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	<title>Magdeburg &#8211; UeLEX</title>
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	<description>Germersheimer Übersetzerlexikon</description>
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		<title>Hartleben, Otto Erich (Version 1.0)</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Jan 2025 17:48:48 +0000</pubDate>
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		<title>Weinert, Erich (Version 1.0)</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/weinert-erich-version-1-0/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Dec 2024 22:42:07 +0000</pubDate>
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		<title>Luther, Martin</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/martin-luther/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Mar 2024 16:37:19 +0000</pubDate>
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		<title>Boysen, Friedrich Eberhard</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/boysen-friedrich-eberhard/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Dec 2023 20:17:56 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Boysen war Sohn eines Pastors. In Magdeburg besuchte er das Gymnasium, anschließend studierte er in Halle. Dort erwarb er sich durch Vermittlung von Christian Benjamin Michaelis gründliche orientalistische Fachkenntnisse. 1773 – vermutlich als Reaktion auf David Friederich Megerlins im Jahr zuvor erschienenes stark islamophobes Werk Die türkische Bibel oder des Korans allererste teutsche Uebersetzung aus [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Boysen war Sohn eines Pastors. In Magdeburg besuchte er das Gymnasium, anschließend studierte er in Halle. Dort erwarb er sich durch Vermittlung von Christian Benjamin Michaelis gründliche orientalistische Fachkenntnisse. 1773 – vermutlich als Reaktion auf David Friederich Megerlins im Jahr zuvor erschienenes stark islamophobes Werk <em>Die türkische Bibel oder des Korans allererste teutsche Uebersetzung aus der Arabischen Urschrift</em> – veröffentlichte Boysen in Halle seine wesentlich „freundlichere“ Koran-Version unter dem Titel <em>Der Koran, oder das Gesetz der Muselmänner, durch Muhammed, den Sohn Abdallah’s. Nebst einigen feyerlichen koranischen Gebeten, unmittelbar aus dem Arabischen übersetzt, mit Anmerkungen und Registern versehen und auf Verlangen herausgegeben</em> (2., verb. Aufl. 1775; neue Ausgabe 1828). Dies ist Boysens Hauptübersetzungsleistung.</p>
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		<title>Schulz, Joachim Christian Friedrich</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/joachim-christian-friedrich-schulz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Nov 2023 14:17:28 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Joachim Christian Friedrich Schulz, der seine Schriften meist nur mit „Friedrich Schulz“ signierte,1Zu seinen Vornamen finden sich in verschiedenen Quellen unterschiedliche Varianten, neben Joachim Christian Friedrich auch Joachim Christoph Friedrich und Friedrich Joachim Christian.war zu Lebzeiten ein sehr bekannter und beliebter Schriftsteller und Übersetzer. Heute ist er kaum noch bekannt, zumindest nicht bei einem breiteren [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Joachim Christian Friedrich Schulz, der seine Schriften meist nur mit „Friedrich Schulz“ signierte,<span class="oes-note oes-popup" data-fn="4"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup4">4</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="4">Zu seinen Vornamen finden sich in verschiedenen Quellen unterschiedliche Varianten, neben Joachim Christian Friedrich auch Joachim Christoph Friedrich und Friedrich Joachim Christian.</span>war zu Lebzeiten ein sehr bekannter und beliebter Schriftsteller und Übersetzer. Heute ist er kaum noch bekannt, zumindest nicht bei einem breiteren Publikum, was sich u.&nbsp;a. darin äußert, dass es bisher (Stand: November 2023) keinen Wikipedia-Artikel zu ihm gibt. Dabei ist sein Werdegang aus literatur- und übersetzungsgeschichtlicher Sicht beispielhaft:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Für den in der Aufklärung aufkommenden Typus des freien Schriftstellers ist S. [Schulz] ein gutes Beispiel: Wie nur wenigen gelang es ihm, sich erst durch Übersetzungen […] aus dem Französischen, Italienischen, Englischen u. Bearbeitungen […], dann durch zahlreiche Romane u. Reiseberichte selbstständig zu ernähren. (Košenina 2011: 629)</p>
</blockquote>



<p>Seine literarische Karriere war ihm nicht in die Wiege gelegt. Sein Vater, ein Branntweinbrenner aus Magdeburg, ging 1780 nach Ostindien und blieb verschollen. Die Mutter war bereits vor 1779 verstorben (vgl. Gottzmann / Hörner 2007: 1171). Dennoch besuchte er mit Erfolg das Gymnasium in Magdeburg, wo er sich „mit Vorliebe dem Studium der französischen Sprache zuwandte“ (Brümmer 1891: 742). Anschließend ging er nach Halle, wo er einige Vorlesungen in Theologie besuchte, ohne jedoch das Studium abzuschließen. Bereits in dieser Zeit, als mittelloser Student, fertigte er erste „Brotübersetzungen“ (Tgahrt 1982: 224) an, denen zahlreiche weitere Übersetzungen und Bearbeitungen folgten. Nach dem Abbruch des Studiums ging er nach Dresden, wo er sich zunächst einer Schauspielergesellschaft anschloss, nach kurzer Zeit aber bereits versuchte, sich als Schriftsteller zu etablieren. 1781 legte er seine ersten beiden Romane vor. Aufsehen erreichte er ein Jahr später durch den <em>Almanach der Belletristen und Belletristinnen für dieses Jahr</em>, der u.&nbsp;a. eine Polemik für Lessing und gegen Herder enthielt und noch im gleichen Jahr nachgedruckt wurde, sowie durch die anonym publizierte, gegen Friedrich Nicolai gerichtete Satire <em>Leben und Tod des Dichters Firlifimini</em> (1784).</p>



