<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Philologe/-in &#8211; UeLEX</title>
	<atom:link href="https://uelex.de/berufe/philologe-in/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://uelex.de</link>
	<description>Germersheimer Übersetzerlexikon</description>
	<lastBuildDate>Sun, 19 Apr 2026 12:49:00 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=6.8</generator>
	<item>
		<title>Hofmiller, Josef (Version 1.0)</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/hofmiller-josef-version-1-0/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Dec 2025 23:11:37 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://uelex.de/?post_type=uelex_article&#038;p=2013406</guid>

					<description><![CDATA[[Die UeLEX-Redaktion sucht jemanden, der zu Hofmiller als Übersetzer ein Biogramm oder sogar ein ausführlicheres Porträt erstellen möchte.]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>[Die UeLEX-Redaktion sucht jemanden, der zu Hofmiller als Übersetzer ein Biogramm oder sogar ein ausführlicheres Porträt erstellen möchte.]</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Witt, Hurbert</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/witt-hurbert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Oct 2025 14:12:44 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://uelex.de/?post_type=uelex_article&#038;p=2012974</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wiehe, Erika</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/wiehe-erika/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Apr 2025 20:00:27 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://uelex.de/?post_type=uelex_article&#038;p=2011898</guid>

					<description><![CDATA[Erika Wiehe hat Anfang der 1930er Jahre auf Anregung von Leopold Magon an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald eine Dissertation über Leben und Werk des Übersetzers Gottlieb Mohnike geschrieben. Die 1934 publizierte Arbeit kann auch noch 90 Jahre später als ein Musterbeispiel für übersetzungshistorisches Forschen gelesen werden. Dies zeigt bereits ein Blick in das Inhaltsverzeichnis der Doktorarbeit: [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Erika Wiehe hat Anfang der 1930er Jahre auf Anregung von Leopold Magon an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald eine Dissertation über Leben und Werk des Übersetzers <a href="https://uelex.de/uebersetzer/mohnike-gottlieb/" data-type="uelex_article" data-id="2010944">Gottlieb Mohnike </a>geschrieben. Die 1934 publizierte Arbeit kann auch noch 90 Jahre später als ein Musterbeispiel für übersetzungshistorisches Forschen gelesen werden. Dies zeigt bereits ein Blick in das Inhaltsverzeichnis der Doktorarbeit:</p>


<div class="oes-panel-container oes-panel-container-image" id="figure_2012249"><div class="oes-accordion-wrapper"><div class="oes-accordion-panel oes-panel active"><figure class="oes-panel-figure "><div class="oes-panel-image oes-modal-toggle"><div class="oes-panel-image-container oes-modal-toggle-container"><img decoding="async" id="oes-panel-image-center" src="https://uelex.de/wp-content/uploads/2025/05/Inhalt-scaled.jpg" alt=""><span class="fa fa-expand"></span></div></div><div class="oes-modal-container"><span class="oes-modal-close dashicons dashicons-no"></span><div class="oes-modal-image-container"><img decoding="async" class="oes-modal-image-2012249" src="https://uelex.de/wp-content/uploads/2025/05/Inhalt-scaled.jpg" alt="" id="oes-modal-image-center"></div><div class="oes-modal-content-text oes-modal-content-text-2012249 active"><div class="oes-modal-content-subtitle"></div><table class="oes-table-pop-up"><tr><th>Datum</th><td>6. Mai 2025</td></tr></table></div></div><figcaption><div class="oes-panel-figcaption oes-panel-figcaption-2012249 active"></div></figcaption></figure></div></div></div>


<p>Erika (Albertine Luise) Wiehe wurde am 28. Dezember 1908 als Tochter des Oberkriegsgerichtsrats Friedrich Wiehe und seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Happe, in Kiel geboren. Nach der Versetzung ihres Vaters nach Berlin ging sie dort zur Schule und legte zu Ostern 1927 an einer sog. Höheren Mädchenschule<span class="oes-note oes-popup" data-fn="2"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup2">2</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="2">Es war die Westendschule, ein Oberlyzeum der Oberrealschulrichtung</span> die Reifeprüfung ab. Anschließend studierte sie Deutsch, Englisch und Schwedisch an den Universitäten Berlin, Heidelberg, Kiel und Greifswald. Nach drei bzw. sechs Semestern absolvierte sie die Ergänzungsprüfungen im Lateinischen und Altgriechischen. Die Staatsprüfung für das höhere Lehramt bestand sie im Sommer 1932 in Greifswald, das Rigorosum im November 1933.</p>



<p>Nach der Promotion, heißt es 1971 in einer biographischen Notiz,</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>absolvierte sie eine längere Lehrtätigkeit in den USA (Middlebury/Vermont, San Francisco und Los Angeles). Seit 1945 hat Frau Dr. Wentzlaff-Eggebert an verschiedenen wissenschaftlichen Forschungsaufgaben mitgewirkt. (Wentzlaff-Eggebert 1971: 273)</p>
</blockquote>



<p>Von wann bis wann sie in Amerika war, lässt sich nicht sagen. Am 20. März 1934 hatte sie in Berlin den Germanisten Friedrich-Wilhelm Wentzlaff-Eggebert (1905–1999) geheiratet. Über ihren weiteren Lebensweg ist – außer dem Hinweis auf die Lehrtätigkeit in den USA – nur wenig bekannt, sie dürfte ihren Ehemann auf seiner akademischen Laufbahn begleitet und unterstützt haben: Habilitation in Berlin 1938, Privatdozent für Deutsche Philologie in Berlin bis 1941, vom Kriegsdienst als „unabkömmlich“ freigestellt, 1941–44/45 Germanistik-Professor an der Reichsuniversität Straßburg, 1944 Abordnung an die Erzieherakademie der Adolf-Hitler-Schule Sonthofen, daneben am 20. November 1944 Abordnung an die Universität Tübingen; nach Kriegsende als politisch belastet (aktives NSDAP-Mitglied) aller Ämter enthoben, bis 1955 Gymnasiallehrer für Deutsch und Latein in Lindau, 1956–1973 Germanistikprofessor an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (vgl. Klausnitzer 2003, Wischnath/Bauer-Klöden 2010: 106).</p>



<p>Wie ihr Ehemann musste sich auch Erika Wentzlaff-Eggebert vor der Spruchkammer Lindau einem Entnazifizierungsverfahren unterziehen. Die sie betreffende, im Staatarchiv Sigmaringen aufbewahrte Personalakte des „Staatskommissariats für die politische Säuberung“ konnte noch nicht eingesehen werden.</p>



<p>Neben ihrem Ehemann wird sie für die 1971 im Rowohlt-Verlag erschienene dreibändige Buchreihe <em>Deutsche Literatur im späten Mittelalter</em> als Autorin genannt, ebenso 1983 für den in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft veröffentlichten Band über den Stand der Gryphius-Forschung.</p>



<p>Erika Wentzlaff-Eggebert verstarb am 23. März 1997 in Wasserburg am Bodensee.</p>



<p></p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Falkenhahn, Viktor</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/falkenhahn-viktor/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 29 Mar 2025 15:38:18 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://uelex.de/?post_type=uelex_article&#038;p=2011798</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[    <div class="uelex-redaktionelles">
        <p class="uelex-redaktionelles-header" id="uelex-redaktionelles-id">Vorbemerkung der Redaktion
            

<p>Dieses Prosopogramm entstand im Rahmen des deutsch-österreichisch-schweizerischen Forschungsprojekts <em>Post-Exil: Trans (2025-2027)</em>.</p>


        </p>
    </div>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Karlinger, Felix</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/karlinger-felix/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sbaumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 16 Feb 2025 09:57:18 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://uelex.de/?post_type=uelex_article&#038;p=2011698</guid>

					<description><![CDATA[Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts, als auflagenstarke Märchenanthologien noch das Sortiment namhafter Verlage zierten, war der Name Felix Karlinger in diversen Buchreihen dieser Art stark präsent. Man kannte ihn zum einen als Mitherausgeber der von Friedrich von der Leyen 1912 im Diederichs Verlag gegründeten, höchst erfolgreichen und erst 2002 eingestellten Märchenserie Märchen der Weltliteratur, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts, als auflagenstarke Märchenanthologien noch das Sortiment namhafter Verlage zierten, war der Name Felix Karlinger in diversen Buchreihen dieser Art stark präsent. Man kannte ihn zum einen als Mitherausgeber der von Friedrich von der Leyen 1912 im Diederichs Verlag gegründeten, höchst erfolgreichen und erst 2002 eingestellten Märchenserie <em>Märchen der Weltliteratur</em>, zum anderen war er für all jene ein Begriff, die sich bevorzugt für Märchen und Sagen aus den romanischsprachigen Ländern interessierten und denen sein Name allenthalben auch in Märchenanthologien anderer renommierter Verlage als Sammler, Übersetzer und Herausgeber der Texte begegnete.</p>



<p>Abgesehen von den <em>Märchen der Weltliteratur</em>, die mit den 22 Bänden unter Karlingers Herausgeberschaft großenteils mehrere Auflagen und Lizenzausgaben erreichten, seien hier der Deutsche Taschenbuchverlag, der Fischer Taschenbuchverlag, der Rowohlt Taschenbuchverlag oder der Erich Röth-Verlag mit seiner Märchenserie <em>Das Gesicht der Völker</em> genannt. Karlinger sammelte, übersetzte und edierte Volkserzählungen nicht nur aus sämtlichen Sprachbereichen der Romania, sondern versuchte sich auch am volksläufigen Erzählgut nichtromanischer Sprachen wie etwa dem Baskischen und Griechischen. Viele seiner Märchenbände erzielten beachtliche Auflagenziffern und wurden auch in außereuropäische Sprachen wie z. B. das Japanische übertragen. Mit seinen 1973 in erster Auflage erschienenen <em>Südamerikanischen Märchen</em>, die in den 1990er Jahren die Auflagenzahl von hunderttausend überschritten, bescherte er dem Fischer Taschenbuchverlag sogar einen veritablen Bestseller.</p>



<p>Außerhalb des Gesichtskreises des Märchenliebhabers veröffentlichte Felix Karlinger zahlreiche von ihm gesammelte und ins Deutsche übersetzte Sagen, Legenden und Volkslieder der Romania als Textbelege wissenschaftlicher Abhandlungen, in denen er sich als höchst kompetenter Philologe und Ethnologe präsentierte. Widmete sich nun ein Rezipient seiner für ein breites Publikum konzipierten Märchenanthologien auch der Lektüre der so genannten ‚Paratexte‘ – Einführungen, Nachworte, diverse Appendizes und Anmerkungen –, so konnte er Felix Karlinger auch als jenen äußerst kenntnisreichen, im Geist der Ethnologie sozialisierten und mit Methoden der Feldforschung vertrauten Philologen kennen lernen, als den ihn die Fachwelt schätzte, auch und gerade weil es ihm gelang, wissenschaftliche Forschungsergebnisse in höchst anspruchsvoller und dabei allgemein verständlicher Weise zu vermitteln.</p>



<p><strong>Biographie</strong></p>



<p>Felix Karlinger wurde 1920 als Sohn des Münchner Kunsthistorikers Hans Karlinger (nach dem in München eine Straße benannt ist) geboren. Er verbrachte seine Gymnasialzeit in München und Aachen zumeist in Internaten und sah sich nach der Matura zu einem Musikstudium genötigt, da ihm die Immatrikulation an der Universität unter dem NS-Regime aus politischen Gründen verwehrt worden war. Schon während des Krieges begann er 1940 als Infanterist in der Umgebung von Bordeaux Volkssagen aus der mündlichen Tradition zu sammeln. 1942 war es ihm dann auch möglich, die Universität zu besuchen. Sehr bald erfolgte unter dem Einfluss seiner Lehrer Rudolf Kriss, Gerhard Rohlfs und Hans Rheinfelder die Hinwendung zur Volkskunde und zur Romanischen Philologie, und die Romanistik sollte schließlich das Fach werden, auf das er sowohl aus volkskundlicher Sicht als auch als Sprach- und Literaturwissenschaftler sein Hauptaugenmerk richtete.</p>



