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	<title>Germanist/in &#8211; UeLEX</title>
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	<description>Germersheimer Übersetzerlexikon</description>
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		<title>Kübler, Gunhild (Version 1.0)</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/kuebler-gunhild-version-1-0/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Jan 2026 13:51:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Gunhild Kübler gehört zu jenen Übersetzern, die sich durch eine einzige Übersetzung in die Literaturgeschichte eingeschrieben haben: Durch ihre zwischen 2006 und 2015 im Hanser-Verlag (München) erschienenen Übersetzungen von 1788 Gedichten der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson (1830–1886). Bereits 2008 wurde ihr für dieses Mammutvorhaben auf der Frankfurter Buchmesse der Paul Scheerbart-Preis verliehen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Gunhild Kübler gehört zu jenen Übersetzern, die sich durch eine einzige Übersetzung in die Literaturgeschichte eingeschrieben haben: Durch ihre zwischen 2006 und 2015 im Hanser-Verlag (München) erschienenen Übersetzungen von 1788 Gedichten der amerikanischen Dichterin Emily Dickinson (1830–1886). Bereits 2008 wurde ihr für dieses Mammutvorhaben auf der Frankfurter Buchmesse der Paul Scheerbart-Preis verliehen.</p>
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		<title>Witt, Hurbert</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/witt-hurbert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Oct 2025 14:12:44 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[]]></description>
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		<title>Zhao, Käthe</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/zhao-kaethe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Sep 2025 22:25:31 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Der Lebensweg von Käthe Zhao steht exemplarisch für eine Generation von Intellektuellen, die aufgrund der politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts ihre persönliche und berufliche Heimat in einem anderen Land fanden. Als Lehrerin, Übersetzerin und Vermittlerin zwischen zwei Kulturen trug sie über mehrere Jahrzehnte hinweg dazu bei, dass die deutsche Sprache und Literatur in China fest [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[    <div class="uelex-redaktionelles">
        <p class="uelex-redaktionelles-header" id="uelex-redaktionelles-id">Vorbemerkung der Redaktion
            

<p>Dieses Porträt entstand im Rahmen des deutsch-österreichisch-schweizerischen Forschungsprojekts <a href="https://uelex.de/neuigkeiten/#2025"><em>Post-Exil: Trans (2025-2027)</em>.</a></p>


        </p>
    </div>


<p>Der Lebensweg von Käthe Zhao steht exemplarisch für eine Generation von Intellektuellen, die aufgrund der politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts ihre persönliche und berufliche Heimat in einem anderen Land fanden. Als Lehrerin, Übersetzerin und Vermittlerin zwischen zwei Kulturen trug sie über mehrere Jahrzehnte hinweg dazu bei, dass die deutsche Sprache und Literatur in China fest verankert wurden und chinesische Kultur durch Übersetzungen nach Deutschland vermittelt wurde. Ihre Arbeit ist ein Beispiel für kulturelle Pionierarbeit sowie für die Kraft individueller Resilienz und interkultureller Verständigung.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="4"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup4">4</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="4">Vom 26. Mai bis zum 22. Juni 2011 veranstaltete das Konfuzius-Institut an der Freien Universität Berlin eine Ausstellung über das Leben von Käthe Zhao. Diese wurde in Kooperation mit dem Zentrum für Deutschlandstudien an der Peking-Universität organisiert, an der Käthe Zhao viele Jahre lang tätig war. Im Rahmen der Ausstellung entstand eine biografische Skizze mit zahlreichen Fotos, jedoch ohne Nennung des Verfassers bzw. der Verfasserin. Vermutlich handelt es sich um die Organisatorin dieser Ausstellung und zwischenzeitliche Leiterin des Konfuzius-Instituts in Berlin, Dagmar Yu-Dembski. Dank der Unterstützung des Archivpädagogen Dr.&nbsp;Thomas&nbsp;Lange, der als DAAD-Lektor in den&nbsp;1980er Jahren in Peking arbeitete, konnte ich die Unterlagen im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt einsehen. Das Gespräch mit&nbsp;Thomas&nbsp;Lange&nbsp;und seiner Frau Annette&nbsp;Lange&nbsp;vermittelte mir ein lebendiges Bild des Lebens und Wirkens von&nbsp;Käthe Zhao in dieser Zeit. Bereits im Jahr 2010 hatte die Peking-Universität als ihre Arbeitgeberin eine Gedenkausstellung zu Käthe Zhao organisiert und ihre Biografie in einem Sammelband über Lebensgeschichten ausländischer Dozierender veröffentlicht. Die biografische Skizze aus der Berliner Ausstellung und die von der Peking-Universität verfasste Biografie weisen jedoch in einzelnen Details Unterschiede auf, etwa hinsichtlich ihres akademischen Abschlusses oder des Jahres ihrer Eheschließung. Ich werde beide Biografien vergleichend heranziehen, bei abweichenden Angaben eine vorsichtige Vermutung anstellen und die Informationen durch weitere Quellen ergänzen.</span></p>



