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	<title>Französisch &#8211; UeLEX</title>
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	<description>Germersheimer Übersetzerlexikon</description>
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		<title>Stalin (Kurella)</title>
		<link>https://uelex.de/literatur/stalin-kurella/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Apr 2026 13:09:42 +0000</pubDate>
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		<title>Die Glocken von Basel (Kurella)</title>
		<link>https://uelex.de/literatur/die-glocken-von-basel-kurella/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Apr 2026 12:53:02 +0000</pubDate>
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		<title>Die Zeit der Verachtung (Kurella)</title>
		<link>https://uelex.de/literatur/die-zeit-der-verachtung-kurella/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Apr 2026 12:45:37 +0000</pubDate>
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		<title>Kurella, Alfred</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/kurella-alfred/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 12 Apr 2026 08:05:16 +0000</pubDate>
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		<title>Kahn, Harry</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/kahn-harry/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Apr 2026 20:42:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Von Harry Kahn sind nach Ende des Zweiten Weltkriegs zahlreiche Übersetzungen vor allem zeitgenössischer amerikanischer Romane erschienen, zunächst in schweizer, dann zunehmend auch in westdeutschen Verlagen: Dos Passos, Faulkner, Lewis, Steinbeck usw. Seine Vertrautheit mit Sprache und Kultur der USA könnte von einem frühen Aufenthalt in den Staaten herrühren, erhellend dafür u. U. sein 1917 [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[    <div class="uelex-redaktionelles">
        <p class="uelex-redaktionelles-header" id="uelex-redaktionelles-id">Vorbemerkung der Redaktion
            

<p>Dieses Prosopogramm entstand im Rahmen des deutsch-österreichisch-schweizerischen Forschungsprojekts&nbsp;<em><a href="https://uelex.de/neuigkeiten/#2025">Post-Exil: Trans (2025-2027)</a></em>.</p>


        </p>
    </div>


<p>Von Harry Kahn sind nach Ende des Zweiten Weltkriegs zahlreiche Übersetzungen vor allem zeitgenössischer amerikanischer Romane erschienen, zunächst in schweizer, dann zunehmend auch in westdeutschen Verlagen: Dos Passos, Faulkner, Lewis, Steinbeck usw.</p>



<p>Seine Vertrautheit mit Sprache und Kultur der USA könnte von einem frühen Aufenthalt in den Staaten herrühren, erhellend dafür u. U. sein 1917 erschienenes Buch <em>Amerika</em>.</p>



<p>Unter dem Pseudonym Karl Hertig veröffentlichte Kahn Übersetzungen aus dem Französischen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Demain neuf heures (Chaudoir)</title>
		<link>https://uelex.de/literatur/demain-neuf-heures-chaudoir/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Apr 2026 17:36:06 +0000</pubDate>
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		<title>Der wunderbare Fischzug (Chaudoir)</title>
		<link>https://uelex.de/literatur/der-wunderbare-fischzug-chaudoir/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Apr 2026 16:18:31 +0000</pubDate>
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		<title>Essais (Stilett)</title>
		<link>https://uelex.de/literatur/essais-stilett/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 11:27:28 +0000</pubDate>
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		<item>
		<title>Bernson, Bernhard, 1888–1963</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/bernson-bernhard/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sbaumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 16:59:55 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Bernhard Bernson war ein in Lemberg geborener und längere Zeit in Straßburg ansässiger Schriftsteller, der in der Weimarer Republik für Verlage arbeitete und Theaterstücke mit jüdischer Thematik verfasste, für deren Aufführungen er sich mit viel Elan einsetzte. Im Pariser Exil befasste er sich mit Graphologie und war für zionistische Organisationen tätig. Vor dem Ersten Weltkrieg [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[    <div class="uelex-redaktionelles">
        <p class="uelex-redaktionelles-header" id="uelex-redaktionelles-id">Vorbemerkung der Redaktion
            

<p>Dieses Porträt entstand im Rahmen des deutsch-österreichisch-schweizerischen Forschungsprojekts&nbsp;<a href="https://uelex.de/neuigkeiten/#2025" data-type="link" data-id="https://uelex.de/neuigkeiten/#2025"><em>Post-Exil: Trans (2025-2027)</em>.</a></p>


        </p>
    </div>


<p>Bernhard Bernson war ein in Lemberg geborener und längere Zeit in Straßburg ansässiger Schriftsteller, der in der Weimarer Republik für Verlage arbeitete und Theaterstücke mit jüdischer Thematik verfasste, für deren Aufführungen er sich mit viel Elan einsetzte. Im Pariser Exil befasste er sich mit Graphologie und war für zionistische Organisationen tätig. Vor dem Ersten Weltkrieg übersetzte er in Straßburg Erzählungen von Edgar Allan Poe. Bei dieser einen Übersetzung aus dem Englischen blieb es; nach dem Zweiten Weltkrieg übersetzte er in Paris graphologische Fachliteratur aus dem Deutschen ins Französische.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Lebensweg</strong></h2>



<p>Geboren wurde Wilhelm Bernhard Bernson am 25. Dezember 1888 in Lemberg als Sohn eines Kaufmanns in eine jüdische Familie. Laut seinem im Deutschen Exilarchiv aufbewahrten Splitternachlass heiratete er am 13.11.1913 in Straßburg Katharina&nbsp;Martha&nbsp;Michel, die ebenfalls jüdische Tochter eines Fabrikanten. Am 1. Oktober 1914 kam dort die gemeinsame Tochter Ruth zur Welt. Sein Nachlass im Deutschen Literaturarchiv in Marbach erwies, dass die Familie sich längere Zeit im Elsass und dann in Weimar aufhielt. Zusammen mit seiner Frau nahm Bernson 1922 am „De Stijl“-Kurs des damals in Weimar ansässigen Bauhauses unter der Leitung Theo van Doesburgs teil, der in seine neue Kunstrichtung auch die Typographie einbezog. Am 29. April 1927 nennt Bernson in einem Brief Salman Schocken seinen „Brotherr[n]“; ein späterer Brief einer Kollegin bestätigt, dass er auch für den Berliner Verlag Paul Cassirer tätig war. Aufenthalte in Berlin, Erfurt, in Kronberg im Taunus sowie in Nymphenburg bei München sind in den Nachlässen verzeichnet, desgleichen, dass er 1933 nach Frankreich ins Exil ging.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="15"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup15">15</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="15">Der Katalog der Deutschen Nationalbibliothek zählt auch Österreich und die Schweiz von 1942 bis 1945 als Exilländer auf. Dafür fanden sich jedoch keine Belege.</span></p>



<p>Auf der Homepage des Autographenhändlers Kotte wird der Exilbeginn bestätigt und ergänzt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Marthe und Bernhard Bernson sollten 1933 nach Paris emigrieren&nbsp;und dort ein Centre d’études grapho-pédagogiques<span class="oes-note oes-popup" data-fn="16"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup16">16</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="16">Hierzu ließ sich nichts Näheres finden, eine Anfrage bei dem Autographenhändler blieb unbeantwortet. Der Splitternachlass im Deutschen Exilarchiv enthält einen Zeitungsartikel von Otto Fanta: „Babel und Bibel. Eine Spitzenleistung des Buchdrucks.“&nbsp;<em>Prager Tagblatt</em>&nbsp;11. April 1937, den Bernson vielleicht für diese Einrichtung brauchte (zu Otto Fanta gibt es einen Wikipedia-Artikel).&nbsp;Noch 1957 veröffentlichte Marthe Bernson einen illustrierten Text über den Schrifterwerb von Kindern: „Du gribouillis au dessin, évolution graphique des tout-petits“ Neuchâtel, Paris, Delachaux et Niestlé 1957&nbsp;<em>Collection Techniques de l&#8217;éducation artistique</em>, Nr. 3, 88 Seiten.</span> betreiben; Marthe Bernson selbst war auch als Übersetzerin tätig und übersetzte u. a. C. G. Jungs „Psychologie und Religion“ ins Französische.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="17"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup17">17</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="17">Die Übersetzung (zusammen mit Gilbert Cahen, 1904–2001) unter der dem Titel&nbsp;<em>Psychologie et religion</em>&nbsp;umfasste 222 Seiten und erschien 1958&nbsp;bei&nbsp;Buchet-Chastel-Corrèa in Paris.&nbsp;</span></p>
</blockquote>



