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	<title>Autobiographien/Memoiren &#8211; UeLEX</title>
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	<description>Germersheimer Übersetzerlexikon</description>
	<lastBuildDate>Wed, 15 Apr 2026 12:31:00 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Mann, Klaus</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/mann-klaus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Apr 2026 11:22:25 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[    <div class="uelex-redaktionelles">
        <p class="uelex-redaktionelles-header" id="uelex-redaktionelles-id">Vorbemerkung der Redaktion
            

<p>Dieses Prosopogramm entstand im Rahmen des deutsch-österreichisch-schweizerischen Forschungsprojekts <em><a href="https://uelex.de/neuigkeiten/#2025">Post-Exil: Trans (2025-2027)</a></em>.</p>


        </p>
    </div>]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Schoenberner, Franz</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/schoenberner-franz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 21:46:00 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Schoenberner hat 1946, 1949 und 1957 in englischer Sprache drei Bände Erinnerungen veröffentlicht. Den zweiten und dritten Band hat er selber ins Deutsche übersetzt, sie erschienen 1965/66 im Kreisselmeier Verlag (Icking, München). Einzelheiten über die Entstehungsgeschichte dieser nachexilischen Selbstübersetzungen könnten u. U. aus dem im Nachlass aufbewahrten, die Jahre 1963 bis 1969 umfassenden Briefwechsel mit [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[    <div class="uelex-redaktionelles">
        <p class="uelex-redaktionelles-header" id="uelex-redaktionelles-id">Vorbemerkung der Redaktion
            

<p>Dieses Prosopopgramm entstand im Rahmen des deutsch-österreichisch-schweizerischen Forschungsprojekts <em><a href="https://uelex.de/neuigkeiten/#2025" data-type="link" data-id="https://uelex.de/neuigkeiten/#2025">Post-Exil: Trans (2025-2027)</a></em>.</p>


        </p>
    </div>


<p>Schoenberner hat 1946, 1949 und 1957 in englischer Sprache drei Bände Erinnerungen veröffentlicht. Den zweiten und dritten Band hat er selber ins Deutsche übersetzt, sie erschienen 1965/66 im Kreisselmeier Verlag (Icking, München). Einzelheiten über die Entstehungsgeschichte dieser nachexilischen Selbstübersetzungen könnten u. U. aus dem im Nachlass aufbewahrten, die Jahre 1963 bis 1969 umfassenden Briefwechsel mit dem Verlag ermittelt werden.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Jahn, Hedwig</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/jahn-hedwig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Mar 2026 22:30:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Rudolfine Marie Sophie Hedwig Jahn wurde am 28. Januar 1845 in Neustrelitz (Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz) als Tochter des Gutsbesitzers Hermann Jahn (1809–1890) und seiner Frau Charlotte Luise Auguste (1820–1906) geboren. 1846 zog die Familie nach Berlin. Wie sich Hedwig Jahn auf ihre Tätigkeit als Übersetzerin für englische, französische, italienische und dänische Literatur vorbereitete, ist nicht bekannt [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Rudolfine Marie Sophie Hedwig Jahn wurde am 28. Januar 1845 in Neustrelitz (Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz) als Tochter des Gutsbesitzers Hermann Jahn (1809–1890) und seiner Frau Charlotte Luise Auguste (1820–1906) geboren. 1846 zog die Familie nach Berlin. Wie sich Hedwig Jahn auf ihre Tätigkeit als Übersetzerin für englische, französische, italienische und dänische Literatur vorbereitete, ist nicht bekannt (Behrens 2024: 96). 1893 veröffentlichte sie ein Buch mit dem Titel <em>Blüten ausländischer Lyrik</em> mit von ihr aus dem Englischen, Französischen und Italienischen übersetzten Gedichten aus verschiedenen Zeitepochen.</p>



<p>In den folgenden Jahren befasste sie sich immer wieder intensiv mit dem lyrischen Werk der italienischen Schriftstellerin Ada Negri (1870–1945), und es erschienen drei Bücher mit Gedichten: <em>Schicksal</em> (1894), <em>Stürme</em> (1896) und <em>Mutterschaft</em> (1905) (Biasiolo 2020: 122–123, 127). Zur zweiten Auflage von <em>Schicksal</em> (1895) schrieb Jahn eine Einführung in das Leben und Werk Negris. Zudem stellte sie die Dichterin in kurzen Beiträgen in Frauenzeitschriften und einem Frauenkalender vor (Jahn 1894/1895, Jahn 1895 a, Jahn 1895 b).</p>



<p>Auch in zwei Lyrikanthologien wurden Übersetzungen Jahns aufgenommen. Ein 1897 von Fritz Gundlach (Lebensdaten unbekannt) herausgegebenes Buch mit italienischer Lyrik enthält Gedichte der Schriftsteller Giuseppe Capparozzo (1802–1848), Andrea Maffei (1798–1885), Ferdinando Martini (1841–1928), Pietro Metastasio (1698–1782), Ada Negri, Giovanni Pascoli (1855–1912), Emilio Praga (1839–1875), Felice Romani (1788–1865), Giovanni Gherardo de Rossi (1754–1827), Lorenzo Stecchetti (1845–1916) und Jacopo Vittorelli (1749–1835). In einer von Konrad Beißwanger (1869–1934) konzipierten Anthologie mit Werken von Arbeiterdichtern (1900) sind einige Werke Ada Negris zu finden.</p>



<p>Laut einem Hinweis in einem Gedichtband des italienischen Schriftstellers Luigi Donati (1870–1946) (<em>Le ballate d’amore e di dolore, aprile 1895 – marzo 1897.</em> Seconda edizione. Mailand 1897, Seite links neben der Titelseite) wollte Jahn gemeinsam mit einem Kollegen dessen Buch <em>Tentativi. Prosa e versi</em> (1893) übersetzen. Der Plan wurde allerdings nicht umgesetzt. Der Mediziner und Anthropologe Cesare Lombroso (1835–1909) erkundigte sich 1899 bei ihr, ob sie Gedichte von Giovanni Cena (1870–1917) ins Deutsche übersetzen könnte, was sie jedoch aus Zeitgründen ablehnte.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="5"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup5">5</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="5">Università di Torino, Museo di antropologia criminale „Cesare Lombroso“, IT SMAUT Carrara/CL. – Iahn (!), Hedwig_01 Brief von Hedwig Jahn vom 15. August 1899 an Cesare Lombroso.</span></p>



<p>Ende 1900 bekundete Jahn ihr Interesse an einem Wettbewerb, in dem die besten Übersetzungen des Huldigungsgedichts <em>Reine de vingt ans</em> (1898) des Schriftstellers Jean Rameau (1858–1942) für Königin Wilhelmina der Niederlande (1880–1962) in verschiedene Sprachen ausgezeichnet werden sollten.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="6"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup6">6</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="6"> Herald’s Competition for the best Translations of M. Jean Rameau’s Poem, published in the <em>Matin</em>. In: The New York Herald. European Edition Paris Nr. 23.489, 14. Dezember 1900, S. 5.</span></p>



<p>Hedwig Jahn arbeitete viele Jahre für verschiedene renommierte Verlage als Übersetzerin. Neben den Gedichten Ada Negris übersetzte sie auch Prosa aus dem Italienischen: den autobiographischen Text <em>Neun Monate Gefangenschaft bei Menelik. Erinnerungen eines Kriegsgefangenen in Schoa (März 1896–Januar 1897)</em> (1897) des Offiziers Giovanni Battista Gamerra (1848–1915), die Biografie <em>Antonio Allegri da Correggio. Sein Leben und seine Zeit</em> (1898) des Kunsthistorikers und Denkmalpflegers Corrado Ricci (1858–1934) sowie das Buch <em>Die italienischen Robinsons. Erzählung für die Jugend</em> (1898) des Schriftstellers Emilio Salgari (1862–1911).</p>



<p>Aus dem Französischen übersetzte sie 1898 den Bericht des Unternehmers Henri Lachambre (1846–1904) und seines Neffen Alexis Machuron (1872–1901) über die Ballonexpedition des schwedischen Ingenieurs und Nordpolforschers Salomon August Andrée (1854–1897). 1908 erschien eine Sammlung philosophischer Texte des Schriftstellers Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) unter dem Titel <em>Kulturideale</em>.</p>