<p>Käthe Zhao wurde im September 1906 in Berlin als Käthe Starkloff-Linke geboren. Ab 1927 studierte sie zunächst zwei Semester in Berlin, wo sie unter anderem einen Chinesischkurs an der Friedrich-Wilhelms-Universität belegte. Anschließend setzte sie ihr Studium der Philologie, Geschichte, Theologie und Philosophie in Heidelberg und Göttingen fort und legte 1934 in Göttingen das Staatsexamen für das höhere Lehramt ab. Ihr Referendariat begann sie in Berlin-Schöneberg. Als sie die von den Nationalsozialisten eingeführten Schulbücher kritisierte, wurde sie aus dem Schuldienst entlassen. Im Jahr 1935 half sie jüdischen Freunden und deren Kindern, sich in ihrer Wohnung zu verstecken und vor der Verfolgung nach England zu fliehen. Aufgrund einer Denunziation wurde sie von der Gestapo verhaftet.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="5"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup5">5</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="5">Vgl. Ausstellung des Konfuzius-Instituts an der Freien Universität Berlin 2011.</span></p>



<p>Danach unterrichtete sie als Sprachlehrerin für Deutsch am Deutschen Institut für Ausländer in Berlin. Außerdem gab sie regelmäßig Einzelunterricht für chinesische Studenten. Der chinesische Physiker und spätere Vizepräsident der Tsinghua-Universität, Zhang Wei, kam 1938 nach Berlin und lernte intensiv Deutsch bei ihr. Er erinnerte sich später lebhaft an den Unterricht bei Käthe Zhao:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Frau Linke unterrichtete mit flexiblen und vielfältigen Methoden und stellte hohe Anforderungen. Jeden Morgen gab sie mir eine Stunde Nachhilfe. Zuerst korrigierte sie meine Hausaufgaben und erklärte Grammatik, dann folgte die Besprechung neuer Lektionen und schließlich ein zehnminütiges Gespräch. Bevor der Unterricht endete, gab sie neue Hausaufgaben auf. Diese Aufgaben beschäftigten mich den ganzen Tag. Unter ihrem strengen Unterricht lernte ich drei Monate lang intensiv die Grundlagen der Grammatik und baute meinen Wortschatz auf. Als das neue Schuljahr begann, konnte ich mich reibungslos für den Unterricht einschreiben. Trotzdem besuchte ich weiterhin zweimal pro Woche ihren Unterricht. So hielt ich ein Jahr lang durch und legte eine solide Grundlage (Zhang 1999; eigene Übersetzung).</p>



<p></p>
</blockquote>



<p>Käthe Zhao pflegte in dieser Zeit einen regen Kontakt zum Kreis chinesischer Studierender in Berlin. Auf ihren Vorschlag hin fand jeden Samstag ein „Deutschabend“ unter chinesischen Studenten statt, zu dem auch einige deutsche Studierende sowie Käthe Zhao selbst kamen (vgl. Zhang 1999). Im Jahr 1938 lernte sie den Metallwissenschaftler Xilin Zhao (1913–1992) kennen, der an einer Universität in Berlin studierte und forschte. Die beiden verliebten sich, heirateten und bekamen während des Krieges zwei Kinder.</p>