<p>In Frankreich betätigte Bernson sich vor allem im Auftrag zionistischer Organisationen. Anfangs lebten Bernsons in Chatillon sous Bagneux an der Seine, dann nahmen sie sich eine kleine Wohnung in Paris. Im Dezember 1933 schrieb Marthe Bernson in einem Brief, dass der Verkauf ihres Hauses in München<span class="oes-note oes-popup" data-fn="18"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup18">18</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="18">Es ließ sich nicht ermitteln, ob und wann Bernsons in München lebten oder ob es sich um eine Familienerbschaft handelte.</span> erfolglos geblieben und das Geld auf einem Sperrkonto eingefroren worden sei. Bernson hatte (teils auch zusammen mit seiner Frau) in Paris Spendenkampagnen für die Jugend-Alijah durchzuführen – also die Vorbereitung jüdischer Jugendlicher&nbsp;auf die Auswanderung nach Palästina –, was sich wegen der Konkurrenz der verschiedenen Gruppierungen schwierig gestaltete, zumal ihn Empfehlungsschreiben oder Auftragsbestätigungen auf dem Postweg oft zögerlich oder gar nicht erreichten. Bernson hatte auch vor, sich mit dem Judentum verschiedener Schriftsteller zu beschäftigen, wie Notizen in seinem Marbacher Nachlass zeigen. Dort schreibt er zum Beispiel, Else Lasker-Schüler trage „ihr Zion im Herzen“.&nbsp;</p>



<p>Nach dem Krieg blieben die Bernsons in Paris. Ende der 1950er Jahre konnte der Buchhändler Fritz Picard, der ebenfalls in Berlin für Schocken gearbeitet und 1951 im Pariser Exil die berühmte Buchhandlung Calligrammes eröffnet hatte, Bernson über eine deutschsprachige Zeitungsannonce aufspüren. Das teilte der Schleswiger Buchhändler Karl Liesegang am 5. Februar 1960 Hans Holtorf, einem gemeinsamen Freund aus der Theaterszene, brieflich mit. Wie die Familie Bernson die Besatzungszeit in Frankreich überstand, schildert seine Frau Marthe den Holtorfs in einem Brief vom 13. Mai 1960 aus Paris:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Wir hatten in der schwersten Zeit etwas wie eine zweite Heimat gefunden: In einem Landerziehungsheim,<span class="oes-note oes-popup" data-fn="19"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup19">19</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="19">Höchstwahrscheinlich handelt es sich dabei um die von teils aus der Schweiz stammenden protestantischen Pädagoginnen Marguerite Soubeyran, Catherine Krafft und später Simone Monnier geleitete École de Beauvallon, eine pädagogische Einrichtung, die während des Zweiten Weltkriegs Juden Zuflucht bot.</span> wo wir von 1940–45 unterrichteten, Bernh. u. ich. Die 3 Direktorinnen sind noch jetzt unsere Freundinnen, und haben Ruths beide Söhne in Obhut, wegen Wohnungsmangel der Mutter. Leider liegt Dieulefit (Drȏme) sehr weit weg; Ruth war aber in der Besatzungszeit in Paris geblieben (mit dem Vater der Kinder) und war 3 mal heimlich zu uns gekommen. Jetzt arbeitet sie als industrielle Zeichnerin in einem regelmässigen Betrieb, nachdem sie durch Nachtarbeit im Filmbetrieb ernstlich erkrankte.</p>
</blockquote>



<p>Noch im Juli 1960 bestätigte die ursprünglich aus Prag stammende Übersetzerin Grete Fischer aus London, dass sie Bernson aus ihrer Zeit beim Berliner Verlag Paul Cassirer her kenne, wo ihm René Schickele die Leitung der&nbsp;<em>Weißen Blätter</em>&nbsp;übergeben habe,<span class="oes-note oes-popup" data-fn="20"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup20">20</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="20">Bernson ließ sich zwar nicht als Herausgeber der&nbsp;<em>Weißen Blätter</em>, jedoch immerhin zweimal als Autor darin nachweisen: „Gespräch um Strindberg“ (Heft 4/5 April/Mai 1920, S. 193–205) und „Dadaistenwitz“ (Heft 7 Juli 1920, S. 330–333).</span> und dass sie sein schriftstellerisches Wirken, das durch die beiden Weltkriege und die Verfolgung gelitten habe, bezeugen könne. Wofür Bernson dieses Empfehlungsschreiben nutzte, ließ sich nicht ermitteln. Wie es scheint, kehrte er nie mehr nach Deutschland zurück. Bernhard Bernson starb am 10. Mai 1963 in Paris.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Literarisches Schaffen</strong></h2>



<p>Bernhard Bernson schrieb zeitlebens vor allem Theaterstücke und einige wenige Erzählungen mit überwiegend jüdischen Themen: ein Schauspiel mit dem Titel&nbsp;<em>Die Befreiten</em>&nbsp;(Wien, München, Zürich: Dreiländerverlag 1919), ein dreisprachiges (Deutsch, Französisch, Jiddisch) Drama mit dem Titel&nbsp;<em>Die Pest</em>, das im mittelalterlichen Straßburg spielt, und ein&nbsp;<em>Märchen vom König Sonntag</em>&nbsp;(beide Berlin: P. Cassirer 1920) sowie einen Sprechchor mit dem Titel&nbsp;<em>Ahasver</em>&nbsp;(1926)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="21"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup21">21</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="21">Im Nachlass in Marbach haben sich verschiedene Fassungen und ein Übungsbuch für Aufführungen erhalten.</span> , der 1934 in französischer Übersetzung in der Zeitschrift&nbsp;<em>Cahiers juifs</em>&nbsp;erschien; Bernson ließ den Text des Sprechchors vom Phonetischen Institut der Pariser Universität auf Schallplatte aufzeichnen und bot ihn dem Schocken Verlag in Berlin zur Veröffentlichung in dessen&nbsp;<em>Bücherei</em>&nbsp;an. Einige weitere Theaterstücke und zusätzliche Fassungen enthält sein Nachlass<span class="oes-note oes-popup" data-fn="22"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup22">22</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="22"><em>Anfang. Schauspiel in einem Akt</em>&nbsp;(ohne Datum),&nbsp;<em>Schöne Kleider</em>&nbsp;(ohne Datum);&nbsp;<em>Der Rosenkeller von Susa. Tragikomisches Spiel in einem Aufzug</em>(ohne Datum);&nbsp;<em>Die Versuchung des Rabbi Micha</em>&nbsp;(ohne Datum);&nbsp;<em>Saul</em>&nbsp;(1918);&nbsp;<em>Hochzeit Wronkow&nbsp;</em>(1925),&nbsp;<em>König Herrin oder Die wiedergefundene Natur. Dramatisches Capriccio in vier Aufzügen</em>&nbsp;(ohne Datum);&nbsp;<em>Kreuzweg</em>&nbsp;(Weihnachtsspiel, um 1925); <em>Tanzspiel</em> (1928).</span>im Deutschen Literaturarchiv in Marbach, zusammen mit sehr umfangreicher handschriftlicher Korrespondenz, die von 1918 bis 1963 reicht.Vom Exil aus versuchte Bernson, als Urheber die Kontrolle über seinen mehrfach erfolgreich aufgeführten Sprechchor&nbsp;<em>Ahasver</em>&nbsp;zu behalten. Mit Isidor Reiss,<span class="oes-note oes-popup" data-fn="23"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup23">23</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="23">Zu ihm finden sich online Informationen in einer tschechischen Holocaustopfer-Datenbank.</span>der für zionistische Organisationen in Brünn und Prag<span class="oes-note oes-popup" data-fn="24"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup24">24</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="24">Laut der Korrespondenz mit Bernson waren dies „Sionistická Organisace“ Brno [Zionistische Organisation, Brünn] und „Klub Zioni Atid“ [Klub der zionistischen Zukunft], Praha [Prag].</span> tätig war, stritt er sich, weil dieser das Stück ohne Genehmigung und ohne den Autor zu informieren oder zu vergüten, auf verschiedenen Bühnen eigenmächtig inszenierte. In einem undatierten handschriftlichen Brief schreibt ihm Bernson:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Sie haben sich bisher an keine Abmachung gehalten, die Sie getroffen haben; von den meisten Aufführungen erfahre ich nur von dritter Seite (auch dass sie stets anonym stattfinden), in keinem einzigen Fall ist mir auch nur ein Wort mitgeteilt, geschweige auch die bescheidenste Vergütung geschickt worden. Sie wissen genau, dass die Ahasver-Bücher, die Sie vor länger als einem Jahr bei mir geholt haben, immer noch unbezahlt sind, während ich selbst die Druckkosten bis zum letzten Pfennig habe abtragen müssen.</p>
</blockquote>