<p>An einer Edition ausgewählter Werke des englischen Schriftstellers und Kunsthistorikers John Ruskin (1819–1900) beteiligte sich Jahn mit den Büchern <em>Sesam und Lilien</em> (1900) und <em>Steine von Venedig</em> (1903, 1904, 1906). Sie übersetzte ferner aus dem Englischen Romane von Elizabeth Cleghorn Gaskell (1810–1865) (<em>Cranford. Roman einer wunderlichen kleinen Stadt</em>, 1903) und Charles Dickens (1812–1870) (<em>Eine Geschichte von zwei Städten</em>, 1914) sowie die Autobiografie von Richard Jefferies (1848–1887) (<em>Die Geschichte meines Herzens</em>, 1906). Zwei Romanübersetzungen erschienen in Zeitungen: <em>In der Schlinge</em> der irischen Schriftstellerin Annie French Hector (1825–1902) in der <em>Staatsbürger-Zeitung</em> (September bis Dezember 1896) und <em>Soll man lieben</em>? des französischen Schriftstellers Léon de Tinseau (1844–1921) im <em>Hamburger Fremdenblatt</em> (Januar und Februar 1902). Für das <em>Hamburger Fremdenblatt</em> übersetzte sie außerdem zwischen 1891 und 1908 fünfundachtzig Kurzgeschichten englischer, amerikanischer, französischer sowie italienischer zeitgenössischer Autoren und Autorinnen.</p>



<p>Ein Brief Jahns aus dem Jahr 1902 an den Architekten und preußischen Baubeamten Hermann Muthesius (1861–1927) enthält Informationen über ihre Arbeitsweise. Sie schickte ihm die Korrekturbögen der ersten sechs Kapitel ihrer Übersetzung von John Ruskins <em>Stones of Venice</em> mit der Bitte um kritische Durchsicht. Dabei erwähnte sie, dass die Architekten Hermann von der Hude (1830–1908) und Hermann Ende (1829–1907) sie an ihn verwiesen hatten und dass sie sich mit dem Architekten Paul Gottheiner (1838–1919) bereits wegen der Übersetzung von Fachbegriffen ausgetauscht hatte. Sie bat auch Muthesius in einigen Fällen um Übersetzungsvorschläge bzw. die Bestätigung ihrer Formulierungen. Offenbar suchte sie gezielt den Kontakt zu Fachleuten, um eine korrekte Übersetzung bieten zu können.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="7"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup7">7</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="7">Werkbundarchiv – Museum der Dinge Berlin, Signatur D 102-3205, Brief von Hedwig Jahn an Hermann Muthesius vom 6. Mai 1902.</span></p>



<p>Anlässlich ihres 60. Geburtstages würdigte die Zeitschrift <em>Die Woche</em> Jahns jahrelange Arbeit als Übersetzerin mit einer kurzen Notiz und einem Foto.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="8"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup8">8</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="8">Die Woche. Moderne Illustrierte Zeitschrift Jg. 7 (1905), Nr. 5, 226. </span>Hedwig Jahn starb am 23. Mai 1919 in Berlin (Behrens 2024: 100).</p>



<p></p>
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		<title>Wydenbruck, Nora</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/wydenbruck-nora/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Feb 2026 22:59:19 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Nora Wydenbruck,1Vollständiger Name: Gräfin Eleonora Frederika Agnes Augusta Maria von Wydenbruck, nach der Heirat: Nora Purtscher-Wydenbruck. Tochter von Graf Christoph Anton Maria von Wydenbruck, Sekretär der österreichisch-ungarischen Botschaft, und Gräfin Maria von Fugger-Babenhausen, wurde am 15. Januar 1894 in London geboren (Erhart 1999: 591; Braun 1959: 40). Im Alter von zwei Jahren zog sie mit [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Nora Wydenbruck,<span class="oes-note oes-popup" data-fn="2"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup2">2</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="2">Vollständiger Name: Gräfin Eleonora Frederika Agnes Augusta Maria von Wydenbruck, nach der Heirat: Nora Purtscher-Wydenbruck.</span> Tochter von Graf Christoph Anton Maria von Wydenbruck, Sekretär der österreichisch-ungarischen Botschaft, und Gräfin Maria von Fugger-Babenhausen, wurde am 15. Januar 1894 in London geboren (Erhart 1999: 591; Braun 1959: 40). Im Alter von zwei Jahren zog sie mit ihrer Mutter und Schwester nach Kärnten, wo sie auf dem Familiensitz, Schloss Meiselberg bei Maria Saal, aufwuchs (Wydenbruck 1932: 6) und von englischen und französischen Kindermädchen erzogen wurde (Erhart 1999: 592). Hierdurch wurde frühzeitig der Grundstein für ihre Mehrsprachigkeit gelegt. Nach Stationen in Kopenhagen, Dresden und Wien, die hauptsächlich der Bildung gewidmet waren (Wydenbruck 1932: 29; Wydenbruck 1956: 50, 111), lernte Wydenbruck in Klagenfurt den Tier- und Landschaftsmaler Alfons Purtscher kennen. 1919 heiratete sie gegen den Willen ihrer Familie Purtscher (Wydenbruck 1956: 129), mit dem sie zunächst in Klagenfurt und Pörtschach am Wörthersee, dann ab 1926 bis zu ihrem Tod 1959 in London lebte (Erhart 1999: 599, 600, 606, 682).</p>



<p>In England gab sie 1933 ihre österreichische Staatsangehörigkeit auf und nahm die britische an (Wydenbruck 1956: 181). Während des Krieges war sie als Freiwillige für die Zivilverteidigung tätig (Wydenbruck, Manuskript zu <em>My Two Worlds</em>, zit. in Erhart 1999: 634). Sie unterstützte Flüchtlinge, darunter auch ihre Cousine, die Schriftstellerin und Upton Sinclair-Übersetzerin Hermynia zur Mühlen, die mit ihrem Mann&nbsp;<a href="https://uelex.de/uebersetzer/klein-stefan-i/">Stefan I. Klein</a>&nbsp;nach England entkommen war. Von August 1943 bis 1945 wohnten beide bei ihr (Erhart 1999: 643).</p>



<p>Nora Wydenbruck war zunächst als Dichterin und Malerin tätig, nach ihrer Übersiedlung nach London 1926 übernahm sie auch journalistische und zunehmend übersetzerische Tätigkeiten. Sie trat außerdem als Herausgeberin und Autorin, insbesondere von Biographien und historischen Romanen, hervor. Zwei Dichter beeinflussten Wydenbrucks Wirken maßgeblich: Rainer Maria Rilke und T. S. Eliot. So zählen ihre englische Übertragung von Rilkes <em>Duineser Elegien</em> und ihre deutsche Übertragung von T. S. Eliots <em>Four Quartets</em>, sowie einiger seiner Theaterstücke, zu ihren bekanntesten Übersetzungen. Mit beiden Dichtern pflegte sie eine persönliche Verbindung. Mit Rilke korrespondierte sie von 1921 bis 1924 (Erhart 1999: 601), mit Eliot verband sie seit ihrem ersten Treffen noch während des Zweiten Weltkriegs 1945 bis zu ihrem Tod 1959 eine intensive Arbeits- und Freundschaftsbeziehung (ebd.: 199-205), die sie als großen Vorteil bei der Übersetzung seiner Werke verstand (Wydenbruck 1956: 187, 188).</p>



<p>Wydenbrucks translatorisches Œuvre reicht jedoch weit über die genannten Übertragungen hinaus und zeichnet sich durch eine große Vielfalt an Sprachen, Genres und Stoffen aus. Sie übersetzte zumeist aus dem Französischen, Deutschen, Englischen und Italienischen, aber auch aus dem Portugiesischen (Erhart 1999: 674) – hauptsächlich ins Englische, aber auch ins Französische und Deutsche. Die übersetzten Genres beinhalten Lyrik, Prosa, Theaterstücke, Essays und Briefe; die inhaltliche Bandbreite reicht von Politik und Gesellschaft über Liebe bis zur Religion. Zu den von ihr übersetzten Autorinnen und Autoren zählen Felix Braun, Fritz Hochwälder, Hans Egon Holthusen, Christine Lavant, Hans Huyn, Alfred Neumann, Paul Morand, Jean-Louis Curtis, Vita Sackville-West, Graham Greene, Bruce Bliven und Antonia Pozzi.</p>



