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Alfred Otto SCHWEDE, 1915–1987

Alfred Otto Schwede war mit 60 Übersetzungen der produktivste Übersetzer aus den nordeuropäischen Sprachen im Literaturbetrieb der DDR. Neben seiner Tätigkeit als Übersetzer aus dem Schwedischen, Dänischen, Norwegischen und Finnischen trat er auch als überaus produktiver Autor von religiöser Literatur und von Reiseliteratur hervor, was ihm den Titel „Hausautor der Evangelischen Verlagsanstalt“ – so sein langjähriger Lektor Jörg Hildebrandt – einbrachte. Seine zumeist historisch biographischen Romane umkreisen fast ausschließlich berühmte Persönlichkeiten des religiösen Lebens aus Skandinavien. Solche klaren thematischen Vorlieben prägen sein translatorisches Œuvre nicht, dieses zeichnet sich vielmehr durch ein breites Spektrum aus, wobei Schwede fast nur Prosaformen übersetzte. Neben Kriminalromanen, finden sich Klassiker, zeitgenössische Texte, religiöse Literatur, Reiseschilderungen, aber auch philosophische Schwergewichte wie Søren Kierkegaards Philosophische Brocken.

Schwede wurde am 16. April 1915 als Sohn eines Korbmachers in Haynsburg (Sachsen) geboren und auf den Namen Otto getauft. Er durchlief die Oberschule in Zeitz und nahm 1935 das Studium der Evangelischen Theologie in Leipzig auf. Parallel dazu studierte er Nordische Philologie und hielt sich mehrfach für längere Zeit in Schweden auf. In späteren Interviews erwähnte Schwede, er habe sich 1939 zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in Schweden aufgehalten und versucht zu emigrieren, was die Forschung bisher weder bestätigen noch entkräften konnte. Auf Grund seiner Sprachkenntnisse wurde Schwede zu einem Dolmetscherbataillon eingezogen (Heeres-Nachrichten-Schule Halle/Saale) und war von August bis Oktober 1940 als Funker und Dolmetscher in Norwegen stationiert. Auf Grund einer Verletzung wurde er aus Norwegen abgezogen und im Januar 1941 dem Stabsquartier OKW in Berlin zugewiesen. Dort tat er bis 1945 Dienst bei der Dechiffrierabteilung OKW/CHI. Neben Mathematikern benötigten die ENIGMA-Spezialisten auch zahlreiche Fremdsprachenexperten.

Aus amerikanischer Gefangenschaft entlassen wurde er 1947 zum evangelischen Pfarrer ordiniert und betreute bis 1961 Gemeinden in seinem Geburtsort Haynsburg (1947–1951), in Uthleben (1951–1956) und Brandenburg Görden (1956–1961). Auf Grund der anhaltenden schriftstellerischen Erfolge quittierte er 1961 den Pfarrdienst und versorgte sich und seine Familie darauf als freiberuflicher Autor und Übersetzer. Während er als Schriftsteller eher bei religiösen Nischenverlagen (EVA, Union-Verlag) reüssierte, wurde er als Übersetzer zu einer festen Größe bei leitenden Verlagen der DDR, besonders Verlag Volk & Welt, VEB Hinstorff Verlag oder VEB Brockhaus. So war Schwede mitten im Geschehen und doch gleichzeitig ein Außenseiter, was sich in seiner späten Mitgliedschaft im Schriftstellerverband der DDR, dem auch die Übersetzer angegliedert waren, widerspiegelt. Er wurde erst 1976 aufgenommen und erwähnt in seinem Antrag eine frühere Ablehnung aus dem Jahr 1960. Die Mitgliedschaft im Schriftstellerverband brachte einige Privilegien mit sich, besonders in Bezug auf Auslandsreisen. Schwede reiste gerne und viel nach Skandinavien und benutzte die Aufenthalte, sowohl zur Materialsuche als auch zu ergiebiger Netzwerkpflege. Diese Kontakte waren ihm dann wiederum dabei behilflich, Einladungen zu z.B. Konferenzen zu erhalten, um die notwendigen Reisegenehmigungen bei den Behörden der DDR zu erwirken. Nach jetzigem Kenntnisstand hat Schwede sich seine Reisefreiheit nicht durch Kompromisse mit dem Staat erkauft. Sein Verhältnis zur DDR war zwiespältig. Auf der einen Seite fühlte er sich als bekennender Christ vom Staat benachteiligt, auf der anderen Seite war er sich bewusst, dass sein literarischer Erfolg an die besonderen Bedingungen des ostdeutschen Literaturbetriebs geknüpft war. Während er mit über 1,2 Millionen verkauften Büchern überaus populär bei den Lesern war, wurde er erst spät von staatlichen Stellen und dann für seine Übersetzertätigkeit ausgezeichnet: 1978 erhielt er den Theodor-Fontane-Preis des Bezirkes Potsdam und 1985 die Kalevala-Medaille.

