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	<title>Romantik &#8211; UeLEX</title>
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	<description>Germersheimer Übersetzerlexikon</description>
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		<title>Boehlendorff, Casimir Ulrich</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/boehlendorff-casimir-ulrich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Apr 2025 20:53:12 +0000</pubDate>
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		<title>Kuhn, Friedrich (Portugiesisch)</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/kuhn-friedrich-portugiesisch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jan 2025 17:15:20 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Friedrich Adolf Kuhn besuchte das Gymnasium im sächsischen Freiberg und studierte 1793 bis 1796 in Wittenberg Jura und befasste sich 1797 in Jena mit philosophischen und historischen Studien. Er ging nach Dresden, wo er sich zunächst um die Ausbildung eines verwandten russischen Adligen (Baron von Dolst) gekümmert haben soll und schließlich als Rechtsanwalt seinen Unterhalt [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Friedrich Adolf Kuhn besuchte das Gymnasium im sächsischen Freiberg und studierte 1793 bis 1796 in Wittenberg Jura und befasste sich 1797 in Jena mit philosophischen und historischen Studien. Er ging nach Dresden, wo er sich zunächst um die Ausbildung eines verwandten russischen Adligen (Baron von Dolst) gekümmert haben soll und schließlich als Rechtsanwalt seinen Unterhalt verdiente. </p>



<p>Wie die Übersetzer Ernst von der Malsburg, Karl Streckfuß, <a href="https://uelex.de/uebersetzer/tarnow-fanny/" data-type="uelex_article" data-id="11564">Fanny Tarnow</a> und Carl Theodor Winkler gehörte Kuhn zum „pseudoromantischen“ (Krüger 1904) <em>Dresdner Liederkreis</em>. Gemeinsam mit Winkler (Pseudonym Theodor Hell) verfasste er die in „Ottavereimen“ gefasste Übersetzung der 1572 in Lissabon erstmals veröffentlichten <em>Lusiade des Camoens</em> (Leipzig: Weidmann 1807 und Wien: Pichler 1816). Diese Tandemübertragung gilt als seine bedeutendste literarische Leistung, der Dichter und Cervantes-Übersetzer Ludwig Tieck hat sie gerühmt. Schon der schiere Umfang der Verdeutschung nötigt einem Respekt ab: Es ging um zehn Gesänge mit insgesamt 1098 Strophen bzw. 8784 Versen!<span class="oes-note oes-popup" data-fn="2"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup2">2</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="2">Zu Entstehung und Qualität der Übersetzung vgl. Krüger 1904: 29 und 152.</span></p>



<p>Die Auftaktstrophen des ersten Gesangs klingen so:</p>



<pre class="wp-block-verse">Die Waffen und die Helden hoher Thaten,<br>  Die, schiffend aus den schönen Abendlanden<br>Der Lusitanen, hinter Taprobanas Staaten<br>  Noch unbeschiffte, neue Meere fanden;<br>Sie, die in Fahr und Kämpfen so berathen,<br>  Daß sie auf wilder Völker fernen Stranden<br>Ein neues Reich gestiftet, hoch zu prangen,<br>Wie deß sich kaum je Menschen unterfangen;<br><br>Und jene Fürsten, in des Sieges Kränzen,<br>  Die, Reich und Glauben mächtig auszubreiten,<br>Weithin der Africaner falsche Gränzen<br>  Und Asien der Rache Schwerte weihten<br>Und Alle, die durch Ritter-Thaten glänzen<br>  Und vom Gesetz des Todes sich befreiten<br>Will ich mit tönendem Gesang verkünden,<br>Wenn würdig sich Natur und Kunst verbünden.</pre>