<p>Ernst Mechner,<span class="oes-note oes-popup" data-fn="25"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup25">25</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="25">Zu ihm finden sich online Informationen auf der Seite der Israelischen Nationalbibliothek.</span> der als Vertreter des Jüdischen Nationalfonds „Keren Kajemeth Lejisrael“ Berlin an den Weltrechten des Stücks für das Hauptbüro der KKL in Jerusalem interessiert war, kritisierte seinerseits Reiss wegen der vorenthaltenen Tantiemen. An Bernson wandte sich Mechner wiederholt mit der Bitte um neue Stücke zu jüdischen Anlässen wie Chanukka oder Purim. Bernson antwortete am 27. März 1934:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ich bin durchaus Ihrer Meinung, dass die früher so häufigen Missgriffe bei der Gestaltung zionistischer Feiern u. Propagandaveranstaltungen vermieden werden müssen. Die Einsicht dieser Notwendigkeit hat mich ja bestimmt von der allgemeinen literarischen Linie abzubiegen in die jüdische.</p>
</blockquote>



<p>Er fuhr fort:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ein Missverständnis besteht anscheinend auch hinsichtlich meines Widerstands gegen die „unbefugten“ Aufführungen meines „Ahasver“ und anderer Arbeiten: Es ist mir dabei am wenigsten um die „Tantièmen“ und am meisten um den Übelstand zu tun, dass geistige Arbeit für vogelfrei gehalten und ihr gegenüber jede Anstandspflicht verletzt werden kann. Es erübrigt sich wohl, hierzu Erläuterungen zu geben, die dem Ansehen unsrer Bewegung nur abträglich sein können.</p>
</blockquote>



<p>Neben dieser mühsamen eigenhändigen Vertretung der Aufführungsrechte seiner Werke hielt Bernson im Exil auf Französisch Vorträge zur Graphologie, zur Traumdeutung (in seinen im Nachlass erhaltenen umfangreichen Tagebüchern notierte er ausschließlich Träume) sowie zu Riten im Judentum und Symbolen des Hebräischen. Auch in dieser Hinsicht war er „von der allgemeinen literarischen Linie“ abgebogen „in die jüdische“.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Translatorisches Handeln</strong></h2>



<p>Bernsons erste Übersetzung stellt einen Sonderfall in seinem Werk dar und hat eine ungewöhnliche, bewegte Geschichte. Es handelt sich um eine Buchübersetzung aus dem Englischen, ohne dass klar wäre, wie er die Sprache erlernte und wie er zu dem Auftrag kam, Erzählungen von Edgar Allan Poe ins Deutsche zu bringen. Womöglich war es durch einen lokalen Kontakt als Auftragsarbeit dazu gekommen. Denn der auf Deutsch immerhin 520 Seiten umfassende Band mit dem Titel&nbsp;<em>Seltsame Geschichten</em>&nbsp;des amerikanischen Autors erschien 1913 und dann noch einmal 1918 an Bernsons damaligem Wohnort Straßburg. Und zwar bei Josef Singer, laut Wikipedia-Eintrag einem Verlag, der bereits seit 1906 einen zweiten Sitz in Leipzig hatte (wo 1923 eine Nachauflage der&nbsp;<em>Seltsamen Geschichten</em>&nbsp;erschien), 1919 ganz dorthin und nach dem Verkauf an andere jüdische Verleger 1926 nach Berlin übersiedelte. 1935 wurde der Verlag vom Carl Fr. Fleischer Verlag übernommen (vermutlich „arisiert“) und beendete seine Existenz. Da befand sich der Übersetzer schon seit zwei Jahren im Exil.</p>



<p>In der Nachkriegszeit erfuhr Bernsons Übersetzung ein von ihm unbemerktes Nachleben, denn der Widerstandskämpfer Ernst Bauer, der in Ulm den Aegis-Verlag gegründet und von der amerikanischen Militärbehörde eine Lizenz erhalten hatte, entdeckte sie wieder. 1946 erscheint zunächst eine zweisprachige Ausgabe von Poes <em>The gold bug / Der goldene Skarabäus</em> (Poe 1946b), deren Urheber ungenannt bleibt und jedenfalls nicht mit Bernson identisch ist, und zwar als Nr. 2 (1946) der Aegis-Zweisprachen-Reihe. Am Ende des unsignierten Nachworts wurde Bernsons Übersetzung in den bibliographischen Angaben als eine von sechs Vorgängerübersetzungen aufgelistet.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="26"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup26">26</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="26">Wörtlich heißt es dort: „Von E. A. Poe&#8217;s Werken sind u. a. folgendeAusgaben erschienen: […] Seltsame Geschichten. Uebers. von Bern-son. Straßburg: Singer.</span> Wer den Text für Aegis übersetzt hat, wurde in dem Bändchen nicht angegeben. Parallel erschien als Band 2 der <em>Aegis Weltreihe</em> eine Auswahl von 13 Erzählungen Edgar Allan Poes (Poe 1946a) – hier nun tatsächlich und auch mit Namensnennung in der Übersetzung von Bernhard Bernson, und zwar mit einem Nachwort, das mit dem der <em>Zweisprachen-Reihe</em> identisch war (und sich von dem Vorwort zu Bernsons Übersetzung von 1923 unterschied), aber ohne den „Goldenen Skarabäus“, den ja anonym jemand anderes<span class="oes-note oes-popup" data-fn="27"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup27">27</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="27">Laut Auskunft per E-Mail vom 10. April 2026 von Joachim Bauer handelte es sich um Otto Wiegandt, den 1898 geborenen Vorsitzenden des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben.</span> übersetzt hatte. Eigenartigerweise ist Bernson der einzige der vorhergehenden Poe-Übersetzer, der im präzisierenden oder veredelnden Titel für das englische „gold bug“ das Wort „Skarabäus“ verwendet, der anonyme Übersetzer hat den Titel also vielleicht von ihm übernommen. Für die <em>Aegis-Weltreihe</em> wurden gegenüber der Singer-Ausgabe, mit der sie vom Format und der hellblauen Einbandfarbe her identisch ist, 13 von ursprünglich 20 übersetzten Erzählungen ausgewählt, in veränderter Reihenfolge präsentiert, dafür aber Illustrationen und Epigraphe, die den Erzählungen in der Singer-Ausgabe zur Einstimmung vorangestellt waren, weggelassen. Bernsons Text wurde mit behutsamen Eingriffen leicht modernisierend bearbeitet; die ornamentalen Schnörkel auf dem Einband der Straßburger Ausgabe wurden bei Aegis weggelassen.</p>



<p>Laut einer im Verlagsarchiv aufbewahrten „Notariellen Erklärung“ im&nbsp;<em>Börsenblatt des deutschen Buchhandels</em>&nbsp;hatte Ernst Bauer zur Einholung der Rechte nach Bernhard Bernson und seinem Verlag Josef Singer gesucht und das Honorar für die Nutzung der Übersetzung auf einem Verwahrkonto eingezahlt. Den Singer-Verlag gab es da schon nicht mehr, aber der Übersetzer lebte noch.</p>



<p>Ein weiteres Mal wurde eine Auswahl der von Bernhard Bernson übersetzten Poe-Erzählungen laut Katalog der Deutschen Nationalbibliothek 1957, also auch da noch zu Lebzeiten des Übersetzers, in einer Ausgabe von Volk und Welt wiederverwendet.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="28"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup28">28</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="28">Hier wäre nachzuforschen, ob es Verlagskorrespondenz mit dem Übersetzer gab und ob dieser seine Zustimmung zum Abdruck erteilte und ein Honorar dafür erhielt. Die Suche im Verlagsarchiv im Bestand der Berliner Akademie der Künste ergab dazu keinen Treffer.</span> Er selbst unternahm – vielleicht weil ihn seine verschiedenen Tätigkeiten als Theaterautor, zionistischer Aktivist und Vortragsredner davon abhielten – keinen Versuch, die Rechte daran wiederzuerlangen oder sich nach dem Schicksal seiner Übersetzung zu erkundigen.Vielleicht war ihm aber auch das Englische in die Ferne gerückt. Die französische Sprache muss Bernhard Bernson seit seiner Zeit in Straßburg auf jeden Fall näher gewesen sein. Zumindest traute er sich das Übersetzen aus dem Französischen schon vor seinem Exil zu, wie er dem Theaterregisseur Hans Holtorf (der übrigens zusammen mit seiner dänischen Frau Agathe sämtliche 32 Komödien des dänischen Autors Ludwig Holberg übersetzte) am 29. April 1927 schrieb, auch wenn die in diesem Brief geäußerte Idee nicht realisiert wurde:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Übrigens: Ihr Gedanke – Molièreabend – ist gut. Die beiden Stücke – Medecin maglré lui und mariage forcé eignen sich sehr. Die&nbsp;Uebersetzungenmache ich selbst, wie wir sie brauchen. Ich habe dabei in der Regel eine glückliche Hand. Haben Sie schon einmal an Die Gezierten von Molière gedacht – Les Précieuses ridicules? – die sind für uns wie geschaffen.</p>
</blockquote>