<p>1948 wurde er mit eine Arbeit zur <em>Volkskunde der Pyrenäen und ihrer Umwelt im Spiegel des Volksliedes</em> promoviert und begann als Schüler des Musikwissenschaftlers Rudolf von Ficker seine Forschungs- und Lehrtätigkeit zunächst an der Technischen Hochschule in München; ab 1959 setzte er sie an der Universität München fort, nachdem er sich mit einer Arbeit über das sardische Volkslied habilitiert hatte.</p>



<p>Ab den 1950er Jahren unternahm Felix Karlinger zahlreiche Forschungsreisen in die entlegensten Gebiete des Mittelmeerraumes, um dort Märchen, Sagen und Legenden direkt aus dem Munde der Erzähler zu sammeln und zu dokumentieren. Dazu hatte er eine eigene phonetische Stenographie entwickelt. Erst ab 1953 stand ihm ein Tonbandgerät mit Federaufzug und Batterien zur Verfügung, das er aufgrund des hohen Gewichtes von einem Tragtier transportieren ließ.</p>



<p>Obschon die Märchenforschung, wie Felix Karlinger selbst einmal eingestand, nicht in jene Richtung ging, die er von Haus aus angestrebt hatte, veranlasste ihn die in den Fünfziger- und Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts höchst rege Nachfrage nach Märchentexten aus aller Welt dazu, das von ihm gesammelte Material ins Deutsche zu übersetzen und zu veröffentlichen. So erschien ab 1960 in dichter Abfolge bis weit in die Neunzigerjahre hinein eine Serie von Märchenbänden, an deren Erstellung Felix Karlinger nicht selten auch seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter teilnehmen ließ.</p>



<p>1967 wurde Felix Karlinger nach mehrjähriger Lehrtätigkeit in München auf den Lehrstuhl für Romanische Philologie der Universität Salzburg berufen. Trotz des mit dieser Aufgabe verbundenen vermehrten Arbeits- und Zeitaufwandes setzte er seine Feldforschungsreisen noch einige Zeit fort, widmete sich jedoch zugleich vermehrt der Abfassung wissenschaftlicher Abhandlungen und einschlägiger Monographien im Themenbereich der historischen und vergleichenden Erzählforschung. Nach seiner frühzeitigen Emeritierung im Jahr 1980 lehrte Karlinger noch einige Zeit als Gastprofessor in Köln, zog sich danach aber endgültig in den Ruhestand zurück.</p>



<p>Seine Jahre als Pensionär verbrachte er zunächst im niederösterreichischen Geras, ab 1985 im nahe Wien gelegenen Kritzendorf, ohne dabei in seiner rastlosen Publikationstätigkeit nachzulassen. Neben zahlreichen kommerziellen und wissenschaftlichen Textdokumentationen, unselbständig erschienenen Abhandlungen und Monographien schuf er mit seiner 1988 in zweiter Auflage erschienenen <em>Geschichte des Märchens im deutschen Sprachraum</em> ein viel zitiertes Standardwerk. Daneben gelang es Felix Karlinger, sich mit den beiden exquisit gestalteten, bei Diederichs erschienenen Bändchen <em>Märchentage auf Korsika</em> (1984) und <em>Auf Märchensuche im Balkan</em> (1987), in denen er seine Erlebnisse als Feldforscher schildert, als begnadeter Erzähler zu präsentieren.</p>



<p>Am 27. Juni 2000 ist Felix Karlinger nach längerer schwerer Krankheit in Wien verstorben.</p>



<p><strong>Der Feldforscher</strong></p>



<p>In einem Interview für den Österreichischen Rundfunk, das Anfang der Neunzigerjahre in der Sendereihe „Menschenbilder“ unter dem Titel „Nolens volens Märchenforscher“ ausgestrahlt wurde (und das mir als Tonbandkassettenaufnahme vorliegt), stellte Felix Karlinger fest:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ich gehöre zu den aussterbenden Feldforschern, und die Kollegen machen es nicht mehr, infolgedessen fällt das Ganze weg. Die Frage nach der Funktion der Texte, nach der Erzählsituation bleibt unbeantwortet.</p>
</blockquote>



<p>Er selbst habe manche seiner Aufnahmen nachts gemacht, </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>wenn wir wo saßen und auf den Autobus warteten oder auf die Eisenbahn. In der Eisenbahn oder im Bus wurde oft weitererzählt. Jedoch der Faden riss, wenn der Erzähler oder ich aussteigen mussten, alles blieb Fragment.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
</blockquote>



<p>Es störte ihn,</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>dass jemand heute ein Urteil über etwas abgibt, das er nur aus zweiter Hand [der Buchausgabe] kennt. Was hinter den Geschichten, hinter den Erzählern steckt, hat mich immer interessiert.</p>
</blockquote>



<p>Obwohl Sammlungen von Märchen aus Lateinamerika in Felix Karlingers Œuvre prominent vertreten sind, war er als Feldforscher, sieht man vom Baskenland, dem Balkan und Griechenland ab, ausschließlich in europäischen Ländern romanischer Zunge unterwegs. Und hier wiederum galt zunächst sein Hauptaugenmerk mit Korsika und Sardinien dem zentralromanischen Raum; später richtete er sein Interesse vermehrt auch auf die östlichste romanische Sprache, das Rumänische mit seinen Varietäten im Balkanraum, Bessarabien und dem Dnjestr/Dnjepr-Gebiet.</p>



<p>Dass Sardinien anfangs zu seinen bevorzugten Expeditionszielen zählte, begründete Karlinger im Vorwort zu seinem 1973 erschienen Märchenband <em>Das Feigenkörbchen</em> damit, dass Gefahr in Verzug war. Das Sardische war im Begriff, nicht nur zu einem der italienischen Standardsprache angenäherten Dialekt zu werden, sondern auch kulturell zu verarmen und langsam auszusterben. Eine Tatsache, die umso beklagenswerter war, als die sardischen Märchen „das größte Reservoir an Prosatexten darstellen, die wir aus dem Bereich der archaischen Sprachen besitzen.“ Zudem verhalf den sardischen Volkserzählungen das Fehlen einer literarischen Prosa zu einem besonderen Reiz, da hier der Einfluss des Buchmärchens und auch des Kunstmärchens ausfiel (cf. Karlinger 1973a: 5f.). Karlinger beschränkte sich in seiner Auswahl sardischer Märchen nicht auf den eigentlichen Sprachraum des Sardischen mit den beiden Hauptdialekten Logudoresisch und Campidanesisch, sondern bezog auch Texte mit ein, die aus der Hafenstadt Alghero stammten und in deren katalanischem Dialekt vorgetragen worden waren, bzw. Texte im semisardischen Dialekt der Gallura im Nordosten der Insel.</p>



<p>War Anfang der 1950er Jahre das Fehlen von einigermaßen brauchbaren batteriebetriebenen Tonbandgeräten das eine Problem, das sich dem Feldforscher stellte, so kam, nachdem diese zur Verfügung standen, die Scheu der Erzähler vor dem Mikrophon hinzu,</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>die mitunter so stark war, dass sie sich entweder weigerten zu erzählen, oder in ihrer Sprache unnatürlich und gezwungen wurden. (Karlinger 1973a: 11) </p>
</blockquote>



<p>Auch war nicht jede Erzählsituation so beschaffen, dass man das Tonbandgerät hätte einsetzen wollen. Felix Karlinger musste dann zum Bleistift greifen und mitstenographieren.</p>



<p>Einen weiteren Explorationsschwerpunkt in Felix Karlingers Märchenforschung stellten die Volkserzählungen in der östlichsten romanischen Sprache, dem Rumänischen, dar. Neben dem Dakorumänischen, das im rumänischen Kernland gesprochen wird und sich in östliche und westliche mundartliche Varietäten aufteilt, finden sich die Varietäten Aromunisch, Meglenorumänisch und Istrorumänisch noch auf dem ehemals jugoslawischen Balkan, im Grenzgebiet zwischen dem heutigen Nordmazedonien, Albanien und Griechenland sowie auf der Halbinsel Istrien in Gebrauch. In Bessarabien und östlich davon ist das Dakorumänische allerdings bereits stark slawisch gefärbt.</p>



<p>In den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts, als politisches „Tauwetter“ in Rumänien und Jugoslawien bedeutende Reiseerleichterungen und eine gewisse Bewegungsfreiheit gebracht hatte, war hier Felix Karlinger, teils allein, teils mit seinen Studierenden, unterwegs, um Märchen- und Legendentexte zu dokumentieren.</p>



<p>Besonders aufschlussreich war hierbei eine von Karlinger 1964 mit einigen seiner Schülerinnen und Schülern unternommene Expedition in die von Aromunen und Meglenorumänen besiedelten Gebiete an der Grenze zwischen dem damaligen Jugoslawien, Albanien und Griechenland. Dort wurden die Forscher unter anderem Zeugen von Situationen, in denen sich Märchenerzähler der balkanromanischen Varietäten Aromunisch und Meglenorumänisch bedienten, die teilweise griechisch- oder albanischsprachige Zuhörerschaft den Ausführungen jedoch ohne weiteres folgen konnte (cf. Karlinger 1987: 111).&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>



<p>In seinem schon erwähnten Band <em>Auf Märchensuche im Balkan</em> (1987) präsentiert Felix Karlinger dem interessierten Leser nicht nur eine Reihe von Textbelegen als Ergebnis dieser Forschungsreise, sondern vermittelt auch ein Bild vom höchst anregenden, aber auch ziemlich strapaziösen Alltag des Feldforschers in solch abgelegenen Weltgegenden. Von anstrengenden Fußmärschen in unwegsamem Gelände, von schlaflosen Nächten in schmutzigen, von Wanzen und Flöhen bevölkerten Unterkünften und von schwer verdaulicher Kost ist hier die Rede. Aber auch ein arbeitsscheuer Esel wird erwähnt, der seine Last abzustreifen pflegte, indem er sich durch zwei eng nebeneinander stehende Bäume hindurchzwängte. Zudem berichtet Karlinger von Erzählerinnen und Erzählern, deren Vortrag zu hypnoseartigen Zuständen führte.</p>



<p>In seiner 1982 im Erich Röth-Verlag erschienenen Anthologie <em>Rumänische Märchen außerhalb Rumäniens</em> versammelte Felix Karlinger schließlich eine Reihe von Erzähltexten, die teils im Zuge der oben erwähnten Expedition aufgezeichnet worden waren, teils als Ergebnis seiner allein unternommenen Erkundungen in den östlichen Landesteilen Rumäniens in den Band einflossen.</p>



<p>Einige wenige entnahm der Autor Sammlungen, die ihm von dritter Seite zur Verfügung gestellt worden waren. Der größte Teil dieser Texte stammt von Balkanromanen, andere wurden von Wanderhirten erzählt. Es finden sich aber auch Textbelege, die aus Bessarabien (der heutigen Republik Moldau), den rumänischen Sprachinseln zwischen Dnjepr und Dnjestr und sogar dem kaukasischen Vorraum am Kuban stammen.</p>