<p>Wydenbruck setzte sich auf vielfältige Weise für die Kulturvermittlung ein. Dies wird nicht nur anhand ihres umfangreichen und breit gefächerten translatorischen Schaffens deutlich. Die von ihr gehaltenen Vorträge zeugen ebenfalls davon: im englischen Sprachraum über „Modern Austrian Literature“ in Oxford, London, Eton und Cambridge (Erhart 1999: 673, Schneider 1999: 85) und Rilke, z. B. in London (Erhart 1999: 662), sowie im deutschsprachigen Raum, beispielsweise in Wien, über T. S. Eliot (ebd.: 662). Auch in Radiosendungen war sie zu beiden Dichtern zu hören, so mit dem Vortrag „Rilke‘s Vanished World“ bei BBC (ebd.: 671) oder mit ihrem Wiener Vortrag über T. S. Eliot im Klagenfurter „Sender Alpenland“ (ebd.: 662). Ihre Ansichten zur Translation äußerte sie unter anderem im 1954 in Wien gehaltenen Vortrag „Mittler zwischen den Sprachen: Kunst und Gefahr des Übersetzens“ (ebd.: 585), aber auch in Diskussionen, wie in der Diskussionsrunde zu „Problems of Translation“, zu der sie vom PEN-Club in London eingeladen wurde (ebd.: 663, 664).</p>



<p>Trotz ihrer großen Verdienste um Translation und Kulturvermittlung wurde Nora Wydenbruck nie mit nennenswerten Preisen ausgezeichnet. 1954 wurde jedoch anlässlich ihres 60. Geburtstags ihr zu Ehren eine Buch- und Bilderausstellung in Klagenfurt veranstaltet.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Strasser, Nadja</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/strasser-nadja/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Jan 2026 21:41:15 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[]]></description>
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			</item>
		<item>
		<title>Braun, Otto (1900-1974) (Version 1.0)</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/braun-otto-1900-1974-version-1-0/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 21 Dec 2025 14:43:42 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[[Die UeLEX-Redaktion sucht jemanden, der zu Otto Braun als Übersetzer ein Biogramm oder sogar ein ausführlicheres Porträt erstellen möchte.]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>[Die UeLEX-Redaktion sucht jemanden, der zu Otto Braun als Übersetzer ein Biogramm oder sogar ein ausführlicheres Porträt erstellen möchte.]</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vallentin, Antonina</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/vallentin-antonina/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 24 Sep 2025 19:19:22 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[]]></description>
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			</item>
		<item>
		<title>Molvig, Kai</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/molvig-kai/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Aug 2025 18:27:15 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Kai Molvig war Tänzer und Pianist, bevor er Anfang der 1960er Jahre Übersetzer wurde. Er übersetzte etwa zwanzig Jahre lang vor allem amerikanische Autoren und Autorinnen und war, wie er selbst sagte, im Verlagsgeschäft als Übersetzer für Anzügliches bekannt. Kai Molvig kam am 3. Mai 1911 als Johannes Jakobus Molvig in Riga zur Welt. Sein [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Kai Molvig war Tänzer und Pianist, bevor er Anfang der 1960er Jahre Übersetzer wurde. Er übersetzte etwa zwanzig Jahre lang vor allem amerikanische Autoren und Autorinnen und war, wie er selbst sagte, im Verlagsgeschäft als Übersetzer für Anzügliches bekannt.</p>



<p>Kai Molvig kam am 3. Mai 1911 als Johannes Jakobus Molvig in Riga zur Welt. Sein norwegischer Vater Alf war 1896 siebzehnjährig aus Oslo nach Riga gekommen und machte dort als Holzhändler bei der bedeutenden niederländischen Holzexportfirma Fijn van Draat Karriere. Die Familie Fijn van Draat war wohlhabend, ihre Rigaer Gründerzeitvilla steht heute unter Denkmalschutz. 1904 heiratete Alf Molvig Agneta Fijn van Draat, die in Riga geborene Tochter seines Chefs. Das Paar hatte drei Söhne, Kai war der jüngste. Alf war angesehen und offenbar finanziell sehr erfolgreich, er war auch norwegischer Konsul. 1923 verstarb er, nur 44-jährig, vermutlich blieb seine Witwe mit den Söhnen in Riga. Der Verleger Heinrich Maria Ledig-Rowohlt, der Kai Molvig sehr gut kannte, erwähnte allerdings, dieser sei „mehrsprachig aufgewachsen, zuerst in Riga, später in Norwegen und dann in den Niederlanden“ (<a href="https://uelex.de/uebersetzer/heinrich-maria-ledig-rowohlt/" data-type="uelex_article" data-id="2007359">Ledig-Rowohlt</a> 1981).<span class="oes-note oes-popup" data-fn="15"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup15">15</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="15">Diese Aufenthalte in Norwegen und in den Niederlanden werden nur von Ledig-Rowohlt erwähnt. Kais Bruder Helge gab Ende 1945 in einem Meldeformular an, seit 1927 in Deutschland zu leben. Seine Mutter kehrte in die Niederlande zurück. Sie wurde 1957 wieder eingebürgert und starb 1961 in Utrecht. Kai Molvig unterhielt offenbar auch Kontakte zu seiner norwegischen Familie, 1981 musste er „plötzlich aus traurigem Anlaß“ dorthin. Diese familiären Kontakte erlauben den Schluss, dass er zeitlebens Norwegisch und Niederländisch beherrschte.</span> Berthold Forssman, Experte für Lettland und die lettische Sprache, hält es für wahrscheinlich</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>dass die Eltern Deutsch zumindest beherrschten und vermutlich auch in eine Kirche mit deutschen Gottesdiensten gingen, d. h. sich einer deutschen Gemeinde anschlossen. [&#8230;] Vielleicht haben die Eltern sogar miteinander Deutsch gesprochen, wie binationale Paare heute manchmal Englisch als Drittsprache sprechen. (E-Mail, 6. Juni 2025.)</p>
</blockquote>



<p>Tatsächlich gehörte die Familie der Reformierten Kirche an, die „vor allem Einwanderern aus den Niederlanden und anderen Calvinisten als Gotteshaus“ diente.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="16"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup16">16</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="16">So die Information unter dem Stichwort Reformierte Kirche in einem Online-Reiseführer Riga. </span>1929 machte Kai – der damals noch „Hans“ hieß – am dortigen deutschsprachigen Neuhumanistischen Gymnasium das Abitur, ein letztes Mal tauchte er im folgenden Sommer mit einer bestandenen Buchhaltungsprüfung in einer Rigaer Zeitung auf.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="17"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup17">17</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="17">Diese und weitere Informationen über die Familie Molvig in den Rigaer Jahren stammen aus verschiedenen Rigaer Zeitungen.</span> Anfang der 1930er Jahre zog er nach Berlin, ob direkt aus Riga, ist ungewiss, und absolvierte eine Tanzausbildung in der Ballettschule von Tatjana und Victor Gsovsky. Es folgten Solotänzer-Engagements, 1935 bis 1938 in Mainz, bis 1941 in Düsseldorf, danach in Essen und schließlich München. Spätestens seit dem Mainzer Engagement trug er den androgynen Künstlernamen Kai Molvig (Sator 2020: 839). In den 1930er Jahren lernte er den Schauspieler Charles Regnier kennen, mit dem er ein Leben lang eng verbunden blieb. Anatol Regnier schrieb: „Ob mein Vater und er ein richtiges Verhältnis hatten, weiß ich nicht, aber irgendwie gehörten sie zusammen, als ob sie sich entschieden hätten, füreinander da zu sein“ (Regnier 2024: 309). 1941 heiratete Charles Regnier <a href="https://uelex.de/uebersetzer/wedekind-pamela/" data-type="uelex_article" data-id="11590">Pamela Wedekind</a>, das Paar lebte ab 1942 mit Molvig in einer gemeinsamen Wohnung in München. Es sei „ein Dreierverhältnis, aber kein Dreiecksverhältnis“ gewesen, schreibt Armin Strohmeyr, eine Ménage-à-trois, die sie „etliche Jahre lang durchaus harmonisch führen“ (Strohmeyr 2020: 328). Darüber, wie der homosexuelle Molvig die Jahre des Nationalsozialismus in Berlin und den erwähnten anderen deutschen Großstädten er- und überlebt hat, ist nichts bekannt.</p>



