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	<title>Griechenland &#8211; UeLEX</title>
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	<description>Germersheimer Übersetzerlexikon</description>
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		<title>Ebener, Dietrich</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/ebener-dietrich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 19:26:46 +0000</pubDate>
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		<title>Blümlein, Gerhard</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/bluemlein-gerhard/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sbaumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 14 Jan 2024 18:47:46 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Der 1942 im Hessischen geborene Gerhard Blümlein hat den größten Teil seines Lebens in Griechenland verbracht. Sein Griechisch war so gut wie muttersprachlich. In Frankfurt am Main und in Thessaloniki studierte er Klassische Philologie und Politische Wissenschaften. 1970 wurde er in Frankfurt mit der Arbeit Die Trugreden des Odysseus promoviert. Anschließend war er in unterschiedlichen [&#8230;]]]></description>
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<p>Der 1942 im Hessischen geborene Gerhard Blümlein hat den größten Teil seines Lebens in Griechenland verbracht. Sein Griechisch war so gut wie muttersprachlich. In Frankfurt am Main und in Thessaloniki studierte er Klassische Philologie und Politische Wissenschaften. 1970 wurde er in Frankfurt mit der Arbeit <em>Die Trugreden des Odysseus</em> promoviert. Anschließend war er in unterschiedlichen Funktionen in Deutschland, Griechenland und auf Zypern für das Goethe-Institut tätig, von 1994 bis 2005 ständig in Athen.</p>



<p>Erstmals 1965, noch während des Studiums in Thessaloniki, übersetzte er einen Essay über moderne griechische Kunst des Architekturhistorikers und späteren PASOK-Ministers Dimitrios Fatouros. Es folgten in den 1970er Jahren hauptsächlich Übertragungen von Sachtexten für die Staatliche Touristenorganisation EOT sowie  in Griechenland und auf Zypern veröffentlichte Museumseditionen, ab den 90er Jahren dann Sachtexte für die Griechische Kulturstiftung, das Nationale Buchzentrum und die Hellenische Parlamentsstiftung. Die Wende zu anspruchsvollen literarischen Texten fand ihren Ausdruck in der  2001 unter dem Titel <em>Die Kiste</em> publizierten deutschen Version des 1975 in Athen erschienenen dystopischen Bürgerkriegsromans <em>Το Κιβώτιο </em>von Aris Alexandrou, längst ein Klassiker. Zuvor hatte er sich im Auftrag des Suhrkamp/Insel-Verlags mit der Übertragung des dritten Bandes <em>Fledermaus </em>der Trilogie <em>Steuerlose Städte</em> befasst. Dessen Veröffentlichung scheiterte jedoch an lizenzrechtlichen Komplikationen.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="2"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup2">2</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="2">Bereits in den 1980er Jahren hatte Gisela von der Trenck an einer Übersetzung der ersten beiden Bände gearbeitet. Die Publikation scheiterte jedoch an Unstimmigkeiten mit dem Verleger, so zu entnehmen der Korrespondenz mit Albrecht Knaus. Auch misslang der Versuch des Insel/Suhrkamp-Verlags, die Rechte an Trencks Übersetzung einzuholen.</span></p>



<p>Ab 2001 lehrte er am Athener &nbsp;Europäischen Zentrum für Literaturübersetzen (EKEMEL). Für die <em>Manesse-Bibliothek der Weltliteratur</em> machte er in Zusammenarbeit mit seiner EKEMEL-Studentin Sigrid Willer 2008 einen weiteren griechischen Klassiker auf Deutsch zugänglich: die satirischen Erzählungen <em>Der Ehemann erfährtʼs zuletzt</em> von Emmanouil Roidis.</p>



<p>Wieder im Kunstmann-Verlag erschien 2012 seine Übertragung der melancholischen Spötteleien von Nikos Dimou unter dem Titel <em>Über das Unglück, ein Grieche zu sein </em>von 1975 – unabweisbar ein Buchprojekt, das am Griechenland-Bashing der damaligen Finanzkrise andockte. Der in Athen wöchentlich erscheinenden deutschsprachigen <em>Griechenland Zeitung</em> war Blümlein seit deren Gründung 2005 als&nbsp;Verfasser sprachgeschichtlicher Glossen („Sprachrohr“) verbunden. Im Verlagsprogramm der Zeitung erschien 2016 seine Übersetzung eines im Original 1933 veröffentlichten Romans von M. Karagatsis: <em>Oberst Ljapkin – ein russischer Flüchtling in Griechenland</em>.</p>



<p>Ab 2015 kooperierte Blümlein mit dem neu &nbsp;gegründeten Berliner Centrum Modernes Griechenland und dessen <em>edition romiosini</em>. In kostenfreiem Onlinezugang sowie &nbsp;Book-on-Demand-Ausgaben wurde dort in Blümleins neuer Übersetzung der drei Bände umfassende Roman <em>Steuerlose Städte</em> (<em>Ακυβέρνητες</em> <em>Πολιτείες</em>) von Stratis Tsirkas veröffentlicht. Die Initiative &nbsp;der Berliner Neogräzisten wurde in einer Besprechung der <em>Neuen Zürcher Zeitung 2017 </em>ausdrücklich &nbsp;gelobt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Gleich mit der ersten Veröffentlichung ist den Wissenschaftern vom Centrum Modernes Griechenland ein Coup gelungen. Die Trilogie „Steuerlose Städte“ (auch: Unregierbare Städte), 1961 bis 1965 erschienen, wurde in Frankreich 1971 als bestes ausländisches Buch ausgezeichnet, 1974 publizierte der angesehene Verlag Alfred A. Knopf eine Ausgabe in den USA. Ein deutscher Verlag scheute die Publikation jahrelang, blockierte aber die Rechte. […] Die Trilogie ist spannend und leicht zu lesen für den, der nicht sofort alles verstehen will und sich ihr anvertraut. Tsirkas hat, so sagt es der Literaturwissenschafter Milton Pechlivanos vom Centrum Modernes Griechenland, auf eigene Faust die literarische Moderne, die erzähltechnischen Errungenschaften von Joyce, Virginia Woolf und Marcel Proust, in Griechenland eingeführt. […] Im Vorwort stellt Joachim Sartorius die <em>Steuerlosen Städte</em> zu Recht in eine Reihe mit Jean-Paul Sartres <em>Die Wege der Freiheit</em> und André Malraux&#8216; <em>Die Hoffnung</em>. […] Die Übersetzung von Gerhard Blümlein wirkt gelungen, Lektorat und Korrektorat der Bände schwanken allerdings (Plath 2016).</p>
</blockquote>



<p>Unter den historischen Darstellungen stechen zwei Übertragungen Blümleins hervor: Das Werk von Hannibal Velliadis über das deutsch-griechische Verhältnis in den Jahren des Nationalsozialismus (<em>Metaxas − Hitler</em>), erschienen 2006 bei Duncker &amp; Humblot, sowie die <em>Geschichte Griechenlands</em> zwischen 1974 und 2010 von Yannis Voulgaris (edition romiosini, 2012) in Kooperation mit Ulf-Dieter Klemm.</p>



<p>Harsche Kritik übte Blümlein an der Handke-Übersetzung des <em>Ödipus in Kolonos </em>von Sophokles aus dem Altgriechischen (Suhrkamp 2003), mündlich erläutert im Athener Literarischen Quartett, einem Format für Buchpräsentationen des 1837 gegründeten Vereins Philadelphia. Dabei monierte er u.&nbsp;a. missverständliche Wörtlichkeit, danebengreifende Verwendung umgangssprachlicher Ausdrücke, aber auch einfach Gestelztes und Falsches. Sein Fazit:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Handke hat durch seine Sucht nach Originalität einen Text geschaffen, der oft nicht nur verstört (das ginge noch), sondern immer wieder falsch übersetzt ist und (das ist das Schlimmste) häufig einfach nicht lesbar ist.</p>
</blockquote>