<p></p>



<p><br><br></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Mörike, Eduard</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/moerike-eduard/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 29 Sep 2024 17:48:29 +0000</pubDate>
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		<title>Mohnike, Gottlieb</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/mohnike-gottlieb/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 28 Sep 2024 20:08:44 +0000</pubDate>
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		<title>Helvig, Amalie von</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/helvig-amalie-von/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 Jul 2024 11:22:05 +0000</pubDate>
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		<title>Kannegießer, Karl Friedrich Ludwig</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/kannegiesser-karl-ludwig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 18 Feb 2024 04:16:17 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Karl Friedrich Ludwig Kannegießer wurde am 9. Mai 1781 als Sohn eines evangelischen Pfarrers in Wendemark bei Werben in der Altmark geboren. In Seehausen, Stendal und Berlin (Gymnasium zum grauen Kloster) besuchte er die Schule. In welchen Fremdsprachen er dort unterrichtet wurde, ist noch zu klären. 1802 begann er in Halle Theologie und Philosophie zu [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Karl Friedrich Ludwig Kannegießer wurde am 9. Mai 1781 als Sohn eines evangelischen Pfarrers in Wendemark bei Werben in der Altmark geboren. In Seehausen, Stendal und Berlin (Gymnasium zum grauen Kloster) besuchte er die Schule. In welchen Fremdsprachen er dort unterrichtet wurde, ist noch zu klären. 1802 begann er in Halle Theologie und Philosophie zu studieren. Schon damals soll ihn die „Lectüre des Dante lebhaft angezogen“ haben (Palm 1882: 78). Nach einer kurzen Zeit (1806) als Privatier in Weimar („zu der Zeit, als Schiller starb, [ich] trug diesen mit zu Grabe“<span class="oes-note oes-popup" data-fn="6"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup6">6</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="6">Undatierter handschriftlicher Lebenslauf von Kannegießer in der Autographensammlung Kestner der Universitätsbibliothek Leipzig, Signatur: Slg. Kestner/II/A/IV/1052/Nr. 1, Mappe 1052, Blatt Nr. 1</span>) und Lauchstädt wurde er 1807 Lehrer und blieb es durch 36 Jahre bis zur Pensionierung 1843. Seine Lehramtslaufbahn begann am Schindlerschen Waisenhaus in Berlin; 1811 wurde er Prorektor, 1814 Rektor des Prenzlauer Gymnasiums, 1822 Direktor und Professor des evangelischen Friedrichs-Gymnasiums in Breslau. An der Breslauer Universität hatte er zudem ab 1823 eine Dozentur für Neuere Literatur inne und habilitierte sich dort mit der lateinischen Schrift <em>De verbis impersonalibus</em>. Ab 1843 lebte er wieder in Berlin, wo er am 14. September 1864 starb.</p>



<p>Neben seinem Schulamt und seinen Pflichten als Ehemann von Jenny du Four (verstorben 1870) und Vater von sechs Kindern hat Kannegießer Zeit und Muße gefunden für erstaunlich umfangreiche literarische Aktivitäten. Dazu gehören seine <em>&nbsp;Italiänische Grammatik nebst Lesebuch und Wörterverzeichniß für Anfänger und Anfängerinnen </em>(Breslau 1836), Aufsätze über Goethes <em>Harzreise im Winter</em> (Prenzlau 1820) und dessen Lyrik generell (Breslau 1835) sowie eigene Dichtungen: Schicksals- und Geschichtsdramen, Trauerspiele, Terzinen. Von diesen Werken hieß es allerdings schon wenige Jahre nach seinem Tod, dass sie „auf keine höhere Bedeutung Anspruch machen können“ (Palm 1882: 79). Gilt also für Kannegießer die herablassende Formel vom Übersetzer, der auch selber schreibt? Das zumindest legt das <em>Brockhaus</em>-Biogramm von 1894 nahe, das keinen einzigen Titel seiner Originaldichtungen nennt, dann aber im Anschluss an den Satz „K[annegießer] ist hauptsächlich als Übersetzer bekannt“ eine lange Liste mit Namen von Autoren und Werken bringt, die in seinen deutschen Versionen zwischen 1808 und 1873 erschienen sind.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>[Auf die] Übertragung von Beaumonts und Fletchers <em>Dramat[ischen] Werken</em> (2 Bde., Berl. 1808) folgten Dantes <em>Göttliche Komödie</em> (5. Aufl., 3 Bde., Lpz. 1873) und dessen <em>Lyrische Gedichte</em> (2. Aufl., 2 Bde., ebd. 1842), die er mit K. Witte und W. von Lindemann bearbeitete, die Oden des Horaz (Prenzl. 1821), des Anakreon und der Sappho (ebd. 1827), ferner Übersetzungen von Chaucer, Byron, Frau von Staël, Leopardi, Silvio Pellico, Scott, Mickiewicz u. a. sowie aus dem Provençalischen <em>Gedichte der Troubadours</em> (2. Aufl. Tüb. 1855). (Brockhaus 1894: 95)</p>
</blockquote>



