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Elisabeth Hauptmann, 1897–1973

20. Juni 1897 Peckelsheim (Ostwestfalen) (Deutsches Reich) - 20. April 1973 Berlin (DDR)

Für ihre Tätigkeit als Herausgeberin der Gesammelten Werke von Bertolt Brecht ist Elisabeth Hauptmann in der Brecht-Forschung hoch anerkannt. Vernachlässigt wird gelegentlich jedoch ihre Rolle als Übersetzerin, die Brecht mit ihren Übersetzungen neue Stoffe und Dramentraditionen erschloss. Sie war es, die u.a. die Beggar’s Opera übersetzte, aus der später die Dreigroschenoper wurde – der größte deutsche Theatererfolg der 1920er Jahre.

Elisabeth Hauptmann wurde am 10. Juni 1897 im ostwestfälischen Peckelsheim geboren. Ihre Mutter war zweisprachig in Brooklyn aufgewachsen und sollte eigentlich Pianistin werden, ihr deutscher Vater war Arzt. Elisabeth und ihre zwei Geschwister lernten Englisch und Französisch, erhielten Klavierunterricht und verbrachten die Sommerferien auf der Isle of Wight. Im Alter von 15 Jahren zog Elisabeth Hauptmann zur Lehramtsausbildung nach Droyßig im heutigen Sachsen-Anhalt und unterrichtete danach vier Jahre als Hauslehrerin auf einem Gut in der Nähe der deutsch-polnischen Grenze.

1922 zog sie nach Berlin. Da ihr Vater sich weigerte, für das Studium zu zahlen, arbeitete sie als Sekretärin und Übersetzerin und brach das Studium bald ab, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Über eine Freundin lernte sie 1924 Bertolt Brecht kennen, der von ihren Sprachkenntnissen, ihren Kenntnissen der angloamerikanischen Literatur sowie ihren dramaturgischen Einfällen beeindruckt war. Da Brecht sich selbst keine Mitarbeiterin leisten konnte, überredete er seinen Verleger Kiepenheuer, Hauptmann als Lektorin einzustellen und für ihn arbeiten zu lassen. Fortan übertrug sie die häufig im Kollektiv erstellten Texte in Typoskripte, gab aber auch stilistische Anregungen und machte dramaturgische Vorschläge. Neben dieser Tätigkeit und nach Auslaufen ihres Vertrags übersetzte Hauptmann weiter, um Geld zu verdienen. Laut James K. Lyon übertrug Hauptmann zwischen 1925 und 1927 „mindestens sechs [Kipling-]Balladen, die Brecht noch nicht bekannt waren“ (Lyon 1976: 65). Für das Stück Jae Fleischhacker fasste sie einen Teil der Handlung von Frank Norris‘ Epos The Pit. A Story of Chicago (1903) in einem Exzerpt zusammen, das zu einer wichtigen Quelle wurde. Sie las für Brecht regelmäßig englische Zeitungen und übersetzte entscheidende Ausdrücke oder Texte, seien es Songs oder Reportagen. Ihre sehr aufreibende Tätigkeit für Brecht empfand Elisabeth Hauptmann dabei keineswegs als Ausbeutung, sondern als „große[n] Spaß“ (Hauptmann 2004: 25): Für sie waren seine Ratschläge und die Durchsicht ihrer Manuskripte in sprachlicher und dramaturgischer Hinsicht sehr hilfreich und sie war dankbar für den Austausch. Ihr war es gleichgültig, unter welchem Namen das fertige Werk erschien.