Am 7. August 1987 starb Schwede 72jährig an einem Krebsleiden in Hohen Neuendorf bei Berlin.

Im umfangreichen translatorischen Werk lassen sich bei aller Vielfalt einige Schwerpunkte ausmachen. Schwede debütierte 1954 als Übersetzer von Artur Lundkvists Indiabrand, einer Reiseschilderung über Indien bei VEB Brockhaus, der bis 1962 vier weitere Titel dieses Autors im selben Verlag folgen sollten. Mit insgesamt sechs Titeln prägte die Übertragung von Reiseliteratur die Frühphase seiner Übersetzertätigkeit bis 1963. Von 1971–1977 können vier weitere länderkundliche Bücher vermerkt werden, darunter drei des Schweden Bengt Sjögren – auch diese sind bei VEB Brockhaus erschienen. Neben diesem Schwerpunkt bildet die Übertragung religiöser Belletristik die zweite Konstante der Anfangsjahre. Im schwedischen Autor und Pfarrer Axel Hambræus fand Schwede sein nördliches Pendant und übersetzte fünf seiner Romane (1960, 1962, 1963, 1971, 1976). Ab Mitte der 60er Jahre erweiterte sich dann Schwedes Arbeitsbereich immer stärker und er etablierte sich als der wichtigste Prosa-Übersetzer skandinavischer Belletristik in der DDR. Hierbei ist besonders Sara Lidman zu erwähnen, deren fester Übersetzer er wurde. Durch diese feste Arbeitsbeziehung lässt sich auch die einzige Übersetzung eines dramatischen Textes – Sara Lidmans Marta, Marta[1] erklären. Dabei ist auffällig, dass Lidmans stark politisch engagierte Gegenwartstexte z.B. zum Vietnamkrieg thematisch eher zur Ausnahme als zur Regel in Schwedes übersetzerischem Gesamtwerk gehören. Schwede übersetzte zwar sowohl Klassiker (z.B. Bjørnstjerne Bjørnson oder Steen Stensen Blicher) als auch zeitgenössische Autoren, aber in dieser Gruppe kann eine höhere Frequenz an historischen Romanen beobachtet werden. Auch in Verlagsgutachten favorisierte Schwede „Literatur mit Patina“ und war skeptisch gegen die moderne skandinavische Literatur, die er als zu freizügig einschätzte.

Doch das Gesamtbild hat recht viele Nuancen, was seine nach Selbstaussagen wichtigste Übersetzung eindrücklich belegt. Zum einen da diese Übertragung aus einer für Schwede marginalen Sprache stammt und da sie sich mit dem in der DDR äußerst brisanten Thema – Kampfhandlungen mit der Roten Armee während des Zweiten Weltkriegs – auseinandersetzt. Väinö Linnas Unbekannter Soldat ist nach der Erstpublikation 1954 zu dem modernen finnischen Nationalepos geworden und schildert ungeschminkt die Erfahrungen einfacher Soldaten im sogenannten Fortsetzungskrieg von 1941, also dem Überfall finnischer Truppen auf die Sowjetunion und damit die Waffenbruderschaft mit Hitler-Deutschland. Die Übersetzung musste sich nicht nur mit diesen inhaltlichen Untiefen auseinandersetzen, sondern auch von einer westdeutschen Übertragung abgrenzen, die nach ihrer Publikation 1955 für einen kleineren Eklat gesorgt hatte. Kreuze in Karelien – so der reißerische Titel des Kiepenheuer & Witsch Verlages – konnte anhand von identischen Auslassungen als Relais-Übersetzung aus dem Schwedischen ‚entlarvt‘ werden und wurde zudem der ideologischen Verzeichnung der sowjetischen Seite geziehen. Der Verlag Volk & Welt gab deshalb bei Schwede eine vollständige Neuübersetzung in Auftrag, die dieser als sein Opus Magnum ansah: „Mühselig habe ich dieses Werk der Weltliteratur ins Deutsche übertragen, nicht mehr als etwa drei Seiten gelangen mir am Tag. Ich vermochte nur durchzuhalten, weil Linna, der Arbeiter aus Tampere, verwandte Saiten in mir aufklingen ließ: Die Verurteilung des Krieges“ (Schwede 1975: 163). Er bezeichnete sich folgerichtig als „[…] Übersetzer, Fährmann, Brückenbauer“ (Schwede 1975: 162), der sein Mandat in seinem christlichen Glauben verankert sah. Den Vorwurf, ein translatorischer ‚Allesfresser‘ zu sein, hat er trotz seiner Vielseitigkeit entschieden zurückgewiesen: „Ein Opus, das den christlichen Glauben verächtlich macht, würde ich nicht übersetzen. Desgleichen lehne ich die hart an die Pornographie heranreichenden Skandinavier ab“ (Wirth 1977: 296).