<p>Gerhard Blümlein verstarb Anfang Oktober 2022 in Athen. Sein Nachlass wartet auf die Durchsicht und Aufarbeitung.</p>
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			</item>
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		<title>Peterich, Eckart</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/eckart-peterich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Nov 2023 18:07:55 +0000</pubDate>
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		<title>Trenck, Gisela von der</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/gisela-von-der-trenck/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 28 May 2023 17:12:30 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Gisela von der Trenck wurde am 27. Juli 1920 als Tochter eines Rechtsanwalts und Dante-Übersetzers aus einem alten ostpreußischen Adelsgeschlecht in Berlin geboren. Trotz des Studienwunsches Altgriechisch entschied sie sich der Berufsaussichten wegen für ein Jurastudium, das sie in Berlin, München und Tübingen absolvierte. 1942 machte sie die 1. Juristische Staatsprüfung und war von 1944 [&#8230;]]]></description>
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<p>Gisela von der Trenck wurde am 27. Juli 1920 als Tochter eines Rechtsanwalts und Dante-Übersetzers aus einem alten ostpreußischen Adelsgeschlecht in Berlin geboren. Trotz des Studienwunsches Altgriechisch entschied sie sich der Berufsaussichten wegen für ein Jurastudium, das sie in Berlin, München und Tübingen absolvierte. 1942 machte sie die 1. Juristische Staatsprüfung und war von 1944 bis 1947 Assistentin des Tübinger Strafrechtlers Eduard Kern. Von 1947 bis 1949 war sie als Assistent Defense Counsel an den US-Militärgerichten in Nürnberg tätig, insbesondere im umfangreichsten der Nürnberger Nachfolgeprozesse, dem Wilhelmstraßen-Prozess. Von 1950-1962 war sie Referentin für Griechenland und Rechtsgeschichte am Tübinger Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht, mit dem sie 1956 nach Hamburg ging.</p>



<p>Das Institut schickte sie 1960 für sieben Monate zu einem Studienaufenthalt nach Griechenland. 1962 siedelte sie nach Thessaloniki über und begann als Deutschlehrerin am 1955 eröffneten Goethe-Institut. Im Jahr darauf wurde sie Lektorin für deutsche Sprache und Literatur an der Germanistik der Universität Thessaloniki und übernahm einen Lehrauftrag für Rechtsterminologie an der Juristischen Fakultät. Von 1972 bis 1976 ging sie als Leiterin einer Nebenstelle des Goethe-Instituts nach Kavala. Nach dessen Schließung zog sie in die griechische Hauptstadt und erwarb ihren Lebensunterhalt mühsam als Deutschlehrerin an einer privaten Sprachschule sowie als freischaffende Übersetzerin archäologischer, juristischer und literarischer Texte für griechische und deutsche Verlage. Sie starb 1989 in Chalandri/Athen.</p>



<p>Als Literaturübersetzerin wurde sie bekannt durch eine frühe Übertragung von <em>Logbuchs I und II</em> des Nobelpreisträgers Giorgos Seferis (1981) und zweier Bücher des kretischen Autors Pantelis Prevelakis (<em>Der Engel im Brunnen</em>, Herder 1975; <em>Die Chronik einer Stadt</em>, Suhrkamp 1981). Als unpubliziertes Manuskript liegt Seferis´ fünfteiliges Gedicht <em>Erotikos Logos</em> aus dem Zyklus <em>Strofi</em> (Wendung) vor.</p>



<p>Ihre vielversprechende Übertragung der beiden ersten Bände der <a href="https://uelex.de/uebersetzer/gerhard-bluemlein/" data-type="uelex_article" data-id="2009372">Trilogie <em>Steuerlose Städte</em></a> von Stratis Tsirkas konnte nie erscheinen. Der Korrespondenz aus dem Nachlass entnimmt man Unstimmigkeiten mit dem Verleger Albrecht Knaus. Auch ein Versuch des Insel-Verlags, die Rechte an der Übersetzung der beiden Bände einzuholen, scheiterte. Erhalten ist nach derzeitigem Wissensstand (Juni 2023) nur das Manuskript des ersten Bandes <em>Der Club</em>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Dieterich, Karl Gustav</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/dieterich-karl-gustav/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Aleksey Tashinskiy]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Dec 2021 13:52:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[1928 erschien im Leipziger Haessel-Verlag die Anthologie&#160;Neugriechische Lyriker, herausgegeben und übersetzt von Karl Dieterich. Mit Nachdruck wurde hier griechische Gegenwartsdichtung nicht an den Werken der klassischen Antike gemessen, sondern in ihrem Eigenwert vorgestellt. Diese Lyrik-Sammlung kann als Dieterichs Hauptverdienst in der Geschichte des neueren deutsch-griechischen Kulturtransfers betrachtet werden. Dieterich als Byzantinist und Neogräzist Dieterich (geboren [&#8230;]]]></description>
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<p>1928 erschien im Leipziger Haessel-Verlag die Anthologie&nbsp;<em>Neugriechische Lyriker</em>, herausgegeben und übersetzt von Karl Dieterich. Mit Nachdruck wurde hier griechische Gegenwartsdichtung nicht an den Werken der klassischen Antike gemessen, sondern in ihrem Eigenwert vorgestellt. Diese Lyrik-Sammlung kann als Dieterichs Hauptverdienst in der Geschichte des neueren deutsch-griechischen Kulturtransfers betrachtet werden.</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dieterich-als-byzantinist-und-neograzist">Dieterich als Byzantinist und Neogräzist</h3>



<p>Dieterich (geboren 18. Dezember 1869 in Berlin – gestorben 16. Juli 1935 in Leipzig) besuchte nach der Schulzeit am Berliner Königlichen Wilhelmsgymnasium 1889 die Vorlesungen von Johannes Mitsotakis über neugriechische Sprache und Literatur am Berliner Seminar für orientalische Sprachen. Ab 1890 war er in den Fächern Germanistik, Vergleichende Sprachwissenschaft, Neuere Sprachen und Pädagogik immatrikuliert und hörte bei Curtius, Dilthey, Paulsen, Tobler. 1895 wechselte er nach München, wo er 1898 am Mittel- und Neugriechischen Seminar Karl Krumbachers, Begründer der deutschen Byzantinistik, promoviert wurde. Während der Münchner Jahre machte er die Bekanntschaft griechischer Literaten (Lorentzos Mavilis, Argyris Eftaliotis, Kostas Pasagiannis) und pflegte eine Brieffreundschaft mit Giannis Kambyssis. Letzterer empfahl Dieterich Kontakte zu Athener Kreisen, die sich seit den 1880er Jahren für die Volksprache engagierten und sich als eine Art sprachlicher Befreiungsbewegung konsolidiert hatten.</p>



<p>Persönliche Erfahrungen mit dem griechischen Kulturleben seiner Zeit machte Dieterich jedoch erst 1898/99, als er zum Studium von Dialekten auf ägäische Inseln reiste und sich auch länger in der griechischen Hauptstadt aufhielt, u. a. als Gast einschlägiger Athener Literatursalons. In der Einleitung zu seiner Lyrik-Anthologie erwähnt Dieterich Besuche bei dem Dichter Kostis Palamas, der</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>in den 1890 Jahren alle aufstrebenden Talente Athens wöchentlich in seinem schlichten, aber gastlichen, durch das Walten einer von echter Kalokagathie erfüllten Gattin verschönten Räumen um sich (sammelte), wo auch der Übersetzer dieser kleinen Auswahl zuerst mit ihnen und ihren Erstlingswerken bekannt und befreundet wurde. (Dieterich 1931: XI)</p></blockquote>