<p>Im Exil waren seine Französisch-Kenntnisse bereits so gut, dass er zusammen mit seiner Frau Marthe einen Text des Schweizer Graphologen Max Pulver (1889–1952), mit dem er bereits seit 1918 korrespondierte und über den er am 8. Februar 1935 einen Vortrag auf Französisch gehalten hatte, ins Französische übersetzte. Die Übersetzung erschien 1936 in der Zeitschrift&nbsp;<em>Graphologie scientifique</em>.</p>



<p>Die im Deutschen Literaturarchiv Marbach aufbewahrte Korrespondenz gewährt einen Einblick in Bernsons Selbstverständnis als Übersetzer wissenschaftlicher Texte, der aufgrund eigener Fachkenntnisse aktiv Veröffentlichungsmöglichkeiten erschließt. So verfasste er auf Französisch Gutachten über die Handschriften von Alfred Döblin, Käthe Kollwitz und Richard von Kullmann und plante noch 1959 eine Sammlung von Porträts, bei denen er sich auf bereits publizierte eigene graphologische Texte stützen wollte. An Pulver schrieb er:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ich halte diese Veröffentlichung nicht nur im Interesse Deines Werks für notwendig. Die an Deiner Arbeit heftig interessierten französischen Kollegen brauchen zunächst eine Unterlage, die sie zur vertieften Beschäftigung mit Deinen Büchern anregt. Die Übersetzung eignet sich für diesen Zweck. Sie ist fertig, aber noch nicht ganz abgetippt. Ich schicke das Ganze in den nächsten Tagen mit einigen Fragen und Vorschlägen hinsichtlich der Übersetzung einiger schwieriger Stellen. (Brief von Bernhard Bernson an Max Pulver vom 23. Januar 1935 aus Paris)</p>
</blockquote>



<p>Am 26. Januar 1935 schickte er das Typoskript und erläuterte, wo er Missverständnisse vermeiden, die Rezeption in Frankreich und den dort gängigen Diskurs berücksichtigen musste:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ich habe möglichst wörtlich übersetzt und mich bemüht, nichts zu verwischen. Einige Schwierigkeit machten im Deutschen übliche Bezeichnungen wie „gestützte Formen“, „gestützte Nebenrichtung“ usw.: Die Franzosen kennen zur Not den Ausdruck ‚“sacré coeur“ ohne recht zu wissen, worum es sich dabei handelt. Wir haben vorläufig übersetzt: Forme étayée (délié aux pointes dissimulés) und wie auf S. 10 hinzugesetzt: „genre sacré coeur“. Weiterhin musste ich Wendungen wie „sich und andern ein x für ein u vormachen“ S. 134 durch „prendre vessie pour laterne“ S. 5 d. Übers., also nicht dem Wort sondern dem Sinn nach wiedergeben. Ähnlich musste ich auf S. 14 der Übersetzung etwas frei vorgehn, um den französischen Text nicht zu verkrampfen. Ich hoffe, dass im Ganzen kein Lapsus unterlaufen ist und die Übersetzung ihren Zweck erfüllen wird.</p>
</blockquote>



<p>Als er dem Autor die Übersetzung zur Korrektur zuschickte, erörterte Bernson mit ihm Einwände des französischen Redakteurs:</p>



<p>[H]ier kommt nun endlich Dein Ivar Kreuger. Nimm ihn bitte gleich vor und schicke ihn mir so rasch als möglich zurück! Die Übersetzung kann als gelungen und gut bezeichnet werden. Ich habe sie mit Mr. Legrain gründlich durchgesehn (er hat mir zwei Tage dafür zur Verfügung gestellt), es waren aber nur geringfügige Änderungen nötig. Er hält es für richtig, das Wort Exhibitionismus durch „manifestation extérieure etc.“ zu ersetzen (S. 5, Zeile 4 von unten), weil der sexual-pathologische Wortsinn im Französischen an dieser Stelle zu stark hervortreten würde. Dann hat er mir auf Seite 6, Zeile 4 und 8 von oben, „infantil“ durch „enfantin“ ersetzt was mir beim Lesen der Korrektur einfach falsch erscheint. Der Ausdruck „Zweidimensionalität“ im dritten Abschnitt auf Seite 6 „Les paperasses etc.“ geht den Franzosen in der ersten Fassung nicht ein: falls meine Korrektur nicht ausreicht, wäre eine kleine Fussnote angebracht. In der Fussnote auf Seite 1 muss noch der Preis des Buchs in französischen Franken eingesetzt werden. (12. April 1935)</p>



<p>Pulver gab ihm hinsichtlich „infantil“ recht und meinte, dass die anderen Umschreibungen nichts schaden könnten.&nbsp;</p>



<p>Auch wenn hier der Gelegentlich-Übersetzer Bernson die Sprachrichtung gewechselt hat und aus dem Deutschen ins Französische übersetzte, zeigt der Austausch, dass er sich in den Literaturbetrieb des Zufluchtslandes, insbesondere in dessen wissenschaftlichem Grenzbereich der Graphologie, mit der sich etwa auch Henri Bergson und andere Phänomenologen befassten, integrieren konnte. Seine – von ihm vielleicht als einmalige Auftragsarbeit betrachtete – Poe-Übersetzung aus dem Englischen entzog sich seiner Kontrolle und erschien ohne sein Wissen sowohl in der amerikanisch besetzten Zone als auch in der DDR. Ob und wie intensiv nach ihrem Urheber gesucht wurde, bleibt dahingestellt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bergmann, Wolf 1904–1972</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/bergmann-wolf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sbaumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Apr 2026 10:54:21 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://uelex.de/?post_type=uelex_article&#038;p=2014428</guid>

					<description><![CDATA[Wolf Bergmann war ein Freiburger Germanist und Dichter, der zusammen mit seiner jüdischen Frau mit Unterstützung von Albert Schweitzer ins Exil ging und mit ihr 1937 nach Funchal auf Madeira gelangte. Dort schlug er sich als Sprachlehrer durch und fertigte gelegentlich Übersetzungen aus dem Französischen oder ins Englische an. Vor allem aber schrieb er weiterhin [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[    <div class="uelex-redaktionelles">
        <p class="uelex-redaktionelles-header" id="uelex-redaktionelles-id">Vorbemerkung der Redaktion
            

<p>Dieses Porträt entstand im Rahmen des deutsch-österreichisch-schweizerischen Forschungsprojekts <em><a href="https://uelex.de/neuigkeiten/#2025" data-type="link" data-id="https://uelex.de/neuigkeiten/#2025">Post-Exil: Trans (2025-2027)</a></em>.</p>


        </p>
    </div>


<p>Wolf Bergmann war ein Freiburger Germanist und Dichter, der zusammen mit seiner jüdischen Frau mit Unterstützung von Albert Schweitzer ins Exil ging und mit ihr 1937 nach Funchal auf Madeira gelangte. Dort schlug er sich als Sprachlehrer durch und fertigte gelegentlich Übersetzungen aus dem Französischen oder ins Englische an. Vor allem aber schrieb er weiterhin Gedichte auf Deutsch und unterhielt Verbindungen zu evangelischen Kreisen in Deutschland und Freunden wie dem Maler Ludwig Meidner und dem Romanisten Ernst Robert Curtius oder dem französischen Germanisten Robert Minder. In Lissabon wurde er 1960 zum Leiter des Goethe-Instituts, bei dem er, als es noch Instituto Alemão hieß, bereits seit 1954 als Lehrer und Leiter der Sprachkurse sowie im Kulturprogramm tätig war. In Vorträgen beschäftigte er sich mit Übersetzungen aus dem Portugiesischen und trat in der Nachkriegszeit mit einer Auswahl portugiesisch-sprachiger Gedichte für die Schweizer Zeitung <em>Die Tat</em> auch selbst als Übersetzer hervor.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Lebensweg</strong></h2>