<p>Nach dem Krieg folgte Käthe Zhao 1947 ihrem Mann nach China. Das Paar unterrichtete an chinesischen Universitäten – er im Fach Metallbearbeitung, sie in der Fremdsprachenabteilung. In den Jahren 1947 und 1948 übernahm Käthe Zhao an der Beiyang-Universität in Tianjin die Lehrtätigkeit für Deutsch, Französisch und Russisch. Später unterrichtete sie Russisch an der Tsinghua-Universität. &nbsp;Ab 1954 war Käthe Zhao in der Germanistikabteilung der Peking-Universität tätig, wo sie bis zu ihrer Pensionierung arbeitete (vgl. Wang 2012: 118–119).</p>



<p>Käthe Zhao gehörte zu den ersten Ausländern, die in den 1950er Jahren die chinesische Staatsangehörigkeit erhielten. Wie viele andere internationale Familien in China erlebte auch sie die erbitterten politischen Umbrüche jener Zeit. Ihr Mann, Xilin Zhao, war über mehrere Jahre hinweg von politischen Kampagnen betroffen: 1957 wurde er als „Rechtsabweichler“ eingestuft, von seiner Lehrtätigkeit entbunden und an die Bibliothek versetzt. Während der Kulturrevolution musste er als Intellektueller körperliche Arbeit verrichten. Erst nach dem Ende der Kulturrevolution im Jahr 1978 konnte er wieder in die Lehre und Forschung zurückkehren (vgl. University of Science and Technology Beijing 2021: 235–263).</p>



<p>Neben ihrer Lehrtätigkeit an der neu gegründeten Deutschabteilung übernahm Käthe Zhao auch grundlegende Aufgaben beim Aufbau des Germanistikstudiums in China. Gemeinsam mit anderen Dozenten konzipierte sie Lehrpläne und Lehrmaterialien für verschiedene Jahrgänge des jungen Studiengangs und bildete Nachwuchslehrkräfte aus. Diese Bemühungen legten eine wichtige Grundlage für die Didaktik und das Studium der Germanistik in China. Zwei von ihr mitverfasste Lehrwerke, <em>Deutsch für Naturwissenschaften und Technik</em> sowie <em>Universitätsdeutsch, </em>wurden mehrfach aufgelegt und von mehreren Generationen von Deutschlernenden in China verwendet (vgl. Wang 2012: 120–121).</p>



<p>Ein weiterer Aspekt, der in den Erinnerungstexten häufig erwähnt wird, ist ihre menschliche Wärme. Oft wird gesagt, sie habe ihre Studenten wie eigene Kinder behandelt. Ihr Student Xinshan Zhao erinnerte sich noch Jahrzehnte später daran, wie sie sich um die Studierenden kümmerte (vgl. Zhao 2004: 250–254). </p>



<p>Neben ihre Tätigkeit als Universitätslehrerin engagierte sich Käthe Zhao auch intensiv im Bereich Übersetzungen. Als deutschsprachige Muttersprachlerin in China war sie oft an Übersetzungsaufgaben im Verlag für fremdsprachige Literatur in Peking beteiligt. In der Deutschabteilung des Verlags waren mehrere Muttersprachler als Übersetzer angestellt. Gelegentlich wurden Aufträge auch an weitere Muttersprachler vergeben, etwa an <a href="https://uelex.de/uebersetzer/schwarz-ernst-1916-2003/" data-type="uelex_article" data-id="2003245">Ernst Schwarz</a> und <a href="https://uelex.de/uebersetzer/huengsberg-peter/" data-type="uelex_article" data-id="2007693">Peter Hüngsberg</a>, die in den 1950er Jahren ebenfalls als Dozenten an chinesischen Universitäten tätig waren. Für den Fremdsprachenverlag übersetzte Käthe Zhao im Jahr 1957 eine Sammlung von 61 chinesischen Fabeln aus dem 3. und 4. Jahrhundert. Chinesische Fabeln aus dem Altertum sind kurze, lehrhafte Erzählungen, in denen menschliche Eigenschaften häufig durch Tiere oder symbolische Figuren dargestellt werden. Im Jahr 1961 wurde die Sammlung in Zusammenarbeit mit Senta Lewin um 121 weitere Fabeln erweitert. Eine Auswahl daraus wurde 1963 vom Reclam Verlag in Leipzig veröffentlicht; die Sinologin Eva Müller verfasste das Nachwort. Diese Reclam-Ausgabe erschien insgesamt in acht Auflagen. In einer Rezension wurde dieses Buch so besprochen: „It is a good selection intended for the general public.“<span class="oes-note oes-popup" data-fn="6"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup6">6</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="6">Review of&nbsp;<em>Altchinesische Fabeln</em>, by K. Zhao &amp; S. Lewin. (1980).&nbsp;<em>Chinese Literature: Essays, Articles, Reviews (CLEAR)</em>,&nbsp;<em>2</em>(2), 240–240. https://doi.org/10.2307/823536.</span></p>