<p>Setzt man für das „u.&nbsp;a.“ im Brockhaus die Namen Erik Johan Stagnelius und Hans Christian Oersted ein, so hat man die neun Sprachen beisammen, aus denen Kannegießer Höhenkammtexte übersetzt und veröffentlicht hat: Altgriechisch, Latein, Italienisch, Provenzalisch, Französisch, Englisch, Polnisch, Dänisch und Schwedisch, wobei die aus dem Mittellateinischen und Mittelenglischen ins Deutsche gebrachten Texte nicht mitgezählt sind. Die zeitliche Streuung des von ihm Übersetzten ist neben der Sprachenvielfalt ebenfalls beeindruckend: Sie reicht von den ältesten in Europa überlieferten literarischen Texten (Homer, Sappho) über Dichtungen des Mittelalters (Troubadour-Lyrik) bis zu populären zeitgenössischen Werken wie Walter Scotts <em>Chronicles of the Canongate</em> (englisch 1826/27; deutsch 1828). Die chronologische Abfolge seiner in Buchform erschienenen Übersetzungen lässt sich am einfachsten – wenn auch keineswegs vollständig – anhand der 15 Einträge in Rössigs verdienstvoller Bibliographie <em>Literaturen der Welt in deutscher Übersetzung</em> (1997) rekonstruieren:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>1808: Francis Beaumont (1584–1616) <em>Die Braut, ein Trauerspiel</em>; 1814: Dante (1265–1321) <em>Die Göttliche Komödie</em>; 1820: Horaz (65–8 v.u.Z.) <em>Oden</em>; 1827: Dante <em>Lyrische Gedichte </em>(italienisch-deutsche Ausgabe); 1827 Chaucer (um 1343–1400) <em>Canterburysche Erzählungen</em>; 1830: Byron<em> Israelische Gesänge</em>; Adam Mickiewicz (1798–1855) <em>Konrad Wallenrod. Geschichtliche Erzählung aus Litthauen und Preussens Vorzeit</em>; Silvio Pellico (1789–1854) <em>Francesca von Rimini</em>; 1835: Pellico <em>Sämtliche Werke in einem Bande</em>; Giacomo Leopardi (1798–1837)<em> Gesänge</em>; 1845: Dante <em>Das Gastmahl</em>; Dante <em>Über die Monarchie</em> (aus dem Mittellateinischen); Dante<em> Über die Volkssprache</em> (aus dem Mittellateinischen); 1851: Erik Johan Stagnelius (1793–1823)<em> Lilien in Saron</em>; Stagnelius <em>Die Bacchantinnen</em>.</p>
</blockquote>



<p>Wolfgang Rössig beschränkt sich in seiner Bibliographie auf literarische Texte in engerem Sinne. Darum dürfte er Kannegießers 1830 in Zwickau in zwei Bänden erschienene Erinnerungen der Baronin von Staël-Holstein <em>Zehn Jahre in der Verbannung</em> unberücksichtigt gelassen haben wie auch die aus dem Dänischen erstellten Übersetzungen der Aufsätze des Naturphilosophen Hans Christian Oersted (Leipzig 1850).</p>