<p>Nach dem Kriegsende trat er kaum noch als Tänzer auf und begann, als Pianist und Komponist zu arbeiten (Sator 2020: 839). Er begleitete Pamela Wedekind bei ihren Bühnenauftritten und „vertont in ihrem Auftrag Gedichte von Brecht, Walter Mehring und anderen&#8220;. (Regnier 2024: 259) Bei den Auftritten beeindruckte er nicht nur als Pianist: „Kai Molvig begleitete; etwas salopp, Salonstil, sehr weich und mit viel rhythmischem Empfinden. Ansonsten hätte man sich vielleicht die Adresse seines Schneiders aufnotieren sollen“ (Weick 1949). Der Komponist Hans Werner Henze nannte ihn „den Beau“ (Henze 1996). Anatol Regnier verehrte ihn und wollte als junger Mann „so elegant und lässig“ sein wie er, beschreibt ihn aber auch als „einen melancholischen Menschen, traurig, nie fröhlich. Sehr witzig.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Privat war der schlanke und zierliche M., der seine Umwelt durch Originalität und Witz beeindruckte, ein Eigenbrötler, Spötter und Skeptiker, unsicher, schüchtern, scheu und sehr empfindsam. Er wirkte verschlossen und war oft sehr deprimiert, öffnete und entfaltet sich aber in intelligenten komischen und selbstironischen Briefen. (Sator 2020: 840)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="18"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup18">18</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="18">Klaus Sator beruft sich auf <a href="https://uelex.de/uebersetzer/frielinghaus-helmut/" data-type="uelex_article" data-id="11614">Helmut Frielinghaus</a> und Anatol Regnier, dankt ihnen für „weiterführende Informationen“ zu Molvig.</span></p>
</blockquote>



<p>Nach dem Krieg begann er schwerhörig zu werden. Er musste eine neue Einkommensquelle finden und begann Ende der 1950er Jahre beruflich zum dritten Mal neu: Er wurde Übersetzer. Die Gründe sind nicht bekannt, aber es gibt Hinweise. Der Gedanke war vermutlich naheliegend, weil Charles Regnier und <a href="https://uelex.de/uebersetzer/wedekind-pamela/" data-type="uelex_article" data-id="11590">Pamela Wedekind </a>nebenberuflich aus dem Französischen übersetzten, Regnier Theaterstücke, Wedekind Belletristik (Brüning 2020). Zudem war Molvig mehrsprachig, er hatte im Elternhaus Norwegisch und Niederländisch und in Riga Lettisch und Russisch gelernt, er sprach ein geschliffenes Deutsch, das seine baltische Herkunft verriet. Wie er sein hervorragendes Englisch erworben hatte, ist leider nicht bekannt. Er war nie in den USA und vermutlich auch in keinem anderen englischsprachigen Land (Allers 2008: 65). Er war, wie Regnier betonte, unendlich belesen, ein sehr kritischer Leser und ein hervorragender Stilist, besaß eine große Bibliothek, schätzte und verehrte Thomas Mann, Fontane und Stifter (Regnier: 2025). In seiner „Mehrsprachigkeit und im ständigen Umgang mit künstlerischen Ausdrucksformen“, so <a href="https://uelex.de/uebersetzer/heinrich-maria-ledig-rowohlt/" data-type="uelex_article" data-id="2007359">Ledig-Rowohlt</a>, „liegen Anfang und Fundament dessen, was sich später, in der zweiten Hälfte seines Lebens, in einer neuen Laufbahn, im Umgang mit Sprache, fortsetzte“ (Ledig-Rowohlt 1981).</p>



<p>Alle, die mit ihm zu tun hatten, erwähnen, dass er Handarbeiten liebte. „Er strickte, häkelte und knüpfte und tat das auch in der Gegenwart ihm vertrauter Menschen“ (Sator 2020: 840); bei Ledig-Rowohlts Arbeitstreffen „häkelte Kai Molvig, der Selby-Übersetzer, abends beim Rotwein zierliche weiße Topflappen“ (Frielinghaus: 2008); Anatol Regnier erwähnt zahllose Strickarbeiten mit komplizierten, vielfarbigen Mustern.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="19"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup19">19</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="19">Mitteilung von Anatol Regnier, Telefongespräch 3. Mai 2025.</span> Diese Kompetenz ist für das Übersetzen durchaus relevant, denn anspruchsvolle Handarbeiten lehren vorausschauende Planung, äußerste Detailgenauigkeit und Frustrationstoleranz.</p>



<p>Um an Aufträge zu kommen, ergriff er die Initiative. Erhalten ist ein handschriftlicher Brief an den Insel-Verleger Fritz Arnold vom November 1960, in dem er <em>A Legacy</em> von Sybille Bedford zur Übersetzung vorschlug und eine dreiseitige Übersetzungsprobe beilegte.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Mrs. Bedford wäre damit einverstanden. Wenn es Ihnen nicht gefällt – hätten Sie dann vielleicht gelegentlich etwas Anderes für mich? Vorausgesetzt natürlich, daß Sie meine Übersetzungen „in Ordnung“ finden. (Insel Verlagsarchiv, DLA)</p>
</blockquote>



<p>Arnold fand sie „sehr brauchbar“, doch das Buch passe nicht zu Insel (ebd.). Die erste Übersetzung, die der Katalog der Deutschen Nationalbibliothek für ihn verzeichnet, ist der Roman <em>Meine Kinder essen Torf</em> des Niederländers Toon Kortooms, der 1961 im Rex-Verlag erschien. Wie es dazu kam, ist nicht bekannt, möglicherweise hatte Molvig persönliche Kontakte zu der in München ansässigen Niederlassung des Schweizer Verlags. Auch seine zweite und dritte Übersetzung waren Kortooms-Romane, danach übersetzte er nur noch aus dem Englischen, und zwar vorwiegend zeitgenössische amerikanische Autoren und Autorinnen. Die ersten Übersetzungen für Rowohlt waren 1967 Terry Southern <em>Candy oder die sexte der Welten</em> und 1968 Hubert Selby <em>Letzte Ausfahrt Brooklyn</em>. Im Juni 1968 schrieb der Rowohlt-Lektor Fritz Raddatz an Molvig, seine Arbeit an den Marginalientexten</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>für den Selby [ist] wie alle Ihre Arbeiten wieder ganz ausgezeichnet, und ich stimme auch mit Ihnen überein, daß es sicherlich richtig ist, diesen Text – wie Sie sagen – „nicht auf Edeldeutsch zu trimmen&#8220;. (Rowohlt Verlagsarchiv, DLA)</p>
</blockquote>



