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Curt Sigmar GUTKIND, 1896–1940

C. S. Gutkind (Quelle: Univ.-Archiv Heidelberg)
C. S. Gutkind (Quelle: Univ.-Archiv Heidelberg)

Biogramm:

Curt Sigmar Gutkind wurde am 29. September 1896 als Sohn einer „israelitischen“ Arztfamilie in Mannheim geboren. Auf dem Großherzoglichen Karl Friedrichs-Gymnasium, das er als Jahrgangsbester abschloss, lernte er Latein, Griechisch und Französisch. Sein 1914 aufgenommenes Studium wurde 1915 durch den Krieg unterbrochen, der ihn bis November 1918 an die Ost- und Westfront führte. Nach kurzer Tätigkeit als Theater- und Literaturkritiker studierte er ab 1919 in Frankfurt, Heidelberg und Florenz Romanistik (Promotion bei Leonardo Olschki in Heidelberg 1922; Lehramtsprüfung für die Fächer Französisch, Geschichte und Latein). Einige Jahre arbeitete er als Gymnasiallehrer im Badischen, Mitte der 20er Jahre als Deutsch-Lektor an der Universität Florenz. 1928 kehrte er nach Mannheim zurück, wo er an der städtischen Handelshochschule 1929/30 maßgeblich am Aufbau der weltweit ersten modernen Übersetzer- und Dolmetscherausbildungsstätte, dem 1933 an die Universität Heidelberg verschobenen IÜD, beteiligt war. 1933 wurde er von nationalsozialistisch engagierten Studenten und Kollegen ins Exil gedrängt. In England konnte er Mitte der 30er Jahre auf einer Dozentenstelle für Italienisch seine Forschung als kulturwissenschaftlich ausgerichteter Romanist fortsetzen. 1940 jedoch sollte er als „enemy alien“ nach Kanada deportiert werden. Bei der Versenkung des britischen Schiffs Arandora Star durch ein deutsches U-Boot kam Gutkind am 2. Juli 1940 ums Leben.

Neben seinen fachwissenschaftlichen Arbeiten (u. a. zur italienischen Renaissance-Dichtung und zu Molière) hat Gutkind in den 20er Jahren – auch in Zusammenarbeit mit seiner Frau Laura Maria Kutzer-Gutkind – eine Reihe politischer, literarischer sowie kulturgeschichtlich bedeutsamer Texte aus dem Französischen und Italienischen, besonders der Renaissancezeit, übersetzt und in umfangreichen, an ein breiteres Publikum gerichteten Sammelwerken publiziert (u. a. Frauenbriefe aus der italienischen bzw. französischen Renaissance, 1928/29; Das Buch vom Wein, 1927, erarbeitet zusammen mit Karl Wolfskehl und Wilhelm Fraenger; Das Buch der Tafelfreuden, 1929).

In neueren Studien zur deutschen Kultur- bzw. Wissenschaftsemigration wird mit tadelndem Nachdruck auf Gutkinds Herausgeberschaft des Bandes Mussolini und sein Fascismus (1928) verwiesen, auf wenig Interesse ist bisher sein translatorisches Gesamtœuvre gestoßen, das ihn als entdeckerfreudigen, weltliterarisch belesenen Übersetzer sowie virtuosen Nachdichter aus nicht weniger als zehn Sprachen ausweist.

(Stand: September 2016)

Bibliographie

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Die Bibliographie wurde erstellt von Andreas F. Kelletat

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