<p>Die meiste Beachtung haben zu Kannegießers Lebzeit wie auch nach seinem Tod seine Dante-Übersetzungen gefunden. Diese Beachtung ergab sich zum einen aus dem mit <a href="https://uelex.de/uebersetzer/schlegel-august-wilhelm/" data-type="uelex_article" data-id="11640">A.W. Schlegels</a> Aufsatz <em>Ueber die göttliche Komödie</em> von 1791 einsetzenden großen Interesse der Romantiker an Dantes Leben und Werk, zum anderen schlicht daraus, dass dieses epochale Werk noch kaum in deutschen Übersetzungen vorlag. Zwar war 1767 eine Gesamtübersetzung von Lebrecht Bachenschwanz erschienen<span class="oes-note oes-popup" data-fn="7"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup7">7</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="7">Heute (Stand 2024) gibt es 54, nicht mitgezählt Teilübersetzungen wie die von A.W. Schlegel oder Stefan George; vgl. die Liste auf der Internet-Seite der Deutschen Dante-Gesellschaft: www.dante-gesellschaft.de/uebersetzungen/</span>, aber das war eine Prosafassung, die keine Vorstellung von Dantes eigens für die <em>Commedia</em> entwickeltem Terzinen-Reimschema (ababcbcdcdedefefgf usw.; vgl. Müller 2015) vermitteln konnte. Sich genau diese Form für das Deutsche zu erarbeiten, war die Forderung der Romantiker,<span class="oes-note oes-popup" data-fn="8"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup8">8</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="8">Vgl. den Abschnitt zum Thema Form in meinem UeLEX-Beitrag zu <a href="https://uelex.de/uebersetzer/gries-johann-diederich/" data-type="uelex_article" data-id="11624">Johann Diederich Gries. </a></span>und Kannegießer war der erste, der sich darin in einer durch mehrere Jahre entstandenen Gesamtübersetzung versucht hat. Eine eigene Studie wäre es wert, jene inhaltlichen und vor allem auch metrischen Veränderungen zu analysieren, die er in den fünf Auflagen seiner Terzinen-Nachdichtung der <em>Göttlichen Komödie</em> vorgenommen hat – unterstützt von Karl Witte, dessen Name ab der „zweite[n], vermehrte[n] und verbesserte[n] Auflage“ gleichberechtigt neben dem Namen Kannegießer auf dem Titelblatt steht.</p>



<p>Kannegießer und Witte blieben nicht die einzigen, die sich an der <em>Commedia</em> abmühten. Auf die Gesamtausgabe von 1809/21 folgten in nur zwanzig Jahren acht weitere, darunter die von Karl Streckfuß (1824/26) und von Philalethes (1840), wie sich der spätere (ab 1854) König Johann von Sachsen in seiner Rolle als Übersetzer nannte.</p>



<p>Im Marbacher Ausstellungskatalog von 1982 <em>Weltliteratur – Die Lust am Übersetzen im Jahrhundert Goethes</em> finden sich im Kapitel <em>„Die Werke der besten Italiänischen Dichter“</em> drei unterschiedliche Übersetzungen der Eingangsverse zum <em>Paradies</em>, Verse, die in Dantes italienischer Version</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>in abstrakten Begriffen die Gradation der Lichtmetaphysik umschreiben und den Schlußsatz des <em>Paradieses</em> präludieren, wo aus dem Ruhm Gottes, der sich als Licht stufenweise über die Welt ergießt, die Liebe wird, die die Sonne und die anderen Gestirne bewegt, diese Verse sind in ihrem scholastischen Duktus besonders schwierig zu übersetzen und geraten leicht in die Nähe einer umständlichen Traktatsprache. (Tgahrt 1982: 564)</p>
</blockquote>



<pre class="wp-block-verse"></pre>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<pre class="wp-block-verse has-small-font-size">Dante (1307 / 1321) 

La gloria di colui che tutto move
per l’universo penetra e resplende
in una parte più e meno altrove.
Nel ciel che più de la sua luce prende
fu’ io, e vidi cose che ridire
né sa né può chi di là sù discende,    


Kannegießer (1821)

Die Glorie deß, der das All regiert,
Durchdringt das Weltgebäu, obwohl den einen
Mehr als den andern Ort sein Strahlen ziert.
Im Himmel, den zumeist erhellt sein Scheinen,
War ich und schaute Dinge, die zu künden
Dem, der herabstieg, Kraft und Muth verneinen.</pre>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<pre class="wp-block-verse has-small-font-size">A.W. Schlegel (1791)

Die Hoheit dessen, welcher für und für
Was ist, bewegt, durchdringt das All der Dinge,
Und leuchtet stärker dort und schwächer hier.
Im Himmel, den sein vollstes Lob belebet,
War ich und sah, was, wer von jener Höhʼ
Herniedersteigt, umsonst zu nennen strebet;


Streckfuß (1826)