<p>Nachdem er für Rowohlt drei Titel übersetzt hatte, bot ihm der Verlag 1968 einen fünfjährigen<strong> </strong>„Ausschließlichkeitsvertrag&#8220; an: Er würde exklusiv für den Rowohlt Verlag übersetzen und dafür ein monatliches Fixum von DM 875 erhalten; Ledig-Rowohlt erhöhte die „Monatsrate ab 1.1.72 auf DM 1.250&#8243;.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="20"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup20">20</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="20">Eine solche de facto-Anstellung eines Übersetzers war und ist im (west)deutschen Verlagsgeschäft sehr unüblich, aber nicht einzigartig. Zu den bekanntesten Fällen zählen <a href="https://uelex.de/uebersetzer/koenig-traugott/" data-type="uelex_article" data-id="11615">Traugott König</a>, der vom Rowohlt Verlag für die Sartre-Übersetzungen einen Anstellungsvertrag mit einem Lektorengehalt erhielt, sowie Hans Wollschläger, dem der Suhrkamp-Verlag während der (langjährigen) Arbeit an James Joyce‘ <em>Ulysses</em> ein monatliches Fixum zahlte.</span> Vereinbart wurde auch, dass Molvig die Übersetzungen auf Band sprechen und diese Tonbänder an den Verlag schicken würde, der sie dann (auf&nbsp;Verlagskosten) von einer Typistin abschreiben ließ. Die sich daraus ergebenden Probleme mit der Bereitstellung und der Kompatibilität von Diktiermaschinen, Abspielgeräten und Bändern waren in den Vertragsjahren Gegenstand zahlloser Briefe. &nbsp;</p>



<p>Molvig bat häufig darum, das Lektorat nicht brieflich, sondern „im Team“ zu machen. Der damalige Rowohlt-Lektor <a href="https://uelex.de/uebersetzer/frielinghaus-helmut/" data-type="uelex_article" data-id="11614">Helmut Frielinghaus</a> erklärte, es habe</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>in fast jedem Programm Bücher [gegeben], auf deren Übersetzung Ledig selbst Einfluss nehmen wollte. In solchen Fällen zog er sich mit einem „Team“ – dem Leiter der Übersetzungsabteilung und dessen Assistentin, dem Übersetzer, wenn der dabei sein sollte, oder einem weiteren Lektor und seiner Frau, Jane – für drei, vier Tage, manchmal auch für eine ganze Woche in einen entlegenen Gasthof in Schleswig-Holstein oder in der Lüneburger Heide zurück, zur Arbeit „an der Front“, wie er den Geschäftsführern versicherte, wenn die über seine langen Abwesenheiten oder über die, wie sie fanden, überflüssige Geldausgabe stöhnten. (Frielinghaus 2008: 10)</p>
</blockquote>



<p>1971 bat Molvig Ledig-Rowohlt</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>für diesen SELBY um ein Team. Ich glaube, daß einige Partien mir gut gelungen sind, bei anderen bin ich unsicher. Es sind so viele „Ermessensfragen“ drin &#8211; was der Autor mit diesem und jenem sagen will – dazu die pausenlose Verwendung des Wortes „Scheiße“ (pardon), das sich ja bekanntlich in den meisten Fällen als einziges für das <em>pausenlose</em> „fucking“ anbietet, dazu die Frage, ob man die schier endlosen Wiederholungen wirklich so stereotyp mitmachen, oder nicht doch einiges streichen soll, etc. etc. (Rowohlt Verlagsarchiv, DLA)</p>
</blockquote>



<p>Ebenfalls 1971 schrieb er über John Updikes <em>Rabbit redux</em>: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Dieses Buch wirft für mich ziemlich neue Probleme auf. Ich verstehe <em>so</em> vieles nicht (d. h. endlose Recherche, die ich so liebe) und man sollte wohl längere Zeit in Amerika gewesen sein, um es zu übersetzen. (Ebd.)</p>
</blockquote>



<p>Die Übersetzung erschien 1973 als <em>Unter dem Astronautenmond</em>. Mit dem schriftlichen Lektorat dieses Romans war er sehr unzufrieden. Als Frielinghaus ein „Team“ für Eudora Welty <em>An Optimist’s Daughter</em> als zu aufwändig ablehnte, protestierte er:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Es hat sich bei UPDIKE eindeutig herausgestellt, daß dieser Weg für mich wenig taugt. Das war auch Frau Hohlweins Meinung und wir beschlossen, damals, es nicht noch einmal so zu machen. Es bleibt zu viel offen, auch bei einem relativ kurzen Buch. Von mir wird dann erwartet, daß ich ad hoc eine neue Lösung finde, wenn ein Änderungswunsch besteht, ich weiß von dieser eventuellen neuen Lösung nicht, ob sie Beifall findet usw. usf. (Ebd.)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="21"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup21">21</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="21">Liselotte Hohlwein war viele Jahre Assistentin der Übersetzungsabteilung.</span></p>
</blockquote>



<p>Bei <em>An Optimist’s Daughter</em> bat Molvig Ledig-Rowohlt, zwei Gedichte zu übersetzen, die Welty in dem Buch zitiert. Er, Molvig, könne sie nicht übersetzen, was er nicht erklärt, die Gründe scheinen allen Beteiligten bekannt. Ledig-Rowohlt übersetzte die Gedichte, wird aber im Buch nicht genannt.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="22"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup22">22</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="22">Die Autoren sind William Holmes McGuffey (1800-1873) und Robert Southey (1774 –1843). <em>Die Tochter des Optimisten</em>, Rowohlt 1973.</span></p>



<p>Das Verhältnis zwischen ihm und Molvig war von gegenseitiger Zuneigung geprägt. Anatol Regnier erinnert sich an Molvigs Bemerkung, dass „Ledig ihn sehr gemocht“ habe.</p>



<p>Molvig wusste offenbar genau, was er konnte – und was nicht. 1973 lehnte er John Gardners <em>The Sunlight Dialogues</em> ab, weil es</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>zu viele „mir“ unverständliche Amerikanismen und Americana (gleichbedeutend mit schier endlosen Recherchen, die mich immer ganz fertigmachen) [enthält], zu viel Assoziationswirrsal, die hin und wieder alles oder nichts bedeuten kann und somit <em>jeder</em> Interpretation offen steht. (Rowohlt Verlagsarchiv, DLA)</p>
</blockquote>



<p>Auch Ledig-Rowohlts Versicherung, man könne doch die Schwierigkeiten vielleicht gemeinsam lösen, vermochte ihn nicht umzustimmen.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="23"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup23">23</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="23">Der Roman erschien 1977 in der Übersetzung von Hermann Stiehl unter dem Titel <em>Der Ruhestörer oder die Gespräche mit dem Sonnen-Mann</em>.</span></p>



<p>Im Laufe der Jahre erwähnte er mehrfach einen „Amerikaner“, der ihm half. Wie das vergütet wurde, bleibt offen. Einmal bestätigte der Verlag, 500 DM gezahlt zu haben, und fragte Molvig, ob man ihm für einen ungewöhnlich hohen Arbeitsaufwand statt eines zusätzlichen Honorars Bücher im Wert von 100 Mark anbieten könne. Gelegentlich kontaktierte der Verlag per Telex eine Kontaktperson in New York, um unbekannte Ausdrücke zu klären.</p>



<p>Der im Dezember1968 geschlossene Exklusivvertrag endete im Oktober 1973. Im Januar 1974 bat Molvig den Verlag um drei Monate Urlaub. Frielinghaus informierte Kurt Busch, den Geschäftsführer für Finanzen und Verwaltung, dass Ledig-Rowohlt dem bei halbem Monatsgehalt zustimme, und fuhr fort:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Grundsätzlich sind wir nicht daran interessiert, Herrn Molvig noch auf längere Zeit durch einen Exclusivvertrag an uns zu binden, da es bei der Verlagerung der Schwerpunkte des Verlagsprogramms immer schwieriger wird, ihm die entsprechenden Aufträge in genügendem Umfang zu geben und wir Herrn Molvig andererseits nicht als Sachüberübersetzer heranziehen können. (Rowohlt Verlagsarchiv, DLA).</p>
</blockquote>



<p>Man werde den Vertrag zum 30. &nbsp;April 1975 auslaufen lassen. Das teilte er Molvig wenig später mit und versuchte auch, ihn zur Übersetzung anderer Bücher sowie dazu zu bewegen, seine Manuskripte künftig selbst zu tippen. Das wollte er keinesfalls: „Solange Herr Ledig mir dieses Entgegenkommen bezüglich der Herstellung meiner Manuskripte nicht entzieht, kann ich nicht darauf verzichten“, worauf Frielinghaus etwas schmallippig richtigstellte, es handele sich „um ein Entgegenkommen des <em>Verlages</em>“ (Ebd.). Tatsächlich erwähnte Molvig häufig, wie erbärmlich er Maschine schrieb, Anatol Regnier erinnerte sich:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Er arbeitet gewissenhaft, setzt sich selbst unter Druck, vertippt sich oft und kämpft mit Tipp Ex und zusammengeklebten Manuskriptseiten. (Regnier 2024: 263)</p>
</blockquote>