<p>Wolf Bergmann (1904–1972) wurde in Freiburg geboren und wuchs dort und in Straßburg auf.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Er hat dann Ger­mani­stik, Romanistik und Ge­schichte in Freiburg, Berlin, Paris, später in Würzburg studiert. Würz­burg, Fran­ken, war für ihn noch einmal eine prägende Erfah­rung. Eine umfangreiche Doktorarbeit über Georg Heym wurde 1933 von dem Frankfurter Litera­turwissenschaftler, Prof. Dr. Paul Schultz, angenom­men. Zur mündli­chen Prü­fung kam es nicht mehr, da ihm die Sensibi­lität für die politische Situation das Leben in Deutschland unmöglich machte. Die enge Freundschaft mit einer Jüdin, Charlotte Ma­nasse, be­stärkte ihn in seiner Besorg­nis. Er verließ Deutsch­land. Rom, das heimatliche Elsass, Basel waren die ersten Sta­tionen des Exils. 1936 in Hüningen im Elsass heirate­ten er und Char­lotte, die, inzwischen pro­movierte Augen­ärztin, eben­falls in der Schweiz Zuflucht gefunden hatte. Kirchlich ge­traut wurden sie im Basler Münster von Eduard Thur­neysen, dem Karl Barth ver­bundenen späteren Theologie­professor, mit dem Wolf Bergmann sich angefreundet hatte.</p>
</blockquote>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Mit Hilfe Albert <em>Schweitzers</em> gelang Anfang 1937 die Auswanderung nach Madeira. Dort musste das Ehepaar in bescheidensten Verhältnissen leben. Dank der portu­giesi­schen Aus­länderbehörde war die Aufenthaltsbewil­li­gung zu kei­nem Zeitpunkt ein Problem. Allerdings war es für die Ehe­frau nur kurze Zeit möglich, als Augen­ärztin zu prak­tizie­ren, da ihr die portugiesischen Examina fehlten. Sie nachzuholen, war nicht finanzierbar. Den Lebensunterhalt ver­diente sich das Ehepaar mit Sprachunter­richt. Freundschaften mit Portugie­sen und Ausländern entstan­den. Die Schottische Kirche in Funchal war ein regelmäßi­ger Kontakt. Trotz­dem war die geistige Isolierung von Deutschland und der Ab­bruch der Beziehung zu vielen Freunden eine bittere Exils­erfahrung. [sic!] Der Zusammen­bruch der deut­schen geisti­gen Traditionen und aller Werte in dem verbrecherischen na­tionalsozialisti­schen Regime haben Wolf Bergmann tief erschüttert. 1941 wurde beiden die deutsche Staatsangehörigkeit entzogen,</p>
</blockquote>



<p>schrieb Georg Laitenberger, von 1974 bis 1986 Pastor der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde von Lissabon, in der <em>Portugal-Post</em> Nr. 25 der Portugiesisch-Hanseatischen Gesellschaft (Laitenberger 2004: 6a).</p>



<p>Zu Albert Schweitzer führte Charlotte Bergmann in ihren Erinnerungen aus, dass dieser mit ihrem Vater, einem Würzburger HNO-Arzt, befreundet war und ihr und ihrem Mann daher beratend und finanziell zur Seite stand und die beiden auch nach dem Krieg auf Madeira besuchte.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="10"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup10">10</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="10">Laut telefonischer Auskunft des Deutsch-Portugiesen Bernardo Jerosch Herold, der mit Bergmann befreundet war und seinen Nachlass aufbewahrte, hat Schweitzer dem Ehepaar einen Koffer mit der Aufschrift <em>Lambarene</em> geschenkt, der sich im Besitz von Jerosch Herolds Tochter befindet.</span> Zu seiner Sprachbiographie bemerkt sie, dass Wolf Bergmann sich im Selbststudium Englisch beigebracht hatte und dies auf Madeira fortsetzte:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Wolf, der als Humanist nur Griechisch, Latein und Französisch gelernt hatte, büffelte fleissig die englische Sprache, ich half ihm bei der Aussprache. Abgesehen davon machte er täglich eine Stunde Latein und Griechisch, „um nicht zu verdummen“. (Bergmann o. J.: 19)</p>
</blockquote>



<p>Sie beschreibt, wie das Ehepaar die örtliche Schottische Kirche auch nach Kriegsausbruch weiter besuchen konnte. 1941 seien sie ausgebürgert worden, um dieselbe Zeit hätten sie die Kinder der englischen „evacuees“ aus Gibraltar in verschiedenen Fächern unterrichtet und sich so über Wasser gehalten (ebd.).</p>



<p>Nach Kriegsende habe ihr Mann Berufungen als Germanist an deutsche Universitäten aufgrund seines Anti-Nazitums abgelehnt und Deutschland erst 1952 wieder besucht, wo er in Bonn den SPD-Juristen Arndt und seinen alten Lehrer und guten Freund Ernst Robert Curtius getroffen habe. Sie selbst hatte zuvor den bedeutenden Maler und Freund Ludwig Meidner, der Wolf Bergmann in den 1920er Jahren porträtiert hatte, in London besucht, ihr Mann war dafür zu krank gewesen.</p>



<p>Bis zum Anbruch seines Exils konnte Bergmann bei dem zunächst in Straßburg und dann in Leipzig ansässigen Heitz Verlag einen Band <em>Verse und Gedichte</em> (1930), <em>Sechs Sonette und andere Gedichte</em> (1934) und <em>Das Waldhaus. Gedichte</em> (1936) veröffentlichen. Wie er an Heinrich Hassmann, mit dem er bis kurz vor seinem Tod korrespondierte, am 11. Mai 1936 aus seinem Basler Exil schrieb, sah er sich als Dichter in einer Tradition, die bewusst die lauten Töne vermied:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Und dazu strebe ich eine beruhigende, ganz bewußt ins Kleine und Freundliche gehende Kunst an. Mit George und auch Rilke, mit allen Größenwahnsinnigen und Dunklen, allen Wilden und Tragischen, allem Aufsuchen stürmischer oder qualvoller Dinge, habe ich nichts mehr zu tun. Wenn ich lese, lese ich fast nur noch Rückert, und außer Goethe oder Stifter habe ich in der deutschen Dichtung kaum noch Götter. Meine Rückert-Verehrung zieht naturgemäß eine Beschäftigung mit dem Gedanken der Weltliteratur nach sich, und von des fränkischen Meisters freundlich-stillen Genius lasse ich mich wieder leiten ins nahe und ferne Morgenland, nach Persien, Indien und bis nach China. Behutsam bin ich darauf bedacht, daß es dabei ja immer so zugehe, den Blick vom Freundlichen nicht abgehen zu lassen und den Glauben ans Gütige in irdischer Welt nicht zu versuchen. (Hassmann 1984)</p>
</blockquote>



<p>1948 bot Bergmann dem Verleger Ernst Bauer seine Gedichte zur Veröffentlichung in dessen nach dem Krieg in Ulm gegründeten Aegis-Verlag an. Ohne Erfolg. Allerdings verband Bauer seine Absage mit der Anfrage, ob Bergmann stattdessen für ihn Prosa aus Portugal auswählen und übersetzen wolle:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Erlauben Sie mir nun noch einige Fragen. Haben Sie, sehr geehrter Herr Bergmann, niemals Prosa geschrieben? Vielleicht bestünden auf diesem Gebiet bessere Möglichkeiten. – Ausserdem bringen wir hier im Verlagsrahmen seit zwei Jahren eine Zweisprachenreihe heraus, in der bis jetzt etwa 40 Bändchen [sic! bis Ende 1948 lagen bei Aegis 32 vor, SB] zweisprachig mit klassischen französischen, englischen, italienischen, russischen und spanischen Texten erschienen sind. Polnische, tschechische, schwedische, dänische Texte befinden sich in Vorbereitung. Portugiesische sind geplant, oder besser vorgesehen, doch haben wir das Geeignete noch nicht gefunden. Was wir brauchen, sind Novellen, möglichst von Autoren, bei denen die Schutzfrist (wegen devisen- und urheberrechtlicher Schwierigkeiten) verstrichen ist, d. h. also solche, die vor mehr als 50 Jahren gestorben sind. In Betracht kommen nur wirklich gute Werke mit einer straffen, gefälligen Handlung und einem Stil, der in klares Hochdeutsch leicht übertragen werden kann. Können sie uns nicht in dieser Beziehung einige Vorschläge machen?<span class="oes-note oes-popup" data-fn="11"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup11">11</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="11">Bauer, Ernst (1948): Brief an Wolf Bergmann in Funchal auf Madeira (Nachlass im Privatbesitz von Joachim Bauer, Laichingen)</span></p>
</blockquote>



