinary Gedichte von Kornel Ujejski erhalten habe, sei in ihm der Wunsch entstanden, sie seinen Wiener Freunden zugänglich zu machen. Das war mit ungefähr 16 Jahren, neben Ujejski beschäftigte sich Zipper damals außerdem mit Gedichten von Juliusz Słowacki und Adam Mickiewicz – von ihm die Ballade Trzech budrysów, die er in einer freien Nachdichtung als Alle drei übersetzte. Sie wurde offenbar nie veröffentlicht, eine undatierte Fassung befindet sich in Zippers Nachlass. Seine erste publizierte Übersetzung erschien 1876 in einer Wiener Zeitschrift, als er das damals im südlichen Polen sehr bekannte Volkslied O gwiazdeczko coś błysczała (wörtlich: O kleiner Stern, der du funkeltest), das er seinen Wiener Freunden vorgesungen hatte, unter dem Titel Das Sternlein ins Deutsche übertrug. Es wurde 1893 in einem Band mit Zippers eigenen Gedichten noch einmal abgedruckt; in demselben Band sind außerdem seine frühen Übersetzungen der Ujejski-Gedichte enthalten.

Die zweite Hälfte der 1870er Jahre waren die mit Abstand produktivste Zeit in der Übersetzerlaufbahn von Zipper. Allein 1878, Zipper war gerade 25 Jahre alt, erschienen mehrere Übersetzungen, davon drei eigenständige Buchpublikationen: erstens handelte es sich dabei um Fragmente aus dem Exkurs zum dritten Teil von Mickiewiczs Drama Dziady (Die Ahnenfeier), die unter dem Titel Petersburg bei Grüning in Hamburg erschienen. Derselbe Verlag brachte außerdem die Übersetzung der Verserzählung Marya von Antoni Malczewski, mit der er bereits 1872 begonnen hatte, zusammen mit einem Vorwort sowie einem Lebenslauf des Autors, beides verfasst von Zipper, heraus. Bei Reclam in Leipzig wurde die Verserzählung Przenajświętsza rodzina von Józef Bohdan Zaleski unter dem Titel Die heilige Familie veröffentlicht, wieder mit einem Vorwort des Übersetzers. Ebenfalls 1878 erschienen außerdem zwei Übersetzungen in Zeitschriften, und zwar jene der Novelle Ludzie dobrzy na jednym wózku do sądu jeżdżą (wörtl.: Gute Menschen fahren immer auf einem Wagen zum Gericht) von Józef Dzierzkowski, die Zipper mit dem Titel Unter Nachbarn übersetzte und die in der Südböhmischen Gemeindezeitung erschienen sein soll[1]. Die letzte Veröffentlichung Zippers aus dem Jahre 1878 war die Übersetzung des Gedichtes Lazzarone von Teofil Lenartowicz, die in der Wiener Zeitschrift Dichter-Stimmen aus Österreich-Ungarn erschien.

Nach diesen intensiven Anfängen als Übersetzer nahm Zippers Aktivität in den weiteren Jahren immer mehr ab. Im Februar 1886 entstand allerdings, wie er rückblickend schreibt (Zipper 1927: 2), eine seiner wohl herausforderndsten Übersetzungen, nämlich jene von Ujejskis berühmtem Choral Z dymem pożarów (wörtlich: Mit dem Rauch der Brände), in dem die tragischen Ereignisse des galizischen Bauernaufstandes von 1846 literarisch verarbeitet werden und der im 19. Jahrhundert in Südpolen fast den Status einer Nationalhymne genoss. Da er den Choral, schreibt Zipper, als „Eigentum des Volkes“ betrachtet habe, sei es ihm zunächst nicht einmal in den Sinn gekommen, ihn zu übersetzen. Erst nach der persönlichen Bitte eines bekannten Architekten, der von einem Wiener Kollegen nach dem Choral und dessen deutscher Übersetzung gefragt worden sei, habe er sich an die Übertragung ins Deutsche gemacht. Sie erschien einige Jahre später in Zippers Gedichtband von 1893, in dessen viertem Teil sich in erster Linie Übersetzungen aus dem Polnischen (vor allem Mickiewicz und Ujejski), dazu weitere aus der französischen (Victor Hugo, Henri Murger) und englischen (Henry Wadsworth Longfellow) Literatur, finden.[2]