<p><strong>Der Übersetzer</strong></p>



<p>Im Übersetzen, von dessen Unzulänglichkeit sich Felix Karlinger bei der Transformation fremdsprachiger, zumeist mündlich vorgetragener Volkserzählungen in deutschsprachige Buchmärchen nur zu oft überzeugen musste, sah der Feldforscher keine Leistung an sich, sondern nur ein Vehikel der Textvermittlung von einem Sprachbereich in einen anderen. Er, der überaus Sprachbegabte und mit einem höchst sensiblen, musikalisch geschulten Gehör Ausgestattete, beherrschte die Techniken der Translation in einem bewundernswerten Maße. Zugleich war er sich der nur bedingten Brauchbarkeit dieses Notbehelfs bewusst und beklagte dies allenthalben.</p>



<p>Bedeutete allein die Verschriftlichung eines mündlich vorgetragenen, manchmal sogar frei erfundenen Erzähltextes, der bei jedem weiteren Vortrag oder jeder Nacherzählung als ‚work in progress‘ Veränderungen erfahren konnte, die Fixierung einer verbindlichen Textgestalt, so ging mit der Übersetzung in eine andere Sprache ein weiterer Verfremdungsprozess einher, der den Feldforscher nicht befriedigen konnte.</p>



<p>Als ein weiteres Problem stellte sich dem Übersetzer oft das Mundartliche der dokumentierten Texte in den Weg. Dieses Textcharakteristikum musste bei einer Übersetzung zwangsläufig verloren gehen, wollte er nicht die Märchen wieder irgendeinem Dialekt aus dem deutschen Sprachraum zuordnen und so ein falsches Bild der Texte entwerfen, gar nicht zu reden von der Verunmöglichung einer breiten Diffusion und Rezeption.</p>



<p>In den Paratexten zu seinen Märchenanthologien äußert sich Karlinger nur selten zu seiner Vorgehensweise als Übersetzer. In seinem bereits erwähnten Radiointerview verweist er auf das Korsett, das ihm als Sammler, Übersetzer und Editor kommerziell orientierter Märchenanthologien durch die Erwartungshaltung eines Lesepublikums angelegt wurde, das von früh auf mit den Märchen der Brüder Grimm sozialisiert worden war. Es zwang ihn letztlich in gewissem Maße zu einer „Verfälschung des Urtümlichen“, und dies war mit seinen wissenschaftlichen Zielsetzungen nur schwer vereinbar.</p>



<p>Dem Feldforscher Felix Karlinger begegneten auf seinen Expeditionen auch stotternde Erzähler, die keinen einzigen Satz zu Ende sprachen, in ihrem Erzählfluss stockten, Namen verwechselten und vom Publikum auf ihre Irrtümer aufmerksam gemacht werden mussten. Können derartige Absonderlichkeiten der Erzählweise und die Resonanz des Publikums selbst in einer kommerziellen Textdokumentation in der jeweiligen Landessprache nicht unkorrigiert bleiben, so müssen sie für die Fassung in der Zielsprache Deutsch unter den Tisch fallen.</p>



<p>„Ist der Text übersetzt, so beginnen die Schwierigkeiten mit den Verlegern“, erinnert sich Felix Karlinger und schildert hierzu als Beispiel aus dem Jahr 1959 eine Auseinandersetzung mit dem damaligen Herausgeber der Reihe <em>Märchen der Weltliteratur</em>, Friedrich von der Leyen. Es ging hierbei um Karlingers ersten Märchenband, <em>Inselmärchen des Mittelmeeres</em> (1960), den er dem Verlag angeboten hatte und in dem ein Märchen vertreten war, das den Blaubart-Stoff aufgriff: Blaubart hatte bereits zwei seiner Frauen getötet, weil sie seinem Verlangen, eine Totenhand zu essen, nicht nachgekommen waren, sondern diese versteckt hatten. Die dritte Braut verbrennt die Hand, füllt die Asche in einen Beutel, verbirgt ihn in ihrer Vagina und entkommt so ihrer Bestrafung.</p>



<p>Karlingers adäquate Übersetzung dieses und zweier weiterer Märchen mit eindeutig erotischen Szenen stürzte den Verleger in Verlegenheit: „Wir haben ein breites Lesepublikum, Herr Karlinger“, gab von der Leyen zu bedenken, „die können wir nicht so bringen!“ Im Fall des Blaubart-Märchens einigte man sich schließlich darauf, das Mädchen den Aschenbeutel in der Achselhöhle verbergen zu lassen.</p>



<p>„Es kommt immer wieder vor, dass in Volksmärchen eindeutige Szenen unverblümt geschildert werden“, betont Karlinger,</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>trotzdem gibt es kein sexuelles Märchen per se, sondern nur Märchen, in denen eine erotische Episode passiert, und die hat dann einen ganz gezielten Grund: Es geht nicht darum, die Zuhörer ‚aufzugeilen‘, sondern fast immer um eine Auseinandersetzung mit dämonischen Kräften.</p>
</blockquote>



<p>Dem Übersetzer dieses und gleichartiger italienischer Volksmärchen stellte sich in solchen Fällen die Schwierigkeit, dass es in Italien an die achtzig Sexualmetaphern für das weibliche Genital gibt, für die sich im Deutschen keine Entsprechungen finden.</p>



<p>In der Einführung zu seinem 1973 im Erich Röth-Verlag erschienenen Märchenband <em>Das Feigenkörbchen</em>, in dem er großenteils Volkserzählungen versammelt hat, auf die er in den 1950er Jahren während seiner Wanderexpeditionen durch Sardinien gestoßen war, vermisst Karlinger bei den sardischen Volkserzählungen ein gewisses Maß an lokalem Kolorit. „Ihre Motive“, so führt er aus, </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>sind fast die gleichen, wie sie im gesamten Mittelmeerraum und darüber hinaus verbreitet sind. Jedoch zeigt die Sprache gewisse Eigentümlichkeiten, die sogar noch in der Übersetzung ein wenig anklingen mögen. Einzelne Wendungen bleiben dabei freilich unübersetzbar, und auch der gelegentlich auftauchende bewusste Gegensatz von Sardisch und Italienisch in der Dialogführung kann in unserer Übersetzung nicht verdeutlicht werden.</p>
</blockquote>



<p>Felix Karlingers Verfahren als Märchenübersetzer lief letztlich darauf hinaus, „die Texte möglichst wörtlich wiederzugeben“. Er war auch bemüht, sämtliche Zeitsprünge mitzumachen, sah sich aber genötigt, „störende Wiederholungen etwas einzuschränken und die Neigung zu Bandwurmsätzen einzudämmen“ (Karlinger, 1973a: 14 f.).</p>



<p>Der Ethnologe in ihm bedauerte ganz besonders den Wirkungsverlust durch die Dokumentation der Texte als Buchmärchen, die ihn der Möglichkeit beraubte, bestimmte Sprechweisen in den gedruckten Text zu übertragen, etwa lautnachahmende Geräusche, Seufzer, Kunstpausen und andere Ausdrucksmittel, die den Redefluss noch lebendiger machten.</p>



<p>1976 begab sich der Märchenforscher Felix Karlinger auf eine ‚mission impossible‘. Er veröffentlichte in der Reihe <em>Die Märchen der Weltliteratur</em> den Band <em>Südamerikanische Indianermärchen</em>, in dem er überwiegend Texte versammelte, die von einem Ethnologen als Indianermythen klassifiziert werden würden, die der Buchtitel aber als Märchen ankündigt.</p>



<p>Karlinger war sich dieser Nähe zum Etikettenschwindel bewusst und suchte dem Problem in seinem Nachwort wortreich beizukommen. Die Argumente, derer er sich dabei bediente, lassen die Nähe des Erzählforschers zur Ethnologie nur allzu deutlich erkennen.</p>



<p>Zum einen übernahm er bereits ins Deutsche übertragene Texte aus Sammlungen deutscher Ethnologen wie Theodor Koch-Grünberg oder Herbert Baldus, die bereits in den 1920er Jahren erschienen waren. Zum anderen räumte er ein, dass</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>uns nur ein geringer Teil der Quellen im Originalidiom vorlag. Meist musste auf Übersetzungen in spanischer oder portugiesischer, seltener auch in französischer, englischer und italienischer Sprache zurückgegriffen werden.</p>
</blockquote>



<p>Doch auch so blieben diese Übersetzungen aus zweiter Hand angesichts der Unterschiede in Stil und Niveau der Märchen ein schwieriges Unterfangen. „Die eigentliche Schwierigkeit“, führt Karlinger in seinem Nachwort aus,</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>liegt in jedem Fall in der Umsetzung eines Textes aus einer relativ primitiven Sprache in die Ausdruckswelt Europas. Die beträchtlichen Unterschiede der sprachlichen Ebenen und des Erzählstils bedingen eine deutsche Fassung, die mehr eine inhaltliche Nacherzählung als eine adäquate Übersetzung darstellt. (Karlinger 1976: 276ff.)</p>
</blockquote>



<p>Als Übersetzer indigener Mythen begegnete Karlinger zudem einer gewissen Automatik, die nur durch wirkungsvolles Sprechen und die Einbeziehung gestischer und mimischer Mittel überspielt werden kann, Konkretisationsfaktoren also, die bei einer Verschriftlichung und Übersetzung zwangsläufig wegfallen. Diese Texte mit der eher abstrahierenden Erzählweise des Europäers in Einklang zu bringen, war hier also die große Herausforderung des Sammlers und Übersetzers.</p>



<p><strong>Fazit</strong></p>



<p>Diese wenigen Beispiele translatorischer Problemstellungen, mit denen sich der Märchenforscher Felix Karlinger konfrontiert sah, sobald er daranging, Märchen- und Mythentexte aus aller Welt für ein deutschsprachiges Lesepublikum rezipierbar zu machen, zeigen nur zu deutlich, dass seine Aufgabe wahrhaft komplex war. Nach der oft mühevollen Exploration und der Dokumentation der Volkserzählungen galt es, Sprachbarrieren aus dem Weg zu räumen und den Leser mit der Lebens- und Vorstellungswelt der Erzählerinnen und Erzähler und ihres Publikums vertraut zu machen. Das Übersetzen war für den Polyglotten kein Gegenstand einer translationswissenschaftlichen Annäherung, sondern sprachwissenschaftlich fundiertes Handwerk, das er mit einer bewundernswerten Intuition bis zur Perfektion beherrschte.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zaisser, Else</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/zaisser-else/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jan 2025 07:48:00 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://uelex.de/?post_type=uelex_article&#038;p=2011394</guid>

					<description><![CDATA[Else Zaissers Leben ist auch durch übersetzerische Arbeit geprägt. Sie hat Mitte der 1930er Jahre in der Sowjetunion Deutsch als Fremdsprache unterichtet, wurde 1939 Lehrstuhlleiterin an der Übersetzerfakultät der Parteihochschule der KPdSU(B) und 1942 Übersetzerin beim Moskauer Rundfunk und bei TASS. Nach ihrer Remigration in die SBZ bzw. DDR hat sie als Bildungspolitikerin, Verlagslektorin (Volk [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[    <div class="uelex-redaktionelles">
        <p class="uelex-redaktionelles-header" id="uelex-redaktionelles-id">Vorbemerkung der Redaktion
            

<p>Dieses Prosopogramm entstand im Rahmen des deutsch-österreichisch-schweizerischen Forschungsprojekts <em><a href="https://uelex.de/neuigkeiten/#2025" data-type="link" data-id="https://uelex.de/neuigkeiten/#2025">Post-Exil: Trans (2025-2027)</a></em>.</p>