<p>Später sollte Dieterich die „Neue Athener Schule“, die die Volkssprache in die Schriftkultur einführte, als „Sturm und Drang-Phase“ der griechischen Literatur bezeichnen. Er befreundete sich mit Konstantinos Chatzopoulos, dem Übersetzer von Goethes&nbsp;<em>Faust I</em>. Auf die Unbill Athener Realitäten reagierte Dieterich, wie aus einem Brief Anfang Januar 1900 an seinen Mentor Krumbacher hervorgeht, mit einiger Skepsis auf die Perspektiven eines Landes, in dem man „nirgendwo Keime zu einer gedeihlichen Weiterentwicklung“<span class="oes-note oes-popup" data-fn="10"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup10">10</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="10">Brief an Krumbacher 1900, zit. nach Mitsou (2010b: 246).</span>&nbsp;sehe. Nach dieser ersten Reise sollten mehr als zwanzig Jahre vergehen, bis Dieterich erneut Athen besuchte.</p>



<p>1909 habilitierte er sich für Byzantinistik und Neugriechische Philologie an der Leipziger Universität und lehrte dort zunächst als Privatdozent, ab 1922 bis zu seinem Tod 1935 als außerordentlicher Professor. Unter seinen Veranstaltungen findet sich auch der Kurs (Sommersemester 1913):&nbsp;<em>Neugriechische Lektüre für Vorgerückte: Meisterwerke der Weltliteratur (mit Diskussionen über neugriechische Sprachfrage und Übersetzungskunst)</em>. Ab 1916 war er als erster Sekretär und Abteilungsleiter am Bosnisch-Herzegowinischen Institut für Balkanforschung in Sarajewo sowie, im Zusammenhang mit dem Ersten Weltkrieg, in Berlin als Dolmetscher tätig. Außerdem arbeitete er Ende 1917 an der Berliner Dolmetscherschule und im Görlitzer „Griechenlager“ (vgl. Alexatos 2018). Als Hochschullehrer in Leipzig befasste er sich mit Südosteuropa und Kleinasien sowie mit Religionsgeschichte und war Herausgeber der&nbsp;<em>Historisch-literarischen Schriftenreihe</em>&nbsp;der deutsch-griechischen Gesellschaft. Ein von ihm erarbeitetes&nbsp;<em>Taschenwörterbuch der neugriechischen Umgangs- und Schriftsprache</em>&nbsp;fand während des Ersten Weltkriegs besonders im Görlitzer „Griechenlager“ vielseitige Verwendung. Jahrzehnte später wurde es „fast jährlich“ nachgedruckt, was „mit der Anwesenheit deutscher Truppen in Griechenland erklärt werden“ (Papachristos 1990: 30) müsse.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="11"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup11">11</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="11">Gemeint sind die Wehrmachtstruppen während der Besetzung Griechenlands 1941–1944.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading" id="dieterich-als-ubersetzer">Dieterich als Übersetzer</h3>



<p>Als Literaturübersetzer befasste sich Dieterich neben Andreas Karkawitsas, einem Naturalisten, von ihm als Vertreter „der satirischen Erzählung“ bezeichnet (Dieterich 1905: 78), auch mit Kostis Palamas. Dieser in der Selbst- und Außenwahrnehmung als „Nationaldichter“ angesehene Schriftsteller und Kritiker dominierte über Jahrzehnte den Athener literarischen Diskurs (vgl. Schellinger 2015). Palamas soll mit Empörung darauf reagiert haben, dass Dieterich für die Anthologie&nbsp;<em>Neugriechische Lyriker</em>&nbsp;zwölf Gedichte von Kavafis<span class="oes-note oes-popup" data-fn="12"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup12">12</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="12">Die erste nachweisbare Publikation von drei Kavafis-Gedichten in der Übersetzung Dieterichs erfolgte 1921/22 im&nbsp;<em>Literarischen Echo</em>&nbsp;(Kavaphis 1921/22: 146).</span>, aber nur zehn von ihm selbst aufgenommen hatte (Mitsou 2010b: 252).</p>



<p>Die 112 Seiten umfassende Anthologie&nbsp;<em>Neugriechische Lyriker</em>&nbsp;enthält 200 erstmals übersetzte Gedichte von 40 zeitgenössischen Autoren, die in einem Anhang (NL 1931: 106–112) mit knappen biographisch-bibliographischen Notizen vorgestellt werden. Die Sammlung entstand in fünfundzwanzigjähriger Arbeit und erhob den Anspruch, erstmals „ein neues Griechenland im neuen“ vorzustellen, während man bis dahin aus philhellenisch-klassizistischer Perspektive „entweder das alte Griechenland im neuen oder das neue im alten“ gesuchte hatte (Dieterich 1905: 74). Der Byzantinist und Neogräzist Dieterich war ein scharfer Kritiker des deutschen (durch die Vorherrschaft der klassischen bzw. Altphilologie begünstigten) Antikenkults philhellenischer Provenienz. Nach eigenem Bekunden sah er sich nicht als „Philhellenen“ (Freund der „Hellenen“), sondern als „Griechenfreund“ (ρωμιόφιλος: Freund der „Romäer“).<span class="oes-note oes-popup" data-fn="13"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup13">13</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="13">Mitsou 2010a: 127. Als Romäer bezeichneten sich die (neu)griechischsprachigen Angehörigen des Osmanischen Reichs sowie später die Bürger des griechischen Staats.</span></p>



<p>Genau so kritisch beurteilte er den „frostigen, geist- und seelenlosen“ (Dieterich 1931: IX) Pseudoklassizismus der Hochsprache „Katharevoussa“<span class="oes-note oes-popup" data-fn="14"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup14">14</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="14">Antikisierende Schriftsprache, bis 1976 auch Amtssprache des neugriechischen Staats.</span>, die sich nach der neugriechischen Staatsgründung ab 1830 auch als Sprache der Dichtung etabliert hatte. Dagegen sollte die von ihm getroffene Auswahl zeitgenössischer Autoren „den modernen Griechen dem modernen Deutschen seelisch näherbringen“ (ebd.: XVI). Gleich zu Beginn der literatur- und kulturgeschichtlichen&nbsp;<em>Einführung</em>&nbsp;monierte er die „akademische Pseudopoesie“ (ebd.: XI) der alten und neuen Phanarioten-Zirkel:<span class="oes-note oes-popup" data-fn="15"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup15">15</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="15">Größtenteils griechische Wirtschafts- und Wissenselite im Osmanischen Reich, bis zur Gründung des neugriechischen Staats hauptsächlich im Viertel Phanari in Konstantinopel sesshaft, danach in Athen mit Ambitionen auf institutionelle Schlüsselpositionen.</span></p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Wie das neue Griechentum schwer um seine staatliche Befreiung ringen mußte, fast noch schwerer sind die Kämpfe, die es um seine geistig-seelische Selbständigkeit führen muß. Schweren Quaderblöcken gleich lastet noch immer eine tausendjährige, kultur- und lebensfeindliche Tradition auf allen Gebieten des Geisteslebens und sucht die zum Licht sich emporringenden neuen Kräfte gewaltsam niederzuhalten, ihnen den Weg zu einem nationalen Eigenleben zu versperren. (Ebd.: IX)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="16"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup16">16</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="16">Allerdings lief das auf den 1. November 1927 datierte, 20 Zeilen umfassende und reichlich pathetische, auf die „Heiterkeit der Antike“ und auf Pindar rekurrierende Geleitwort Gerhart Hauptmanns dieser konzeptionellen Idee Dieterichs entgegen.</span></p></blockquote>