Die nächste Übersetzung Zippers lässt sich erst für das Jahr 1897 nachweisen, damals übertrug er für eine Theateraufführung einen Prolog , den der Lemberger Autor Stanisław Rossowski verfasst hatte.[3] Von ihm übersetzte Zipper nach 1900 außerdem das dramatische Märchen Circe , das 1905 gedruckt wurde. Danach folgte eine lange Pause – erst 1925[4] erschienen im Band Was die Stunden sangen , neben eigenen Gedichten, wieder Übersetzungen von Zipper. Neben französischen (Marceline Desbordes-Valmore, Corneille etc.) sowie englischen (u. a. Alfred Tennyson, Thomas Moore), fanden sich darunter mehrere Übersetzungen aus dem Polnischen, erneut vor allem von Autoren aus dem Umkreis der Romantik (Mickiewicz, Zygmunt Krasiński, Kazimierz Brodziński). Dazu kam ein Gedicht der realistischen Autorin Maria Konopnicka.

Insgesamt dominieren somit in Zippers translatorischem Œuvre Autoren aus dem Umkreis der für die polnische Literatur des 19. Jahrhunderts zentralen Epoche der Romantik. Bemerkenswert ist neben Autoren wie Mickiewicz und Słowacki der Fokus auf galizische Autoren wie Ujejski oder Dzierzkowski sowie eher unbekanntere Dichter wie Lenartowicz. In diesen Zusammenhang gehören ferner Autoren wie Malczewski und Zaleski, die der sog. ukrainischen Schule der polnischen Romantik[5] zugerechnet werden. Aus dem bereits mehrfach erwähnten Brief an Kraszewski geht außerdem hervor, dass Zippers eigenes Verständnis von Literatur und Poesie ebenfalls stark romantisch geprägt war. Es liegt somit die Vermutung nahe, dass er die von ihm übersetzten Autoren und Texte selbst ausgewählt hat. In der Regel handelte es sich dabei um sehr anspruchsvolle Werke, gerade auch, wenn man an seine ersten Übersetzungen denkt, die für einen jungen Übersetzer zweifellos eine große Herausforderung dargestellt haben dürften.

Zippers übersetzerische Laufbahn zerfällt deutlich in zwei Etappen: in die ambitionierten und intensiven Anfänge der 1870er Jahre und in die Zeit danach, in der er nur mehr gelegentlich übersetzte. Es stellt sich die Frage, warum Zipper das Übersetzen nach relativ kurzer Zeit wieder aufgab, obwohl er es zunächst als seine wirkliche Berufung angesehen hatte, der er sein Leben widmen wollte, und obwohl er für diese Tätigkeit gute Voraussetzungen mitgebracht hatte. Ab 1882 arbeitete Zipper als Lehrer, engagierte sich allerdings gleichzeitig in verschiedenen Redaktionen oder wissenschaftlichen Gesellschaften, war also durchaus in der Lage, neben seinem Brotberuf weiteren Aktivitäten nachzugehen. So war er beim Verlag von Ozjasz und Wilhelm Zu(c)kerkandl in Złoczów als literarischer Leiter der nach dem Vorbild Reclams ausgerichteten Reihe Biblioteka Powszechna tätig, in der zwischen 1890 und 1894 fast 100 Bände mit Werken polnischer und ausländischer Schriftsteller erschienen sind. Für Reclam verfasste er in den Jahren 1898-1922 über 30 Bände der sog. Erläuterungen zu Meisterwerken der deutschen Literatur, wo er auf jeweils etwa 50 Seiten kanonische Werke der deutschen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts vorstellte. Er fühlte sich, wie auch seine Feuilletons und literaturkritisch-germanistischen Arbeiten zeigen, weiterhin der Idee, zwischen den Kulturen zu vermitteln, verpflichtet.[6]