Der Ruhm deß, der bewegt das große Ganze,
Durchdringt das All, und diesem Theil gewährt
Er minder, jenem mehr von seinem Glanze.
Im Himmel, den sein hellstes Licht verklärt,
War ich und sah, was wieder zu erzählen
Der nicht vermag, der von dort oben kehrt.</pre>
</div>
</div>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow"></div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow"></div>
</div>



<p>Nach dem leicht spöttisch klingenden Hinweis, dass Kannegießer seine Briefe „mit dem selten ausgelassenen Zusatz <em>Übersetzer des Dante</em>“ unterzeichnet habe, heißt es in Tgahrts Marbacher Katalog zu seiner Version:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Bei dieser Übersetzung wird ein Mißverständnis sichtbar, das durchgehend zu Fehlentscheidungen führte. Kannegießer hat nicht erkannt, daß hier das stufenweise Ausfließen des Lichtes und damit Gottes in die Welt evoziert wird. Daher kommt er zu dem unsinnigen adversativen „obwohl“ der zweiten Zeile und dem ästhetisierenden „ziert“. Das „zumeist“ ist wohl auf dieser Sprachstufe noch qualitativ gemeint, während es heute eher quantitativ verwendet wird. Auch die letzte Zeile zeigt, daß Kannegießer anscheinend wenig vertraut mit mittelalterlichem bzw. mystischem Denken war, denn es liegt nicht an Kraft und Mut, also subjektiven Vermögen, wenn die Erfahrungen des Paradieses nicht „erzählt“ werden können, sondern es ist das mystische Dilemma, das hier ins Spiel kommt: die Erfahrung des Göttlichen ist derart, daß sie mitgeteilt werden muß, obwohl zugleich die Unmöglichkeit dieser Mitteilung eingesehen wird, da sie alle Sprache übersteigt. (Ebd.: 567f.)</p>
</blockquote>



<p>Anerkennender fällt ein Vergleich aus, den der Romanist Olaf Müller 2015 in seiner Besprechung einer Neuübersetzung von Dantes <em>Rime</em> veröffentlicht hat. Auch hebt Müller hervor, dass Kannegießer erneut der erste war, der 1827 mit der Übertragung der <em>Rime </em>diesen weitaus unbekannten Teil des Danteschen Œuvres in einer deutsch-italienischen Ausgabe herausgegeben hat (Müller 2015). In einer auf „Breslau, October 1826“ datierten <em>Vorrede</em> gab Kannegießer einen persönlich-philologischen Bericht über die Entstehung der Übersetzung:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Da ich bei der Beschäftigung mit der Göttlichen Komödie des Dante mich auch mit den übrigen Schriften dieses Dichters näher bekannt machte, entstand bald nach der Beendigung der [gründlich überarbeiteten, 1825 erschienenen; AFK] zweiten Auflage meiner Uebersetzung des größern Werks der Wunsch in mir, die Sammlung der lyrischen Gedichte, von denen bisher nur einzelne übersetzt waren, nicht blos vollständig zu übersetzen, sondern sie auch in der Urschrift herauszugeben und sei zu dem Ende in eine zeitgemäße Ordnung zu bringen, die falschen auszumerzen, den an so vielen Stellen verderbten Text zu verbessern und sie mit Einleitung und Erklärung zu versehen: eine Arbeit, die mir um so verdienstlicher erschien, je weniger Vorarbeiten dazu gemacht waren, und je gleichgültiger die Landsleute des großen Dichters diesen […] Theil seiner Werke behandelt haben. (Dante 1827: V)</p>
</blockquote>