<p>Zu den weiteren von Käthe Zhao übersetzten Büchern zählen vor allem Sachbücher: <em>Peking gestern und heute</em> (1957), <em>Die Erbauer des Ming-Gräber-Stausees</em> (1959) sowie in den 1980er Jahren mehrere Werke über chinesische Kultur, zum Beispiel Qigong oder die Große Mauer, und ein Lehrbuch für Chinesisch. Bemerkenswert ist, dass sie bei zwei Übersetzungen über Wissenschaft und Technik im alten China (1989 und 2001) mit ihrem Mann zusammenarbeitete. Nach seiner Rehabilitierung arbeitete Xilin Zhao neben seiner Forschung auch aktiv im wissenschaftlichen Austausch mit Deutschland und übersetzte deutschsprachige metallwissenschaftliche Fachliteratur ins Chinesische. Beim Übersetzen konnte das chinesisch-deutsche Ehepaar beider Sprach- und Fachkenntnisse verbinden.</p>



<p>Käthe Zhao übersetzte außerdem für die Zeitschrift <em>Peking Rundschau</em> und war an der Übersetzung und Redaktion von Maos Schriften beteiligt. In solchen Publikationen wurden die Namen der Übersetzer nicht genannt. In der Berliner Ausstellung wurden mehrere Fotos von ihr zusammen mit Kollegen aus dem Verlag für fremdsprachige Literatur gezeigt, die bei einem Ausflug aufgenommen wurden und eine harmonische Beziehung untereinander zeigen.</p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wiehe, Erika</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/wiehe-erika/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Apr 2025 20:00:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Erika Wiehe hat Anfang der 1930er Jahre auf Anregung von Leopold Magon an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald eine Dissertation über Leben und Werk des Übersetzers Gottlieb Mohnike geschrieben. Die 1934 publizierte Arbeit kann auch noch 90 Jahre später als ein Musterbeispiel für übersetzungshistorisches Forschen gelesen werden. Dies zeigt bereits ein Blick in das Inhaltsverzeichnis der Doktorarbeit: [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Erika Wiehe hat Anfang der 1930er Jahre auf Anregung von Leopold Magon an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald eine Dissertation über Leben und Werk des Übersetzers <a href="https://uelex.de/uebersetzer/mohnike-gottlieb/" data-type="uelex_article" data-id="2010944">Gottlieb Mohnike </a>geschrieben. Die 1934 publizierte Arbeit kann auch noch 90 Jahre später als ein Musterbeispiel für übersetzungshistorisches Forschen gelesen werden. Dies zeigt bereits ein Blick in das Inhaltsverzeichnis der Doktorarbeit:</p>


<div class="oes-panel-container oes-panel-container-image" id="figure_2012249"><div class="oes-accordion-wrapper"><div class="oes-accordion-panel oes-panel active"><figure class="oes-panel-figure "><div class="oes-panel-image oes-modal-toggle"><div class="oes-panel-image-container oes-modal-toggle-container"><img decoding="async" id="oes-panel-image-center" src="https://uelex.de/wp-content/uploads/2025/05/Inhalt-scaled.jpg" alt=""><span class="fa fa-expand"></span></div></div><div class="oes-modal-container"><span class="oes-modal-close dashicons dashicons-no"></span><div class="oes-modal-image-container"><img decoding="async" class="oes-modal-image-2012249" src="https://uelex.de/wp-content/uploads/2025/05/Inhalt-scaled.jpg" alt="" id="oes-modal-image-center"></div><div class="oes-modal-content-text oes-modal-content-text-2012249 active"><div class="oes-modal-content-subtitle"></div><table class="oes-table-pop-up"><tr><th>Datum</th><td>6. Mai 2025</td></tr></table></div></div><figcaption><div class="oes-panel-figcaption oes-panel-figcaption-2012249 active"></div></figcaption></figure></div></div></div>