Neben den belletristischen Übersetzungen finden sich jedoch auch Sach- und Fachbücher besonders zu theologischen Themen oder angrenzenden Gebieten. Neben der Übersetzung von Linnas Unbekannter Soldat veranschlagte Schwede die Übersetzung von Søren Kierkegaards Philosophische Brocken und der dazugehörenden Abschließende unwissenschaftliche Nachschrift zu den Philosophischen Brocken als den Kraftakt der 80er Jahre. Diese knapp 1000-Seiten umfassende Übersetzung, die im Union Verlag erscheinen sollte, hatte bereits eine Druckgenehmigung erhalten, wurde aber in letzter Instanz von Klaus Höpcke (dem Leiter der Zensurbehörde, zudem stellvertretender Kulturminister) mit folgender Begründung gestoppt: „Kierkegaard ist heute in der bürgerlichen Welt ein Toter, weil der Existenzialismus tot ist. Warum muß der Sozialismus diese Leiche exhumieren?“ (Höpcke zitiert nach Perlet 1993: 46). Schwede verstarb über dem Vorgang und die Übersetzung ist verschollen.

Es finden sich nur wenige Aussagen Alfred Otto Schwedes zu seiner poetologischen Praxis des Übersetzens und Schreibens und er betont in allen Interviews seine Verankerung im christlichen Glauben: „In erster Linie möchte ich Freude schenken, Freude auch für die Alten und die Menschen im Krankenbett. Sie sehe ich beim Schreiben vor mir. Erst in zweiter Linie will ich in anschaulicher Weise Wissen vermitteln“ (Hasse 1980: 6). Seine praktische Arbeit beschreibt Schwede dann äußerst verkürzt und lapidar: „Gründliche Lektüre des zu übersetzenden Titels, Einstimmen auf Stil und Sprache des Autors, Rohübersetzung, Vergleich und Korrektur. Reinschrift fertig“ (Wirth 1977: 296). Wurde von Seiten der Journalisten nachgehakt, wurden die Aussagen nur geringfügig substanzieller: „Auf alle Fälle ist es die Freude am Umsetzen des Gelesenen in die deutsche Sprache. Das Spielen mit dem Wort, dem Ausdruck. Und die Freude daran, immer wieder neue Einzelheiten und Feinheiten zu entdecken, die einem beim ersten Lesen gar nicht bewußt geworden sind“ (Hennig 1979: o. P.). Diese Selbstzuschreibungen können von zwei Seiten ergänzt werden. Zum einen wird er von Akteuren der Verlagsseite als absolut termintreu bezeichnet, was dazu beigetragen haben dürfte, seine Position als führender Übersetzer aus den skandinavischen Sprachen zu untermauern (Hennig 1979: o. P.).[2] Zum anderen finden sich in seinen Prosatexten immer wieder Figuren, die entweder Übersetzer sind, oder mit Problemen des Sprach- und Kulturtransfers zu kämpfen haben. Hierbei werden häufig auch Machtfragen thematisiert, wodurch sich Schwedes Texte postkolonialen Fragestellungen annähern. Hierbei sei besonders auf die Kurzgeschichte „Johannes und der Jäger“ aus dem Erzählungsband Kinder eines Vaters (1955) und den Roman Der Bruder des Auserwählten (1981) verwiesen. In ersterem soll ein zweisprachiger Theologiestudent, der als Wehrmachtssoldat in Norwegen stationiert ist, sein Können ausnutzen und norwegische Glaubensbrüder für die Gestapo ausspionieren. Dieses Dilemma wird wunderbarerweise durch eine Verletzung und darauffolgende Versetzung nach Deutschland gelöst.