        </p>
    </div>


<p>Else Zaissers Leben ist auch durch übersetzerische Arbeit geprägt. Sie hat Mitte der 1930er Jahre in der Sowjetunion Deutsch als Fremdsprache unterichtet, wurde 1939 Lehrstuhlleiterin an der Übersetzerfakultät der Parteihochschule der KPdSU(B) und 1942 Übersetzerin beim Moskauer Rundfunk und bei TASS. Nach ihrer Remigration in die SBZ bzw. DDR hat sie als Bildungspolitikerin, Verlagslektorin (Volk und Wissen) sowie (freischaffende) Übersetzerin in erheblichem Umfang für die Rezeption sowjetrussischer pädagogischer Sach- und Fachliteratur (etwa der Schriften von Krupskaja und Makarenko) gewirkt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Amann, Paul Jg. 1884</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/amann-paul-jg-1884/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Dec 2024 13:26:40 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://uelex.de/?post_type=uelex_article&#038;p=2011315</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Güttinger, Fritz</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/guettinger-fritz-version-1-0/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Dec 2024 12:44:16 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://uelex.de/?post_type=uelex_article&#038;p=2011266</guid>

					<description><![CDATA[Fritz Güttinger zählt zu den wichtigsten Übersetzern und Vermittlern englischsprachiger Literatur im deutschen Sprachraum. Seine 1944 bei Manesse in Zürich erschienene, 918-seitige Übertragung von Herman Melvilles Moby-Dick; or, The Whale (1851) war nicht nur die erste vollständige, sondern, zusammen mit der von Richard Mummendey (1954), auch die meistgelesene deutsche Moby-Dick-Übersetzung im 20. Jahrhundert. Güttingers Lehrbuch [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Fritz Güttinger zählt zu den wichtigsten Übersetzern und Vermittlern englischsprachiger Literatur im deutschen Sprachraum. Seine 1944 bei Manesse in Zürich erschienene, 918-seitige Übertragung von Herman Melvilles <em>Moby-Dick; or, The Whale</em> (1851) war nicht nur die erste vollständige, sondern, zusammen mit der von Richard Mummendey (1954), auch die meistgelesene deutsche <em>Moby-Dick</em>-Übersetzung im 20. Jahrhundert. Güttingers Lehrbuch <em>Zielsprache: Theorie und Technik des Übersetzens</em> (1963) gehörte zur Pflichtlektüre in Übersetzer-Studiengängen und hat vor allem Englisch-Studierende an die Herausforderungen des literarischen Übersetzens herangeführt.</p>



<p>Der persönliche und berufliche Werdegang dieses Schweizer Übersetzers, Pädagogen und Kulturvermittlers verdeutlicht, wie aus einem eher unspektakulären Leben ein spektakuläres Werk entstehen kann. Güttinger wurde am 30. Januar 1907 als Sohn des Sekundarlehrers Johann Friedrich Güttinger und Emma Güttinger, geborene Duttweiler, in Zürich geboren und wuchs ab 1911 im neu erbauten Haus in der Hadlaubstrasse auf. Nach der Matura studierte er Germanistik und Anglistik in Berlin, London und Zürich, wo er 1938 bei Emil Ermatinger mit einer Arbeit über <em>Die romantische Komödie und das deutsche Lustspiel</em> promovierte. Seit 1931 war er darüber hinaus als Journalist für die <em>Neue Zürcher Zeitung</em> (NZZ) und ab Ende der 1930er-Jahre zudem als Übersetzer aktiv.</p>



<p>Zu seinen Auslandsaufenthalten gibt es widersprüchliche Angaben. Folgt man Joachim Kruse, dem langjährigen Direktor des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums, so lebte Güttinger zwei Jahre in London und ein halbes Jahr als Hauslehrer in New York (Kruse 1976: 99). Die NZZ bestätigt „eine sechsmonatige Hauslehrertätigkeit in New York 1939“ (NZZ-Redaktion [<em>che</em>] 1992: 65), wobei unklar bleibt, ob Güttinger dafür bezahlt wurde, einer deutschsprachigen Emigrantenfamilie Englisch beizubringen oder einer amerikanischen Familie Deutsch. Laut Daniel Göske, Amerikanist an der Universität Kassel, Literaturübersetzer und Herausgeber der deutschen Melville-Edition im Carl Hanser Verlag, waren es zwei Jahre, in denen Güttinger in New York an seiner Übersetzung von <em>Moby-Dick</em> arbeitete (Göske 2006: 258). Für die These, dass Güttinger seinen Aufenthalt im Big Apple verlängert haben könnte, spricht, neben den Gefahren einer Atlantik-Überquerung während des U-Boot-Kriegs, ein zweiteiliger, am 28. und 31. März 1940 in der NZZ erschienener und später unter dem Titel „Was Amerika nicht liest“ publizierter Artikel, in dem Güttinger von den Buchläden am Times Square schwärmt und noch in der Stadt zu sein scheint (Güttinger 1966b: 203–10).</p>



<p>Gesichert ist hingegen seine ein Jahr nach Kriegsende erfolgte Einstellung als Gymnasiallehrer an der Kantonsschule Winterthur, wo er von 1946 bis 1975 als „Professor für Englisch (und, aber nicht von Amts wegen, Filmkunde)“ (Kruse 1976: 99) wirkte, jedoch auch das Fach Deutsch unterrichtete.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="19"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup19">19</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="19">Wie eine vom Rektor der Schule in Auftrag gegebene, auf den 1. Juni 1992 datierte und am 3. Juni 1992 in der NZZ veröffentlichte Todesanzeige beweist, war „Prof. Dr. Fritz Güttinger“ in Winterthur für „die Fächer Englisch und Deutsch“ zuständig (Siegrist 1992: 61). Dass er in sämtlichen Nachschlagewerken und Nachrufen ausschließlich als Englisch-Lehrer geführt wird, ist einigermaßen erstaunlich.</span> Dass die „Maturklasse 5a OR 1964“ die Mühe auf sich nahm, ihm dreißig Jahre nach seinem Tod einen Erinnerungsband zu widmen (siehe Baracchi 2023), lässt erahnen, wie beliebt er als Lehrer gewesen sein muss. Die in diesem Band versammelten Sprüche und Anekdoten belegen außerdem Güttingers Hang zu zweideutigem Humor. So kommentierte er die Bitte um ein Bild seiner Frau – Gerüchten nach eine ehemalige Schülerin, über die, abgesehen von ihrem im <em>Historischen Lexikon der Schweiz</em> (Cosandey 2008) verzeichneten Namen (Elsbeth Charlotte Mahler) und dem Jahr der Eheschließung (1960), nichts bekannt ist – mit den Worten „Meine Frau ist keine Vorführdame!“ und soll dabei das Konterfei einer (vermutlich spärlich bekleideten) Asiatin geschwenkt haben (Baracchi 2023: 50). Güttingers Verhaftetsein im Geschlechterdenken seiner Zeit spiegelt sich auch in seiner Übersetzungsdidaktik wider, wie die Diskussion von <em>Zielsprache</em> (1963) zeigen wird.</p>



<p>Güttingers translatorisches Œuvre erstreckt sich über vier Jahrzehnte und reicht von den 1940ern bis in die 1980er. Auch wenn Jens-Peter Beckers Bonmot, Güttinger habe „die halbe englische und amerikanische Literatur“ übersetzt (Jay 2010),<span class="oes-note oes-popup" data-fn="20"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup20">20</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="20">Jens-Peter Becker, der 36 Jahre lang am Englischen Seminar der Universität Kiel als Dozent tätig war, lernte Güttinger bei der Vorbereitung einer von Joachim Kruse im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum organisierten Sonderausstellung zum Thema „Illustrationen zu Melvilles <em>Moby-Dick</em>“ (18.6.–19.9.1976) kennen, was zu einer fünfzehnjährigen Brieffreundschaft führte. Unter dem Pseudonym <em>Jay</em> zeichnet der pensionierte Anglist als Alleinautor für den mit über sieben Millionen Aufrufen (Stand: April 2026) erfolgreichsten deutschsprachigen Kulturblog SILVAE verantwortlich. In einem Beitrag vom 18. September 2010 beschäftigt sich Becker ausführlich mit dem Leben und Schaffen Güttingers (siehe Jay 2010).</span> ironisch überspitzt ist, liest sich eine alphabetisch geordnete Liste der wichtigsten von Güttinger ins Deutsche übertragenen Autoren und Werke wie ein Auszug aus dem Register einer deutschsprachigen Anthologie des angloamerikanischen Kanons: James Boswell, <em>Dr. Samuel Johnson: Leben und Meinungen</em>. Mit dem <em>Tagebuch einer Reise nach den Hebriden</em> (1951; <em>The Life of Samuel Johnson, LL.D.</em>, 1791, und <em>The Journal of a Tour to the Hebrides with Samuel Johnson, LL.D.</em>, 1785), Ray Bradbury, <em>Fahrenheit 451</em> (1955; <em>Fahrenheit 451</em>, 1953), Samuel Butler, <em>Erewhon</em> (1961; <em>Erewhon; or, Over the Range</em>, 1872), Joseph Conrad, <em>Meistererzählungen</em> (1977; enthält <em>Heart of Darkness</em>, 1899, und andere Novellen), Stephen Crane, <em>Meistererzählungen</em> (1985; enthält „The Open Boat“, 1897, und andere Short Stories), Henry Fielding, <em>Tom Jones</em> (1945; <em>The History of Tom Jones, a Foundling</em>, 1749), James Hogg, <em>Der Widersacher</em> (1969; <em>The Private Memoirs and Confessions of a Justified Sinner</em>, 1824), Herman Melville, <em>Moby Dick</em> (1944; <em>Moby-Dick; or, The Whale</em>, 1851), Frank Norris, <em>Heilloses Gold</em> (1964; <em>McTeague</em>, 1899), Robert Louis Stevenson, <em>Die Schatzinsel</em> (1971; <em>Treasure Island</em>, 1883), Henry David Thoreau, <em>Walden oder Hüttenleben im Walde</em> (1972; <em>Walden; or, Life in the Woods</em>, 1854), Mark Twain, <em>Meistererzählungen</em> (1980; enthält <em>The Man That Corrupted Hadleyburg</em>, 1899, und andere satirische Novellen und Erzählungen) und Nathanael West, <em>Tag der Heuschrecke</em> (1964; <em>The Day of the Locust</em>, 1939).</p>



<p>Hinzu kommen Klassiker der Kinderliteratur, wie Munro Leafs <em>Ferdinand, der Stier</em> (1942; <em>The Story of Ferdinand</em>, 1936), und der Abenteuerliteratur, wie C. S. Foresters Hornblower-Romane <em>Der Kommodore</em> (1946; <em>The Commodore</em>, 1945) und <em>Lord Hornblower</em> (1947; <em>Lord Hornblower</em>, 1946), sowie annotierte Herausgaben oder Bearbeitungen von Übertragungen anderer Übersetzer, wie Henry David Thoreaus <em>Walden</em> (1945), <em>Amerikanische Erzähler: Irving, Austin, Poe, Hawthorne, Melville, Hale, Bierce, James</em> (1946), Laurence Sternes <em>Tristram Shandy</em> (1948), Edgar Lee Masters‘ <em>Die Toten von Spoon River</em> (1959), Ernest Hemingways <em>Nach dem Sturm und andere Erzählungen</em> (1964), Edgar Allan Poes <em>Unheimliche Geschichten</em> (1958) und <em>Seltsame Erlebnisse des Arthur Gordon Pym aus Nantucket und andere Erzählungen</em> (1971), Aldous Huxleys <em>Meistererzählungen</em> (1977) und Mary Shelleys <em>Frankenstein oder der moderne Prometheus</em> (1983). Güttingers Vor- und Nachworte, Einführungen und NZZ-Artikel – einige davon gesammelt in <em>Ein Stall voll Steckenpferde: Über amerikanische und englische Literatur, nicht ganz ohne Film</em> (1966) – sind dabei von solcher Qualität, dass sie von Zeitgenossen als eigenständige philologische Beiträge anerkannt wurden: „Von der Einleitung zu Boswells Johnson-Biographie schrieb Friedrich Sieburg seinerzeit: ‚Fritz Güttinger hat das Werk mit einem Essay eingeleitet, der zu den besten kritischen Leistungen der Gegenwart gehört‘“ (Güttinger 1966a: Klappentext).</p>