1926 erfuhr Elisabeth Hauptmann aus der Presse über den Erfolg des wiederentdeckten Theaterstücks The Beggar’s Opera (1728) von John Gay in England. Ende 1927 schickten ihr Freunde aus England ein Exemplar des Stücks, das ihr wegen seiner satirischen Bissigkeit und Sympathien für die Armen in London sogleich gefiel. Ohne konkreten Anlass übersetzte sie es ins Deutsche. Brecht zeigte zwar Interesse am Stoff, war jedoch mit anderen Arbeiten beschäftigt. Erst als der neue Direktor des Berliner Theaters am Schiffbauerdamm ein Stück für die Eröffnung suchte, erwähnte Brecht die Beggar’s Opera, für die sich der Direktor entschied. Brecht bearbeitete daraufhin Hauptmanns Rohübersetzung, nahm zahlreiche Streichungen vor und fügte zusammen mit Kurt Weill verfasste Lieder hinzu. Aus der Dreigroschenoper wurde ein Welterfolg. 80% des Textes beruhen laut Fuegi auf Hauptmanns Übersetzung. Während Brecht 62,5% und Kurt Weill 25% der Tantiemen erhielten, bekam Hauptmann jedoch nur 12,5% (Fuegi: 1997: 276). Immerhin wurde sie auf dem ersten Bühnenzettel der Dreigroschenoper als Übersetzerin genannt. Später zog sie selbst ihren Namen zurück (Kebir 2006: 262).

Im Herbst 1928 brachte man Hauptmann ein Exemplar von Arthur Waleys The Nō Plays of Japan aus England mit, dessen Lektüre Hauptmann überwältigte. Der Sinologe und Japanologe Arthur Waley präsentierte darin aus dem Japanischen ins Englische übersetzte und bearbeitete japanische Nō-Stücke. Hauptmann begann sofort, einige der Stücke auf der Grundlage der englischen Übersetzung ins Deutsche zu übersetzen: „Meine Übersetzungen waren nicht für eine Veröffentlichung gedacht. Ich bin gegen das Übertragen über eine dritte Sprache; […] Ich machte die Arbeit aus reinem Spaß, vor allem, um mit einigen Freunden besser über diese hochinteressanten Dinge sprechen zu können“ (Hauptmann 1977: 176). Eine ihrer Übersetzungen, das Stück Taniko oder Der Wurf ins Tal, erschien im Dezember 1929 in der Essener Zeitschrift Der Scheinwerfer. Kurt Weill, dem Hauptmann das Stück gezeigt hatte, schlug es Brecht für eine Schuloper vor. Brecht bearbeitete daraufhin Hauptmanns Fassung und Weill begann mit der Vertonung. Im Juli 1930 wurde Der Jasager uraufgeführt. Als Übersetzerin genannt ist Elisabeth Hauptmann allerdings nicht – sie habe es selbst vergessen, ihren Namen „da mit drunter zu nennen“ (Kebir 2006, 152). Ihre Entdeckung gab Brecht gleichwohl entscheidende Impulse für seine Lehrstücke.

Ende der 1920er Jahre veröffentlichte Hauptmann zahlreiche nicht erhaltene Hörspiele fürs Radio und übersetzte und bearbeitete das Stück Harte Bandagen (Don’t bet on fights) von Ferdinand Reyher, einem Freund Brechts, das Silvester 1929 im Deutschen Staatstheater aufgeführt wurde. Auf Anregung von Brecht schrieb sie 1929 unter dem Pseudonym Dorothy Lane das Stück Happy End, für das sie Material über den Weizenmarkt von ihren Verwandten aus den USA nutzte (ihre Schwester war nach St. Louis emigriert). Trotz hochkarätiger Besetzung fiel das Stück beim Publikum jedoch durch und Brecht, Hauptmann und Weill konnten nicht an den Erfolg der Dreigroschenoper anknüpfen.

1929 trat sie in die Kommunistische Partei ein. Sie unternahm in diesem Jahr auch einen Selbstmordversuch, der in Zusammenhang mit Brechts Heirat mit Helene Weigel im April 1929 gestanden haben dürfte. Hauptmann und Brecht verband – zumindest von 1924 bis 1929, möglicherweise bis 1935 – eine erotische Beziehung, wobei Brecht nie monogam lebte. Dennoch traf seine Heirat mit Helene Weigel die zuverlässige Elisabeth Hauptmann schwer. Am 14. März 1931 heiratete sie – möglicherweise als Reaktion darauf – den Redakteur Fritz Hacke, ließ sich aber schon im März 1932 von ihm scheiden, da Hacke ein Verhältnis mit einer Freundin von ihr begann.