<p>Unterstützt wurde Kannegießer von dem Reiseschriftsteller und Übersetzer Wilhelm von Lüdemann sowie vor allem von Karl Witte, dem für Jahrzehnte wohl bedeutendsten Dante-Kenner und Dante-Erklärer (vgl. Lamping 2016). Beide haben an der Ausgabe intensiv mitgewirkt, jedes Gedicht wurde „der gemeinschaftlichen Berathung und Beurtheilung unterworfen und nicht selten mehrmals umgeformt und die, freilich auch mangelhaften Arbeiten unserer Vorgänger, hauptsächlich Bode’s […], Förster’s und von Oeyenhausen’s zu Rathe gezogen“ (Dante 1827: VIII). Ein Viertel der Übersetzungen stammen überwiegend von den beiden Mitarbeitern und „sind mit den Anfangsbuchstaben ihrer Namen unterzeichnet“. Dass der Vorsatz, insbesondere die Form, sprich: die Versstruktur mit ihrer „Häufung der Reime“ in den deutschen Versionen genau nachzuschaffen, „die größten Hindernisse in den Weg legte“, wird offen eingeräumt. Fünfzehn Jahre später, 1842, haben Kannegießer und Witte Dantes „lyrische Gedichte“ erneut herausgegeben, dieses Mal ohne die italienischen Originale, dafür mit einem eigenen 240 Seiten starken Kommentarband, der die gesamte bis dahin europaweit erschienene Dante-Forschungsliteratur kritisch verwertet hat.</p>



<p>Wie stark sich die Versionen von 1842 von jenen der 1827er Erstausgabe unterscheiden, sei an zumindest einem Beispiel erkennbar gemacht. Außer den beiden Übersetzungen von Kannegießer/Witte werden auch die neueste deutsche Version (Vormbaum 2014; zitiert nach Müller 2015) und das italienische Original zum Vergleichen mitgeteilt:</p>



<div class="wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex">
<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<pre class="wp-block-verse has-small-font-size">Kannegießer (1827)

Kam eines Tags zu mir Melancholei
Und sprach: Ich will ein wenig hier einkehren.
Und mich bedünkt es, als ob bei ihr wären
Der Schmerz und Zorn auf ihrer Pilgerei.

Und ich begann zu ihr: Fort, laß mich frei!  ­–
Und, wie ein Grieche, ließ sie Antwort hören,
Und im Gespräch mit mir sich ganz gewähren;
Da schaut’ und sah ich, Amor kam herbei,

Neu angethan mit einem schwarzen Kleide,
Und einen Hut hatt’ er auf’s Haupt gesetzt,
Und weinte sonder Falsch aus wahrem Leide.

Und ich: Was hat dich, armer Schelm, verletzt?
Und er darauf: Ich gräme mich und leide,
Denn, Bruder, unsre Herrin, stirbt anjetzt.


Vormbaum (2014)

Melancholie ist einst zu mir gekommen.
Sie sprach: „Ich will ein wenig bei dir sein.“
Es schien mir so, als habe Zorn und Pein
Sie sich als ihr Geleite mitgenommen.

„Geh weg von mir“, rief ich, von Zorn erglommen.
Als sie mit Hochmutsmiene schaute drein
und sprach mit großer Geste auf mich ein,
Blickte ich auf und sah Gott Amor kommen.

Der war in schwarze Kleidung eingehüllt,
Und auf dem Haupt den Hut hat er getragen;
Aus seinen Aug’ manch echte Träne quillt.

„Was bringst du, Bursche?“, fragte ich voll Zagen;
Drauf er: „Ich bin von Leid und Schmerz erfüllt,
Vom Tod der Herrin, Bruder, muss ich sagen.“ 
</pre>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<pre class="wp-block-verse has-small-font-size">Kannegießer / Witte (1842)

Kam eines Tags Melancholie zu mir,
Und sprach: „Ich will ein wenig Rast hier halten.“
Und wenn mich ncht mein Auge täuschte, wallten
Als Fahrtgenossen Schmerz und Zorn bei ihr.

Und ich begann darauf: „Fort, fort mit dir!“ –
Da hört’ ich sie wie einen Griechen walten,
Und ganz gemächlich ihre Red’ entfalten;
Doch da ich aufsah, war auch Amor hier,

Von einem schwarzen Kleide neu umfangen,
Und einen Hut hatt’ er aufs Haupt gesetzt,
Aufricht’ge Thränen näßten seine Wangen,

Und ich:  „Was hat dich, armer Schelm, verletzt?“
Und er antwortete:  „Mich muß wol bangen,
Denn, Bruder, unsre Herrin, stirbt anjetzt.“


Dante (1283 / 1293)

Un dí si venne a me Malinconia
e disse „Io voglio un poco stare teco“;
e parve a me ch’ella menasse seco
Dolore e Ira per sua compagnia.