<p>Daraus wurde jedoch nichts. Möglicherweise ging der Brief verloren, denn er findet sich an keiner Stelle in Bergmanns verstreutem Nachlass. 1951 konnte Bergmann die Gedichte, deren Titel <em>Atlantische Landschaft</em> die Entstehung im und den Einfluss des Exils verrät, im Hamburger Ellermann Verlag veröffentlichen.</p>



<p>1954 wurde er am Instituto Alemão in Lissabon zunächst Deutschlehrer und zwei Jahre später Leiter der Deutschkurse für Erwachsene, 1960 folgte er dem ersten Direktor Manfred Kuder nach. Ab etwa 1962 wurde das Instituto dem Goethe-Institut unterstellt, dessen erster Leiter er somit war (Laitenberger 2004b). An dieser Wirkungsstätte pflegte Bergmann Kontakte zur örtlichen Technischen Hochschule, organisierte ein Kulturprogramm und hielt Vorträge zur deutschen Literatur. „Er war nicht mehr nur Emigrant, der Asyl brauchte, sondern musste in der politischen Situation der späten Salazarzeit öffentlich wirksam werden“, schrieb Georg Laitenberger anlässlich einer Gedenkfeier zu seinem 100. Geburtstag. Laitenberger zitiert aus einem Brief Bergmanns, der die Nelkenrevolution ja nicht mehr erleben sollte und die Erbschaft der Salazar-Zeit als „schwere Last“ beschrieb. Bergmann fragte sich, ob die von Caetano geweckten Hoffnungen und Erwartungen, „zu entfernen, was das Land mit Apathie lähmte“, eingelöst werden würden. Für Laitenberger bewies er damit „wieder etwas von der politischen Sensibilität, die ihn nie verlassen hat“. Über eine spätere Kritik an Bergmann seitens seines Nachfolgers Curt Meyer-Clason äußerte sich Laitenberger empört:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Leider schien der Nachfolger von W.B. in der Institutsleitung, Curt Meyer-Clason, zu denen zu gehören, die die eigene Verstrickung dem Emigranten übelnehmen und ihm die Glaubwürdigkeit, die der Emigrant durch Gradlinigkeit und Eindeutigkeit der Lebensentscheidung gewonnen hat, nicht verzeihen können. In einer Veröffentlichung (<em>Portugiesische Tagebücher</em>, S. 18–22) hat er W.B. und seine Arbeit als Institutsleiter posthum karikiert, für den unkundigen Leser geistreich-originell klingend, aber in Wahrheit nur den Eindruck der eigenen uninformierten, unsensiblen und ungebildeten Arroganz erweckend.“ (ebd.)</p>
</blockquote>



<p>Bergmanns Verhältnis zu den Deutschen in Portugal seinerseits war zwiespältig, wie er gegenüber seinem Freund Heinrich Hassmann in einem Brief vom 24. März 1967 aus Lissabon ausführte:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Meine Position hier ist recht sonderbar: So komme ich mit Leuten, die einmal ausgesprochene „Parteileute“ waren, mehr als gut aus und werde eigentlich von diesen weitaus besser verstanden als von ehemaligen „Mitläufern“.</p>



<p>Letzte nehmen mir ihr Mitläufertum sehr übel. Die mildeste Form ihrer Verwirrtheit mir gegenüber ist, daß ich ihnen schillernd vorkomme, weltfremd usw. Die Art, sich an mir dafür schadlos zu halten, daß sie sich damals erniedrigen mußten, ohne zu den Veranstaltern gehören zu können, ist die häufigste. Mitläuferei ist eben etwas sehr Arges. Daß mein nationales Gewissen ruhig sein kann, das versetzt sie in eine gar schlimme Haltung. Würden sie kennen, was in Gerhard Nebels Buch „Portugiesische Tage“ über mich zu lesen steht, wäre es für mich noch ärger: dort figuriere ich als „Montanus“, wohl etwas zu positiv beschrieben, als Schicksal aber ganz richtig erkannt.</p>
</blockquote>



<p>Gerhard Nebels Buch <em>Portugiesische Tage</em> erschien 1966 in Hamburg. Darin lobte er die Portugiesen für ihr Ausharren in den afrikanischen Kolonien, da die Bewohner dort sonst in ihre vorherige Anarchie zurückverfielen (Nebel 1966: 14). In dem Kapitel „Saudade“, in dem die Begegnung mit Bergmann geschildert wird, bedauert Nebel die Abspaltung Portugals von den überlegenen Spaniern und sucht die Mentalität des Landes in Rasse-Begrifflichkeiten zu fassen. Immerhin schilderte Nebel, der in einem Brief vom 9. Juni 1962 an Bergmann dessen Gedichte etwas arrogant als von Theodor Däubler beeinflusst bezeichnete,<span class="oes-note oes-popup" data-fn="12"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup12">12</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="12">„… die Herkunft von Däubler ist anzumerken, aber es fehlen die Däublerschen Schlacken. Däubler schien ja doch ganz kritiklos gegen sich zu sein, man musste die Edelsteine aus einer Halde auflesen. Dagegen welche zarte Kraft in Ihren Bildern – ich bin ganz begeistert, welche Herzensreinheit!“</span> Bergmann unter dem Spitznamen Montanus freundlicher als <a href="https://uelex.de/uebersetzer/meyer-clason-curt/" data-type="uelex_article" data-id="2000502">Curt Meyer-Clason</a>, der ihm kurz vor seinem Tod begegnete und unterstellte, kein Interesse am Gastland zu haben und zum Organisieren eines Kulturprogramms zu eigenbrötlerisch zu sein (vgl. Meyer-Clason 1979).</p>



<p>Doch Bergmann, von dessen Kulturprogramm noch die Rede sein wird, führte seine Arbeit als Kulturvermittler trotz seiner Skepsis gegenüber dem Salazar-Regime fort und blieb auch nach seiner Pensionierung im Jahr 1969 bis zu seinem Tod 1972 weiter in Portugal, wo er auf dem Deutschen Friedhof Lissabons beerdigt wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Vorträge, Gelegenheitstranslation, Übersetzungspoetologie und Korrespondenz</strong></h2>



<p>Auf Madeira war Englisch zur Unterrichtssprache der Bergmanns geworden, und Wolf Bergmann hatte in diesem Zusammenhang auch aus dem Deutschen in diese zweite Sprache seines Exils übersetzt, wie er Heinrich Hassmann am 3. Januar 1947 schilderte:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Prosa in einem dichterischen Sinne habe ich nicht geschrieben, es sei denn, man nehme zwei Vorträge als eine solche; diese aber waren nicht nur in englischer Sprache abgefaßt, sondern hatten auch halbwissenschaftlichen Charakter.</p>
</blockquote>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ich bekam plötzlich Lust zu solchen Sachen, als im Jahre 1944 jene deutschen Offiziere das Land von seinem Unterdrücker befreien wollten. Die Vorträge hießen: „Hölderlin, a myth of purity“ und „What is a Lied?“ Beides vollzog sich in einer sehr feierlichen Umgebung mit Kerzenbeleuchtung und nachfolgendem Supper, eben so, wie englische Menschen derlei gerne vollzogen sehen.</p>
</blockquote>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Eine Schülerin von mir, selber von engelhaft-hölderlinschem Aussehen, sagte im Hölderlin-Vortrag einige von dessen Oden und Hymnen, die ich ins Englische übersetzt hatte, her.An Übersetzertätigkeit habe ich überhaupt Einiges hinter mich gebracht, nämlich drei Geschichten von Adalbert Stifter, die ich in Gemeinschaft mit einer hierfür hochbegabten englischen Schülerin übertrug; diese Arbeiten werden momentan in England begutachtet und sind bereits für eine Publikation aussichtsreich beurteilt worden. Dieselbe Schülerin übersetzt jetzt selbständig, nur kontrolliert von mir, den so wichtigen und mehr als zeitgemäßen „Abdias“ von Stifter.&nbsp;</p>
</blockquote>



<p>In Lissabon hielt Bergmann auf Deutsch Vorträge zu verschiedenen Themen, darunter auch zum Übersetzen: „Georg Heym“ (über dessen Lyrik hatte er promoviert), „Deutsche Prosa aus dem 20. Jahrhundert“, „Die Texte in Carl Orffs<em>Trionfi</em>&nbsp;–&nbsp;<em>Catulli Carmina</em>&nbsp;und&nbsp;<em>Trionfo di Afrodite</em>“, „Aus der Dichtung des Barock“, „Reinhold Schneider – Gedenkstunde anl. seines Todes“, „Otto von Taube, ein deutscher Dichter und Camoes-Übersetzer“ (Kuder 1960).<span class="oes-note oes-popup" data-fn="13"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup13">13</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="13">Das Typoskript eines Berichts, den Manfred Kuder 1960 verfasst hat, in dem Bergmanns Vorträge aufgelistet sind, wurde mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt von der Berliner Historikerin Annette Godefroid, die Teile des Archivs der Bartholomäus-Bruderschaft der Deutschen in Lissabon digitalisiert hat.</span></p>