Anfang 1930 übersetzte Elisabeth Hauptmann das Stück Ho-Han-Chan, ou La tunique confrontée (1839) aus einem französischen Sammelband zum chinesischen Theater. Sie gab ihm den Titel Die zwei Mantelhälften. Brecht bearbeitete den Stoff 1931 in Zusammenarbeit mit Emil Burri und Hauptmann und veröffentlichte ihn 1937 in Heft 9 der Moskauer Zeitschrift Internationale Literatur als Die Ausnahme und die Regel. Aus Waleys Band 170 Chinese Poems übersetzte Elisabeth Hauptmann zudem rund zehn chinesische Gedichte, deren didaktischer Charakter sie interessierte. Sie zeigte sie Brecht und gab so den Anstoß zu dessen Übersetzungen und Bearbeitungen. 1938 veröffentlichte Brecht sechs wörtliche Übersetzungen von Waleys Gedichten in der Moskauer Exilzeitschrift Das Wort; der Name Elisabeth Hauptmann fiel dabei jedoch nicht. Erst 1950 erschien eine überarbeitete, erweiterte und mit Anmerkungen versehene Fassung dieser Gedichte in Band 10 der Versuche, wo Hauptmann als Mitarbeiterin genannt ist. Nach übereinstimmender Meinung der Forschung war Hauptmann von 1925 bis in die frühen 1930er Jahre an allen Stücken Brechts maßgeblich beteiligt, Brecht selbst benannte sie für zehn seiner Theaterstücke als Mitarbeiterin. 1Vgl. Brecht (1988/98 Bd. XXII/2: 933) sowie zahlreiche weitere Nachweise über ihre Mitarbeit an Brechts Texten.

Als Brecht am 28. Februar 1933 mit Helene Weigel nach Prag floh, kümmerte sich Elisabeth Hauptmann um die Rettung seiner Unterlagen, obwohl sie als Kommunistin selbst hochgradig gefährdet war. Sie regelte seine finanziellen und behördlichen Angelegenheiten, stellte seine Manuskripte und Wertsachen sicher und besuchte Brecht und Weigel im Sommer 1933 im dänischen Exil. Im November 1933 wurde sie in Berlin von der Gestapo verhaftet und in einwöchiger Einzelhaft mehrfach verhört. Nach ihrer Freilassung reiste sie umgehend nach Paris, von wo aus sie zu ihrer in St. Louis in den USA lebenden Schwester wollte. Bis Februar 1934 musste sie jedoch in Paris auf ihre Schiffskarte warten und wurde sehr krank. Das Verhältnis zu Brecht hatte sich inzwischen merklich abgekühlt. So schrieb sie ihm Ende 1933/Anfang 1934: „Lassen Sie uns diese Art von Beziehung gänzlich abbrechen, Brecht. […] Unsere Beziehung war etwas karg und unzärtlich und ungeschickt, aber es war die größte Arbeitsfreundschaft, die Sie je haben werden und die ich je haben werde“ (Hauptmann 2004: 98).

In den USA angekommen, wohnte sie zunächst in New York und reiste dann zu ihrer Schwester und ihrem Schwager in St. Louis. Sie wollte sich als Autorin selbständig machen, war allerdings in den USA – im Gegensatz etwa zu Vicky Baum oder Lion Feuchtwanger – völlig unbekannt. Walter Benjamin, mit dem sie von 1933 bis 1935 einen Briefwechsel führte, schlug ihr eine Reihe von Romanen zur Übersetzung vor, doch für Übersetzungen ins Englische reichten ihre Sprachkenntnisse noch nicht aus (Hauptmann 2004: 106, 110).

Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, betreute sie eine psychisch kranke Frau, was sie jedoch selbst in eine psychische Krise stürzte. Im Januar 1935 erhielt sie eine Anstellung als Lehrerin an einem College in St. Louis, später an einer High School und reiste im Herbst 1935 nach New York, um Brecht – auf dessen Einladung hin – bei der Inszenierung seines Stückes Die Mutter zu helfen. Neben ihrer Lehrtätigkeit unterstützte sie ab 1937 Organisationen, die sich für Flüchtlinge aus Deutschland einsetzten. 1940 wurde ihr die amerikanische Staatsbürgerschaft zuerkannt. Gesundheitlich angeschlagen reiste sie in diesem Jahr zur Erholung nach Kalifornien, wo sich viele Schriftsteller und Künstler auf der Flucht vor den Nazis aufhielten: Max Reinhardt, Hanns Eisler, Lion Feuchtwanger, Peter Lorre, Heinrich und Thomas Mann. Hier arbeitete sie zeitweilig mit einer antifaschistischen Studentengruppe zusammen.

1941 gab sie ihre Lehrtätigkeit auf und zog nach New York, wo sie mit Horst Baerensprung zusammenlebte. Der Sozialdemokrat und ehemalige Polizeichef aus Magdeburg wollte seine Memoiren herausbringen, Hauptmann betätigte sich wie so häufig bei Brecht als „Ghostwriterin“. Von 1943 bis 1945 engagierte sie sich als „Executive Secretary“ im „Council for a Democratic Germany“, einer Vereinigung von Vertretern aus Politik, Kultur und Wissenschaft, die Vorschläge für eine demokratische Neugestaltung Deutschlands entwickelten.

Als Baerensprung 1946 zu seiner Ehefrau nach Deutschland zurückging, zog Hauptmann nach Los Angeles, wo sie bis 1948 in der Nähe von Feuchtwanger, Eisler und Brecht lebte. Sie war unter anderem mit der Durchsicht der von Eric Bentley angefertigten amerikanischen Übersetzungen von Brechts Stücken beauftragt, in die sie durchaus selbstherrlich eingriff (Hansen 1994: 114, Fuegi 1997: 662). Daneben schrieb sie 1947 mit Brecht am Filmexposé Der Mantel (nach einer Novelle von Gogol) für Peter Lorre. Im Februar 1948 heiratete sie den Musiker Paul Dessau, der kurz darauf nach Deutschland zurückging, um am Deutschen Theater mit Brecht an der Mutter Courage zu arbeiten. Erst im Februar 1949 traf auch Hauptmann in Berlin ein, wo Dessau bereits mit einer jungen Schauspielerin zusammenlebte. Hauptmann unternahm daraufhin Ende 1950 einen zweiten Selbstmordversuch. Bereits 1949 war sie in die SED eingetreten.