<p>Den kleinsten gemeinsamen Nenner der in Dieterichs Anthologie vertretenen Autoren, sämtlich überzeugte Anhänger der gesprochenen Volksprache (Demotizisten), bildete ihre Weigerung, in ihren Werken die als künstlich empfundene Hochsprache zu verwenden. Die damit einhergehenden Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der „Katharevoussa“ und „Dimotiki“ sind als „Sprachstreit“ mit gesellschaftspolitischen Auswirkungen in die griechische Geschichte eingegangen (vgl. Zelepos 2014: 87ff.).</p>



<p>In diesem Kontext reagierte die antiklassische und antiklassizistische Haltung des Herausgebers und Übersetzers Dieterich auf zwei zeitgenössische, durchaus kämpferische Positionen: zum einen auf die stereotype Antikenrezeption in Deutschland, die durch den 1832 auf den griechischen Thron gelangten Wittelsbacher König Otto I. und seine Kulturpolitik auch in Griechenland etabliert wurde, zum anderen auf die Weigerung der meisten griechischen Literaten, lediglich als „Nachkommen von Euripides“<span class="oes-note oes-popup" data-fn="17"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup17">17</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="17">Giannis Kambyssis an Dieterich 14. Mai 1897, zit. nach Mitsou (2010b: 250).</span>&nbsp;wahrgenommen zu werden. Vor diesem Hintergrund konnte es zunächst als verdienstvoll, ja geradezu bahnbrechend gelten, „ausnahmsweise das Wort den im Land der Hellenen noch lebenden Nachkommen“ (Mitsou 2010b: 248) zu erteilen. Programmatisch hat Dieterich seiner&nbsp;<em>Einführung</em>&nbsp;Verse „eines sonst wenig bekannten neugriechischen Lyrikers“ vorangestellt, „in denen die tiefe Klage einer ganzen Dichtergeneration über das Epigonentum ihres Volkes“ zum Ausdruck kommt (Dietrich 1931: IX):</p>



<pre class="wp-block-verse">Den Spalten, die antike Quadern ließen,
Entsproß ein junges Pflänzchen, schmächtig, elend,
Als spräch‘ es: Sonne, leucht’ auch mir, nicht laß mich
Auf düst’rem Friedhof toten Ruhmes schmachten!

Erdrücken würde mich der kalte Marmor!
Was soll mir Ärmsten auch ein solches Grabmal? –
Ich mag nicht Weihrauch, leben will ich nur,
Sei’s auch als Magd, ihr stolz Geschlecht vergessend.</pre>



<p>Im Gegensatz zu den bis dahin publizierten Sammlungen des 19. Jahrhunderts (Karl Iken, Theodor Kind, Antonio Manaraki, August Boltz; mehr dazu: Mitsou 2010b: 261) von eher ethnografisch-kulturgeschichtlichem Zuschnitt stellt Dieterichs Zusammenstellung eine durch und durch literarische Perspektive in den Vordergrund. Die Textauswahl und deren Einteilung in die Abschnitte „Natur und Leben“, „Gedankenlyrik“, „Kulturlyrik“ sowie ein paar Seiten „Frauenlyrik“ folgen erklärtermaßen subjektiven Kriterien. Aufgenommen wurde, was den Übersetzer Dieterich „innerlich in Schwingung versetzte und wie von selbst zur Verdeutschung aufforderte“ (Dieterich 1931: XVI). Ein Beispiel für das ihm auch Jahrzehnte später noch attestierte „feine Sprachgefühl und die dichterische Eigenbegabung“ (Dölger 1957: 671) sei hier zitiert (NL 1931, 23):</p>



<pre class="wp-block-verse">Kleanthos Lakon-Karthaeos

<em>Verhängnis</em>

Wenn ich mich manchmal in mich selbst versenke,
in meine Arme, Liebchen, still dich drückend
und wie voll Schrecken dir ins Auge blickend,
dann frage mich nur ja nicht, was ich denke.

Mein Herz, Geliebte, hast du wohl ergründet,
weißt, daß es gänzlich dir nur ist zu eigen,
daß einzig nur des Grabes kühles Schweigen
uns trennen könnte, die wir treu verbündet.

Genug denn also! Frage mich nicht wieder,
was heimlich mir das Innere durchschneidet;
denn die Gedankenmauer, die uns scheidet,
die reißt auch deine Liebe uns nicht nieder.
</pre>



<p>Jenseits der subjektiven Kriterien, die Dieterichs Auswahl bestimmt haben, ist sie von heute aus gesehen auch dadurch gekennzeichnet, dass sie die damals neuesten literarischen Strömungen nicht berücksichtigt hat. Dazu gehören die „neusymbolistischen, ästhetizistischen und frühmodernistischen Richtungen der neugriechischen Poesie“ (Mitsou 2010b: 251). Gedichte dieser Richtungen vermochten Dieterich offenbar nicht „innerlich in Schwingung versetzen und wie von selbst zur Verdeutschung auffordern“. Stand ihm womöglich im Weg, was er selbst einer kritischen Betrachtung unterzogen hatte, nämlich die „eigene deutsch-klassizistische Orientierung“ (Kambas, Mitsou 2018: X)? Vielleicht hat ihm auch der auf den Sprachstreit fokussierte Blick die Sicht auf Entwicklungen verstellt, im Zuge derer sich in den 1920er Jahren eine kulturelle und literarische Moderne griechischer Prägung auszubilden begann.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="18"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup18">18</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="18">Vgl. exemplarisch dafür den Essay&nbsp;<em>Ελεύθερο Πνεύμα</em>&nbsp;(Freigeist) des Schriftstellers Giorgos Theotokas, der 1929 erschien und als Manifest dieser Moderne gilt.</span>&nbsp;Insofern ist es Dieterich nur teilweise gelungen, eine den Philhellenismus überwindende Griechenlandrezeption deutscher Leser zu kanonisieren.</p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Steinen, Helmut von den</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/steinen-helmut-von-den/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Aleksey Tashinskiy]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Dec 2021 13:52:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Unter den drei deutschen Übersetzern, die sich zwischen 1936 und 1946 – allesamt im Exil, alle dem weiteren Umkreis Stefan Georges zugehörig – mit dem Werk des Alexandriners Konstantinos Kavafis (1863–1933) beschäftigten, hat sich Helmut von den Steinen als Verfasser der eigenständigsten Nachdichtung durchgesetzt.1Die beiden anderen sind Walter Jablonski (1892–1967): Gedichte des Kavafis. Jerusalem: Freund [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Unter den drei deutschen Übersetzern, die sich zwischen 1936 und 1946 – allesamt im Exil, alle dem weiteren Umkreis Stefan Georges zugehörig – mit dem Werk des Alexandriners Konstantinos Kavafis (1863–1933) beschäftigten, hat sich Helmut von den Steinen als Verfasser der eigenständigsten Nachdichtung durchgesetzt.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="10"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup10">10</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="10">Die beiden anderen sind Walter Jablonski (1892–1967): <em>Gedichte des Kavafis</em>. Jerusalem: Freund 1942, und Wolfgang Cordan (1909–1966): <em>Konstantin Kavafis: Der Wein der Götter</em>. Maastricht: Kentaur-Druck 1947. Vgl. zur Einschätzung der Übersetzungen durch Karl Wolfskehl die entsprechenden Passagen in Friedrich Voits&nbsp;<a href="https://uelex.de/uebersetzer/wolfskehl-karl/" data-type="uelex_article" data-id="11567">Wolfskehl-Porträt</a>.</span>&nbsp;Zuerst als einsprachige Teilausgabe 1953 im Suhrkamp-Verlag und schließlich komplett 1985 (154 autorisierte Gedichte) in der Amsterdamer Castrum Peregrini Presse erschienen, gilt sie bis heute als klassisch, repräsentativ, „meisterhaft“, „virtuos“, eine „außerordentliche poetische Leistung“.</p>