<p>Nach sechs Jahren und zwölf Titeln beendete der Verlag den Vertrag zum 30. April 1975 mit den Worten: „Wir hoffen, dass sich auch danach noch hin und wieder Gelegenheit zu einer Zusammenarbeit bietet.“ Tatsächlich übersetzte er „auch danach noch hin und wieder“ für Rowohlt; im Sommer 1977 flehte Ledig-Rowohlt ihn geradezu an, den „neuen Selby“ zu übernehmen, man sei bereit, dafür das geplante Erscheinungsdatum zu verschieben. Molvig nutzte die Gunst der Stunde und bat um die Veränderung der Nebenrechtsklausel „wie die bei Fischer für Jong“: „Der Übersetzer erhält von der 2. Auflage der hardcover-Ausgabe an 1% des verkauften und bezahlten Exemplars [sic].&#8220; Ledig-Rowohlt versuchte es mit dem Angebot, „Sie nach 10.000 verkauften Exemplaren mit 1% vom Warenwert zu beteiligen.“ Als Molvig beharrte, ging er „nur für diesen Vertrag“ darauf ein (Rowohlt Verlagsarchiv, DLA).</p>



<p>In den Jahren des Vertrages erhielt Molvig ein außergewöhnlich hohes Honorar von 25&nbsp;DM pro Normseite. Als Frielinghaus 1979 bei erneuten Honorarverhandlungen geltend machte, das sei „das höchste Übersetzerhonorar, das wir zahlen“, antwortete Molvig: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ich weiß, daß ich gut bezahlt werde, im Rahmen des Üblichen. [&#8230;] Trotzdem werde ich mich bis zur Bahre nicht damit abfinden, daß der Stundenlohn meiner Putzfrau (die ich mir einmal im Monat leiste, da ich es allein nicht mehr schaffe) den meinen übersteigt. Ebensowenig, wie damit, daß alle Verlage so tun, als gäbe es keine Geldentwertung. (Ebd.)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="24"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup24">24</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="24">In diesem Brief fragt er auch spöttisch, ob Frielinghaus behaupten wolle, dass sich Dieter E. Zimmer für seine Nabokov-Übersetzung mit weniger als 25 DM zufriedengebe. Frielinghaus musste einräumen, dass das nicht der Fall war.&nbsp;</span></p>
</blockquote>



<p>Wegen des Lektorats von Selbys <em>Dämon</em> kam es 1980 zwischen Frielinghaus und Molvig zu einem im Ton ungewöhnlich scharfen Briefwechsel. Molvig fand das Lektorat einer „freien Mitarbeiterin“ furchtbar, sie habe eine Tendenz zu „Banalisierung und Simplifizierung&#8220;, was ihn so verbitterte, dass er den Brief mit dem Vorschlag schließt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Lassen Sie alles so, wie von Frau Schmidt geändert, und nennen Sie eine fiktive Person als Übersetzer. Das würde Zeit und Geld sparen und täte niemandem weh. Von meiner Person will ich in diesem Zusammenhang schweigen. (Ebd.)</p>
</blockquote>



<p>Frielinghaus reagierte sehr verärgert, wofür er sich wenig später entschuldigte. Auch Molvig ruderte zurück: „Ich wollte Sie meinerseits nicht verletzen. Das <em>will</em> ich, glaube ich, nie. Da ich es aber getan habe, bitte ich Sie herzlich um Entschuldigung.&#8220; (Ebd.)</p>



<p>In den Rowohlt-Jahren hatte Molvig sich im Verlagsgeschäft, wie er einer Lektorin sagte, einen Namen als Übersetzer für Anzügliches gemacht.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="25"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup25">25</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="25">Gespräch mit Ursula Köhler, 6. Mai 2025. </span>In einem privaten Gespräch sagte er einmal amüsiert: „Ich übersetze gerade wieder ein besonders schweinisches Buch.“ <span class="oes-note oes-popup" data-fn="26"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup26">26</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="26">Mitteilung von Anatol Regnier, Telefongespräch 3. Mai 2025. </span>Vielleicht deswegen bot ihm der Fischer Verlag die Übersetzung des Skandalbuches <em>Angst vorm Fliegen</em> von Erica Jong an, das 1976 erschien. Anatol Regnier erwähnt, die damalige Fischer-Lektorin Ursula Köhler habe sich zum 45. Jubiläum von <em>Angst vorm Fliegen</em> an einen Brief Kai Molvigs erinnert,</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>der mit „Sehr geehrte gnädige Frau“ begann und ihr dann alle Fehler auseinandersetze, die sie seiner Meinung nach bei der Redaktion gemacht habe. Sie habe viel dabei gelernt, meint sie, geradezu ein Schlüsselerlebnis sei das gewesen. (Regnier 2024: 263f.)</p>
</blockquote>



<p>Köhler hatte das Buch als junge, unerfahrene Lektorin auf den Tisch bekommen, weil ihre männlichen Kollegen damit nichts zu tun haben wollten. Sie bemühte sich, „das Buch ins Bürgerliche zu lektorieren“, was Molvig nicht duldete. In dem erwähnten, ausführlichen, sehr höflichen und liebeswürdigen Brief habe er Verständnis für ihre Situation gezeigt, sie aber ganz grundsätzlich korrigiert: Schweinisches, schrieb er wörtlich, müsse man schweinisch übersetzen. Köhler war von dem Brief so begeistert, dass sie ihn ans Schwarze Brett hängte (Köhler 2025).</p>



<p>Molvig war seit 1971 Mitglied im Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke, VdÜ, 1981 wurde er der zweite Träger des Hieronymusrings.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="27"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup27">27</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="27">„Im Jahr 1979, als es außer dem <a href="https://uelex.de/uebersetzerpreise/johann-heinrich-voss-preis/">Johann-Heinrich-Voß-Preis</a> sowie dem <a href="https://uelex.de/uebersetzerpreise/helmut-m-braem-uebersetzerpreis/">Helmut-M. Braem Preis</a> noch keine weiteren Übersetzerpreise gab, und Ledig die langjährige Rowohlt-Übersetzerin Susanna Brenner-Rademacher ehren wollte, kam er zusammen mit seinem Lektor Helmut Frielinghaus auf die Idee, nach dem Vorbild des Iffland-Rings, mit dem Schauspieler für besondere Leistungen geehrt werden, einen Übersetzerring zu stiften. Der Ring wurde nach dem Schutzheiligen der Übersetzer, dem Heiligen Hieronymus, benannt und sollte unter den Übersetzern selbst weitergereicht werden. Eine Dotierung war nicht vorgesehen. Der Übersetzerin Susanna Brenner-Rademacher wurde der Ring in einer feierlichen Zeremonie in Anwesenheit des Verlegers, des Lektors und von Ursula Brackmann überreicht.“ (Höbel/Kelletat 2023) Zweiter Stifter war der Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke, VdÜ. Der eigens angefertigte Ring wird für die Dauer von zwei Jahren verliehen. Der Preisträger, bzw. die Preisträgerin soll ihn an jemanden weitergeben, der oder die „wie sie im verborgenen wirkt und nach ihrer Ansicht zu Unrecht nirgends preisgekrönt wurde“.</span> Der Preis war 1979 anlässlich des 80. Geburtstags der Englisch-Übersetzerin Susanna Brenner-Rademacher gestiftet worden. Sie war auch die erste Preisträgerin, verstarb aber, bevor sie ihn weitergeben konnte. In einem Brief an Molvig verriet Frielinghaus, wie es dazu kam, dass der Ring an ihn ging: „Die Idee, daß Sie den Preis nun tragen sollen, ist von den Übersetzern, ich nehme an Frau Brackmann und Herrn Birkenhauer, gekommen.“ Molvig bedauerte, nicht zur Verleihung nach Bergneustadt reisen zu können. „Diese Anerkennung meiner Arbeit hat mir wohlgetan“, aber seine „leidige Harthörigkeit“ mache „ein Zusammensein mit Menschen in größerem Kreis einfach sinnlos“ (Rowohlt Verlagsarchiv, DLA).</p>