<p>In den kommenden Jahren hielt sich Schulz in Wien, Berlin und „am längsten und liebsten in Weimar auf, wo er sich durch seine Talente und geselligen Eigenschaften Freunde und Gönner erwarb“ (Brümmer 1891: 743). Zu diesen zählten u.&nbsp;a. der Verleger Friedrich Justin Bertuch und der Übersetzer Johann Joachim Christoph Bode. In dieser Zeit entstanden u.&nbsp;a. seine beiden erfolgreichsten Romane (<em>Moritz, ein kleiner Roman</em> und <em>Leopoldine, ein Seitenstück zum Moritz</em>), die auch ins Französische, Englische und Dänische übersetzt wurden. Beim Publikum beliebt waren auch seine Reiseberichte. In <em>Geschichte der großen Revolution in Frankreich</em> (1789) berichtete Schulz aus erster Hand von den Ereignissen in Paris. Um vom Schreiben leben zu können, musste er regelmäßig und umfangreich publizieren. In einem Brief an den Verleger Friedrich Vieweg aus dem Jahr 1789 schrieb er über seine ersten Jahre als Schriftsteller: „Mithin arbeitete ich bis zum Krankwerden“ (zit. nach Sangmeister 2001: 31).</p>



<p>1791 nahm Schulz einen Ruf als Gymnasialprofessor in Mitau an, was ihm nunmehr ein regelmäßiges Einkommen bescherte. In Mitau engagierte er sich bald auch politisch und wurde vom kurländischen Bürgerstand als Deputierter zum Reichstag nach Warschau gesandt.</p>



<p>Seine letzten Lebensjahre waren durch Krankheit geprägt, an der auch eine Reise nach Polen, Österreich und Italien, der wiederum mehrere Reiseberichte folgten, nichts ändern konnte. Zu den körperlichen Gebrechen, u.&nbsp;a. einer Lähmung der rechten Hand, die ihn beim Schreiben behinderte (vgl. Sangmeister 2001: 38), kamen in den letzten Monaten vor seinem frühen Tod im Jahre 1798 Wahnvorstellungen, insbesondere die Angst, nach Sibirien verbannt zu werden.</p>



<p>Ein großer Teil der Werke von Friedrich Schulz ist (zunächst) in Zeitschriften erschienen. 1783, im Alter von 21 Jahren, schickte er Wieland einige seiner Arbeiten mit der Bitte, diese im <em>Teutschen Merkur</em> abzudrucken. Ab August 1783 erschien dort <em>Moriz, ein kleiner Roman</em> als Vorabdruck. In den Jahrgängen 1783 bis 1787 sowie 1790 findet sich „in nahezu jedem Heft eine seiner Arbeiten“ (Brüne 2000: 482). Auch Übersetzungen, Reiseberichte, Anekdoten sowie naturwissenschaftliche und historische Betrachtungen finden sich im <em>Merkur</em> und anderen deutschen Zeitschriften. Für die <em>Allgemeine Literatur-Zeitung</em> verfasste Schulz in den Jahren 1785 bis 1788 zahlreiche Rezensionen, die bisher nicht identifiziert sind (vgl. Brüne 2000: 484).</p>



<p>Schulz’ übersetzerisches Werk ist – gemessen am Publikationszeitraum – umfangreich und vielfältig. Die bibliographische Erfassung und die Abgrenzung von der eigenständigen Textproduktion sind nicht ganz einfach. So werden in der umfangreichen Bibliographie des Lexikonartikels von Gottzmann und Hörner (2007) Übersetzungen und Bearbeitungen zwar prinzipiell separat erfasst (11 Titel, ohne Neuauflagen), im Abschnitt „Werke“ werden jedoch weitere Titel angegeben, die auch Übersetzungen beinhalten, wie z.&nbsp;B. die <em>Kleine[n] prosaische[n] Schriften vom Verfasser des Moriz</em> (1788–1801, 7 Bände) und die fünfbändige Sammlung <em>Kleine Romane</em> (1788–1790), die jeweils mehrere Übersetzungen enthalten, sowie die <em>Gesammelte[n] Romane</em> in drei Bänden (1789–1795), die ausschließlich aus Übersetzungen bestehen. Zudem enthält der Abschnitt zu den Übersetzungen den lapidaren Hinweis: „Übers. vieler Abh. vorwiegend a.&nbsp;d. Franz.“ (Gottzmann / Hörner 2007: 1176). Hierbei dürfte es sich um (häufig anonym erschienene) Zeitschriftenbeiträge handeln.</p>



<p>Betrachtet man die separat erschienenen Titel, die zweifelsfrei als Übersetzungen oder Bearbeitungen identifiziert werden können, überwiegt als Ausgangssprache das Französische, gefolgt vom Englischen und Italienischen. Neben literarischen Übersetzungen und Bearbeitungen von Romanen, Theaterstücken, Gedichten und Aphorismen (u.&nbsp;a. von De Lafayette, De La Rochefoucauld, Marivaux und Richardson) finden sich Fachübersetzungen aus unterschiedlichen Fachgebieten (Geographie, Geschichte, Mineralogie).</p>



<p>Den meisten Übersetzungen sind „Vorerinnerungen“ vorangestellt, die Einblicke in Schulz’ Übersetzungsverständnis und Übersetzungsmethodik geben. Ausgehend von den „Vorerinnerungen“ möchte ich im Folgenden die Überlegungen des Übersetzers zu einigen Übersetzungen vorstellen.</p>



<p>In der „Vorerinnerung“ der <em>Mineralogische[n] Reisen durch Calabrien und Apulien</em> von Alberto Fortis betont der geschäftstüchtige Übersetzer den Nutzen seiner Übersetzung:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Gegenwärtige Briefe, die hier aus dem teutschen Merkur zusammen abgedruckt erscheinen, sind den Freunden der Naturgeschichte darum bisher unbekannt geblieben, weil der Verfasser nur 50 Exemplare davon für seine Bekannte hatte drucken lassen. In dieser Uebersetzung sind noch zwey Briefe (der erste und der vierte) hinzugekommen, die der Verfasser handschriftlich mitgetheilt hat, und denen man es bald ansehen wird, daß sie schwerlich durch irgendeine Italienische Censur hätten gehen können. Diese Uebersetzung ist also in doppelter Rücksicht so gut als ein Original, und ich darf hoffen, daß sie den Liebhabern der Naturgeschichte willkommen seyn werden […]. (Schulz 1788: unpag.)</p>
</blockquote>