<p>Was die Zahl der Auflagen und Ausgaben anbetrifft, ist Güttingers Übertragung von Bradburys dystopischem Roman <em>Fahrenheit 451</em> aus dem Jahre 1955 die erfolgreichste unter seinen Übersetzungen britischer und amerikanischer Literatur. Die ihm zuerkannten Preise würdigen Güttingers Gesamtwerk: der 1969 erstmals verliehene Übersetzerpreis der Max Geilinger-Stiftung „die Vermittlung angelsächsischer Kultur im deutschen Sprachbereich durch hervorragende Uebertragung und kritische Würdigung bedeutender literarischer Werke“ (NZZ-Redaktion [<em>rb</em>] 1969: 27)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="21"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup21">21</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="21">Vgl. die einen Tag früher erschienene Kurzmeldung „Max Geilinger-Preis für Fritz Güttinger“, in der betont wird, dass sowohl die Stiftung als auch der von ihr zum ersten Mal vergebene Preis der Vertiefung der „literarischen Beziehungen zwischen England und der Schweiz“ dient (NZZ-Redaktion [ag] 1969: 27). Vgl. ebenso Hans-Ulrich Rübels Laudatio auf Fritz Güttinger (25. Oktober 1969) in <em>Die Preisträger der Max-Geilinger-Stiftung, 1969–1978: Fritz Güttinger, Fritz Senn, Elisabeth Schnack, Ilse Leisi, Hans Heinrich Meier</em> (1980), die Einblicke in das Schaffen des Geehrten gewährt, aber so gut wie keine Informationen über Güttingers Leben enthält (siehe Rübel 1980: 9–13).</span> und die ihm 1981 zugesprochene Ehrengabe des Gottfried Keller-Preises „seine Uebersetzungen aus der angelsächsischen Literatur und seine Beschäftigung mit dem frühen Film“ (NZZ-Redaktion [<em>pd</em>] 1982: 66). Beiden Preisen aber liegen vor allem die Werke zugrunde, denen Güttinger die meiste Lebenszeit widmete und die als seine größten translatorischen Leistungen gelten: seine Übersetzungen von James Boswells Samuel Johnson-Biographie (1951) und Tagebüchern (<em>Londoner Tagebuch</em>,<em> 1762–1763</em> [1953], <em>Boswells grosse Reise: Deutschland und die Schweiz, 1764</em> [1954] und <em>Besuch bei Rousseau und Voltaire</em> [1981]) und seine Übertragung von Herman Melvilles epochalem Seeroman <em>Moby-Dick</em> (1944).</p>



<p>Vor der Analyse von Güttingers <em>Moby Dick</em> lohnt sich jedoch ein Blick auf eine seiner ersten Buchübersetzungen, die deutsche Übertragung von Mortimer J. Adlers <em>How to Read a Book: The Art of Getting a Liberal Education</em> (1940), die 1941 unter dem Titel <em>Wie man ein Buch liest. Mit einem Verzeichnis der 100 Großen Bücher des Abendlandes</em> bei Amstutz und Herdeg in Zürich und Leipzig herauskam.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="22"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup22">22</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="22">Güttingers erste veröffentlichte Übersetzung war Joachim Kruse zufolge die deutsche Version von Vardis Fishers historischem Roman <em>Children of God</em> (1939), <em>In der Wüste ein Reich: Der Roman des Mormonenvolks</em> (1941) (Kruse 1976: 100). Im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek wird hingegen die Übertragung von Adlers <em>How to Read a Book</em> als früheste Güttinger-Publikation geführt.</span> Diese Ausgabe enthält ein „Vorwort des Übersetzers“ (S. V–XII) und, vor dem „Verzeichnis der Großen Bücher“ im Anhang, eine „Vorbemerkung des Übersetzers“ (S. 379–82), die ein besseres Verständnis von Güttingers radikal am Zielpublikum orientiertem, philologischem Ansatz ermöglichen. Obwohl es sich bei <em>Wie man ein Buch liest</em> um eine Mischung aus Sachbuch-Übersetzung und Bearbeitung handelt, wie ein Vermerk auf der Copyright-Seite dokumentiert („Übersetzt und bearbeitet von Dr. Fritz Güttinger“), findet sich Güttingers domestizierende Herangehensweise an die der damaligen deutschsprachigen Leserschaft nicht vertraute anglophone Literatur und Kultur in abgeschwächter Form auch in seinen literarischen Übersetzungen wieder:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>[Vorwort des Übersetzers:] Ein Verzeichnis der großen, überlegenen Bücher abendländischer Kultur – den gemiedenen Unvermeidlichen – ist dem Buch daher anhangsweise mitgegeben. Das amerikanische Verzeichnis konnte dabei nicht einfach übernommen werden, da etwa ein Viertel der darin aufgeführten Werke nicht in deutscher Ausgabe vorliegt. [….] Beispiele im Text mußten da und dort durch andere, uns näherliegende ersetzt werden. Eine Anpassung erfuhr auch das letzte Kapitel, worin das Lesen der Großen Bücher als ein Mittel der Erziehung zum Staatsbürger ohne Staat betrachtet wird. Das darin entworfene Wunschbild einer Weltverbrüderung (durch gemeinsame Lektüre) und eines „Lebens in der Vernunft“ konnte dem hiesigen Leser füglich nicht zugemutet werden. Mit einem allerweltsmäßigen Bildungsüberschwang ist bei uns kein Staat mehr zu machen; dabei käme höchstens die von Spitteler so genannte Bildungsfron heraus. [….] [Vorbemerkung des Übersetzers:] Von den in der amerikanischen Liste aufgeführten 113 Namen mußten 29 ausgeschieden werden, vor allem Schriftsteller und Werke, die in deutscher Übersetzung überhaupt nicht oder nicht leicht zugänglich sind (Spenser, Gibbon, Bentham, Charles Peirce, Henry Adams), in vereinzelten Fällen, weil die betreffenden Namen entbehrlich schienen (Quintilian, Wilhelm Wundt, William James). Neu hinzugekommen sind 35 Namen, […] in der Hauptsache aber Werke deutscher Literatur, da die amerikanische Liste hier nur Nibelungenlied, Leibniz, Kant, Goethe, Hegel und Nietzsche nennt. Das Übergewicht der ursprünglichen Liste auf die Seite der englischen Literatur ist somit nach der deutschen Literatur hin ausgeglichen worden. (Güttinger 1941: XI und 379–80)</p>
</blockquote>



<p>Die Entstehungsgeschichte des Güttinger’schen <em>Moby Dick</em> offenbart die Kluft zwischen der Mystifikation und der Realität literarischen Übersetzens. Der für seinen doppelbödigen Humor bekannte Schweizer pflegte Fragen nach seiner seefahrerischen und walkundlichen Kompetenz gerne damit zu beantworten, „seine Kenntnis der Materie während der Zeit erworben zu haben, die er in der Kombüse eines Walfängers verbrachte“. In Wahrheit war seine Übersetzung „eine herkulische Anstrengung, die ihn vier Jahre Arbeit kostete – statt der vier Monate, die Walther Meier veranschlagen zu dürfen gemeint hatte, der dann mit dem Band 1944 seine […] Manesse-Bibliothek der Weltliteratur eröffnete […]“ (NZZ-Redaktion [<em>che</em>] 1992: 65). Dreizehn Jahre nach der Veröffentlichung seines Buchs <em>Zielsprache</em> (1963), in dem er mehr ins Detail ging, weil es auf Notizen aus den Jahren 1949 und 1959 basierte und seine Eindrücke damals noch frischer waren, konnte Güttinger noch folgende Erinnerungen zu Kruses Bestandsaufnahme „Schweizer und deutsche Übersetzungen des ‚Moby-Dick‘“ (1976) beisteuern:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die Moby-Dick-Übersetzung [so schrieb Dr. Güttinger am 3.&nbsp;5.&nbsp;1976] ist in den Kriegsjahren entstanden. Es war eine Auftragsarbeit; ursprünglich wollte der Verlag sie in ein paar Monaten haben; es wurden dann ein paar Jahre daraus. Da es sich beim Walfang mit der Handharpune, zur Zeit der Segelschiffe, um ein Stück Geschichte handelt, muß jeder Übersetzer (auch wenn er Seemann wäre) sich die Terminologie aus der einschlägigen Literatur erarbeiten, und das konnte in der Schweiz ebensogut geschehen wie anderswo. Das heißt, daß ich zuerst einmal Monate damit verbrachte, die Seemannssprache zu lernen. […] mit Wörterbüchern ist es da nicht getan. Durch die Verarbeitung der Walfangliteratur von Zorgdrager bis Wanda Oesau wurde ich eine Zeitlang zum einzigen Fachmann auf diesem Gebiet in der Schweiz. Ich muß damals wohl ein Verhältnis zur Sache gehabt haben, aber das ist lange her. Geblieben ist eine Tausende von Zetteln umfassende englisch-deutsche Kartei der Seemannssprache. Worauf es mir bei der Moby-Dick-Übersetzung sonst noch ankam? Da kann ich nur wieder auf das […] Buch [<em>Zielsprache</em>] verweisen, in dem sich auch meine Melville-Interpretation niedergeschlagen hat. Übersetzen heißt ja immer auch interpretieren. [….] Natürlich habe ich viel mehr Arbeit in die Übersetzung gesteckt, als mir ein Verleger je hätte zahlen können. Dafür wurde ich dann mehrfach durch Anerkennungsgaben von Stadt und Kanton Zürich entschädigt […]. (Güttinger in Kruse 1976: 100)</p>
</blockquote>



<p>Dass sich all diese Mühen zumindest praktisch auszahlten, geht aus dem gleichermaßen informativen wie unterhaltsamen NZZ-Nachruf „‚Nicht ganz ohne Film‘: Zum Tod von Fritz Güttinger“ hervor:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Literarischen Sachverhalten ist nur mit literarischen Mitteln beizukommen, allenfalls können sie sekundär zur Bewältigung des Alltags beitragen – wie der verblüffte Segellehrer auf dem Zürichsee zur Kenntnis nehmen musste, der eines Tages einen in nautischer Terminologie ungewöhnlich beschlagenen, wenngleich in der Ausdrucksweise etwas altertümlich anmutenden Schüler erhielt, der die Knoten und Manöver theoretisch jedoch immer schon zu kennen schien. (NZZ-Redaktion [<em>che</em>] 1992: 65)</p>
</blockquote>