<p>In seiner Laudatio nannte Ledig-Rowohlt „den Einsiedler in München“ einen „genauen Beobachter, der über die Unvollkommenheit der Welt und der Menschen, seine eigene Person eingeschlossen, die bissigsten und witzigsten Kommentare abzugeben weiß“. Er erwähnte seine Schwerhörigkeit, „die ihn auf eine besondere Weise hellhörig zu machen scheint“, rühmte seine Kenntnis der Welt und seine „natürliche künstlerische Phantasie, die durch die Jahre der Zurückgezogenheit offenbar noch verstärkt wurde“ (Rowohlt Verlagsarchiv, DLA; vgl. Wenke 1982).</p>



<p>Molvig gab den Ring 1983 an Inge von Weidenbaum und Christine Koschel für deren Übertragung des Theaterstücks <em>Antiphon</em> von Djuna Barnes.</p>



<p>Zwischen 1960 und 1980 übersetzte er dreißig Titel, vor allem amerikanische Autoren wie Philip Roth, Hubert Selby, James Baldwin, John Updike, Eudora Welty, Tennessee Williams, Erica Jong. Er übersetzte auch Theaterstücke und Sachtexte, in den 1970er Jahren arbeitete er mindestens einmal für den deutschen <em>Playboy</em>. Seine vermutlich letzten Arbeiten waren 1981 Michael Korda, <em>Immer nur vom Feinsten</em>, für Piper, und Hubert Selby, <em>Requiem für einen Traum</em>, für Rowohlt.</p>



<p>Seine Übersetzungen wurden auch Jahre nach Erscheinen noch geschätzt. Als 2009 Philip Roths <em>Portnoys Beschwerden</em> in der Neuübersetzung von Werner Schmitz erschien, warfen einige Rezensenten einen Blick in die Molvig-Übersetzung von 1970. In der <em>Süddeutschen Zeitung</em> hieß es, es sei „einfach eine Freude, gleich zwei gute Übersetzungen von Roths ebenso komischen wie obszönen Roman zur Auswahl zu haben“ (Müller 2009), der Rezensent der <em>Frankfurter Allgemeinen Zeitung</em> hielt die Neuübersetzung für „eine Spur genauer“ und stilistisch oft für etwas besser; im Blick auf die Wortspiele und den „frechen kolloquialen Ton“ des Originals komme die Neuübersetzung allerdings nicht an die alte Fassung heran (Koppenfels 2009). Der Schriftsteller, Literaturkritiker und Übersetzer Jan Wilm besprach 2015 die Neuauflage des Romans <em>Die Preisgabe</em>, noch zehn Jahre später rühmt er „die Übersetzung von James Purdy durch Molvig [als] sehr gut, zärtlich, sanft, lyrisch, sehr gut lesbar“ (E-Mail, Mai 2025).</p>



<p>Die bislang letzte Neuübersetzung eines Molvig-Titels ist Erica Jongs <em>Angst vorm Fliegen</em>. Sie stammt von Lilian Peter und war 2025 für den Leipziger Buchpreis nominiert. Peter schreibt in ihrem Nachwort:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Hätte eine Übersetzerin 1976 noch den Ausdruck „Weib“ benutzt? Haben Frauen je davon gesprochen, „eine Nummer [zu] schieben“? Warum hat sich der Übersetzer entschieden, „my writing“ mitunter als „meine Schreiberei“ zu übersetzen statt mit „mein Schreiben“, wenn die Protagonistin über ihre eigene Arbeit spricht? (Peter: 520f.)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="28"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup28">28</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="28">Solche Überlegungen sind nicht neu. Die Übersetzerin Eva Bornemann schrieb 1982: „Gewiß bekomme ich als Frau und als einigermaßen bekannte und versierte Übersetzerin neuerdings viel &#8218;Frauentexte&#8216;, will sagen Bücher, die von Frauen für eine vorwiegend weibliche Leserschaft geschrieben sind. Der Verlag sagt dann immer: &#8218;Ja, das Buch kann doch nur eine Frau übersetzen!&#8216; Und kritische weibliche Kollegen, die zum Beispiel das von Kai Molvig übertragene Buch von Erica Jong, <em>Fear of Flying</em> (Angst vorm Fliegen) gelesen hatten, stimmten zu: Das hätte besser einer Frau zur Übersetzung gegeben werden sollen.“ Bornemann vertritt in dem Vortrag die Ansicht, dass das Geschlecht des Übersetzenden keine Rolle spiele (Bornemann 1982).</span></p>
</blockquote>



<p>Die Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin Sula Textor hat sich eingehend mit der Neuübersetzung befasst. Sie stimmt Peter in dieser Beobachtung zu, allerdings in eingeschränkter Weise:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„&#8217;Schreiberei&#8216; etwa verwendet Kai Molvig eben keineswegs immer, wenn die Erzählerin von ihrem &#8218;writing&#8216; spricht, sondern gezielt in wenigen, gut begründbaren Einzelfällen (die Erzählerin kämpft ja selbst lange damit, ihr Schreiben ernst zu nehmen; sie hat das, was man als misogyne Abwertung in &#8218;Schreiberei&#8216; lesen könnte, selbst verinnerlicht und muss sich erst davon freimachen). Allerdings habe ich die Übersetzungen nicht im Detail verglichen, kann also nicht ausschließen, dass sich an einigen Stellen doch auch eine zusätzliche Abwertung eingeschlichen hat. Das gleiche gilt für &#8218;Weib&#8216; und Komposita auf &#8218;Weiber&#8216;-, wobei sich darüber sicher streiten lässt und es bestimmt auch in den 70ern ÜbersetzerINNEN gegeben hätte, die so nicht übersetzt hätten. Darüber hinaus gibt es ein paar weitere Feinheiten bei der Wortwahl, besonders im Kontext von Beschreibungen weiblicher Lust, Benennung von Körperlichem, wo man von einem feministischen Standpunkt aus wohl anders übersetzt hätte. Meinem Eindruck nach waren es nur Details, die die Übersetzung als Text ihrer Zeit kennzeichnen, ihre Qualität aber kaum schmälern.&#8220; (E-Mail, Juni 2025)</p>



<p></p>
</blockquote>



<p>„Das Ende kommt“, schreibt Anatol Regnier, „als Kai Molvig einem Zivi, der ihn ein Jahr lang betreut hat, einen Ballettsprung zeigen will. Dabei stürzt er und bricht sich eine Hüfte.“ Die Operation gelingt, aber er will nicht mehr. 1996 stirbt er nach kurzem Aufenthalt in einem Pflegeheim in Moosburg an der Isar an den Folgen eines Schlaganfalls. „Er wird anonym bestattet, das wollte er so“ (Regnier 2024: 265).</p>



<p><strong>Hinweise für weitere Recherchen</strong></p>



<p>Es gibt keine Arbeiten zu Kai Molvigs Biografie und übersetzerischem Werk, ein Nachlass existiert nicht. Das Literaturarchiv Marbach besitzt eine umfangreiche Korrespondenz zwischen Kai Molvig und Angestellten des Rowohlt-Verlages aus den Jahren 1968 bis 1984. Dokumente zur Jong-Übersetzung könnten sich in den Teilen des ebenfalls dort lagernden Archivs des Fischer-Verlags befinden, die (Stand Herbst 2025) noch nicht erschlossen sind.</p>