<p>Im Vortrag zu Taubes 80. Geburtstag würdigt Bergmann Leben und Werk des baltischen Dichters, der wie er selbst in der Nachkriegszeit in der evangelischen Zeitschrift&nbsp;<em>Eckhart</em>&nbsp;veröffentlichte und der&nbsp;</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>den Verlust der Heimat und die Vernichtung von Vorrechten aus der Geburt frühzeitig hinnehmen mußte. Auch dies ließ ihn Schicksal, Geschichte und Recht immer wieder befragen. (Bergmann 1959)</p>
</blockquote>



<p>Dies waren Themen, die auch Bergmann selbst im Exil umkreiste. Für Bergmann hatte sich in Taubes estländischer Heimat trotz der Zugehörigkeit zum Russischen Imperium der Geist des deutschen Mittelalters und eine spezifische Liebe zum Süden und zur Latinität erhalten. Auf diese war Bergmann im eigenen Exil getroffen&nbsp;und an ihr hielt er fest. Es&nbsp;magauch etwas von Überlegungen zum eigenen Lebensweg und der Entscheidung für Geisteswissenschaft, Poesie und Übersetzung mitschwingen, wenn Bergmann Taubes Abkehr von der juristischen Laufbahn beschreibt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die Fioretti des Heiligen Franz hatte er in seinen Referendarjahren übersetzt und auf einem Kongreß in Assisi den Beifall der Franziskusforscher erhalten. Da jetzt eine in ihm brennende ‚Hochglut des Lyrischen‘ nach Ausdruck verlangte, entschloß er sich, den Staatsdienst aufzugeben. (ebd.)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="14"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup14">14</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="14">Die&nbsp;<em>Fioretti</em>&nbsp;wurden auch für die oben erwähnte Aegis-Zweisprachenreihe übersetzt, und zwar von Edmund Th. Kauer als Band 15 (1947).</span></p>
</blockquote>



<p>Neben den Romanen hebt Bergmann Taubes Übersetzungen hervor und erwähnt dabei dessen Freund und Weggefährten Reinhold Schneider, der zum christlich-konservativen Widerstand gegen den Nationalsozialismus gerechnet wird. Mit ihm, ebenso wie mit Taube, hatte Wolf Bergmann, wie aus seinem Nachlass hervorgeht, über viele Jahre hinweg korrespondiert:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Nicht zufällig ist im Leben des Dichters [Otto von Taube] seine Freundschaft mit Reinhold Schneider ein an geistigen Bezügen bedeutender Tatbestand. Und wie wir nicht aufhören können, dem von uns gegangenen Alemannen dafür dankbar zu bleiben, daß er in von Tiefsinn erfüllten Büchern Portugals Geist dem deutschen Bewußtsein nahebrachte, haben wir es dem Balten Otto von Taube zu danken, daß er mit seinen Camoesübersetzungen der deutschen Liebe zu Portugal ein Denkmal errichtete, wie es vorher nicht bestanden hatte. (ebd.)</p>
</blockquote>



<p>Taubes Übersetzungspoetik erläutert Bergmann so:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Was den Übersetzer leitete, ist dieses: der Inhalt muß möglichst genau, aber ebenso dem Geiste nach da sein. Das verlangt Ernst bis ins Kleinste des Technischen, dann das Entscheidende an Tonfall und Rhythmus, das nur aus dem Seelischen kommen kann. Wortstellung und Satzeinteilung werden so gewahrt, daß sich auch ungewohnte syntaktische Figuren behaupten. Es ist poetisches Deutsch, woraus Eigentümlichkeiten fremder Herkunft und anderer Zeit hervorschimmern. (ebd.)</p>
</blockquote>



<p>Bergmann war wichtig zu betonen, dass Taubes Übersetzungen nichts Museales hätten, sondern „lyrisches Fluidum“, „lyrischen Schwung“ und „kräftige Anschaulichkeit“, und er gab Übersetzungsbeispiele dafür,</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>wie der gedankliche Inhalt eines vielleicht weniger bekannten Textes […] auch im Deutsch eines Mannes wie Otto von Taube lyrisch zu schwingen vermag. Es handelt sich um das Thema der Linderung des Schmerzes durch Schmerz. Wie in der Vorlage sind auf die aneinandergereihten Substantiva kräftigste Akzente gesetzt, sie sind nicht hergezählt im Sinne des Metrums, sie haben rhythmischen Drang. (ebd.)</p>
</blockquote>



<p>Bergmann korrespondierte, wie aus seinem Nachlass im Deutschen Literaturarchiv hervorgeht, außerdem bereits seit 1937 mit René Schickele und besonders häufig mit dem französischen Germanisten Robert Minder, der damals an der Universität von Nancy lehrte, und tauschte sich auch mit diesem über die portugiesische Sprache und ebenfalls über den Renaissancedichter Camões aus.</p>



<p>In einem Französisch verfassten Brief vom Dezember 1946 fragt Minder an, ob er Bergmanns Gedichte an Alfred Döblin zur Veröffentlichung in dessen Literaturzeitschrift schicken dürfe.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="15"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup15">15</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="15">Minder erzählte Bergmann auch von einer Begegnung mit Alfred Döblin 1937 in Paris. Nach dem Krieg setzte sich die Korrespondenz mit Minder fort. Minder schrieb Bergmann am 16. Februar 1946 einen Brief nach Funchal in einer Mischung aus Englisch, Französisch und Deutsch über seine Scheidung und dass er nochmal Döblin getroffen habe, „un homme fier et charmant“, der jetzt in Baden-Baden sei. Er selbst habe sich einige Monate lang verstecken müssen, weil man ihn gesucht habe.</span></p>



<p>Und am 27. Mai 1950 bittet er Bergmann um einen Beitrag für die Zeitschrift&nbsp;<em>Nouvelle Revue Litteraire</em>, den er übersetzen lassen wolle. Mit einer Postkarte vom Juli bedankte er sich bei dem Verfasser:&nbsp;</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Absolut der richtige Ton: einfach, tief, echt. Ich danke Dir tausendmal. ‚Hommage à C.‘ wird erst anfang Okt. erscheinen: die Zeit dafür erwies sich als ungünstig im Juli, wo alles schon in Ferien ist.</p>
</blockquote>



<p>Bergmann hielt den Kontakt zur Literaturwissenschaft und auch zu deutschen Intellektuellen aufrecht, darunter sein Weggefährte, der Romanist Ernst Robert Curtius. Dieser stellte ihm am 1. September 1952 ein Empfehlungsschreiben aus, in dem er seine Freundschaft mit Bergmann seit 1927 bekräftigt und von der gemeinsamen deutsch-elsässischen Herkunft spricht, aus der beider Bemühen um die deutsch-französische Verständigung rühre. Er habe Bergmanns Sprach- und Literaturstudien und seine schriftstellerische Produktion über all die Jahre verfolgt.</p>



<p>Auch mit dem bereits erwähnten Reinhold Schneider und Schriftstellern in Deutschland und der Schweiz korrespondierte Bergmann.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="16"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup16">16</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="16">Ab den 1960er Jahren auch mit den Schriftstellerinnen und Schriftstellern Ilse Aichinger und Günter Eich, Thea Sternheim, Karl August Horst, Siegfried Lang, Peter Huchel und Hans Erich Nossack.</span> Schneider bescheinigte Bergmanns Gedichten, im metaphorischen Sinne Übersetzungen zu sein:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Sie bringen aus Madeira der deutschen Sprache und Anschauungswelt Geschenke, derengleichen sie meines Wissens noch nie empfangen hat. Es spricht nur für die Gedichte, dass sie sich nicht so leicht erschliessen, dass man sie mehrmals lesen möchte, um sie sich zu gewinnen. Die Verbindung der antiken mit der atlantischen Welt ist Ihnen gelungen. Es ist eine Geistestat. Und da Sie etwas neues geleistet haben, so wurde Ihnen auch ein neuer Klang geschenkt. (18. Oktober 1956)</p>
</blockquote>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Übersetzer und Vermittler portugiesischsprachiger Lyrik</strong></h2>