<p>Güttingers <em>Moby-Dick</em>-Version ist eine von mittlerweile sieben vollständigen deutschen Übertragungen von Melvilles zur Zeit seines Erscheinens unverstandenen Meisterwerks: Margarete Möckli von Seggern (Zürich: Büchergilde Gutenberg, 1942), Fritz Güttinger (Zürich: Manesse, 1944), Thesi [Theresia] Mutzenbecher und Ernst Schnabel (Hamburg: Claassen und Goverts, 1946), Richard Mummendey (Berlin: Deutsche Buchgemeinschaft, 1954), Alice und Hans Seiffert (Leipzig: Dieterich, 1956), Friedhelm Rathjen (Essen: <em>Schreibheft</em>, 2001)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="23"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup23">23</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="23">Die Kontroverse um Friedhelm Rathjens bereits 1991 in Auftrag gegebene und 1993 vollständig vorliegende <em>Moby-Dick</em>-Übersetzung gehört zum Spannendsten, was die neuere Übersetzungsgeschichte zu bieten hat, und verdient deshalb einen eigenen Sachartikel in <em>UeLEX</em>. Die mit unnötiger Polemik geführte Diskussion führte zu einem Herausgeber-Wechsel im Hanser Verlag und der separaten Veröffentlichung der Rathjen- und der Jendis-Version. Grundlage der Debatte um die Neuübersetzung von <em>Moby-Dick</em> ist der immerwährende Streit um die Vor- und Nachteile verfremdenden Übersetzens à la Schleiermacher und Venuti. Zur Kritik an der Rathjen-Übersetzung siehe Göske 2001 und 2006, <a href="https://uelex.de/uebersetzer/zimmer-dieter-e/" data-type="uelex_article" data-id="2011313">Zimmer </a>2001b und Seeger-Vollmer 2021; Plädoyers für Rathjens Ansatz (u.a. von Norbert Wehr und Paul Ingendaay) begleiten sämtliche Editionen seiner Übersetzung (2001, 2004 und 2016). Rathjens programmatische Nachworte – „Fährendienste: Öffentliche Erinnerungen und Bekenntnisse eines selbstgerechten Übersetzers“ (Rathjen 2001: 127–137) und „Wie ich Herman Melvilles Moby-Dick neu übersetzt habe“ (Rathjen 2004: 947–958; 2016: 895–909) – haben seinem Ruf eher geschadet als genutzt (vgl. die nicht wirklich faire, aber effektive Parodie in Seeger-Vollmer 2021: 5).</span> und Matthias Jendis (München: Carl Hanser, 2001). Der große zeitliche Abstand, der zwischen den ersten fünf und den letzten beiden Übersetzungen liegt, deutet darauf hin, dass die besten der oben genannten Übertragungen – Güttinger, Mummendey und die Seifferts – lange als gut genug angesehen wurden. Der mit einer Neuübersetzung verbundene Aufwand dürfte dabei auch eine Rolle gespielt haben, denn aufgrund seines Umfangs und seiner inhaltlichen und sprachlichen Heterogenität galt Melvilles Roman seit jeher als übersetzerische Herausforderung. Auf der Plotebene verschmilzt er „eine robuste Abenteuergeschichte, eine naturhistorische und mythologische Abhandlung über den Wal […] und eine moralphilosophische Reflexion über die Natur des Menschen“, auf der Textebene „die literarische Hochsprache seiner Zeit, nautische und zoologische Partien, Bibel- und Predigtton, Shakespeare-Pastiches, das Pidgin der zusammengewürfelten Mannschaft, Juristen- und Amtssprache, pedantische Umständlichkeiten und geschmeidigste, klingende Poesie“ (Zimmer 2001b).</p>



<p>Mit der übersetzerischen Rezeption Herman Melvilles und den Schwächen der deutschen <em>Moby-Dick</em>-Übertragungen hat sich vor allem Daniel Göske befasst.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="24"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup24">24</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="24">Siehe Göske 1988, 1990, 1991, 2001, 2006, 2014 und 2015 im Quellenverzeichnis.</span> Hierbei ist zu berücksichtigen, dass es Göske als Herausgeber der inzwischen als Standardtext geltenden Version von Matthias Jendis in seinen neueren Aufsätzen auch darum ging, die Notwendigkeit einer Neuübersetzung aufzuzeigen, und dass translatorische Leistungen vor oder nach dem Internet und mit oder ohne editorischem Apparat schwer miteinander zu vergleichen sind (zumal drei der sieben Übertragungen in Kriegszeiten angefertigt wurden und kritische <em>Moby-Dick</em>-Editionen wie die von Hayford, Parker und Tanselle [siehe Melville 1988] noch nicht vorlagen). Einige der von Göske und anderen als Schwächen kategorisierten übersetzerischen Entscheidungen hat Güttinger im noch zu diskutierenden Lehrwerk <em>Zielsprache</em> begründet und erläutert.</p>



<p>An Güttingers <em>Moby Dick</em> (1944) kritisiert Göske im Wesentlichen drei Punkte: erstens Glättung, Abschwächung und Vereinfachung bis hin zur Auslassung problematischer Passagen – z.B. der kryptischen „If“-Konstruktionen („of If“ und „Ifs eternally“) in Ahabs Monolog im fünftletzten Absatz von Kapitel 114 („The Gilder“; vgl. Güttinger 1944: 794)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="25"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup25">25</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="25"><a href="https://uelex.de/uebersetzer/zimmer-dieter-e/" data-type="uelex_article" data-id="2011313">Dieter E. Zimmer</a> rechnet Güttingers <em>Moby Dick</em> zum „Typ der paraphrasierenden Übersetzung“ (2001a: L3). Für die Zusendung einer elektronischen Version der Printfassung von Zimmers Beitrag bedankt sich der Verfasser bei Dipl. Arch. Axel Schuster, Abteilung für Archiv und Datenschutz, ZEIT STIFTUNG BUCERIUS, Hamburg.</span> –; zweitens „Eindeutschung“ und Modernisierung kulturell unspezifischer abstrakter oder philosophischer Formulierungen – z.B. „Dichter und Denker“ für „metaphysical professor“ oder die Heidegger und Husserl evozierenden Begriffe „Wesensschau“ für „meditation“ und „Dasein“ für „life“ im fünften und sechsten Absatz von Kapitel 1 („Loomings“; vgl. Güttinger 1944: 24–26) –; und drittens Depersonalisierung implizit informeller Kommunikation zwischen Erzähler und Leser – z.B. „Man nenne mich Ismael“ für „Call me Ishmael“ im viel zitierten ersten Satz des Romans (vgl. Güttinger 1944: 22; und Göske 1988: 43–46 und 2006: 258–268).</p>



<p>Die ersten von Göske genannten Punkte lassen sich mit Güttingers einbürgerndem Ansatz und der pädagogisch-philologischen Absicht erklären, die literarische Bedeutung und den philosophischen Tiefgang des Romans in sprachlich verständlicher und inhaltlich relevanter Weise zu vermitteln. Hierzu passt, dass Güttinger in <em>Zielsprache</em> (1963: 59–63) für den 1851 bereits veralteten Begriff „spleen“ im dritten Satz des ersten Kapitels, statt der von ihm in der 1944er Version gewählten Übersetzung „Koller“, das „von Jean Paul geprägte, von Heinrich Heine unters Volk gebrachte“ Wort „Weltschmerz“ ins Spiel bringt (Güttinger 1963: 63). Bei der „geistigen Anverwandlung“ (47) eines „betont literarischen Text[s]“ (62) kann es Güttinger zufolge „geschehen, dass [dem Übersetzer] eine Stelle aus irgendeinem Werk der deutschen Literatur für seine Zwecke am geeignetsten erscheint, und so setzt er denn die betreffende Wendung in den Text ein, ohne Anführungszeichen natürlich“ (109). Güttingers Entscheidung in Bezug auf den dritten Punkt resultierte hingegen aus seinem eigenen Stilempfinden:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Melville konnte seinen Roman mit den Worten „<em>Call me Ishmael</em>“ beginnen, ohne dass der Leser sich persönlich angerempelt zu fühlen braucht, wie es der Fall ist, wenn man sagt: „Nenne mich Ismael“ (Büchergilde [1942]), oder „Nennt mich meinethalben Ismael“ (Hamburger Übersetzung [1946]), statt „Man nenne mich Ismael“. [….] Der Leser, der durch fünfhundert Seiten hindurch mit „du“ angesprochen wird, hat das Gefühl, [ihm] werde vom Verfasser ständig […] auf die Schulter geklopft. Im Englischen bringt die 2. Person […] keine solche Wirkung hervor, und wenn sie es im Deutschen tut, dann ist sie unangebracht. (Güttinger 1963: 140)</p>
</blockquote>



<p><em>Zielsprache</em> (1963) entstand aus Vorlesungen zum Thema „The Technique of Translation“, die Güttinger im Sommer 1949 und Winter 1959/60 als Lehrbeauftragter an der Universität Zürich hielt. Dass Güttingers <em>Zielsprache</em> in der ersten Ausgabe des VDÜ-Organs <em>Der Übersetzer</em> insbesondere dem Nachwuchs ans Herz gelegt wird,<span class="oes-note oes-popup" data-fn="26"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup26">26</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="26">„Die ersten vierzig Seiten – wissenschaftlich einwandfreie Trennung zwischen gelehrter und lebendiger Übersetzung, sehr eindringlich, objektiv und überzeugend. Der Rest – interessante persönliche Erfahrungen, retrospektive Vorschläge und persönliche Meinungen […], sehr lehrreich für den Nachwuchs“ (VDÜ 1964: 4).</span> demonstriert den hohen Stellenwert, den man diesem Lehrbuch in Fachkreisen beimaß. Obwohl der Band in puncto Forschungsstand, Sprache und Gender-Einstellungen von der Zeit überholt wurde, empfiehlt er sich wegen seiner Praxisnähe und Informationsdichte nach wie vor als Einführung in die Fallstricke und Schönheit des literarischen Übersetzens. <em>Zielsprache</em> ist ein meinungsstarkes Buch und deshalb umso unterhaltsamer.</p>



<p>Güttingers Ansehen als Literaturübersetzer erklärt die diplomatische Art und Weise, mit der einige seiner kontroverseren Thesen von späteren Forschern relativiert oder zurückgewiesen wurden. So zitiert Katharina Reiß in <em>Möglichkeiten und Grenzen der Übersetzungskritik</em> (1971) zunächst ausgiebig Güttingers als „ganz praktische Faustregel“ (19) bezeichnete „Fehlende Wörter“-Theorie,<span class="oes-note oes-popup" data-fn="27"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup27">27</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="27">„Wie kann man eine Übersetzung beurteilen, ohne davon mehr als zwei oder drei Seiten zu lesen, und ohne diese mit dem Original vergleichen zu müssen? Es gibt da eine einfache Stichprobe. Man braucht sich nur zu fragen, welches die im Deutschen häufigsten Wörter sind, die es in der andern Sprache nicht gibt, und man hat ein Mittel, um festzustellen, ob eine Übersetzung etwas taugt oder nicht. In einer am Wort klebenden Übersetzung werden sich diese Wörter nicht finden, weil sie in der Vorlage nicht vorhanden sind. Die fehlenden Wörter lassen erkennen, ob der Übersetzer Deutsch kann und somit die erste Voraussetzung erfüllt, die für eine gute Übersetzung gegeben sein muss“ (Güttinger 1963: 143; ohne die ersten beiden Sätze und etwas ungenau [„anderen“ statt „andern“; „muß“ statt „muss“] zitiert in Reiß 1971: 19).</span> um erst dann zu ihrer bereits zuvor formulierten Hauptforderung zurückzukehren: „Keine Übersetzungskritik ohne Vergleich zwischen Ziel- und Ausgangstext“ (Reiß 1971: 11). Was den in <em>Zielsprache</em> postulierten „Vorrang der Muttersprache“ in der Übersetzerausbildung anbetrifft (Güttinger 1963: 218), ist sich Güttinger hingegen mit Funktionalisten wie Hans G. Hönig und Paul Kußmaul einig.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="28"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup28">28</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="28">Vgl. Hönig und Kußmaul, <em>Strategie der Übersetzung</em> (1982: 134) und Hönig, <em>Konstruktives Übersetzen</em> (1995/97: 167–169).</span> </p>