<p>Auch in seinen literarischen Übersetzungen legt Schulz Wert darauf, dass seine Übersetzungen mit Sorgfalt verfasst seien, wie in dem folgenden Zitat aus der Übersetzung der <em>Historische[n] Romane</em> von Charles-Joseph Mayer:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Der Uebersetzer hat sich Mühe gegeben, diese Erzählungen deutsch so vorzutragen, daß man ihnen, wenn man auch kritteln wollte, den Vorwurf der Fabrikenarbeit schwerlich wird machen können. (Schulz 1789: unpag.)</p>
</blockquote>



<p>Besonderen Wert habe er auf die „Korrektheit der Sprache und des Styls“ gelegt (ebd.)</p>



<p>In mehreren seiner Übersetzungen hat Schulz den Ausgangstext deutlich gekürzt. In den „Vorerinnerungen“ wird dies stets begründet, besonders ausführlich in <em>Josephe</em>, der deutschen Übersetzung von Marivaux’ <em>La vie de Marianne</em>:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Diese <em>Josephe</em> ist aus der Marianne des Herrn von Marivaux entstanden, und wird in <em>zwey Bändchen </em>alles enthalten, was Marianne <em>that</em> und <em>litt</em>, statt daß ihr Schöpfer <em>vier Bände</em> brauchte, weil er auch, dem Genius seiner Nation zu gefallen, was sie dabey <em>sagte</em>, aufzeichnen zu müssen glaubte. Hieraus ergibt sich ein charakteristischer Unterschied zwischen dem Geschmacke der Franzosen, und dem Geschmacke der Engländer und Deutschen in Werken der Darstellung. Erstere hören die Helden ihrer Dichter im Romane, wie im Schauspiele, gern sprechen, letztere sehen sie gern handeln und hören sie ungern mehr sprechen, als zur Sache nöthig ist. […] Wenn die französischen Uebersetzer englische und deutsche Helden ihrer Nation vorführen, so <em>lösen</em> sie ihnen vorher die Zunge, es ist also billige Wiedervergeltung, wenn wir sie den französischen Helden dafür <em>lähmen</em>. Ein Schwätzer ist unter Stillen nie gelitten. Marivaux ist zwar ein sehr angenehmer Schwätzer, aber das deutsche Publicum würde ihm nicht zuhören, aus dem sehr einfachen Grunde, daß es ihn nicht versteht. (Schulz 1801: 3ff; Hervorhebungen im Original gesperrt)</p>
</blockquote>



<p>Auch für die deutsche Übersetzung des Romans <em>Zayde</em> von Madame de La Fayette nahm Schulz erhebliche Kürzungen vor und begründete dies mit Unterschieden zwischen dem deutschen und französischen Geschmack:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Aber in der That diese Weglassung hat mir mehr Mühe und Ueberlegung gekostet, als eine eigene Komposition, welcher ein nachbildender Franzose, dem Geschmacke <em>seiner</em> Nation zu gefallen, eben so viel hinzusetzen würde. (Schulz 1790a: 5; Hervorhebung im Original gesperrt)</p>
</blockquote>



<p>In der Vorerinnerung der Übersetzung von Madame de La Fayettes bekanntestem Roman, <em>La Princesse de Clèves</em>, spielen weniger Kürzungen der Handlung eine Rolle als Überlegungen zu deutsch-französischen Stilunterschieden:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Der Styl ist ungekünstelt, elegant und korrekt, und selbst die strengsten Französischen Litteratoren erkennen diese Vorzüge an. […] Ich habe mich bestrebt, das Original so wenig verlieren zu lassen, als Werke dieser Art, die im Tone der feinen Welt, der Liebe und Galanterie sprechen, in unserer Sprache beständig verlieren müssen. […] Man hat schon die Güte gehabt, die ich mit herzlichem Dank anerkenne, und mir einen leichten Konversationston zugeschrieben; aber ich darf darum doch versichern, daß ich noch einen großen Weg zu thun zu haben glaube, eh‘ ich mich der Zufriedenheit der Kenner Französischer Konversationssprache werde werth halten können […]. (Schulz 1790b: 4ff)</p>
</blockquote>



<p>Als konkrete Beispiele nennt Schulz Wörter wie <em>Galanterie</em>, <em>Frivolität</em>, <em>Konversation</em>, <em>Bonmot</em> etc., für die „wir […] keine eigenen Wörter haben“ (ebd., 7).<span class="oes-note oes-popup" data-fn="5"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup5">5</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="5">In mehreren Schriften hat sich Schulz über die Bemühungen Joachim Heinrich Campes zur Verdeutschung von Lehnwörtern aus dem Französischen oder Lateinischen, wie <em>Staatsumwälzung</em> für <em>Revolution</em>, mokiert (vgl. Sangmeister 2021).</span></p>



<p>Ähnliche Überlegungen finden sich auch in der „Vorerinnerung“ zu <em>De la Rochefoucault’s Sätze[n] der höhern Welt- und Menschenkunde</em>: Hier betont der Übersetzer, dass er bestimmte französische Ausdrücke je nach Kontext unterschiedlich übersetzt habe, z.&nbsp;B. <em>goût</em> nicht nur durch <em>Geschmack</em>, sondern auch durch <em>Neigung</em>, <em>Hang</em> oder <em>Laune</em>, und <em>habile</em> nicht nur durch <em>geschickt</em>, sondern auch durch <em>ausgelernt</em>, <em>fein</em> oder <em>weltklug</em> (vgl. Schulz 1790c: 5f.). Zur Begründung dieser Vorgehensweise schreibt Schulz:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Was Triumph unserer Sprache, hauptsächlich ihres Reichthums und ihrer Bestimmtheit wäre, könnte man ihr sonst wohl als Armuth und dem Uebersetzer als Unwissenheit oder Nachlässigkeit anrechnen. (Schulz 1790c: 6)</p>
</blockquote>



<p>In den Vorworten der Übersetzungen aus dem Französischen zeigt sich insgesamt eine große Bewunderung für die französische Sprache. Im „Vorbericht“ zu Schulz’ bekanntester Übersetzung aus dem Englischen, <em>Clarisse in Berlin oder Geschichte der Albertine von Seelhorst</em>, die im Untertitel der hier zitierten zweiten Auflage als „Lesebuch für deutsche Mädchen“ bezeichnet wird, finden sich dagegen keine überschwänglichen Lobesworte für die Sprache des Autors, des Englischen, sondern zunächst eine Begründung für die Notwendigkeit einer Neuübersetzung:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Richardsons Clarisse […] erschien im deutschen Gewande zu einer Zeit, wo unsere Sprache noch sehr in ihrer Kindheit war: wo unsre Dichter und Philosophen und alle übrigen Schriftsteller, in welchem Fache der Litteratur sie auch arbeiteten, in ihren Bemühungen, sie zu bilden, nur vor kurzem erst den Anfang gemacht hatten […]. (Schulz 1797: IV)</p>
</blockquote>