<p>Zumindest in einem Fall hat Bergmann im Post-Exil auch im wörtlichen Sinne übersetzt,<span class="oes-note oes-popup" data-fn="17"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup17">17</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="17">Zuvor hatte er auch schon einmal aus dem Französischen übersetzt. Am 23. Dezember 1933 teilte Bergmann seinem Freund Heinrich Hassmann mit: „Im Auftrag meines Vetters in Rom übersetze ich ein schönes und herrliches Werk ‚Die Poesie des Quatrocento‘ von Antoine-Frédéric Ozanam.“ (Hassmann 1984) Eine Veröffentlichung ließ sich aber nicht nachweisen. Und auch Nachkriegsübersetzungen aus dem Griechischen der Antike dienten als Vorübungen für die eigene dichterische Tätigkeit und waren nicht zur Veröffentlichung gedacht.</span> und zwar – da er ja selbst Lyriker war – Gedichte aus dem Portugiesischen ins Deutsche.&nbsp;In der Rubrik „Kunst – Literatur – Forschung“ der Zürcher Zeitung&nbsp;<em>Die Tat</em>&nbsp;(14. Jg., Nr. 158, S. 11) erschien am 19. Juni 1949 eine ganze Seite von Wolf Bergmann unter dem Titel „Gedichte aus Portugal und Brasilien“. In Bergmanns Nachlass im Deutschen Literaturarchiv haben sich Briefe des Redakteurs Max Rychner erhalten, dem Bergmann eigene Gedichte zugeschickt hatte, der sie abdruckte und außerdem am 23. September 1947 – ebenso wie ein Jahr später Ernst Bauer für den Aegis-Verlag – Übersetzungen aus dem Portugiesischen erbat. Nachdem er diese erhalten hatte, fragte Rychner am 17. Februar 1949, ob der Übersetzer nicht auch noch eine kurze Einführung dazu schicken könne: „Man muss doch dem Leser einen Zugang zeigen in die Welt dieser Dichtung.“</p>



<p>Bergmann kam dem Wunsch nach und leitete seine Gedichtübersetzungen ein mit einem Hinweis auf die portugiesische Goethe-Rezeption und das Übersetzen im politischen Kontext:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Portugal wird wahrscheinlich in diesem Goethe-Jahr<span class="oes-note oes-popup" data-fn="18"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup18">18</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="18">Zum 200. Geburtstag des Dichters.</span> seine literarische Sensation haben. Professor Quintela von der Universität Coimbra veranstaltet gerade den Neudruck einer vergessenen&nbsp;<em>Faust</em>-Übersetzung. Beide Teile der Tragödie waren schon vor siebzig Jahren erschienen, doch ist die außergewöhnliche Arbeit nie recht bekanntgeworden, ehe das Buch fast unauffindbar wurde: teils sah der Uebersetzer, Agostinho d’Ornellas, ein madeirensischer Grandseigneur, dem an einem Namen in der Literatur nichts lag, seine Aufgabe als getan an, als er den Druck hatte herstellen lassen, teils war die literarische Lage des Landes, das sich aufs lebhafteste von Frankreich angesprochen fand, der Aufnahme nicht günstig.</p>
</blockquote>



<p>Bergmann selbst wünschte sich gewiss eine der Aufnahme seiner Texte günstige literarische Lage im deutschsprachigen Raum. Er fährt fort mit einer Würdigung der&nbsp;<em>Faust</em>-Übersetzung, in der man sicher auch seinen eigenen Anspruch, seine eigene Übersetzungspoetik erkennen kann:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Diesmal könnte es anders sein. Denn die Leistung d’Ornellas‘ erfüllt sehr hohe Forderungen der Uebersetzungskunst: sie hat den unverzagten Ernst für das Kleine im Artistischen und läßt zugleich die Gegenwart eines monumentalen Ganzen, die das Fluidum jedes alterslosen Werks ausmacht, nie vermissen.</p>
</blockquote>



<p>Der portugiesischen Sprache d’Ornellas bescheinigt er eine „außergewöhnliche Biegsamkeit“ und eine „einzigartige Geübtheit im Vers“:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Denn Portugal ist nicht nur ein literarisches Land, sondern hat fast immer seine seelischen und geistigen Energien auf die&nbsp;<em>Lyrik</em>&nbsp;konzentriert. Nie entbehrte diese der Hilfe der Kritiker, die hier eine so lebendige Tradition besitzen und von dogmatischen Denksystemen, die mit Poesie nichts zu tun haben, frei sind.</p>
</blockquote>



<p>Wolf Bergmann erweist sich hier als jemand, der offen für die Kultur des Exillandes und die „gefundene“ Sprache war und der den dortigen Umgang mit Literatur als bereichernd und befreiend empfand.</p>



<p>1949 erschienen in der Zeitung&nbsp;<em>Die Tat</em>&nbsp;Übersetzungen von Armindo Rodrigues („Das häßliche Mädchen“), Armando Côrtes-Rodrigues (Aus:&nbsp;<em>Gesänge der Nacht</em>), Cecilia Meireles („Gesang“, „Abschied“, „Wandel“ – letzteres, „Passeio“, auch im Original abgedruckt), Carlos Queiroz („Puppentheater“), Pedro Homem de Melo („Friedhof“). Die sieben Gedichte werden eingerahmt von Erläuterungen zur portugiesischen Mentalität, wie sie sich vor allem im Fado niederschlage, den Bergmann poetisch und zugleich präzise beschreibt. Weiterhin äußert er sich zur Anknüpfung der Moderne an die Tradition, die in Portugal nie ganz abgelegt werde, und bescheinigt den Portugiesen einen besonderen Sinn für Schönheit. In seinem Essay zitiert er weitere Gedichte der übersetzten Dichter sowie Zeilen des allenthalben als Avantgardisten gefeierten Fernando Pessoa, „dessen epigrammartige Gedichte mit ihren wie gehauchten Reimen man sich nicht zu übersetzen getraut“.&nbsp;Die Gedichte seien „der hier benützten Sammlung ‚Liricas Portuguesas‘, ausgezeichnet redigiert von dem madeirensischen Dichter Cabral do Nascimento“, entnommen. Bergmann erläutert, warum in der portugiesischen Lyrik häufig zusammen mit dem Reim auch auf andere Formelemente verzichtet werde, und nennt als Beispiel</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Carlos Queiroz, preisgekrönter Lyriker, intellektuell, oft ironisch und scheinbar unbesorgt um Form; doch vernimmt man vielleicht auch noch in der Uebersetzung ein ausdruckgewilltes Staccato des Originals „Puppentheater“.</p>
</blockquote>



<p>Die Traditionsbewusstheit der portugiesischen Dichtung beschreibt Bergmann so:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die Dichter in Portugal lieben das Neue, wenn es ihnen als das Reifere von etwas Vergangenem erscheint; sie gehören eben einer Nation an, die vierhundert Jahre politischer Geschichtslosigkeit hinter sich hat und dennoch nicht unterging.</p>
</blockquote>



<p>Ob in diesem Kommentar neben der Einordnung der portugiesischen Literatur in „eine erschimmernde Zeitlosigkeit“ aufgrund der historischen Zusammenhänge verschiedener Fremdherrschaften auch eine Andeutung auf das gerade besiegte „Dritte Reich“ mitschwingt, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Auf jeden Fall feiert Bergmann die in Rio geborene Autorin azorianischer Abstammung Cecilia Meireles als eine besonders wichtige Vertreterin der portugiesischen Lyrik:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Nach dem Chor eines sich noch bewußter gewordenen portugiesischen Symbolismus ist Cecilia Meireles dessen großartige Einzelstimme.&nbsp;</p>
</blockquote>



<p>An ihren Gedichten schätzt er die „sanft tastende Sinnlichkeit“ und die „wundervoll einfache Sprache“: Ihr Subjektivismus“ könne tatsächlich</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>einem insularen Weltgefühl zugeschrieben werden, welches das Portugal des atlantischen Ozeans so gut kennt: auf diesen Inseln mit ihren Wolken und Vulkanen, mit den Walfischen und der oft furchtbaren See ist man, sehr im Unterschied zum Madeirenser in seiner ausgewogenen Kalypsolandschaft, von der Melancholie des Ungetümen und Grenzenlosen umgeben. […] „Im Ozean der Traurigkeit“, sagt ein Meergedicht der Cecilia Meireles, „öffnen die zarten Deltas des Glücks ihre Arme …“</p>
</blockquote>



<p>Das mag auch eine Beschreibung von Bergmanns Gefühlen im Exil gewesen sein, in dem er sich, abgeschnitten von der Heimat, Dankbarkeit für kleine Glücksmomente bewahren konnte.<br></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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