Es gibt leider keinen längeren Text von Zipper über seine Vorstellungen vom Wesen und den Aufgaben der Übersetzung oder über die Rolle des Übersetzers. Im Brief an Kraszewski geht er kurz auf dieses Thema ein (Zipper 1877: 395a–396b). Er finde es, schreibt er 1877, wichtig, selbst ein Dichter zu sein, wenn man Poesie gut übersetzen wolle. Eine Übersetzung ist für ihn ein Neu-Schaffen eines Werkes in einer anderen Sprache – hier fügt er den deutschen Begriff „Nachdichten“ in den ansonsten Polnisch geschriebenen Brief ein; die Übersetzung dürfe aber nicht verraten, dass sie selbst kein Original sei. Er hält es ferner für weitaus schwieriger zu übersetzen, als ein eigenes Werk zu verfassen. Übersetzungen sind für ihn ein wichtiger Teil des literarischen Schaffens eines Volkes, als Vorbild benennt er hierfür die deutsche Literatur. Diese besitze, schreibt Zipper, die Weltliteratur in einem so hohen Maße, wie keine andere. Das Schönste aller Zeiten und Völker habe man übersetzt, und das zum Großteil auf meisterhafte Art und Weise.

Am Rande seiner publizierten Übersetzungen, wie in Vorworten, unterstreicht Zipper u. a., dass es für ihn wichtig sei, die Form des jeweiligen Originals zu bewahren, etwa im Falle von Zaleskis Heiliger Familie. Seine Übersetzung von Ujejskis Choral entspreche sogar in metrischer Hinsicht dem Original und könne wie dieses zu der in Polen populären Melodie gesungen werden. Anlässlich anderer Übersetzungen thematisiert er wiederum die allgemeinen Schwierigkeiten, die die Übersetzung der polnischen Literatur ins Deutsche, vor allem wegen ihres „nationalen Charakters“, begleiten.

Eine relativ umfangreiche Forschungsaufgabe wäre es, die Resonanz und Rezeption von Zippers Übersetzungen in der zeitgenössischen Kritik bzw. seine Wahrnehmung als Übersetzer im damaligen literarischen Feld zu erkunden. In einem Zipper-Porträt von 1908 ist die Rede von „hunderten Rezensionen“ auf Polnisch und Deutsch, in denen seine Übersetzungen besprochen worden sein sollen.[7] Viele Rezeptionsdokumente sind allerdings anlässlich von Jubiläen etc. entstanden, was ihren Charakter und ihre Intention meist deutlich prägt. Ähnlich positiv – aber bis zu einem gewissen Grad ebenso undifferenziert – sind die Rückmeldungen, die er von den von ihm übersetzten Autoren (z. B. Ujejski) erhielt. Eine Erweiterung der Quellenbasis dürfte zu tieferen und verlässlicheren Einblicken in Bezug auf die Qualität und Rezeption von Zippers Übersetzungen in den Augen seiner Zeitgenossen führen, als dies derzeit möglich ist. Ein ebenfalls wichtiges und umfangreicheres Vorhaben wäre es, den Platz und die Rolle, die das Übersetzen im Rahmen der übrigen Tätigkeiten Zippers einnahm, genauer zu beschreiben. Er verfasste nicht nur eigene Werke, insbesondere Gedichte, sondern war auch als Feuilletonist, Literaturkritiker, Redakteur und Herausgeber literarischer Werke, ebenso wie als Autor wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Texte aus dem Bereich deutschsprachiger und polnischer Literatur bzw. der Beziehungen zwischen beiden tätig.

Die bisherige Literatur zu Zipper beschränkt sich auf allgemein-biographische Darstellungen, die versuchen, seine Person und sein Schaffen in ihrer Gesamtheit vorzustellen, ohne dabei Detailfragen, wie z. B. seine Tätigkeit als Übersetzer, Germanist, Literaturkritiker etc., näher ins Auge zu fassen. Neben den dafür notwendigen Recherchen in Bibliotheken und Archiven, wäre schließlich eine systematische Sichtung seines handschriftlichen Nachlasses, der in der Krakauer Jagiellonenbibliothek aufbewahrt wird, notwendig.[8] Dieser enthält zum einen die Manuskripte unveröffentlicht gebliebener Übersetzungen (etwa die der romantischen Dramen Ungöttliche Komödie von Zygmunt Krasiński und Beatrix Cenci von Juliusz Słowacki sowie der Dichtung Witolorauda von Kraszewski), zum anderen findet sich dort seine reiche Korrespondenz mit Autoren, Gelehrten, Verlegern etc. aus Österreich, Deutschland und Polen. Vor allem von ihrer Auswertung ist zu erhoffen, die nationalen (galizisch-polnischen) bzw. internationalen Netzwerke sichtbar machen zu können, in die Zipper (und mit ihm wohl manche seiner Zeitgenossen) als Übersetzer, Schriftsteller oder Literaturvermittler eingebettet war.