<p>Seit Ende der 1760er Jahre, so Schulz weiter, habe sich die deutsche Literatursprache weiterentwickelt, und die davor erschienene Erstübersetzung sei daher „nicht mehr lesbar“ (ebd.: VIII). Der Neuübersetzer beschränkt sich aber keineswegs auf eine sprachliche Modernisierung, sondern verpflanzt den Stoff nach Deutschland, was wiederum mit deutlichen Kürzungen einhergeht:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Dadurch, daß wir den Schauplatz der Geschichte aus England nach Deutschland überpflanzten, verkürzte sich das Original um viele Bogen von selbst, und unsere Bearbeitung gewann, wie wir glauben, zugleich an Interesse und Zweckmäßigkeit dadurch. So bedarf es keiner Anstrengung für Leserinnen, sich nach England zu versetzen, und das ins Gedächtnis zurück zu rufen, was sie von London und den englischen Sitten überhaupt gelesen oder gehört haben […]. (Schulz 1797: XIIf.)</p>
</blockquote>



<p>Friedrich Schulz hat sich jedoch nicht nur in den Vorworten seiner Übersetzungen zu seiner eigenen Übersetzungsmethodik geäußert, sondern er hat auch in einem bisher in der Sekundärliteratur m.&nbsp;W. nicht beachteten Aufsatz übergreifende Reflexionen zur Methodik des Übersetzens angestellt. Es handelt sich um den Text „Bemerkungen über deutsche poetische Uebersetzer und Uebersetzungen“ (Schulz 1793) aus dem Sammelband <em>Mikrologische Aufsätze</em>, der einzigen Monographie von Friedrich Schulz mit eigenen literaturkritischen Aufsätzen und Essays.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="6"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup6">6</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="6">James Daniel Bean geht zwar in seiner Dissertation <em>The Literary Criticism of Friedrich Schulz</em> auf diesen Band ein, blendet Schulzʼ übersetzungstheoretische Überlegungen jedoch aus (vgl. Bean 1976: 180ff).</span>Schulz unterscheidet in dem genannten Aufsatz zwei Übersetzungsmethoden, ähnlich wie andere Autoren auch. Originell ist an Schulz‘ Ansatz, dass er die Wahl der Übersetzungsmethode konsequent am Zielpublikum festmacht. Wenn sich die Übersetzung an ein breites Publikum richte (bei Schulz als „Majorität“ bezeichnet), verbiete sich eine wörtliche, verfremdende Übersetzung. In Bezug auf die deutsche Übersetzung klassischer Werke von Homer, Vergil, Ovid u.&nbsp;a. für ein breites Publikum schreibt Schulz:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Da aber das bezeichnete Publikum hauptsächlich nur auf den Inhalt und Geist dieser Werke sieht, insofern es angenehme Belehrung oder auch wohl gar nur Zeitvertreib darinn sucht, so ergiebt sich die Vorschrift von selbst wie ich mich als Uebersetzer zu benehmen habe. Ich darf mir demnach nicht beygehen lassen, solche Werke in einer diesem Publikum fremden Manier und ungewöhnlichen Sprache, Wort für Wort, Vers für Vers, demselben vorzulegen, und dem Idiom meiner Muttersprache Gewalt anzuthun, um sie jenen alten und ausländischen Formen anzuschließen. […] Mein übersetzter <em>Homer</em> oder <em>Aeneas</em> muß also, wo möglich, in eben so guten und ganz deutschen Hexametern geschrieben seyn, als <em>Klopstocks Messias</em> […]. (Schulz 1793: 171f; Hervorhebungen im Original gesperrt).</p>
</blockquote>



<p>Auch für das gebildete und literarisch interessierte Publikum (bei Schulz als „Minorität“ bezeichnet) sei eine wörtliche Übersetzung nicht die angemessene Lösung. Stattdessen empfiehlt Schulz eine poetische Nachdichtung:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Diese [die Minorität] besteht aus den geschmackvollen Männern der Nation, denen es, da sie sachgelehrt und nicht bloß wortgelehrt sind, nie einfällt, mir Bild für Bild, Vers für Vers, Wort für Wort nachzuzählen. Diese Dinge sind für sie nicht wesentlich, aber, wenn Sie mir dieselben schenken, so thun sie dafür andere Forderungen […]. Ich muß das schreckliche Wort heraussagen – sie verlangen <em>Genie! </em>Ihnen ist es nicht genug, daß ich ein vortrefflicher Grieche oder Lateiner bin, daß ich alle, in meinem Original vorkommende, historische, mythologische, politische und sittliche Züge fühle und verstehe, sondern sie wollen, daß ich mit meinem Dichter, von einem nicht schlechtern Geist, als er selbst, getrieben, Hand in Hand gehe und bey meiner Uebersetzung mich eben so begeistert, eben so im Besitz aller Gaben der Mußen fühle, wie er selbst […]. (Schulz 1793: 174; Hervorhebung im Original gesperrt)</p>
</blockquote>



<p>Ziel einer solchen Übersetzung müsse es sein, so Schulz (1793: 177) weiter, „ein schönes Kunstwerk“ hervorzubringen, was bisher nur wenigen deutschen Übersetzern gelungen sei.</p>



<p>Auch wenn Schulz in dem zitierten Aufsatz seine eigenen Übersetzungen nicht explizit erwähnt, kann man davon ausgehen, dass die Orientierung am Zielpublikum für ihn die zentrale Richtschnur für seine Übersetzungen war und dass sich viele seiner Übersetzungen an ein breites Publikum richteten. Diese „Fähigkeit auf die Wünsche der damaligen Leserschaft einzugehen“ (Kosellek 2001: 36) mag auch dazu beigetragen haben, dass Schulz‘ Übersetzungen – ebenso wie seine Romane und Reiseberichte – von der zeitgenössischen Literaturkritik überwiegend freundlich aufgenommen wurden, während sie in späterer Zeit mehr und mehr in Vergessenheit gerieten.</p>