<p>Erika (Albertine Luise) Wiehe wurde am 28. Dezember 1908 als Tochter des Oberkriegsgerichtsrats Friedrich Wiehe und seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Happe, in Kiel geboren. Nach der Versetzung ihres Vaters nach Berlin ging sie dort zur Schule und legte zu Ostern 1927 an einer sog. Höheren Mädchenschule<span class="oes-note oes-popup" data-fn="2"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup2">2</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="2">Es war die Westendschule, ein Oberlyzeum der Oberrealschulrichtung</span> die Reifeprüfung ab. Anschließend studierte sie Deutsch, Englisch und Schwedisch an den Universitäten Berlin, Heidelberg, Kiel und Greifswald. Nach drei bzw. sechs Semestern absolvierte sie die Ergänzungsprüfungen im Lateinischen und Altgriechischen. Die Staatsprüfung für das höhere Lehramt bestand sie im Sommer 1932 in Greifswald, das Rigorosum im November 1933.</p>



<p>Nach der Promotion, heißt es 1971 in einer biographischen Notiz,</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>absolvierte sie eine längere Lehrtätigkeit in den USA (Middlebury/Vermont, San Francisco und Los Angeles). Seit 1945 hat Frau Dr. Wentzlaff-Eggebert an verschiedenen wissenschaftlichen Forschungsaufgaben mitgewirkt. (Wentzlaff-Eggebert 1971: 273)</p>
</blockquote>



<p>Von wann bis wann sie in Amerika war, lässt sich nicht sagen. Am 20. März 1934 hatte sie in Berlin den Germanisten Friedrich-Wilhelm Wentzlaff-Eggebert (1905–1999) geheiratet. Über ihren weiteren Lebensweg ist – außer dem Hinweis auf die Lehrtätigkeit in den USA – nur wenig bekannt, sie dürfte ihren Ehemann auf seiner akademischen Laufbahn begleitet und unterstützt haben: Habilitation in Berlin 1938, Privatdozent für Deutsche Philologie in Berlin bis 1941, vom Kriegsdienst als „unabkömmlich“ freigestellt, 1941–44/45 Germanistik-Professor an der Reichsuniversität Straßburg, 1944 Abordnung an die Erzieherakademie der Adolf-Hitler-Schule Sonthofen, daneben am 20. November 1944 Abordnung an die Universität Tübingen; nach Kriegsende als politisch belastet (aktives NSDAP-Mitglied) aller Ämter enthoben, bis 1955 Gymnasiallehrer für Deutsch und Latein in Lindau, 1956–1973 Germanistikprofessor an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (vgl. Klausnitzer 2003, Wischnath/Bauer-Klöden 2010: 106).</p>



<p>Wie ihr Ehemann musste sich auch Erika Wentzlaff-Eggebert vor der Spruchkammer Lindau einem Entnazifizierungsverfahren unterziehen. Die sie betreffende, im Staatarchiv Sigmaringen aufbewahrte Personalakte des „Staatskommissariats für die politische Säuberung“ konnte noch nicht eingesehen werden.</p>



<p>Neben ihrem Ehemann wird sie für die 1971 im Rowohlt-Verlag erschienene dreibändige Buchreihe <em>Deutsche Literatur im späten Mittelalter</em> als Autorin genannt, ebenso 1983 für den in der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft veröffentlichten Band über den Stand der Gryphius-Forschung.</p>



<p>Erika Wentzlaff-Eggebert verstarb am 23. März 1997 in Wasserburg am Bodensee.</p>