<p>Im Hinblick auf Moral- und Geschlechtervorstellungen erweist sich Güttinger als Kind seiner Zeit. Verfremdende Übersetzungen werden zu „hässlichen Wechselbälgern“; die darin benutzte „Zwittersprache“ „tut der Muttersprache Gewalt an“ (Güttinger 1963: 25–26). Güttingers Verwendung von alles anderem als geschlechtergerechter Sprache zeigt sich am deutlichsten bei seinen Ausführungen zu typischen „Fehlerquellen“ (114–141). Unter der Überschrift „Kein Gefühl für den Gefühlswert“ mokiert sich Güttinger beispielsweise mit offensichtlichem Vergnügen über die Fehlübersetzung des historischen Begriffs „night-women“ (<em>Moby-Dick</em>, Kapitel 40, „Midnight, Forecastle“) in den deutschen Fassungen von 1942 und 1946. Dass die fraglichen Übersetzerinnen und Übersetzer (Möckli von Seggern [1896–1975], Mutzenbecher [1888–1979] und Schnabel [1913–1986]) Anfang der 1960er-Jahre noch aktiv waren, scheint Güttinger nicht gestört<span class="oes-note oes-popup" data-fn="29"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup29">29</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="29">Die Bereitschaft, sich unbeliebt zu machen, verbindet Güttinger mit Zimmer, der die Übertragung durch Möckli-von Seggern (allerdings nach deren Ableben) als Beispiel dafür bringt, „dass man nicht übersetzen kann, was man nicht verstanden hat“ (Zimmer 2001a: L3).</span> zu haben:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„<em>I’ll dance over your grave, I will—that’s the bitterest threat of your night-women that beat head-winds round corners</em>.“ Nun pflegen wir im allgemeinen nicht zwischen Tagfrauen und Nachtfrauen zu unterscheiden, so dass uns die Zusammensetzung „<em>night-women</em>“ zuerst nicht viel sagt. [….] Die französischen Übersetzer des „Moby Dick“ scheinen da gar kein Problem gesehen zu haben; sie übersetzen ziemlich wörtlich: „<em>des femmes qui, la nuit, tiennent tête aux vents des carrefours</em>“. Und die Übersetzer der Büchergilde Gutenberg folgen der französischen Fassung: „Frauen, die nachts an den Strassenecken den Winden trotzen[“.] Die Hamburger Fassung ist noch deutlicher, so sehr, dass man zögert, die Übersetzerin für diese Stelle verantwortlich zu machen: „die Huren, wenn sie nachts an der Strassenecke stehen und der Wind pfeift ihnen unter die Röcke“. Man sieht, wie die Phantasie des Übersetzers durch das Wort „<em>night-women</em>“ angeregt wurde; er kann es nicht anschaulich genug machen, auch wenn von den Röcken der Nachtfrauen bei Melville nichts zu lesen steht. Alle Übersetzer aber haben bei den Nachtfrauen an Nutten gedacht und damit den Gefühlswert des Wortes um einige Längen verpasst. Sie haben nicht berücksichtigt, wer den Ausspruch über die Nachtfrauen tut. Es ist ein alter Matrose von der Insel Man, und die Leute von dieser Insel gelten als abergläubisch […]. [….] Melvilles „<em>night-women that beat head-winds round corners</em>” sind keine Nutten, sondern Weiber, die des Nachts durch die Lüfte fahren. (Güttinger 1963: 126–127)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="30"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup30">30</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="30">Im Anschluss erläutert der Autor den Unterschied im Gefühlswert zwischen „hyena“ im Englischen („das Tier, das lacht“) und „Hyäne“ im Deutschen: „Füchse sind schlau, Hunde sind treu, Esel sind störrisch, im Englischen wie im Deutschen; was für eine Eigenschaft aber verkörpert die Hyäne? ‚Gier, die keine Achtung kennt‘, meint der Sprach-Brockhaus und denkt wohl an die Weiber, die zu Hyänen werden […]“ (Güttinger 1963: 128).</span></p>
</blockquote>



<p>Aus übersetzungswissenschaftlicher Perspektive am interessantesten sind die Parallelen zwischen Güttingers grundsätzlicher Argumentation gegen verfremdendes Übersetzen und Dieter E. Zimmers Urteil über die konkreten Auswirkungen dieses Ansatzes in Friedhelm Rathjens Neuübersetzung von <em>Moby-Dick</em>:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>[„Das gewollte Übersetzerdeutsch“:] Ein Satz wie „<em>it is forbidden</em> [<em>to cross the lines</em>]“ bewahrt den sprachlichen Charakter des Originals in den Worten der Übersetzung und vermittelt dem Leser damit auch etwas von der fremden Geistesart. Nun kann man sich aber fragen, wer liest eigentlich Übersetzungen? Doch wohl nur derjenige, der die fremde Sprache nicht kennt und auch mit den Verhältnissen in dem betreffenden Lande nicht vertraut ist. Dieser ist aber gar nicht in der Lage, zu erkennen und zu würdigen, ob und inwieweit der Übersetzer dem Geist der fremden Sprache treu geblieben ist. Bedeuten kann eine solche Übersetzung nur demjenigen etwas, der die fremde Sprache kennt und mit den fremden Verhältnissen vertraut ist. Dieser wird aber nicht auf Übersetzungen angewiesen sein. (Güttinger 1963: 21)</p>
</blockquote>



<p>Bei Zimmer geht es, neben der generellen Sinnhaftigkeit verfremdend übersetzter Texte, auch um die korrekte literarische Einordnung des zu übertragenden Originals und, zwischen den Zeilen, um die von Venuti in <em>The Translator’s Invisibility</em> (1995) aufgeworfene Frage nach der Sichtbarkeit oder Unsichtbarkeit literarischer Übersetzer:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>[Rathjen] geht davon aus, Melvilles Text sei „eigenwillig, dunkel, ungehobelt; fremd“, „handwerklich völlig verkorkst“, und unternimmt es, das Befremdende an der Sprache des <em>Moby-Dick</em> in ein ebenso befremdendes, verkorkstes Deutsch zu überführen. [….] Aber so radikal befremdlich, wie Rathjen meint und wie sich seine Übersetzung nun liest, ist Melville keineswegs und wirkte er auch auf die Leser seiner Zeit nicht. [….] seine extrem genaue Übersetzung ist ebendarin ungenau und darum inadäquat. Er, der das Dogma vertritt, der Übersetzer dürfe „keine eigene Sprache haben“, sondern müsse sich der des jeweiligen Buches anverwandeln, produziert in einem fort ein höchst idiosynkratisches Deutsch, das niemand je gesprochen oder geschrieben hat oder schreiben wird. Seine Sprache macht ihn als Übersetzer nicht so unsichtbar, wie ihm das vorgeschwebt hat, sie macht ihn vielmehr extrem sichtbar […]. [….] Nein, „schlecht“ im normalen Sinn ist Rathjens Übersetzung nicht, dazu ist sie zu reich an durchaus glücklichen Trouvaillen. Sie ist jenseits von Gute und Böse – ein Irrtum. [….] Übersetzen sollte nicht als ein dogmatisches, sondern als ein pragmatisches Geschäft betrieben werden; es sollte sich nicht zu schade sein für die Frage: Wozu? Rathjens <em>Moby-Dick</em> hat keine ersichtliche Funktion. Wer sich Melvilles Text so nahe besehen will, wie Rathjen ihn heranzuholen meint, braucht keine Übersetzung und täte besser daran, sich an das Original zu halten. (Zimmer 2001b)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="31"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup31">31</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="31">Dass es sich bei Rathjens Neuübersetzung, allein schon aufgrund der investierten Lebenszeit, um eine große Leistung handelt, steht trotz der Schärfe der Debatte außer Zweifel. Der Idealfall wäre eine komplementäre Lektüre der Jendis-, Rathjen- und Original-Version: „Am Ende möchte man den ‚Moby-Dick‘ von Göske und Jendis als Vorspeise auf die Karte setzen, eine ordentliche originalsprachliche Ausgabe als Hauptgang und Rathjens Text als experimentelles Dessert. Der geneigte Leser mag daraufhin den Gott, an den er glaubt, um ausreichende Lesezeit bitten“ (Freund 2001).</span></p>
</blockquote>



<p>In seinem abschließenden Vergleich der beiden Neuübersetzungen zollt Zimmer, zumindest in der Manuskriptfassung seines Beitrags, <em>Moby-Dick</em>-Pionieren wie Güttinger Respekt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die vergleichsweise konventionelle Übersetzung von Matthias Jendis ist den älteren sehr viel ähnlicher, von denen einige (vor allem die von Güttinger, den Seifferts und von Mummendey) gar nicht übel waren, aber sie merzt nicht nur deren kumulierte Schnitzer aus […], sondern ist genauer […]. Gewiss schönt auch sie das Original. Aber das will mir verzeihlicher vorkommen als dessen systematische und dogmatische Verholperung und Verhässlichung. (Zimmer 2001b)</p>
</blockquote>



<p><em>Zielsprache</em> endet mit einem „Zitatengespräch“,<span class="oes-note oes-popup" data-fn="32"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup32">32</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="32">Das „Zitatengespräch“ war einer von Güttingers bevorzugten Formaten intellektueller Auseinandersetzung. Vgl. Güttinger 1990: 99–115.</span> das veranschaulicht, dass Güttinger unter „Theorie“ die Auseinandersetzung mit übersetzungspoetologischen Äußerungen großer Dichter, Theologen und Philosophen versteht.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="33"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup33">33</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="33">Zu den am häufigsten zitierten Geistesgrößen in Güttingers <em>Zielsprache</em> zählen Benjamin, Goethe, J. Grimm, Heine, Herder, v. Humboldt, Jean Paul, S. Johnson, Lessing, Luther, Nietzsche, Ortega y Gasset, Schiller, Schleiermacher und Schopenhauer.</span> Von zeitgenössischen Übersetzungstheorien, vor allem denen mit linguistischer Ausrichtung, hielt Güttinger gar nichts. Ihr praktischer Nutzen beschränke sich darauf, mit ihrer Hilfe „Vorträge zu halten“ (Güttinger 1966c: 1).<span class="oes-note oes-popup" data-fn="34"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup34">34</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="34">Güttingers für die Zeit repräsentative Theorie-Skepsis stellt eine weitere Parallele zu Dieter E. Zimmer dar, der sich in einem für die VDÜ-Zeitschrift <em>Der Übersetzer</em> erweiterten <em>ZEIT</em>-Artikel mit dem schönen Titel „Stetige Bumser im Rücken“ (1993) wie folgt äußerte: „‚Übersetzungstheorie‘ ist ein großes Wort, und die meisten werden abwinken, zu Recht. Letzte Begründungen, aus denen sich allgemeine operative Regeln ableiten lassen, sind auf diesem Gebiet nicht zu haben“ (Zimmer 1993: 23; vgl. Hönig 1995/97: 22).</span> </p>



<p>Angesichts der Verdienste, die sich Güttinger als literarischer Übersetzer erworben hat, gerät schnell in den Hintergrund, dass „seine eigentliche Liebe“ dem Film und speziell dem Stummfilm galt: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Fritz Güttinger war wohl der letzte Zeitgenosse in unserm Land, der noch aus eigenem Erleben kompetent über den Stummfilm zu sprechen wusste. Diese Erinnerung verband sich mit einem ungeheuren archivarischen Fleiss, der ihn Zeitungen und Zeitschriften Tag um Tag und über Jahrzehnte hinweg durcharbeiten liess. Und sie konnte sich auf eine der bedeutendsten privaten Sammlungen mit Büchern, Zeitschriften, Plakaten, Filmen und unermesslichen Beständen von Photographien aus der Zeit und zur Geschichte des Stummfilms stützen. (NZZ-Redaktion [<em>che</em>] 1992: 65)</p>
</blockquote>