<p>Der in Marburg an der Lahn geborene von den Steinen kam aus einer wissenschaftsaffinen, künstlerisch sensibilisierten bildungsbürgerlichen Berliner Familie. Seine reformgymnasiale Schulzeit verbrachte er in Potsdam bzw. Charlottenburg, im Anschluss beschäftigte er sich hauptsächlich mit volkswirtschaftlichen Studien in Zürich, Heidelberg und München. Mit einer Arbeit über das zeitgenössische Verlagswesen wurde er 1912 als Nationalökonom bei Alfred Weber in Heidelberg promoviert. Anfang der 1920er Jahre studierte er in Marburg Klassische Philologie, „konnte das Studium wohl aber nicht ganz abschließen, weil ihm das Geld ausging.“<span class="oes-note oes-popup" data-fn="11"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup11">11</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="11">Mitteilung von Torsten Israel, der Zugang zum Familienarchiv hatte, in einem Schreiben vom 19. Dezember 2019.</span> Bis 1934 war er ethnologisch (des Vaters Karl von den Steinens Fach!) als freier Mitarbeiter an Leo Frobenius’ Forschungsinstitut für Kulturmorphologie („Afrika-Institut“, heute: Frobenius-Institut in Frankfurt am Main) beschäftigt. Dass ihn Sprachen beschäftigten und ihm besonders leicht fielen, geht aus einer Hesiod-Übersetzung hervor, die 1930 zweisprachig erschien, sowie aus der Tatsache, dass er während des Ersten Weltkriegs, den er durch eine Abordnung nach Bulgarien überstand, innerhalb zweier Jahre die Landessprache nicht nur sprechen, sondern auch schreiben gelernt hatte. Viel später und unter eigenwilligen Bedingungen – in der zweiten Hälfte der 1940er Jahre in einem britischen Militärcamp der Suez-Zone, anschließend an der Universität Kairo – sollte er schließlich als Dozent für Alte Sprachen wirken.</p>



<p>In der Heidelberger Studienzeit jedenfalls hatten sich, vielleicht auch angestoßen von seiner Mutter, einer erklärten Anhängerin Stefan Georges, Freundschaften zum engeren oder weiteren Kreis des Meisters ergeben (vgl. Hartmann 2012). Durch diese Kontakte erhielt von den Steinen, so in Wolfgang Frommels Nachruf zu lesen, „einen unmittelbaren Eindruck von der erzieherischen Kraft des Dichters selbst“ (Frommel 1959: 67). Persönlich ist er George offenbar nie begegnet. Im Dunstkreis eines kooperativen Netzwerks schrieb er als inzwischen polyglotter Publizist (Französisch, Englisch, Bulgarisch, Russisch, Italienisch, Altgriechisch) Beiträge für die jungkonservative Zeitschrift&nbsp;<em>Das Gewissen</em>, später auch Rundfunksendungen im Auftrag von Wolfgang Frommel (1902–1986).<span class="oes-note oes-popup" data-fn="12"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup12">12</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="12">Die Themen der Sendungen könnten unterschiedlicher nicht sein, vgl. dazu im Einzelnen Kambas (2010: 307, Fn. 70), darunter auch, mit Sendetermin am 20. März 1935:&nbsp;<em>Vom Geheimnis des griechischen Sprachklangs</em>. – Zu Frommels Rundfunkarbeit für den Südwestfunk und den Reichssender Berlin sowie die Beteiligung „verwaister Georgeaner“ (u. a. Ernst Kantorowicz, Kurt Hildebrandt, Marx Kommerell, Rudolf Fahrner und Helmut von den Steinen) an seinen&nbsp;<em>Mitternachtssendungen</em>&nbsp;vgl. Raulff (2009: 455).</span>&nbsp;Neben seiner wissenschaftlichen Qualifizierung bzw. publizistischen Tätigkeit wurde er mit weiteren Georgeanern bekannt, namentlich mit Friedrich Wolters (1876–1930) und&nbsp;<a href="https://uelex.de/uebersetzer/wolfskehl-karl/" data-type="uelex_article" data-id="11567">Karl Wolfskehl</a>&nbsp;(1869–1948). Mit Letzterem korrespondierte er später während beider Exilzeit (s. Blasberg 1988: 223–239).</p>



<p>Vermutlich erstmals während der Weltkriegsjahre in Sofia war er in Berührung mit Kulturen des früheren Osmanischen Reichs, so auch mit Griechenland gekommen. Ethnologisch manifestiert sich eine Neugier auf die zeitgenössische Volkskultur im Vorwort zu einer 1929 erschienenen Sammlung mit griechischen, türkischen sowie jüdisch-spaniolischen Volksmärchen und Schwänken, die Paul Hallgarten auf der Insel Rhodos gesammelt hat.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="13"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup13">13</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="13">In der Einführung finden sich (S. 18f.) grundlegende Überlegungen zur phonographischen Aufzeichnung, Verschriftlichung und Übersetzung der mündlich tradierten Geschichten.</span>&nbsp;Die definitive Hinwendung zum Neugriechischen wurde jedoch von außen befördert: Unter dem wachsenden Druck des NS-Staats verließ der Sohn einer jüdischen Mutter Deutschland, 1935 erst zu einer Exkursion nach Abessinien, anschließend ging es fast nahtlos Richtung Griechenland, wo er vermutlich im März 1936 eintraf.</p>



<p>Was hat ihn ausgerechnet in den mediterranen Südosten gezogen? Mag der „aeginatische Plan“ (Blasberg 1988: 238), über den er und Karl Wolfskehl Mitte der 1930er Jahre in Italien nachdachten, mitgespielt haben? Mit derselben Leichtigkeit wie Bulgarisch muss er das Neugriechische erlernt haben, autodidaktisch versteht sich. Der März 1936 jedenfalls ist von ihm auch als Zeitpunkt der ersten Kavafis-Lektüre benannt, was eine Parallelität zum Spracherwerb nahelegt. Im Athener Kavafis-Archiv erhaltene Briefe auf Griechisch aus dem Jahr 1937 zeugen jedenfalls von verblüffender Fertigkeit in Grammatik und Syntax und einem ausdifferenzierten Vokabular. Ab Herbst lebt er in Athen und nimmt seine neue Aufgabe in Angriff: Die Übertragung der Kavafis-Gedichte auf der Grundlage der in Alexandria erst zwei Jahre zuvor erstmals erschienenen originalen Buchausgabe; er unterrichtet als Privatlehrer Deutsch, schreibt und spricht gelegentlich für den Rundfunk. Es entwickeln sich Kontakte mit griechischen Autoren, etwa zu Nikos Kazantzakis (1883–1957) oder Pantelis Prevelakis (1909–1986). Dokumentiert aus dieser Phase sind auch zwei Besuche (5. November und 3. Dezember 1940) bei Giorgos Seferis (1900–1971), damals als Georgios Seferiadis leitender Beamter des Presseministeriums. Man unterhält sich u.&nbsp;a. über die deutsche Übertragung des später berühmt gewordenen Gedichts&nbsp;<em>Der König von Asine</em>, das im Frühjahr 1940 im Band&nbsp;<em>Logbuch</em>&nbsp;erschienen war. Bei dieser Gelegenheit äußert von den Steinen sein Bedauern, aus Altersgründen dem griechischen Widerstand nicht „dienen“ zu können.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="14"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup14">14</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="14">Giorgos Seferis, Μέρες Γ΄ (Tage III, 16.4.1934–14.12.1941). Athen: Ikaros, 1984, S. 261; 264. Dieser Wunsch wird – aus Zensurgründen auf Englisch – auch in der Korrespondenz mit Karl Wolfskehl wiederholt, vgl. von den Steinens Brief vom 12. Juli 1941 aus Jerusalem: „ I hope to get free [aus dem britischen Internierungslager; A.&nbsp;S.] before a very long time and to consecrate myself entirely to the struggle of my countrymen (the Greek, of course!).“ (Blasberg 1988: 225).</span></p>