E io le dissi: „Partiti, va’ via“;
ed ella mi rispose come un greco:
e ragionando a grande agio meco,
guardai e vidi Amore che venia,

vestito di un drappo nero,
e nel suo capo portava un capello
e certo lacrimava pur di vero.

Ed eo le dissi: „Che hai, cattivello?“
Ed el rispose: „Eo ho guai e pensero,
Ché nostra donna mor, dolce fratello“. 
</pre>
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<p>In Friedmar Apels Band <em>Literarische Übersetzung</em> (1983: 86f.) hat es Kannegießer nicht in die Reihe der kanonisierten Literaturübersetzer geschafft. Denn anders als bei „Schlegel und Gries, mit Einschränkungen auch bei Voß“ gab es bei ihm keine „spracherweiternde, sprachbewegende Übersetzungskonzeption“ (ebd.: 78) ­– stattdessen einen „Rückfall des Erreichten […] gegenüber dem Stand der Literatursprache“. Ob dieses Qualitätsurteil Kannegießers Leistungen angemessen charakterisiert, wäre zu prüfen. Wichtiger noch für die Kulturgeschichte des Übersetzens scheint mir derzeit, dieses Œuvre aus translationshistorischer Perspektive insgesamt zu sichten, also nicht nur die Dante-Übersetzungen, sondern auch die Nachdichtungen z. B. der Sonette des Schweden Stagnelius<span class="oes-note oes-popup" data-fn="9"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup9">9</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="9">Kannegießer veröffentlichte 1851 sechs Bände (in einem) <em>Gesammelte Werke </em>von Stagnelius. Zu einer weiteren Übersetzung scheint es erst 2013 gekommen zu sein durch den Übersetzer Klaus-Jürgen Liedtke, der in im Vorwort seiner Stagnelius-Auswahl auch knapp auf Kannegießer eingeht (Stagnelius 2013: 9).</span>, die Erstübertragung der Verserzählung <em>Konrad Wallenrod</em> von Mickiewicz<span class="oes-note oes-popup" data-fn="10"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup10">10</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="10">Laut Bibliographie von Kuczyński ist es Kannegießers einzige in Buchform erschienene Übersetzung eines polnischen Textes. &#8212; In der <em>Jenaischen Allgemeinen Literaturzeitung</em> erschien im Januar 1835 (Jg. 31, Nr. 15, Sp. 115–120) eine mit „χυϱ.“ signierte umfangreiche Besprechung des <em>Wallenrod</em>, an deren Ende es heißt: „Was schließlich das Verdienst des Uebersetzers betrifft, so schlagen wir es fürwahr nicht gering an. Die [in der Rezension] mitgetheilten Proben bekunden die Gelungenheit des Werks im Ganzen; Farbe und Ton sind vortrefflich, und die Uebersetzung, bey der ein junger Polen, <em>Surawiecki</em>, half, ist so treu, als die Heterogeneität der Idiome es nur irgend gestattete. An gewisse Härten der Diction, kühne Elisionen u. dergl. hat uns Hr. <em>K.</em> schon durch den <em>Dante</em> gewöhnt; desto männlicher und voller ist sein Reim. Die Abweichungen vom Versmasse des Originals sind unbedeutend und ganz zweckmässig.“</span>, die Übersetzung naturwissenschaftlicher Fachtexte wie der 1850 erschienene Sammelband mit Aufsätzen des Dänen Hans Christian Oersted oder auch seine Mitarbeit „in der Zwickauer Übersetzungsfabrik“, für die er Byrons Gedichte 1827 ins Deutsche gebracht haben soll (Palm 1882: 78).</p>
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		<title>Chamisso, Adelbert von</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/adelbert-von-chamisso/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jan 2024 10:02:54 +0000</pubDate>
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		<title>Domeier, Esther</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/esther-lucie-domeier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Aleksey Tashinskiy]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Dec 2023 22:59:57 +0000</pubDate>
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		<title>Baudissin, Wolf Heinrich Graf von</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Dec 2023 20:43:00 +0000</pubDate>
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		<title>Rhesa, Ludwig J.</title>
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		<pubDate>Fri, 15 Dec 2023 21:13:07 +0000</pubDate>
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