(Stand: November 2019)

 


[1] Diese Übersetzung konnte nicht ausfindig gemacht werden, die Angabe folgt Kurtzmann (1881: 15).

[2] Bei einigen dieser Werke handelte es sich um frühere Übersetzungen Zippers, von denen schon die Rede war, andere dürften neu hinzugekommen und daher etwa in den 1880er-Jahren entstanden sein.

[3] Erschienen im Programmheft einer Festvorstellung des allgemeinen österreichischen Apothekervereins im Sommertheater Lemberg, 6. September 1897.

[4] Eine Ausnahme ist die Übersetzung eines Aufsatzes von Antoni Beaupré über das ostpolnische Kulturzentrum Krzemieniec, die 1916 in Wien gedruckt wurde.

[5] Mit diesem Begriff werden Autoren bezeichnet, die aus jenem Teil der Ukraine stammen, der rechts vom Dnepr liegt und der nach der zweiten polnischen Teilung zu Russland kam. Häufig sind in ihren Werken „ukrainische Themen“ wie die Steppe, Kosaken etc. anzutreffen.

[6] Der Rückgang seiner publizistischen und übersetzerischen Aktivitäten hat eventuell auch mit einem Augenleiden zu tun, das ihm das Lesen erschwerte und über das er bereits 1877 in dem Brief an Kraszewski klagt. Das war mit 22 Jahren, in einem Nachruf auf ihn wird sogar berichtet, dass er am Ende seines Lebens fast vollständig erblindet gewesen sein soll (vgl. Rollauer 1936: 222).

[7] Der Satz stammt aus einem bibliographisch nicht näher bezeichneten Porträt von Zipper, gedruckt um 1908 im galizischen Złoczów, wobei es nicht ausgeschlossen ist, dass er es selbst verfasste. Es ist online zugänglich auf der Homepage der polnischen Nationalbibliothek: https://polona.pl/item/dr-albert-zipper,NzM5MTg0OTc/ (17.7.2019).

[8] Einen ersten Schritt stellt der informative Aufsatz von Barbara Widawska (2011) dar.

 

Literatur:

Kurtzmann, Louis Karl (1881): Die polnische Literatur in Deutschland. Posen: Żapański.

Rollauer, Jakób (1936): Z żałobnej karty. Ś. p. Dr. Albert Zipper. In: Przegląd Pedagogiczny Bd. LV/1936, Nr. 13, S. 222.

Widawska, Barbara (2011): Informationstransfer in den deutsch-polnischen Korrespondenznetzwerken der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Zum Briefwerk von Albert Zipper (1855–1936). In: Kątny, Andrzej / Lukas, Katarzyna (Hg.): Sprach- und Kulturkontakte aus interkultureller Sicht. Wydawnictwo Uniwersytetu Gdańskiego: Gdańsk, S. 128–142.

Zipper, Albert (1877): Brief an Józef Ignacy Kraszewski vom 17. September 1877 [polnisch]. In: Hs. Biblioteka Jagiellońska, Kraków, Sign. 6545 IV (=Korespondencja Józefa Ignacego Kraszewskiego, Bd. 85), S. 391a–398 b (zugl. Mikrofilm Biblioteka Narodowa Warszawa 9741).

Zipper, Albert (1927): Z powodu trzydziestej rocznicy zgonu Kornela Ujejskiego (umarł 19. września 1897). In: Wiek Nowy XXVII/1927, Nr. 7871, S. 2–4.

 

Bibliographie

Zur detaillierten Bibliographie

Diese Bibliographie befinden sich noch im Aufbau.

Übersetzungen (Buchform)