<p>Als Beispiel für die wohlwollende Aufnahme Schulz‘ durch die zeitgenössische Kritik wird meist eine in der <em>Allgemeinen Literatur-Zeitung</em> erschienene Sammelrezension von A.&nbsp;W. Schlegel zitiert. In dieser wird der Autor und Übersetzer Schulz u.&nbsp;a. als „angenehmer Gesellschafter“ und als „geistvolle[r] und vorurtheilsfreye[r] Beobachter“ charakterisiert, der mit einer „ausgebreiteten Belesenheit in der Französischen Literatur“ aufwarten könne (Schlegel 1797: 218f). Allerdings finden sich in dem Text auch einige kritische Bemerkungen zu einzelnen Übersetzungen, insbesondere zu <em>Josephe, nach Marivaux</em>:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Marivaux ist der einzige, der Hn. S. den Vorwurf machen dürfte, augenscheinlich unter seinen Händen eingebüßt zu haben. Der deutsche Bearbeiter hat ihm seine Eigenthümlichkeit genommen, ohne ihm eine andere dafür wiederzugeben. Josephe ist nur ein trockner Auszug der Marianne. Die Feinheit und Gefälligkeit des Originals ist fast nicht mehr zu erkennen und die Lebendigkeit ist ganz verschwunden. (Schlegel 1797: 226)</p>
</blockquote>



<p>Der Tenor der Sammelbesprechung ist jedoch insgesamt positiv. Auch Schiller, Wieland und Goethe sprachen sich anerkennend über Schulz aus (vgl. Košenina 2011: 630). Während Recke und Napiersky (1832: 144) Schulz noch als „Liebling […] des Lesepublikums seiner Zeit“ beschreiben, fällt Goedekes Urteil dagegen bereits kategorisch negativ aus: „Angeblich dem Geniewesen abhold, bewegte er sich im rüdesten Tone der Genies, nur ohne Genie“ (Goedeke 1916: 929). In der neueren Forschungsliteratur, die mit der Dissertation von Bean (1976) einsetzt, bemüht man sich um ein differenzierteres Bild. Allerdings steht meist Schulz‘ Tätigkeit als Roman- und Reiseschriftsteller im Mittelpunkt. Zu seiner Übersetzungstätigkeit finden, sich – abgesehen von Einzelstudien wie Cantarutti (1990) – meist nur knappe Bemerkungen. Eine umfassende Würdigung von Schulz’ Übersetzungstätigkeit steht noch aus. Dies gilt ebenso für seine übersetzungstheoretischen Reflexionen.</p>
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		<item>
		<title>Krüger, Lore</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/lore-krueger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Apr 2023 14:44:42 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[]]></description>
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		<title>König, René</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/rene-koenig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Aug 2022 11:04:16 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Den aus einer deutsch-französischen Industriellenfamilie stammenden René König führten bereits Kindheit und Jugend in unterschiedlichste Länder: Frankreich, Italien, Spanien, Türkei. Die Schule besuchte er in Halle/Saale und im Freistaat Danzig. 1925 nahm er das Studium in Wien auf (Philoso­phie, Psychologie, islamische Sprachen), ab 1926 setzte er es in Berlin fort (Philosophie, Romanistik, Ethnologie). 1930 wurde [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[    <div class="uelex-redaktionelles">
        <p class="uelex-redaktionelles-header" id="uelex-redaktionelles-id">Vorbemerkung der Redaktion
            

<p>Dieses Biogramm entstand im Rahmen des DFG-geförderten D-A-CH-Projekts <em>Exil:Trans</em> (2019–2022) und erschien zuerst in: Tashinskiy, Aleksey / Boguna, Julija / Rozmysłowicz, Tomasz: Translation und Exil (1933–1945) I: Namen und Orte. Recherchen zur Geschichte des Übersetzens. Berlin: Frank &amp; Timme 2022, S. 431–433.</p>


        </p>
    </div>


<p>Den aus einer deutsch-französischen Industriellenfamilie stammenden René König führten bereits Kindheit und Jugend in unterschiedlichste Länder: Frankreich, Italien, Spanien, Türkei. Die Schule besuchte er in Halle/Saale und im Freistaat Danzig. 1925 nahm er das Studium in Wien auf (Philoso­phie, Psychologie, islamische Sprachen), ab 1926 setzte er es in Berlin fort (Philosophie, Romanistik, Ethnologie). 1930 wurde er mit einer romanis­ti­schen Arbeit zur Künstlerästhetik promoviert. In den ersten Jahren der na­tionalsozialistischen Herrschaft, in denen er u.&nbsp;a. als Lektor für den Berliner Verlag Die Runde tätig war, scheint er ähnlich wie Heidegger versucht zu haben, durch die Propagierung einer „Versöhnung von Wissenschaft und Staat“ in die Nähe der neuen Machthaber zu rücken. Sein Ideen Humboldts aufgreifendes Buch <em>Vom Wesen der deutschen Universität</em> (1935) wurde in akademisch-nationalsozialistischen Kreisen jedoch als „reaktionärer Idealis­mus“ attackiert, angeblich sogar verboten (König 1980:&nbsp;107). Eine Laufbahn als Wissenschaftler war damit für König in Deutschland ausgeschlossen. Nach zehn Jahren in Berlin und mehreren Sizilien-Aufenthalten („erste Schritte in die Emigration“; ebd.) ging er in die Schweiz. An der Universität Zürich wurde er zwar 1938 habilitiert, musste sich aber als Privatdozent ohne feste Anstellung und Gehalt durchschlagen, u.&nbsp;a. als Lehrbeauftragter an der 1942 gegründeten polnischen Universität für die aus Frankreich in die Schweiz übergetretenen Soldaten der 2. Polnischen Division. Erst nach dem Krieg wurde er in Zürich zum Honorarprofessor ernannt. 1949 nahm er ei­nen Ruf an die Universität Köln an, wohin er 1953 mit seiner Familie umzog. Auch in Opposition zur Frankfurter Schule (Horkheimer, Adorno) stieg er zu einem der international führenden deutschen Soziologen auf. Das von ihm erstmals 1958 herausgegebene und in mehrere Sprachen übersetzte <em>Fi­scher Lexikon Soziologie</em> wurde bis 1980 in über 400.000 Exemplaren ver­kauft.</p>