Nach einer vorübergehenden Tätigkeit als Dramaturgin für die DEFA, dem volkseigenen Filmunternehmen der DDR, arbeitete sie ab 1950 am Berliner Ensemble und gab Brechts Versuche für den Suhrkamp Verlag heraus. Das Deutsche Theater unter Wolfgang Langhoff beauftragte sie im Oktober 1950 mit der Übersetzung und Bearbeitung von Friede auf Erden, einem 1933 geschriebenen Anti-Kriegsstück von George Sklar und Albert Waltz (vgl. Hauptmann-Archiv, Mappe 1339). 1950/1951 übersetzte sie außerdem das vielgespielte Stück Tanker Nebraska von Herb Tank. Ab 1954 wirkte sie als feste Dramaturgin am Berliner Ensemble, wo sie erneut mit Brecht sowie mit Benno Besson zusammenarbeitete. Brecht bemühte sich in dieser Zeit am Berliner Ensemble um eine Erweiterung des klassischen Repertoires und um aktualisierende Klassiker-Inszenierungen. Eröffnet wurde das Berliner Ensemble 1954 mit Brechts Bearbeitung des Don Juan von Molière, den Benno Besson und Elisabeth Hauptmann neu übersetzt hatten. In der ersten Hälfte der 1950er Jahre übersetzte und bearbeitete Hauptmann außerdem Shakespeares Two Gentlemen of Verona, Farquhars Pauken und Trompeten, Ben Johnsons Volpone (alle mit Besson) sowie Hirse für die Achte (mit Manfred Wekwerth). Daneben übernahm sie die redaktionelle Durchsicht von Konvoluten, die Brecht ihr gab. Von Heft 10 bis zu Heft 15 lag die Herausgabe der Versuche in ihren Händen. Die Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe der Werke Brechts weist sie als Übersetzerin folgender Stücke aus: Die zwei Mantelhälften, Der Werbeoffizier (Farquhars The Recruiting Officer), The Beggar’s Opera (John Gay), Volpone (Ben Johnson), Harte Bandagen (Reyhers Don’t Bet on Fights) und Taniko oder Der Wurf ins Tal. Die Übergänge zwischen Bearbeitung und Übersetzung waren allerdings fließend, und fertig wurden Brechts Stücke häufig erst auf der Bühne oder änderten sich je nach Einfällen der Mitarbeitenden.

Nach Brechts Tod 1956 verwaltete die für ihre Bescheidenheit und Öffentlichkeitsscheu bekannte Elisabeth Hauptmann zusammen mit Helene Weigel seinen Nachlass und gab die 20-bändige Ausgabe der Gesammelten Werke Brechts (1967) heraus. Sie datierte die Gedichte, ordnete und gruppierte sie zu Zyklen, nahm neue Zeilen in Gedichte auf und stellte die Lyrikbände zusammen. Peter Suhrkamp und verschiedene Kritiker hegten den Verdacht, dass sie dabei im Nachhinein Änderungen vornahm, ohne Belege von Brechts Hand zu haben (Hansen 1994: 132, Kebir 2006: 218). Die von Forschern aus der ganzen Welt häufig aufgesuchte Hauptmann starb am 20. April 1973 an Krebs.

Als Elisabeth Hauptmann sich 1935 von St. Louis aus um eine Anstellung in der Sowjetunion bemühte, unterstützte Brecht ihre Bewerbungen mit folgendem Gutachten:

Die Genossin Elisabeth Hauptmann war ursprünglich als Lehrerin tätig, arbeitete dann als Übersetzerin englischer und französischer Werke, besonders belletristischer Art, bis sie 1922 (soweit ich mich erinnere, war es in diesem Jahr) als Sekretärin zu mir kam. Sie war bald meine beste Mitarbeiterin. Sie besitzt eine außergewöhnliche sprachliche Begabung und hat aktiv und kritisch an allen meinen dramatischen Arbeiten mitgearbeitet, auch selber Novellen geschrieben. Besonders einige Lehrstücke für Schulen interessierten sie, eines davon, das ich zusammen mit ihr verfaßte (Der Jasager), wurde in vielen Schulen des In- und Auslandes aufgeführt. Ihre Übersetzung und Bearbeitung eines amerikanischen Stückes ging im Berliner Staatstheater, ihr eigenes Stück Happy End im Theater am Schiffbauerdamm in Berlin in Szene. Während der letzten fünf Jahre vor der Machtübernahme Hitlers war sie politisch tätig, zuerst durch literarische Arbeiten mit mir zusammen, dann trat sie der KPD bei. Sie hielt sich noch ein ganzes Jahr nach Hitlers Machtübernahme in Berlin, wo sie immerfort politisch tätig war. Sie hatte über zwanzig Haussuchungen und wurde dann verhaftet. Es gelang ihr, nach einigen Tagen freizukommen, da man keine Beweise gegen sie hatte. Durch eine Abreise nach Paris entging sie einer zweiten Haft. Sie lebt jetzt bei ihrer Schwester in St. Louis und arbeitet dort wieder als Lehrerin. Sie ist einer der verläßlichsten und tüchtigsten Menschen, die ich kenne. (Brecht 1988/1998, Bd. XXII/1: 149; vgl. Kebir 2006: 180/181)

Anmerkungen

  • 1
    Vgl. Brecht (1988/98 Bd. XXII/2: 933) sowie zahlreiche weitere Nachweise über ihre Mitarbeit an Brechts Texten.