<p>Güttingers ästhetisches Verständnis des Stummfilms als sinnliche Erfahrung beeinflusste die Filmwissenschaft in Deutschland und der Schweiz (vgl. Cosandey 2008). Für seine größte Leidenschaft „war Güttinger […] auch schon ganz pragmatisch eingetreten: als Professor an der Kantonsschule Winterthur hatte er durchgesetzt, daß Film auch im Abitur als Prüfungsgegenstand gewählt werden durfte“ (Becker 1993: 100). Seiner intensiven Beschäftigung mit dem Film sind nicht nur unzählige Artikel in Tageszeitungen wie der <em>Neuen Zürcher Zeitung</em>, dem <em>Bund</em> und der <em>Tat</em>, sondern auch drei Buchveröffentlichungen entsprungen: <em>Kein Tag ohne Kino</em> (1984), <em>Der Stummfilm im Zitat der Zeit</em> (1984) und <em>Köpfen Sie mal ein Ei in Zeitlupe!</em> (1992). In einem seiner letzten Beiträge für die NZZ, einer Rezension des Romans <em>Der Kinoerzähler</em> (1990) von Gert Hofmann, weist Güttinger zum einen nach, dass der Titel aus historischen und terminologischen Gründen <em>Der Kinoerklärer</em> hätte lauten sollen, und zum anderen, dass es nicht der Tonfilm gewesen war, der den „Erklärer“ aus den Kinos verdrängte, sondern die Programmhefte (Güttinger 1991: 65).</p>



<p>Güttinger war ein Gelehrter alten Schlages: „[…] der Schreibende [hat] keine schöneren Manuskripte als die von F. G. auf der immer gleichen alten Maschine getippten erhalten – die raren Tippfehler fein säuberlich mit dem korrekten einzelnen Buchstaben überklebt. Präzisionsarbeiten in jeder Hinsicht“ (NZZ-Redaktion [<em>che</em>] 1992: 65). Zeitzeugen schätzten an ihm seine „unprätentiöse, im Zweifelsfall dem Understatement zuneigende Ausdrucksweise“, seine „fein[e] Ironie, die doch im Anstand und in der Höflichkeit ihr oberstes Gebot sah“, „die Gabe der anschaulichen und witzigen Formulierung“, „die reiche Bildung, die Genauigkeit, das Lächelnd-Nüchterne, den kritischen Humor“.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="35"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup35">35</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="35">Siehe NZZ-Redaktion [<em>che</em>] 1992: 65; Becker 1993: 100; Güttinger 1966a: Klappentext.</span> Auf der Grundlage dieser Eigenschaften, Fähigkeiten und Charaktermerkmale, und einer ihm als Privileg bewussten ruhigen, aber gesicherten Existenz im Schweizer Schuldienst schuf der mit Thornton Wilder befreundete<span class="oes-note oes-popup" data-fn="36"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup36">36</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="36">Laut seinem Brieffreund Becker war es ein Spaziergang um den Zürichsee mit Fritz Güttinger, der Thornton Wilder zu seinem Theaterstück <em>Our Town</em> (dt. <em>Unsere kleine Stadt</em>) inspirierte: „Grover’s Corner[s], die typische amerikanische Kleinstadt, ist also in der Schweiz entstanden“ (Jay 2024).</span> übersetzende und forschende Pädagoge ein bemerkenswertes translatorisches und philologisches Oeuvre.</p>



<p>Fritz Güttinger starb am 21. Mai 1992 in seiner Geburtsstadt Zürich. Sein Vermächtnis wirkt bis heute nach.</p>



<p>&#8212;&#8212;&#8211;</p>



<p><strong>Danksagung:</strong> Der Verfasser bedankt sich bei Beat Scherrer und Ines Flammarion für die Bereitstellung des abgebildeten Güttinger-Porträts und ihre Hilfe bei der Einholung der Reproduktionsrechte.</p>



<p></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Giersberg, Sabine</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/giersberg-sabine/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Dec 2024 18:19:37 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://uelex.de/?post_type=uelex_article&#038;p=2011249</guid>

					<description><![CDATA[Sabine Giersberg wurde am 26. Januar 1964 als drittes Kind der Hausfrau Hildegard Giersberg (geb. Neumann) und des Verwaltungsangestellten Jakob Josef Giersberg im rheinischen Bonn geboren und durchlebte eine behütete, wenn auch durch den großen Altersabstand zu ihren Eltern und Geschwistern geprägte Kindheit. Die erste Begegnung mit iberoamerikanischer „Boom“-Literatur, Gabriel García Márquez’ Crónica de una [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Sabine Giersberg wurde am 26. Januar 1964 als drittes Kind der Hausfrau Hildegard Giersberg (geb. Neumann) und des Verwaltungsangestellten Jakob Josef Giersberg im rheinischen Bonn geboren und durchlebte eine behütete, wenn auch durch den großen Altersabstand zu ihren Eltern und Geschwistern geprägte Kindheit. Die erste Begegnung mit iberoamerikanischer „Boom“-Literatur, Gabriel García Márquez’ <em>Crónica de una muerte anunciada </em>(1981), im Leistungskurs Spanisch des Bonner Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums sollte sich im Nachhinein als Schlüsselerlebnis erweisen, aus dem nicht nur die anschließende Studienwahl, sondern auch die spätere Karriere als Literaturübersetzerin und eine lebenslange Begeisterung für lateinamerikanische Belletristik resultierten.</p>



<p>Nach dem Abitur in Bonn (1983) schrieb sie sich für die Fächer Spanisch und Portugiesisch in den Studiengang Diplom-Übersetzen am Fachbereich Angewandte Sprachwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Germersheim ein, verbrachte ein Auslandssemester an der Universidad de Navarra in Pamplona (1986) und schloss ihr Studium im Wintersemester 1988/89 mit einer von Hans Schemann betreuten Diplomarbeit zu Carlos Fuentes‘ <em>La muerte de Artemio Cruz</em> mit Auszeichnung ab.</p>



<p>Da sich Giersbergs eher kulturwissenschaftliche und philologische Interessen bereits während ihrer stark praxis- und fachsprachenorientierten Ausbildung in Germersheim abgezeichnet hatten, war es nur folgerichtig, 1991 nach Mainz zu wechseln, um bei einem Pionier der Lateinamerikanistik, Dieter Janik, mit einer Dissertation zu Juan Carlos Onetti zu promovieren. Um das Promotionsstudium (Hispanistik, Lusitanistik, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft) zu finanzieren, arbeitete sie zunächst nebenbei als Übersetzerin für die Industrie und dann auch als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Romanistischen Seminar (1992–1997). Mit einem in der Kulturzeitschrift <em>Lettre</em> (1995) veröffentlichten Auszug aus Ricardo Piglias <em>Respiración artificial</em> (1980) trat Giersberg während dieser Zeit zum ersten Mal als Übersetzerin in Erscheinung.</p>



<p>Nachdem sich die Hoffnungen auf eine Universitätslaufbahn zerschlagen hatten, legte sie als Freiberuflerin mit <em>Ich, Kaiser Nero</em> von Pedro Gálvez (1998) ihre erste Buchübersetzung vor. Giersbergs eigentlicher Durchbruch als literarische Übersetzerin war ihre deutsche Version von Héctor Abads <em>Tratado de culinaria para mujeres tristes</em> (1996), die unter dem Titel <em>Kulinarisches Traktat für traurige Frauen</em> 2001 bei Wagenbach in Berlin erschien, gefolgt von Piglias Roman <em>Künstliche Atmung</em> (2002).</p>



<p>Seit diesen Anfängen hat Giersberg mit der Übersetzung namhafter spanischer und lateinamerikanischer Autoren wie Barba, García Lorca, Muñoz Molina, Caparrós, Cozarinsky, Edwards, Figueras, Fuentes, Hernández und Onetti auf sich aufmerksam gemacht. Ihre Übertragungen von 61 Autorinnen und Autoren aus 12 Ländern, vorwiegend aus Mittel- und Südamerika (Argentinien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Guatemala, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Panama und Uruguay), umfassen mehr als 23.000 paginierte Seiten, wobei die Beauftragung mit der Übersetzung von Juan Carlos Onettis Roman <em>Tierra de nadie</em> (1941, <em>Niemandsland</em>, 2009) für die Onetti-Gesamtedition des Suhrkamp Verlags als Höhepunkt ihres bisherigen Schaffens bezeichnet werden kann.</p>



<p>Für ihre Übertragung von Martín Caparrós‘ <em>Los Living</em> (2011, <em>Die Ewigen</em>, 2014) und ihr Gesamtwerk wurde die seit 2003 in Schwetzingen lebende Übersetzerin 2017 mit dem Helene-Hecht-Preis der Stadt Mannheim geehrt. Ihre deutsche Fassung von Carlos Fonsecas <em>Austral</em> (2022, <em>Austral</em>, 2024) sorgte dafür, dass der in Costa Rica geborene und 2024 mit dem Anna Seghers-Preis der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz ausgezeichnete Schriftsteller nun auch einem deutschsprachigen Publikum zugänglich ist.</p>


<div class="oes-panel-container oes-panel-container-image" id="figure_2011832"><div class="oes-accordion-wrapper"><div class="oes-accordion-panel oes-panel active"><figure class="oes-panel-figure "><div class="oes-panel-image oes-modal-toggle"><div class="oes-panel-image-container oes-modal-toggle-container"><img decoding="async" id="oes-panel-image-center" src="https://uelex.de/wp-content/uploads/2025/03/Bild-Akademie-Mainz-e1743416932813.png" alt=""><span class="fa fa-expand"></span></div></div><div class="oes-modal-container"><span class="oes-modal-close dashicons dashicons-no"></span><div class="oes-modal-image-container"><img decoding="async" class="oes-modal-image-2011832" src="https://uelex.de/wp-content/uploads/2025/03/Bild-Akademie-Mainz-e1743416932813.png" alt="" id="oes-modal-image-center"></div><div class="oes-modal-content-text oes-modal-content-text-2011832 active"><div class="oes-modal-content-subtitle"></div><table class="oes-table-pop-up"><tr><th>Beschreibung</th><td>Sabine Giersberg (Mitte), Angelica Ammar (links) und Autor Carlos Fonseca (rechts) am 8. Juni 2024 in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Foto und ©: Charlotte Fischer.</td></tr><tr><th>Datum</th><td>31. März 2025</td></tr></table></div></div><figcaption><div class="oes-panel-figcaption oes-panel-figcaption-2011832 active"><div class="oes-modal-figcaption-credit">Sabine Giersberg (Mitte), Angelica Ammar (links) und Autor Carlos Fonseca (rechts) am 8. Juni 2024 in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Foto und ©: Charlotte Fischer.</div></div></figcaption></figure></div></div></div>


<p>Sabine Giersberg bescherte das Jahr 2010, in dem Argentinien Gastland der Frankfurter Buchmesse war, mit 2719 veröffentlichten Seiten die höchste Produktivität ihrer Karriere. Der anschließende Auftragseinbruch spiegelt nicht nur die „zu beobachtende Verengung des weltliterarischen Horizonts auf das Anglo-Amerikanische“ (Kämmerlings 2006: 46), sondern auch die nachlassende Bedeutung lateinamerikanischer Literatur für die deutsche Buchbranche wider. Auch aufgrund der mit dieser Horizontverengung verbundenen Flaute entschloss sich Giersberg 2011, eine Stelle beim Allgemeinen Rettungsverband Rhein-Neckar e.V. anzunehmen. Daneben war sie als Gutachterin, Moderatorin, Lehrbeauftragte und Gastdozentin an den Universitäten Frankfurt, Heidelberg, Basel, Hamburg und Göttingen tätig. Ihr translatorischer Schwerpunkt liegt derzeit (2025) auf spanischsprachiger Jugend- und Unterhaltungsliteratur.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gabelentz, Hans Conon von der</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/gabelentz-hans-conon-von-der/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 09 Nov 2024 23:37:08 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://uelex.de/?post_type=uelex_article&#038;p=2011176</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