<h4 class="wp-block-heading" id="translatorisches"><strong>Translatorisches</strong></h4>



<p>Um seine kargen Einkünfte im Schweizer Exil aufzubessern, hat König sich um Übersetzungsaufträge bemüht. Für die Weltliteratur-Reihe der Bücher­gilde Gutenberg brachte er den Sizilien-Roman <em>Malavoglia</em> von Giovanni Verga (gut 300 Druckseiten) ins Deutsche, für den Scherz-Verlag in Bern die Oscar Wilde-Biographie von Hesketh Pearson (380 S.) und die <em>Tagebücher 1939–1943</em> (530 S.) des Grafen Ciano, des Schwiegersohns von Mussolini und Außenministers in der Zeit des Bündnisses mit Hitler-Deutschland. Eben­falls bei Scherz erschien Königs Übersetzung des Kriminalromans <em>Drury Lane&#8217;s last case</em>. Weitere Krimi-Übersetzungen soll er unter Pseudonym ver­öffentlicht haben. Ende der 40er Jahre hat König die Nebenbeschäftigung Übersetzen aufgegeben. Seine seit 1961 in vielen Ausgaben erschienene „Bearbeitung“ (im heutigen Verständnis eher eine Neuübersetzung) der äl­teren deutschen Version von Emile Durkheims <em>Les règles de la méthode socio­logique</em> ist nicht mehr als „Nebenbeschäftigung“ zu bezeichnen, denn mit Durkheims Buch von 1895 liegt laut König für sein eigenes Fach, die Sozio­logie, eine ähnlich wichtige Schöpfung vor wie in Descartes‘ <em>Discours de la méthode </em>von 1637 für die allgemeine Philosophie. Unter dem Aspekt des „Kulturübersetzens“ wären weitere Arbeiten Königs zu berücksichtigen, z.&nbsp;B. das 1943 in Zürich erschienene Sizilien-Buch oder auch die 1973 publizierte entwicklungssoziologische Studie <em>Indianer wohin? Alternativen in Arizona</em>.</p>
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		<title>Alvensleben, Ludwig von</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/alvensleben-ludwig-von/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Dec 2021 13:52:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Ludwig von Alvensleben war einer der produktivsten Übersetzer des 19. Jahrhunderts. Er gilt daher heute manchen als Prototyp des nur auf Quantität bedachten „Fabrikübersetzers“. Dass die Zeitgenossen seine Übersetzungstätigkeit nicht ganz so negativ einschätzten, lässt sich an seinerzeit veröffentlichten Rezensionen erkennen. Der Blick in die Bibliographie macht allerdings auch deutlich, dass sich seine Übersetzungen im [&#8230;]]]></description>
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<p>Ludwig von Alvensleben war einer der produktivsten Übersetzer des 19. Jahrhunderts. Er gilt daher heute manchen als Prototyp des nur auf Quantität bedachten „Fabrikübersetzers“. Dass die Zeitgenossen seine Übersetzungstätigkeit nicht ganz so negativ einschätzten, lässt sich an seinerzeit veröffentlichten Rezensionen erkennen. Der Blick in die Bibliographie macht allerdings auch deutlich, dass sich seine Übersetzungen im Literaturbetrieb bzw. am Buchmarkt nicht lange halten konnten.</p>



<p>Ludwig Karl Friedrich Wilhelm Gustav von Alvensleben wurde am 3. Mai 1800 in Berlin geboren und studierte nach seinem Militärdienst in Leipzig Jura, ohne das Studium abzuschließen. Er betätigte sich ab Mitte der 20er Jahre in Leipzig als Schriftsteller, Herausgeber und vor allem als Übersetzer. 1836 war er für kurze Zeit Leiter des Meininger Hoftheaters, bevor er nach Wien umzog, wo er seine Schriftsteller- und Übersetzertätigkeit fortsetzte. 1848 wurde von Alvensleben wegen „revolutionärer Umtriebe“ in Wien festgenommen und zu einem Jahr Festungshaft verurteilt. Er starb am 4. August 1868 in Wien.</p>



<p>In seiner Vita fehlen „Hinweise auf eine intensive Sprachausbildung, längere Auslandsaufenthalte oder andere Gelegenheiten, Sprachkenntnisse zu perfektionieren“ (Bachleitner 1989: 25). Seine schriftstellerische Tätigkeit bewegte sich großenteils im Bereich der Unterhaltungsliteratur und umfasst neben zahlreichen Romanen auch „populäre Gebrauchsliteratur“, wie z. B. den Band&nbsp;<em>Polterabend-Scherze</em>&nbsp;(Lutz 2008: 114). Ein Teil seiner frühen Veröffentlichungen erschien unter den Pseudonymen Gustav Sellen (darunter zahlreiche Übersetzungen) oder Chlodwig (nur Originalwerke).</p>



<p>Von Alvenslebens übersetzerisches Œuvre umfasst ca. 120, oft mehrbändige Monographien sowie ca. 20 kürzere Übersetzungen (vgl. Bachleitner 1989: 41ff.). Allein im Jahr 1835 erschienen zehn von ihm übersetzte Werke. Als Originalsprache überwiegt das Französische, mit Abstand gefolgt vom Englischen. Besonders häufig übersetzte von Alvensleben populäre zeitgenössische Romane. Zur deutschen Werkausgabe von Eugène Sue steuerte er 14 Romane und sechs Novellen bei. Auch Literatur des 17. und 18. Jahrhunderts (Molière, Defoe, Swift) ist vertreten, allerdings in weit geringerem Umfang. Neben Belletristik übersetzte von Alvensleben vor allem populäre Veröffentlichungen zu historischen Themen sowie Memoirensammlungen, bevorzugt von französischen Adeligen. Als umfangreichste Veröffentlichung dieses Genres seien die&nbsp;<em>Memoiren der Herzogin von Abrantes</em>&nbsp;erwähnt, die 1831–1838 in 25 Bänden erschienen.</p>