<p>Der Einmarsch der Wehrmacht vertreibt ihn am 18. April 1941 aus Griechenland. Von den Briten über Kairo nach Palästina verbracht, wird er dort als Civil Internee 14 Monate festgehalten; dann geht es über Kenia ins Internee Camp No. 6 in Uganda, wo von aus er am 9. März 1943 über den Deputy Censor in Kampala einen englisch verfassten Brief an Giorgos Seferis, „Director of Press“, Greek General Consulate, Kairo schickt: „Das antike Griechenland ist mir sehr gegenwärtig an den Quellen des Nils und Homer mein täglicher Gefährte.“<span class="oes-note oes-popup" data-fn="15"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup15">15</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="15">Bisher unveröffentlichtes Schreiben aus dem Seferis-Archiv der Gennadios-Bibliothek Athen (Übers. aus dem Engl.: A. S.).</span> Er bittet Seferis um Übersendung eines Exemplars der Kavafis-Gedichte, da sein eigenes in Athen verblieben sei; unbekannt, ob darauf reagiert wurde. 1944 kann er nach Jerusalem zurückkehren, wo er sich nach eigenem Bekunden „vor einer Wand“ wiederfindet, bestehend aus den faktischen Lebensbedingungen seiner „realen Geworfenheit“ ohne „konkrete Aussicht auf Änderung dieses Materiendrucks“ (Blasberg 1988: 230) einerseits, einer Fülle von nicht oder halb verwirklichten eigenen Projekten andererseits. Dazu kommt, dass Wolfskehl ihm am 25. April 1946 definitiv das längst versprochene Vorwort für seine geplante Kavafis-Ausgabe absagt: „Es geht nicht, meine Kräfte nehmen ab, die eigene Arbeit beansprucht vollauf, was sich erübrigt“ (ebd.: 231). Jetzt konzentriert sich von den Steinen auf seine „Hauptarbeit“: den „Versuch, meine deutsche und jüdische Position als geistiges Wesen zu klären.“ Wie nie zuvor wird er, dessen Vorfahren bereits 1820 konvertiert waren, sich jetzt seines Judentums bewusst: „Unendlich viel Geschichte, die ich ja schändlich ignorierte, habe ich nachgelernt.“ Er konzipiert ein „Bekenntnisbuch“ auf Englisch in sieben Kapiteln mit dem Titel: <em>The School of Silence, a German contribution to the Remoulding of Man</em>, das im Herbst 1947 „auf 900 Manuskriptseiten angeschwollen“ (ebd.: 237) ist. Exakt in diesem Herbst begibt er sich mit dem „nötigen ägyptischem (sehr nachpharaonischen) Visum“ nach Geneifa in der Suez-Kanalzone, um deutschen Kriegsgefangenen des britischen Camps 380 und „gelagerten Stratioten Britanniens“ im British Middle East College „Deutsch, Französisch, Latein, Griechisch, Weltgeschichte und Weisheitsliebe“ (ebd: 236) zu vermitteln.</p>



<p>1949 übernimmt er ein Lektorat für Alte Sprachen an der Fu’ad-Universität, heute Universität Kairo. Wiederholt macht er ab nach 1950 Reisen u.&nbsp;a. nach Athen, in der Absicht, sich erneut auf Dauer in Griechenland niederzulassen. Zwei umfangreiche Romane des Freundes Nikos Katzantzakis erscheinen Mitte der 1950er Jahre in seiner Übersetzung und werden jahrzehntelang wiederaufgelegt, auch seine 700 Druckseiten umfassende Myrivilis-Übersetzung aus dem Jahr 1955 (<em>Die Madonna mit dem Fischleib</em>; Manesse Bibliothek der Weltliteratur) kann bereits rein quantitativ als herausragende übersetzerische Leistung bezeichnet werden.</p>



<p>Von den Steinen bemüht sich in den 1950er Jahren darum, seiner Stimme im sich formierenden bundesdeutschen Literaturbetrieb Gehör zu verschaffen, davon zeugen u. a. Briefe an den Gründer der Zeitschrift <em>Akzente</em> Walter Höllerer (1922–2003) oder die Herausgeber der Kultur- und Literaturzeitschrift <em>Merkur</em>; er kämpft um eine Professur für deutsche Sprache und Literatur am Athener Polytechnikum. Sein plötzlicher Tod am 26. Dezember 1956 auf Rhodos beendet diese Aktivitäten. Von den Steinen, verschiedentlich als „intellektueller Outsider“, „Freigeist“, „Einzelgänger“ oder „Nonkonformist“ bezeichnet, soll in Athen beigesetzt sein.</p>



<p>Wolfgang Frommels anonym veröffentlichter Nachruf im&nbsp;<em>Castrum Peregrini</em>&nbsp;zeichnet ein facettenreiches Bild der Persönlichkeit von den Steinens:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Auf der menschlichen Ebene war er von Widersprüchlichkeiten und Gegensätzen bestimmt. Wenn er mit seiner großen schweren Gestalt, dem mächtigen, fast kahlen runden Kopf, bürgerlich konfektionsmäßig gekleidet ins Zimmer trat, wäre es schwierig gewesen, ihn sozial einzuordnen. Das fleischige bleiche Gesicht mit dem braunen Schnurrbart, die seltsam geschnittenen Augen mit einem oft unheimlich forschenden, dann wieder gläsernen unpersönlichen Blick, dazu eine eigentümlich stilisierte Art des Sprechens, als ob er Sätze von einem unsichtbaren Manuskript abläse, die Schroffheit seiner Formulierungen, und andererseits sein sehr sicheres weltmännisches Auftreten: das alles verlieh ihm einen fremdländischen Zug, und man hätte vielleicht zuerst geglaubt, einen Mann der Wirtschaft, den Herausgeber eines grossen Journals, vielleicht aber auch einen in Zivil gekleideten Offizier der östlichen Mittelmeerländer vor sich zu haben. (Frommel 1959: 69f.)</p>
</blockquote>