Der barocke Untertitel des Romans Der Bruder des Auserwählten verdeutlicht, dass dieses Dilemma Schwede in seiner ganzen Schaffenszeit beschäftigte: Der Roman des Rentierlappen Lars Jacobsen Haetta aus Kautokeino im norwegischen Finnmarken, der nach schwerer Schuld und Sühne seinem Volk die Bibel übersetzte. Lars Hætta übersetzte als erster sowohl das Alte als auch das Neue Testament, später auch die Apokryphen ins Nordsamische. Als 18-jähriger hatte er 1852 am sogenannten Kautokeino-Aufstand teilgenommen, bei dem Repräsentanten des norwegischen Staates getötet wurden, weswegen einige der Aufrührer, darunter Lars und sein Bruder Aslak, zum Tode verurteilt wurden. Er wurde aufgrund seines jungen Alters begnadigt und die Strafe in lebenslängliche Haft umgewandelt. In seiner Rückschau erkennt er, dass sowohl die unzulängliche und bruchstückhafte Bibelübersetzung von Nils Stockfleth (1787–1866) als auch die selektive Übersetzung (Interpretation) der Samen in ihren Kontext zur Befeuerung des Konfliktes beigetragen haben. Der biographische Kern, sowie die Konstanz des Motives des ‚Übersetzers als Werkzeug der Mächtigen‘[3] legen es nahe, Schwedes Selbstverständnis in diesem Spannungsfeld zu verorten.

Die wenigen bisher vorliegenden Detailanalysen (Hygrell 1997 und Jager 2019) deuten darauf hin, dass Schwede dem Ausgangstext einen Vorrang einräumt und daher seine translatorischen Entscheidungen von Treue gegen diesen geprägt sind. Allerdings muss er sich dem Kriterium der Lesbarkeit sehr wohl bewusst gewesen sein, sonst wäre seine translatorische Karriere in der DDR weniger erfolgreich ausgefallen. Es drängt sich zudem die Hypothese auf, dass seine Herangehensweise von konservativen Traditionslinien der Bibelübersetzung geprägt ist. Wenn hierfür kein schlussgültiger Beweis in seinem Œuvre gefunden werden kann, lässt sich die Tatsache, dass er die Nähe zu den Autoren, die er übersetzte, gesucht hat, dahingehend verstehen. Dem Autor als Urheber des zu übersetzenden Textes wurde großer Raum eingeräumt, wofür zahlreiche in Schwedes Nachlass befindliche Briefe mit Übersetzungsfragen an Autoren und Autorinnen sprechen, besonders an Sara Lidman. Diese sind meistens äußerst konkret und thematisieren keine übergreifenden Fragen zur Textinterpretation oder zur Übersetzungsproblematik. In diesem Sinne versteht Schwede auch seine Besuche bei Autoren auf seinen Reisen nach Skandinavien. Am deutlichsten wird dies anhand seiner Zusammenarbeit mit Karsten Alnæs. 1983 verbrachte Schwede drei Wochen zusammen mit dem Autor auf dessen Hütte in Norwegen, wo Teile der Übersetzung von Wenn Könige fliehen (1985), man könnte fast sagen in Gemeinschaftsproduktion, entstanden.

Insgesamt muss festgehalten werden, dass Alfred Otto Schwedes übersetzerisches Œuvre bisher nur sehr bruchstückhaft beleuchtet worden ist. Dies ist sicherlich dem immensen Umfang seiner Produktion geschuldet und dem mangelnden Interesse der Forschung, sich mit dem translationsrelevanten Literaturbetrieb der DDR auseinanderzusetzen. Es kann daher eine Vielzahl von zukünftigen Forschungsthemen benannt werden: diachrone Betrachtung von Schwedes übersetzerischer Tätigkeit; die Frage, ob textsortenspezifische Eigenheiten in dieser Tätigkeit eine Rolle gespielt haben; die Interaktion zwischen Autoren und Autorinnen und dem Übersetzer; eine präzisere Beschreibung seiner Einbettung in den Literaturbetrieb der DDR und deren spezifische Translationskultur. Nach jetzigem Kenntnisstand scheint z.B. der Einfluss der Zensur auf Schwedes translatorische Entscheidungen gering gewesen zu sein. Die Druckgenehmigung mahnte z.B. Striche in Väinö Linnas Unbekannter Soldat an, die jedoch nicht umgesetzt wurden.