<p>August Prinz beschreibt in einer noch zu von Alvenslebens Lebzeiten erschienenen Abhandlung zur Geschichte des Buchhandels dessen Übersetzerwerkstatt explizit als „Übersetzungsfabrik“:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>[&#8230;] es wurden ordentliche Uebersetzungsfabriken etablirt. Die erste Hauptunternehmung der Art war wohl das Auftreten des Herrn v. Alvensleben; aus Berlin verwiesen trat er in Leipzig unter dem Namen ‚Gustav Sellen‘ auf. In dem famosen Klitschergäßchen miethete er eine große Wohnung, in der er vier Schreiber zugleich beschäftigte, abwechselnd dem einen oder dem anderen dictirend. Wie die Uebersetzungen wurden, kann man sich leicht denken, doch war dies den Verlegern gleich; sie waren die ersten und zahlten an H. v. Alvensleben statt zwei Louis d’or nur einen für den Bogen. (Prinz 1855: 13)</p></blockquote>



<p>Auch Bachleitner stellt in Bezug auf von Alvenslebens Übersetzungen einen ursächlichen Zusammenhang zwischen hoher Quantität und niedriger Qualität her. In diesem Kontext zitiert er die folgende Passage aus der 1835 erschienenen Übersetzung des Romans&nbsp;<em>La lampe de fer</em>&nbsp;(<em>Die eiserne Lampe</em>) von Michel Masson, in der der Übersetzer offenbar beim Diktieren den Überblick über die Syntax verloren hatte:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>1425 wurde ein Mann, der angeklagt war, den Enthusiasmus der Soldaten durch seinen Muth erregt, auf sein Haupt die Liebe des Volkes gezogen zu haben, das er durch seine Mäßigung im Siege gewann, und endlich nach den Rechten seines Herrn gestrebt zu haben, indem er sich in der Achtung der Fremden über ihn stellte; – ein Mann also, sagten wir, verfolgte 1425 traurigen Schrittes den Weg nach Venedig. (zit. nach Bachleitner 1989: S. 28)</p></blockquote>



<p>Da es im Rahmen des vorliegenden Artikels nicht möglich ist, eine umfassende Analyse der Übersetzungen von Alvenslebens durchzuführen, soll zumindest durch eine Auswertung zeitgenössischer Rezensionen versucht werden, einen Eindruck davon zu vermitteln, wie die Übersetzungen seinerzeit in der Öffentlichkeit eingeschätzt wurden. Ausgehend von der Aufstellung bei Goedeke (1913: 417) wurden die Rezensionen der&nbsp;<em>Blätter für literarische Unterhaltung</em>&nbsp;durchgesehen. Diejenigen Rezensionen, in denen die Qualität der Übersetzung thematisiert wird, lassen sich grob in zwei Gruppen aufteilen:</p>



<p>In den Rezensionen der ersten Gruppe wird die Übersetzung nur kursorisch und pauschal charakterisiert, stets positiv bis sehr positiv, ohne Vergleich mit dem Original: „Die gut geschriebene und ebenso übersetzte Schrift [&#8230;]“ (1828: 836); „Die Uebersetzung liest sich leicht“ (1830: 771); „Die Uebersetzung liest sich sehr gut“ (1831: 308); „Die vorliegende Uebersetzung [&#8230;] ist musterhaft; wir wüßten nicht das Geringste daran zu tadeln“ (1833: 60); „Da nun das Buch auch einen guten Uebersetzer fand, ist an einer günstigen Aufnahme nicht zu zweifeln“ (1835: 788); „Die Uebersetzung ist fließend und gewandt wie sich das von L. von Alvensleben erwarten ließ“ (1852: 20).</p>



<p>Dass diese Rezensionen nicht auf einem Vergleich mit dem Original basieren, wird in den beiden folgenden Zitaten besonders deutlich: „Daß keine Längen [&#8230;] diese Erzählungen verflachen, ist vermutlich das Verdienst des Uebersetzers, bei dessen fließender Schreibart Einem nicht die Meinung kommen kann, kein Original zu lesen“ (1830: 588); „Die Uebersetzung liest sich gut; ob sie (was nicht unmöglich wäre) das Original durch Abkürzen und mitunter angebrachte Effecte verbesserte, läßt sich, bei der Unkunde von jenem, nicht mit Sicherheit behaupten“ (1831: 180).</p>



<p>Wenn auch die zitierten Rezensionen keine Detailaussagen dazu machen, wie von Alvensleben beim Übersetzen vorgegangen ist, so zeigt sich doch, dass er in der Öffentlichkeit keineswegs nur als oberflächlich arbeitender „Fabrikübersetzer“ wahrgenommen wurde.</p>



<p>In den Rezensionen der zweiten Gruppe wird die Übersetzung etwas differenzierter betrachtet und in Beziehung zum Original gesetzt. Hier finden sich sowohl positive als auch negative Urteile. Zunächst ein Beispiel für eine positive Einschätzung (rezensiert wurde eine Anthologie von aus dem Englischen übersetzten Erzählungen):</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Die Uebersetzung ist gut und liest sich sehr flüßig, welches kein geringer Vorzug ist, da in dem Buche nicht weniger als neun Verfasser abwechseln, deren Eigenthümlichkeiten der Bearbeiter recht glücklich und klar hervortreten läßt. (1827: Beilage Nr. 11)</p></blockquote>



<p>Während in diesem Fall die stilistischen Qualitäten der Übersetzung gelobt werden, wird in einer Besprechung der&nbsp;<em>Memoiren der Restauration</em>&nbsp;der Herzogin Abrantes gerade diese Qualität bestritten:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Die deutsche Übersetzung dieser Memoiren ist etwas sorgfältiger als die der früheren Memoiren unserer Herzogin; jedoch ist sie auch nur etwa von gröberen Verstößen frei; denn die Anmuth der Conversation und das leichte Geplauder, worin die Verf. fast Meisterin ist, hat die Übersetzung nirgend erreicht, es wol auch nicht einmal versucht zu erreichen. (1838: S. 32)</p></blockquote>