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<p><a id="_msocom_1"></a></p>
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		<title>Erb, Elke</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/erb-elke/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[svandenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Feb 2025 22:20:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[]]></description>
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		<title>Wetzel, Hellmuth</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/wetzel-hellmuth/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Jan 2025 18:21:37 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Hellmuth Wetzel ist Sohn der Malerin und Graphikerin Ines Wetzel (1872–1938), die sich in den Jahren um den Ersten Weltkrieg sowie in der Weimarer Republik auch als Pazifistin und Frauenrechtlerin stark engagierte.1So sammelte sie mit Käthe Kollwitz in den 1920er Jahren Spenden für die Aktion „Deutsche Künstler für das hungernde Rußland“. Vgl. den Wikipedia-Eintrag zu [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Hellmuth Wetzel ist Sohn der Malerin und Graphikerin Ines Wetzel (1872–1938), die sich in den Jahren um den Ersten Weltkrieg sowie in der Weimarer Republik auch als Pazifistin und Frauenrechtlerin stark engagierte.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="6"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup6">6</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="6">So sammelte sie mit Käthe Kollwitz in den 1920er Jahren Spenden für die Aktion „Deutsche Künstler für das hungernde Rußland“. Vgl. den Wikipedia-Eintrag zu Ines Wetzel. Dort auch weitere Hinweise auf ihre politischen Aktivitäten; Aufruf 9. Januar 2025.</span> Es erstaunt vor diesem familiären Hintergrund nicht, dass Hellmuth Wetzel nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten die Widerstandstandsgruppe „Stille Front“ gründete, die die gleichnamige Untergrundzeitung herausgab. Nach Aussage seiner Frau Johanna Wetzel<span class="oes-note oes-popup" data-fn="7"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup7">7</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="7">Lt. Eintrag im Dachauer Sterberegister war die Ehe geschieden worden. Vgl. Sterberegister Standesamt Dachau 1940, Nr. 1356; Kopie in den  Arolsen Archives, Dokument 10365422.</span> wurden im Februar 1938 die Mitglieder der Gruppe durch die Gestapo verhaftet (vgl. Wetzel 1947). Mehrere starben in Konzentrationslagern, unter ihnen auch Hellmuth Wetzel am 4. Dezember 1940 im Konzentrationslager Dachau. Als Todesursache vermerkt der am 16. Dezember 1940 (auf „schriftliche Anzeige der Staatspolizeileitstelle München vom 6. Dezember 1940“) erstellte Eintrag im Dachauer Sterberegister (Standesamt): „Versagen von Herz und Kreislauf“<span class="oes-note oes-popup" data-fn="8"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup8">8</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="8">Sterberegister Standesamt Dachau 1940, Nr. 1356; Kopie in den Arolsen Archives, Dokument 10365422. </span>In einem Leserbrief an den New Yorker <em>Aufbau </em>schrieb Johanna Wetzel 1947 über die „Stille Front“:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die Nazipartei hätte alle diese Männer, die sich da zusammengetan hatten, mit Freuden in ihren Reihen willkommen geheissen, waren sie doch alle „rassenreine Arier“. Am 6. Mai 1936 sandte man meinen Mann, nachdem man ihn zum Chefredakteur gemacht hatte, mit dem Zeppelin nach New York. Er bat Amerika nicht, ihn zu behalten. Er ging zurück. Auf meine Frage, warum, erklärte er: „Ich bin ein Deutscher. Ich will in Deutschland für Deutschlands Freiheit kämpfen. Wenn alle Antinazis das Feld räumen, wird Deutschland für ewig der Schandfleck der Erde bleiben. Man muss gegen diese Verbrecher kämpfen.“ Und so kämpfte er. Mit ihm viele mit bekannten und unbekannten Namen. Am 15. Februar 1938 wurden 54 Mitglieder der „Stillen Front“ verhaftet. (Wetzel 1947)</p>
</blockquote>



<p>Einige Lebensstationen Wetzels lassen sich anhand von im Archiv des Instituts für Zeitgeschichte (München) erhaltenen Dokumenten rekonstruieren. So heißt es in einem auf den 12. Januar 1940 datierten Schriftsatz des Generalstaatsanwalts beim Landgericht Berlin über den Hauptangeklagten „Schriftleiter Hellmuth Wetzel“:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>[&#8230;] geboren am 13. September 1893 in Frankfurt a/Main, wohnhaft in Berlin-Charlottenburg, Niehburstrasse 58, geschieden, nicht vorbestraft, polizeilich festgenommen am 17. Februar 1938, seit dem 13. Mai 1938 in richterlicher Untersuchungshaft, jetzt auf Grund des Haftbefehles vom 10. November 1938, im Gefängnis Berlin, Lehrter Strasse [&#8230;]. Der Angeschuldigte Hellmuth Wetzel war von 1917 bis 1921 politischer Redakteur im „Berliner Börsencourier“ und seit 1925 im „Wolf&#8217;schen Telegrafenbüro“, dem heutigen „Deutschen Nachrichtenbüro“ [der offiziellen Presseagentur des Dritten Reichs; AFK] tätig. (Seebens 1940: 1 und 2f.)</p>
</blockquote>



<p>Dass es Wetzel und seinen Mitstreitern von der „Stillen Front“ vor allem um die Wiederherstellung des Rechtsstaats und einer liberalen Demokratie oder auch konstitutionellen Monarchie ging, wird in der 19 engzeilig beschriebene Seiten umfassenden Anklageschrift durch ausgiebige Zitate aus den von Wetzel und seinem Freund Johannes Junack<span class="oes-note oes-popup" data-fn="9"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup9">9</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="9">„Der Angeschuldigte Johannes Junack [geb. 26. Mai 1901 in Berlin, gest. am 9. September 1940 im Konzentrationslager Sachsenhausen; AFK] war von 1924 bis 1926 ebenfalls im &#8218;Wolf&#8217;schen Telegrafenbüro&#8216; und seitdem in der Nachrichtenagentur &#8218;Transocean&#8216; beschäftigt. Er gehörte von 1919 bis zu der im Jahre 1933 erfolgten Auflösung der Deutschnationalen Volkspartei an [&#8230;].“ (Seebens 1940: 1 und 3)</span> verfassten „Hetzschriften“ deutlich. Über deren technische Herstellung berichtet der Staatsanwalt Dr. [Melle] Seebens:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Wetzel arbeitete die von ihm verfassten Hetzschriften als Manuskripte aus und liess diese durch seine geschiedene Ehefrau, die Jüdin Johanna Sara Wetzel, geb. Krug, und z. T. auch durch die im gleichen Hause wohnende Jüdin Alice Sara Sinn, geb. Löbel, in die Schreibmaschine auf Wachsmatritzen schreiben. Die in den meisten Fällen mittels Abziehapparates vorgenommene Vervielfältigung erfolgte auf einem von Junack zur Verfügung gestellten Flachdrucker, der sich zum Teil in der Wohnung Wetzels, zum Teil in der im gleichen Hause befindlichen Wohnung der Eheleute Sinn befand, und vom Angeschuldigten Ihlenfeld, zum Teil unter Mitwirkung von Frau Wetzel, bedient wurde. Die Kosten für das Papier haben Wetzel und Junack selbst getragen. (Seebens 1940: 13)</p>
</blockquote>



<p></p>



<p>Über Wetzels literarische und übersetzerische Arbeiten ist bisher nur wenig bekannt, etwa dass er zwischen 1912 und 1915 in Franz Pfemferts Wochenschrift <em>Die Aktion</em> eigene Gedichte veröffentlichte.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="10"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup10">10</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="10">Sieben in der <em>Aktion </em>erschienene Wetzel-Gedichte wurden erneut veröffentlicht auf der von Irene Stasch betreuten <em>Homepage Deutsche Liebeslyrik</em>: www.deutsche-liebeslyrik.de/wetzel_hellmuth.htm; Aufruf 10. Januar 2025.</span> In Bibliotheken und Antiquariaten findet man etliche von ihm aus dem Englischen bzw. Amerikanischen übersetzte zwischen 1927 und 1939 in Berlin erschienene Bücher. Häufig handelt es sich um in Großbritannien bzw. den USA besonders erfolgreiche zeitgenössische Unterhaltungs- und Kriminalromane, etwa von Hilaire Belloc (1870–1953), Max Brand (1892–1944), Robert Elliot Burns (1892–1955), John Ferguson (1871–1952), William J. Locke (1863–1930), Edward Phillips Oppenheim (1866–1946) oder Ernest Temple Thurston (1879–1933).</p>
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