<p>Getrost kann Kavafis als „Entdeckung“ von den Steinens in seiner Athener Anfangszeit gelten, über die er bald seinen Briefpartnern aus dem George-Kreis, Karl Wolfskehl und Wolfgang Frommel, berichtete. Für Rückfragen zum Original stand ihm anfangs Nikos Kazantzakis zur Seite. Schon 1937 hatte sich der Übersetzer schriftlich an die Kavafis-Erben wegen der Rechte an der deutschen Fassung gewandt und offenbar bereits ab 1938 versucht, für „seinen“ Kavafis den Basler Benno Schwabe-Verlag zu gewinnen. Über dessen ablehnende „Basler Stotzigkeit“ äußerte sich der inzwischen nach Auckland emigrierte Wolfskehl „erbost“ (Blasberg 1988: 224), zumal seine damals noch zugesagte Einleitung so etwas wie der Schirm der Edition geworden wäre. Bei weiteren Versuchen stieß von den Steinen „auf völlige Fremdheit gegenüber meinem Alexandriner. Man findet ihn zugleich zu ideal und zu phallisch“ (ebd.: 233). 1953 kam schließlich, nach Einzelpublikationen in der&nbsp;<em>Neuen Rundschau</em>&nbsp;von 1951, die Teilausgabe im Suhrkamp-Verlag zustande (86 von 154 autorisierten Gedichten). Darin ist der Bezug auf George und die Antike als Leitbild, aus dem Entstehungskontext der Übersetzung überhaupt nicht wegzudenken, kaum mehr erkennbar. Vielmehr wird der Beitrag des Dichters zur „fremden Moderne“ akzentuiert, auf deren Hintergrund sich lediglich Elemente einer gleichsam neuen (klassischen) Antike abzeichnen. Von den Steinens Kavafis-Ausgabe bei Suhrkamp bildet 1953 eine der vielen Wegmarken für die kulturelle Öffnung der jungen BRD zur internationalen Moderne. Mit der Aufnahme von sechs Gedichten aus diesem Band in das legendär gewordene, von Hans Magnus Enzensberger 1960 herausgegebene&nbsp;<em>Museum der modernen Poesie</em>&nbsp;war Kavafis im deutschen Sprachraum endgültig kanonisiert.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="16"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup16">16</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="16">Außer Kavafis ist an griechischen Autoren im&nbsp;<em>Museum der modernen Poesie</em>&nbsp;nur noch Seferis mit vier Gedichten vertreten, übersetzt aus dem Englischen von Christian Enzensberger (1931–2009).</span></p>



<p>Die Auswahlausgabe von 1953 hat auch unmittelbare literarische Spuren hinterlassen: In sein Gedicht <em>Bei der Lektüre eines spätgriechischen Dichters</em> aus den <em>Buckower Elegien</em> (1953) hat <a href="https://uelex.de/uebersetzer/brecht-bertolt/" data-type="uelex_article" data-id="11583">Bertolt Brecht </a>einzelne Formulierungen, ja ganze Zeilen aus dem Gedicht <em>Troer</em> von Kavafis / von den Steinen übernommen (Brecht 1988: 312), darunter zum Vergleich die ersten fünf Zeilen aus dem <em>Troer</em>-Gedicht von Kavafis / von den Steinen (Kavafis 1953: 15):</p>



<pre class="wp-block-verse"><em>Bei der Lektüre eines spätgriechischen Dichters</em>
In den Tagen, als ihr Fall gewiss war
Auf den Mauern begann schon die Totenklage
Richteten die Troer Stückchen grade, Stückchen
In den dreifachen Holztoren, Stückchen.
Und begannen Mut zu haben und gute Hoffnung.
Auch die Troer also…
</pre>



<pre class="wp-block-verse"><em>Troer</em>
Unsere Bemühungen, die von Schicksalsduldern,
Unsere Bemühungen sind wie jene der Troer.
Stückchen richten wir grade, Stückchen
Nehmen wir über uns und beginnen,
Mut zu haben und gute Hoffnungen.</pre>



<p>So sehr von den Steinen 1953 der verlegerischen Interessenlage, dem Zeitgeist bzw. der damit einhergehenden Aversion gegenüber George’schem Gedankengut Tribut geleistet haben mag, so deutlich revidiert er die Perspektive auf den Alexandriner in einer&nbsp;<em>Einführung</em>, die post mortem dem 1962 im Verlag Castrum Peregrini Presse publizierten Kavafis-Band mit den in der Suhrkamp-Ausgabe von 1953 noch fehlenden 68 Gedichten vorangestellt wurde.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="17"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup17">17</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="17">Die bei Suhrkamp 1953 und im Verlag Castrum Peregrini Presse 1962 veröffentlichten Übersetzungen erscheinen gesammelt 1985. Von den Steinens Einleitung zu dieser Gesamtausgabe (S. 5-23) ist identisch mit der der Ausgabe von 1962.</span>&nbsp;Dem Leitbild Antike folgend wird Kavafis als „letzter Verkünder mit einer eigenen und doch vom Urlicht stammenden Botschaft“ (Kavafis 1985: 21) entmodernisiert und zugleich in der Nachfolge Stefan Georges als Brennpunkt für eine (geistige) Erneuerung Europas aus dem Osten aktualisiert. Die Germanistin Chryssoula Kambas identifiziert in diesem Zusammenhang eine „Schieflage der deutschen Geschichte von Kavafis-Ausgaben“, entstanden aus der „okkupierenden Einbindung des griechischen Dichters in die George-Tradition“ (Kambas 2010: 295).</p>



<p>Zur Übersetzung selbst äußert sich von den Steinen im letzten Absatz seiner „Einführung zu den Gedichten des Konstantin Kavafis“:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die deutsche Ausgabe sucht – wozu der Reichtum des Deutschen eine Möglichkeit zu geben scheint – aufs strengste dem griechischen Sinn bis in jede Nuance zu folgen, sowie den Rhythmen und Reimen (mit wenigen Ausnahmen) bis in jede Einzelheit. Wie erwähnt, kann natürlich die besondere Magie des griechischen Sprachamalgams von keinem anderen Idiom erzielt werden: der deutsche Text klingt darum vielleicht etwas zu robust, vielleicht etwas zu lyrisch, nicht geisterhaft, nicht ironisch genug. Die antiken Namen, die zum Schatz der deutschen Tradition gehören (Peleus, Sarpedon u.&nbsp;a.) wurden in dieser Gestalt beibehalten, die spätantiken Personennamen und alle byzantinischen Bezeichnungen dagegen möglichst nahe der neugriechischen Aussprache wiedergegeben, die zur Atmosphäre gehört und allein hier Willkürlichkeiten vermeidet. (Kavafis 1962: 22f.)</p>
</blockquote>