<p>Eine negative Einschätzung gibt der folgende Rezensent auch zur Übersetzung der Memoiren des französischen Königs Ludwigs XVIII.:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>[&#8230;] wie viel hätte dieses Werk gewonnen, wenn, anstatt hier eine nur zu flüchtige Übersetzung zu geben, eine mit Anmerkungen, Nachträgen und Berichtigungen ausgestattete Uebertragung mitgetheilt würde. (1834: S. 699)</p></blockquote>



<p>Der zuletzt zitierte Rezensent hätte sich also für die Memoirenliteratur eine kommentierte Übersetzung gewünscht, was angesichts des großen Umfangs der Übersetzungen dieses Genres einen hohen zeitlichen Aufwand nötig gemacht hätte. Dennoch hat von Alvensleben zumindest in einem Fall eine – modern gesprochen – stärker philologische Herangehensweise an den Tag gelegt, und zwar bei der von ihm herausgegebenen und übersetzten Sammlung von&nbsp;<em>Napoleon’s Werken</em>&nbsp;(1840). In der Einleitung beschreibt von Alvensleben als Herausgeber Ziel und Aufbau dieser Veröffentlichung:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Der Sammler dieser Werke, welche ein wichtiges Supplement zu den verschiedenen Memoiren über Napoleon bilden, ist nun bemüht gewesen, Alles zu sammeln, was der Feder dieses größten Mannes unseres Jahrhunderts als abgeschlossenes Ganze entsprang, und um eine trockene Zusammenstellung zu vermeiden, hat er zugleich die Hauptumstände dargestellt, unter denen die einzelnen Abhandlungen in das Leben gerufen wurden, weil nur dadurch Manches verständlich oder in das gehörige Licht gesetzt wird. (Alvensleben 1840: S. 4)</p></blockquote>



<p>Das Werk enthält nicht nur historische Erläuterungen (für ein breites Publikum), sondern auch Anmerkungen mit Hinweisen zur Quellenlage, wie z. B.:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Entlehnt aus:&nbsp;<em>Die Jugendjahre Napoleons, von dem Baron Coston</em>, einem höchst interessanten Werke, welches mit unverkennbarer Genauigkeit gearbeitet ist, und aus den früheren und frühesten Lebensperioden Napoleons mehrere bisher noch unbekannte Züge enthält. Eine deutsche Uebersetzung erschien davon bei Paul Baumgärtner in Leipzig. (Alvensleben 1840: S. 7)</p></blockquote>



<p>1842 folgte die ähnlich konzipierte Sammlung&nbsp;<em>Napoleon’s hinterlassene Werke</em>. Kommentierend edierte Werke wie diese sind bei von Alvenslebens umfangreichem Œuvre aber eher die Ausnahme als die Regel. In einem anderen Fall nahm er zugunsten der leichteren Lesbarkeit eine „Entphilologisierung“ vor. Im&nbsp;<em>Vorwort des Uebersetzers</em>&nbsp;zu d’Arlincourts Buch&nbsp;<em>Das rothe Italien</em>&nbsp;begründet er, warum er in seiner Übersetzung die Einleitung des Verfassers weggelassen hat:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow"><p>Der Verfasser leitete sein Werk mit einer Vorrede ein, welche beinahe zwei Druckbogen umfaßt. Ich ließ sie fort und glaube, meine Gründe dafür den Lesern darlegen zu müssen.</p><p>Die lange Einleitung enthielt durchaus nichts, was für das Werk selbst von Wichtigkeit war, sondern nur eine Beschreibung der Reisen, welche der Verfasser unternahm, um in den Besitz seiner Materialien zu gelangen. Sie konnte daher nicht zu dem besseren Verständnisse des Werkes dienen, wohl aber ein sehr nachtheiliges Vorurtheil gegen dasselbe erwecken, denn sie war mit großer Breite und Weitschweifigkeit geschrieben, während dagegen das Werk selbst sich durch einen Styl der Gedrängtheit und Kürze auszeichnet, wie man ihn nach dem der Vorrede nicht hätte vermuthen sollen. (Alvensleben 1851: III)</p></blockquote>



<p>Als Autor gehörte von Alvensleben nach Bachleitner (1989: 25) „dem Typus des vielschreibenden, aber nicht allzu erfolgreichen Schriftstellers“ an. So überrascht es nicht, dass er mindestens in einem Fall auch zum Verfahren der „Pseudoübersetzung“ griff, um von der Popularität eines anderen Autors (im vorliegenden Fall einer Autorin) zu profitieren. 1830 erschien der Roman&nbsp;<em>Die Todes-Wette</em>&nbsp;mit der Angabe „Frei nach dem Englischen bearbeitet von L. von Alvensleben (Gustav Sellen)“. Als Autorin wurde die populäre britische Autorin von Schauerromanen Ann Radcliffe angegeben. Dieser Roman wird noch bei Bachleitner (1989: 42) sowie in der digitalisierten Fassung von 2004 als Übersetzung eines Romans von Radcliffe aufgeführt (bezeichnenderweise ohne Angabe eines englischen Originaltitels), obwohl sich bereits 1835 in Pierers&nbsp;<em>Universal-Lexikon</em>&nbsp;der Hinweis fand, dass es sich um eine „fingirte Übersetzung“ (Pierer 1835: 594) aus der Feder von L. von Alvensleben handelt. Von Alvensleben stand hierbei übrigens in einer gewissen Tradition, denn in den Jahren 1816 und 1818 waren bereits in Frankreich, wo Radcliffe sehr populär war, Pseudoübersetzungen unter ihrem Namen erschienen (vgl. Delisle/Woodsworth 2012: 208).</p>



<p>Auch bei einem äußerst produktiven „Fabrikübersetzer“ wie Ludwig von Alvensleben scheint es demnach zu einfach zu sein, hohe Quantität kategorisch mit niedriger Qualität gleichzusetzen. Wie sich die Herangehensweise an das Übersetzen bei von Alvensleben entwickelt hat, müsste durch Einzelanalysen genauer ermittelt werden. Solche gründlichere Beschäftigung mit seinen Übersetzungen könnte auch neue Einsichten in das vermeintliche bzw. tatsächliche Altern von Übersetzungen und Originalen erbringen.</p>
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