Literatur

Barth, Florian (2018): Zwischen Elisabeth Hauptmann und Bertolt Brecht: Stilometrische Studien einer Zusammenarbeit. In: Willand, Marcus / Bernhart, Toni / Richter, Sandra / Albrecht, Andrea (Hg.). Quantitative Ansätze in den Literatur- und Geisteswissenschaften, Berlin, Boston: de Gruyter, S. 95–120.
Brecht, Bertolt (1988/1998): Werke. Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. 30 Bände (in 32 Teilbänden) Hg. von Werner Hecht, Jan Knopf, Werner Mittenzwei, Klaus-Detlef Müller. Berlin und Weimar / Frankfurt/M.: Aufbau-Verlag / Suhrkamp Verlag.
Brecht, Bertolt (2000): Werke. Große kommentierte Berliner und Frankfurter Ausgabe. Registerband. Hg. von Werner Hecht, Jan Knopf, Werner Mittenzwei, Klaus-Detlef Müller. Berlin und Weimar / Frankfurt/M.: Aufbau-Verlag / Suhrkamp Verlag.
Bühren, Georg / Gödden, Walter (Hg.), Landwehr, Claudia (Red.) (2004): „Ganz im Ernst, so war es!“ Elisabeth Hauptmann – Schriftstellerin, Mitarbeiterin und Geliebte Brechts. Ein O-Ton-Feature. Audio-CD. (Reihe Tonzeugnisse zur westfälischen Literatur). Münster: Ardey-Verlag.
Fuegi, John (1997): Brecht & Co.: Biographie [für Elisabeth Hauptmann zum 100. Geburtstag am 20. Juni 1997]. Autorisierte, erweiterte und berichtigte deutsche Fassung. Hamburg: Europäische Verlags-Anstalt.
Hanssen, Paula (1994): Elisabeth Hauptmann. Brecht‘s silent collaborator. Bern: Lang.
Hauptmann, Elisabeth (1977): Julia ohne Romeo. Geschichten, Stücke, Aufsätze, Erinnerungen. Hg. Rosemarie Eggert und Rosemarie Hill. Berlin, Weimar: Aufbau.
Hauptmann 2004 = Elisabeth-Hauptmann-Lesebuch. Zusammengestellt und mit einem Nachwort versehen von Walter Gödden unter Mitarbeit von Inge Krupp. Köln: Nyland Stiftung.
Horst, Astrid (1992): Prima inter pares: Elisabeth Hauptmann; die Mitarbeiterin Bertolt Brechts. Königshausen & Neumann.
Kebir, Sabine (2006): Ich fragte nicht nach meinem Anteil. Elisabeth Hauptmanns Arbeit mit Bertolt Brecht. 2. Auflage. Berlin: Aufbau.
Knopf, Jan (Hg.) (2001): Brecht-Handbuch. 5 Bände. Stuttgart: J.B. Metzler.
Lyon, James K. (1976): Bertolt Brecht und Rudyard Kipling. Frankfurt/M.: Suhrkamp.
Mund, Karlheinz (Regie) (1972): Die Mit-Arbeiterin. Gespräche mit Elisabeth Hauptmann. TV-Dokumentarfilm. Potsdam-Babelsberg: DEFA-Studio für Kurzfilme 1972.
Willett, John (1983): Bacon ohne Shakespeare? – The Problem of Mitarbeit. In: Brecht-Jahrbuch 12, S. 121–137.

Zitierweise

Kotte, Claudia: Elisabeth Hauptmann, 1897–1973. In: Germersheimer Übersetzerlexikon UeLEX (online), 11. Oktober 2022.