<p>Seit 2012 werden von den Steinens nachgelassene Platon-Übersetzungen von Torsten Israel editorisch aufbereitet; bisher (2019) sind zwei von sechs angekündigten Bänden erschienen. Ein Teil des Nachlasses befindet sich im Privatarchiv von Prof. Reimar Schefold (Amsterdam); eine „Reihe von Schriften, Übersetzungen und Briefen“, von der Familie der Neogräzistin Isidora Rosenthal-Kamerinea „zu treuen Händen überlassen“ (Rosenthal-Kamarinea 1982: 15), wurde nach deren Ableben offenbar entsorgt. Man muss davon ausgehen, dass ein nicht unerhebliches Volumen an Schriften und Übersetzungen verschollen ist, nicht zuletzt bedingt durch von den Steinens langjähriges Exil und den zeitweiligen Abbruch aller beruflichen Kontakte in den deutschsprachigen Raum.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="18"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup18">18</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="18">So ist im Nachruf der Zeitschrift <em>Castrum Peregrini</em> die Rede von einer „dichterischen Fortführung von Goethes unvollendetem Schauspiel <em>Die natürliche Tochter</em>“ – das 37 Seiten umfassende Manuskript liegt im Deutschen Literaturarchiv Marbach – „[…] dazu kommen eigene Verse, u. a. m.“ (Frommel 1959: 68). Ein im Marbacher Archiv liegender Brief von den Steinens an Wolfskehl vom 12. Juli 1941 vermerkt ein „new drama“ (<em>Reimar</em>, unveröffentlichtes Manuskript), ein Brief von Wolfskehl aus Auckland vom 18. April 1944 erwähnt Gedichte unter dem Titel <em>Das Jahr von Saint Jean d´Acre</em> (Blasberg 1988: 227). In Briefen des kretischen Schriftstellers Pantelis Prevelakis und in dessen Archiv sind Übersetzungen seiner Werke durch von den Steinen erwähnt (das Theaterstück <em>Das heilige Schwert</em>, Romane <em>Der Baum</em> und <em>Die Stadt</em>, Vortragsmanuskript). Das von Frommel und Rosenthal-Kamarinea genannte <em>Weißbuch</em> in der Übersetzung von den Steinens liegt, allerdings ohne dessen Namen anzuführen, im Archiv des griechischen Außenministeriums: Koenigliches Ministerium des Auswaertigen / Diplomatische Dokumente: <em>Der italienische Überfall auf Griechenland</em>, Athen, 1940. – In Athen haben sich ferner Teile der Bibliothek von den Steinens erhalten (vgl. Israel 2017).</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dietz, Günter</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/dietz-guenter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Aleksey Tashinskiy]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Dec 2021 13:52:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Der am 13. April in Karlsruhe geborene Günter Dietz hat sich als Altphilologe, Übersetzer und Lyriker einen Namen gemacht. Er studierte Klassische Philologie und Germanistik in Freiburg i. Br. Im Anschluss an die Promotion bei Karl Büchner mit einer Arbeit über&#160;Sallusts Briefe an Cäsar&#160;holte ihn Helmut Flume – erster Schulleiter der Deutschen Schule Athen (Dörpfeld-Gymnasium) [&#8230;]]]></description>
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<p>Der am 13. April in Karlsruhe geborene Günter Dietz hat sich als Altphilologe, Übersetzer und Lyriker einen Namen gemacht. Er studierte Klassische Philologie und Germanistik in Freiburg i. Br. Im Anschluss an die Promotion bei Karl Büchner mit einer Arbeit über&nbsp;<em>Sallusts Briefe an Cäsar</em>&nbsp;holte ihn Helmut Flume – erster Schulleiter der Deutschen Schule Athen (Dörpfeld-Gymnasium) nach der 1956 erfolgten Wiedereröffnung – als Lehrer in die griechische Metropole. In seinen Athener Jahren (1958 bis 1964) kam Dietz in Berührung mit der modernen griechischen Literatur und deren Exponenten<span class="oes-note oes-popup" data-fn="3"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup3">3</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="3">Vgl. etwa die Spannbreite der von Dietz verantworteten Hommage an die moderne griechische Lyrik im Griechenland-Heft der Literaturzeitschrift&nbsp;<em>die horen</em>&nbsp;Nr. 87 (1972).</span>, u.a. dem späteren Nobelpreisträger Odysseas Elytis (1911–1996). Bereits in dieser Phase entstanden Übertragungen hauptsächlich von Lyrik.</p>



<p>Ab 1964 wirkte Dietz am Humanistischen Bismarck-Gymnasium Karlsruhe, an dem er selbst einst Schüler war. Ab 1972 bis zu seiner Pensionierung 1993 war er Leiter des Kurfürst-Friedrich-Gymnasiums in Heidelberg. Seine letzten 24 Lebensjahre – er starb am 13. Mai 2017 in Ziegelhausen/Heidelberg – widmete er zahlreichen Publikationen zu philologischen, kulturphilosophischen und ethischen Fragen sowie den Übersetzungen, hielt zudem Vorträge, führte Lesungen durch und gab eine Auswahl der eigenen zwischen 1955 und 2005 entstandenen Gedichte heraus. 2005 erhielt er den bisher letzten Deutsch-Griechischen Übersetzerpreis, ausgerichtet vom Nationalen Buchzentrum Griechenlands und dem Athener Goethe-Institut.</p>



<p>Als Jugendlicher erlebte Dietz die weitgehende Zerstörung seiner Heimatstadt durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg. Die Erfahrung „urtümlicher Bedrohung des eigenen Lebens und jeder irdischen menschlichen Existenz“ (Dietz 2008: 321) wirkte lange nach. Das&nbsp;<em>Südland</em>, so der Titel eines zwischen 1956 und 1970 entstandenen Gedichtzyklus, kontrastiert Kriegs- und Nachkriegserleben mit dem Hier und Jetzt eines Kulturraums, dessen Überlieferung Günter Dietz durch das Studium und seinen Lehrberuf zutiefst vertraut war. Er begegnete dem Licht und seiner „Preisung“ bei Elytis und begriff die „Grundsprache Europas“, wie er das Griechische bezeichnete, in einem historischen Kontinuum von 3000 Jahren. Doch ging es ihm nicht um die Idealisierung des Landes, das von Philhellenen mit der Seele gesucht wird. So beschwieg er nicht, wie in den Nachkriegsjahrzehnten vielfach üblich, die Wehrmachtspräsenz während der Besatzungsjahre 1941–44, die ein zerstörtes Griechenland hinterlassen hatte.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="4"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup4">4</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="4">So etwa im Gedicht&nbsp;<em>Pilot in Hellas 1940</em>&nbsp;(Dietz 2005: 47) oder im Nachwort (1969) von Elytis’ Hauptwerk&nbsp;<em>To Axion Esti – Gepriesen sei</em>, der „Bibel der griechischen Nation“ (Mikis Theodorakis).</span>&nbsp;Während der Militärjunta (1967–1974) bezog er Stellung mit einer Äußerung über die „elementare Bedrohung der griechischen Freiheit, seit das Obristenregime das Recht der freien Meinungsäußerung, des freien Kulturschaffens und das Recht auf sozialen Fortschritt ignoriert oder in das Gegenteil verkehrt“ (Dietz 1972: 146).</p>



<p>In den Athener Jahren begann er mit der Übersetzung von Elytis’ opus magnum&nbsp;<em>To Axion Esti – Gepriesen sei</em>&nbsp;im Dialog mit dem Dichter; sie <a href="https://uelex.de/literatur/to-axion-esti-gepriesen-sei/">erschien</a> 1969 bei Claassen, lange bevor sich Elytis durch den Nobelpreis für Literatur 1979 international einen Namen machte. Zwischen April 1968 und Oktober 1969 wurde über das Internationale Rote Kreuz und den damaligen Kulturreferenten des Athener Goethe-Instituts Johannes Weißert eine Korrespondenz mit dem im Lager Partheni auf Leros internierten Jannis Ritsos (1909–1990) ermöglicht. Das Versprechen an Ritsos, die gesammelten&nbsp;<em>Zeugenaussagen</em>, in denen der Dichter „den Kern der menschlichen Existenz bloßlegt“ (ebd.), auf Deutsch zu publizieren, konnte Dietz allerdings erst fast zwanzig Jahre nach Ritsos’ Tod einlösen durch die Veröffentlichung des griechisch-deutschen Bandes&nbsp;<em><a href="https://uelex.de/literatur/martyries-zeugenaussagen/">Martyries – Zeugenaussagen</a></em>.</p>



<p>In der Dreifach-Identität als Philologe, Lyriker und Übersetzer maß Dietz dem Mythos in Dichtung und Philosophie eine fundamentale, ja existentielle Bedeutung auch für die Gegenwart bei. Elemente dieses „neuen Mythos vom Menschen“ identifizierte er bei den Hauptvertretern der modernen griechischen Lyrik, mit denen er sich befasst hat. Dietz sah sich – in der Rolle des Übersetzers so gut wie des lehrenden und publizierenden Altphilologen – als Vermittler der griechischen Kultur, die nach seinem Verständnis von der Antike bis in die Moderne eine Einheit bildet.</p>



<p>Seine äußerlich unspektakuläre Vita steht im Kontrast zu einem hochkonzentrierten Arbeitsleben, von dem u.a. die akribischen Notizen und Bemerkungen in den Büchern seiner Bibliothek zeugen. Der übersetzerische Nachlass, der u.a. Unveröffentlichtes von Kavafis und Elytis enthält, befindet sich im Familienbesitz und soll publizistisch erschlossen werden.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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