Zur Beantwortung dieser vielfältigen Fragestellungen – insbesondere zur Translationskultur der DDR – kann sowohl auf publiziertes als auch auf unveröffentlichtes Material zurückgegriffen werden. Schwedes Nachlass befindet sich in der Staatsbibliothek zu Berlin und enthält sowohl Korrespondenzen mit Autoren und Verlagen, als auch Übersetzungen – in zum Teil verschiedenen Versionen. Der Nachlass ist bisher noch nicht erschlossen und ist ziemlich unübersichtlich. Auf Grund von Papiermangel hatte Schwede die Rückseiten von alten Übersetzungen, von Manuskripten eigener Texte und von Briefen für neue Übersetzungen und Manuskripte benutzt. Dringend notwendig ist zudem die Kontextualisierung dieser Befunde mit Material aus anderen Archiven. Hierbei ist vor allem an die Überlieferung der HV Verlage und Buchhandel (‚Zensurbehörde‘) und die jeweiligen Verlagsarchive zu denken. An diesem letzten Punkt wird die Quellenlage uneinheitlich, da nicht alle Verlagsarchive der DDR-Verlage überliefert sind. Von seinen wichtigsten Partnern, der Evangelischen Verlagsanstalt[4], dem Verlag Volk & Welt[5] und dem Hinstorff Verlag, ist nur von letzterem das Verlagsarchiv in großem Umfang erhalten geblieben und im Stadtarchiv der Hansestadt Rostock einsehbar.

Aber auch eine biographische Herangehensweise dürfte reizvoll sein. Alfred Otto Schwede hatte seinen vielen skandinavischen Freunden und Kollegen immer verschwiegen, dass er 1940 kurzzeitig als Besatzungssoldat in Norwegen stationiert war. Über seine Zeit beim OKW/Chi hat er selbst seiner Familie gegenüber geschwiegen – ein kleines Enigma in der Nähe der mythischen ENIGMA-Maschine.

(Veröffentlicht: Juni 2021)

 


[1] Schwedische Proteststücke (1972, Volk & Welt). Parallel dazu hat Schwede auch Lyrik von Artur Lundkvist übertragen. Da es sich hierbei insgesamt nur um fünf Gedichte handelt, muss Schwedes Beitrag als Lyrik-Übersetzer als marginal eingestuft werden.

[2] Werner Hennig war zur gleichen Zeit auch als Lektor beim Verlag Volk & Welt tätig und betreute dort zum Beispiel Schwedes Übersetzung von Stig Dagermans Gebranntes Kind.

[3] Siehe dazu auch den Erzählungsband über die Grönlandmission Abenteuer der Hoffnung von 1982, sowie den Pocahontas-Roman Tochter des Pohattan. Eine virginische Romanze aus dem Jahr 1958, der jedoch der Zensur zum Opfer fiel. Das Manuskript befindet sich im Nachlass.

[4] Evangelisches Zentralarchiv Berlin. Bestand 231, Archiv der Evangelischen Verlagsanstalt.

[5] Archiv des Verlages Volk und Welt. Akademie der Künste Berlin.

 

Literatur:

Hasse, Edgar (1980): ‚Wer glücklich ist, will keinen Krieg.‘ Gespräch mit Alfred Otto Schwede und Gustav Erdmann. In: Der Neue Weg vom 24.5.1980, S. 6.

Hennig, Werner (1979): Brückenbauer über die Ostsee – A.O. Schwede. In: Börsenblatt für den Buchhandel Nr.9 /27.2.1979 (unpaginiert).

Hygrell, Dorothea (1997): Att oversätta komik. En undersökning av funktionsförändringar i tyska översättningar av svensk skönlitteratur. Stockholm: Almquist & Wiksell.

Jager, Benedikt (2019): Seehundspeck und Hundeschlitten. Alfred Otto Schwede als Übersetzer des skandinavischen Nordens. Zürich: LIT-Verlag.

Jager, Benedikt (2020): Vom Pfarrhaus ins Verlagshaus. Das translatorische Œuvre des Alfred Otto Schwede (1915–1987). In: Tashinskiy, Aleksey / Boguna, Julija / Kelletat, Andreas F. (Hg.): Übersetzer und Übersetzen in der DDR. Translationshistorische Studien. Berlin: Frank & Timme, S.165–174.

Perlet, Gisela (1993): Kierkegaard in der DDR. Ein Dokument und die Folgen. In: Skandinavistik 23 (1993), S. 43–54.

Schwede, Alfred Otto (1975): „Same Ätnam – mein Elfenbeinturm?“ In: Fahndungen. 22 Autoren über sich selbst. Berlin: Union Verlag, S. 162f.

Wirth, Günter (1977): Brücken nach Skandinavien. A.O. Schwede als Übersetzer – Ein Gespräch Dr. Günter Wirths mit dem Schriftsteller. In: Der Standpunkt Heft 11, 1977, S. 296.

 

Bibliographie

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