<p></p>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Junghans, Hans Martin</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/junghans-hans-martin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 19 Apr 2025 07:35:34 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Hans Martin Junghans (Jg. 1903)1Das folgende Biogramm ist eine komprimierte Version des Aufsatzes von Henriette Riskær Steffensen (1992), die sich ihrerseits auf ihr 1984 von Junghans übermittelte autobiographische Angaben stützen konnte. , Sohn eines bereits 1915 verstorbenen Schulleiters, schaffte es unter schwierigen Bedingungen das Abitur abzulegen. Er studierte Rechts- und Staatswissenschaft in Marburg und Kiel, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Hans Martin Junghans (Jg. 1903)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="3"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup3">3</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="3">Das folgende Biogramm ist eine komprimierte Version des Aufsatzes von Henriette Riskær Steffensen (1992), die sich ihrerseits auf ihr 1984 von Junghans übermittelte autobiographische Angaben stützen konnte.</span> , Sohn eines bereits 1915 verstorbenen Schulleiters, schaffte es unter schwierigen Bedingungen das Abitur abzulegen. Er studierte Rechts- und Staatswissenschaft in Marburg und Kiel, Englisch, Religionslehre und Geschichte in Heidelberg und Greisfwald. 1930 bestand er die Lehramtsprüfung für Gymnasien in Preußen, 1928 wurde er in Greifswald mit einer germanistischen Arbeit (<em>Studien zum Meistersinger Jörg Schiller</em>, 1931) promoviert. Er unterrichtete an verschiedenen Schulen, wurde jedoch 1933 entlassen, obwohl er ein eher unpolitischer Mensch war.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="4"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup4">4</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="4">Die Entlassung durch den NSDAP-Reichsminister Bernhard Rust könnte wegen des antinationalsozialistischen Engagements eines Bruders von Junghans erfolgt sein, der wenige Tage nach Hitlers Regierungsantritt von der SS ermordet worden war.</span> Er war längere Zeit arbeitslos und konnte seine Familie (er hatte 1933 die Dänin Gunhild Berth geheiratet, das Paar hatte zwei Kinder) kaum ernähren. Junghans beschloss zu emigrieren, 1936 bekam er die Erlaubnis zur Auswanderung.</p>



<p>Die Familie zog zunächst in die damals nicht zum Deutschen Reich gehörende Stadt Danzig, von dort 1938 in die Schweiz und 1939 nach Dänemark. In der Zeit der deutschen Besetzung Dänemarks bekam Junghans 1942 von den dänischen Behörden die Arbeitserlaubnis, um am deutschen Gymnasium Deutsch, Religion und Geschichte zu unterrichten. Nach Ende des Kriegs wurde er Mitarbeiter der dänischen Flüchtlingsverwaltung für die mehr als 200.000 aus Ostpreußen evakuierten Deutschen (vgl. seine Übersetzung des Langberg-Buches von 1951).</p>



<p>In den 1950er Jahren entstanden seine Kierkegaard-Übersetzungen, die in der Gesamtausgabe des dänischen Philosophen und evangelischen Theologen veröffentlicht wurden.</p>



<p>Junghans starb am 28. März 1992.</p>



<p></p>



<p></p>
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		<title>Erb, Elke</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/erb-elke/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[svandenberg]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Feb 2025 22:20:50 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[]]></description>
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		<title>Güttinger, Fritz (Version 1.0)</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/guettinger-fritz-version-1-0/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 08 Dec 2024 12:44:16 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[]]></description>
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			</item>
		<item>
		<title>Edl, Elisabeth</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/edl-elisabeth/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Oct 2024 15:50:16 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Elisabeth Edl stammt aus einfachen Verhältnissen. Ihre Eltern (geb. 1924 bzw. 1925) lebten in dem Dorf Prigrevica Sveti Ivan in der Vojvodina als Kinder relativ wohlhabender Bauern. Als Donauschwaben wurden ihre Eltern 1944 zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert, in sowjetische Arbeitslager verschleppt und kamen nach ihrer Freilassung 1948 als Flüchtlinge in das österreichische Aufnahmelager [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading"></h2>



<p>Elisabeth Edl stammt aus einfachen Verhältnissen. Ihre Eltern (geb. 1924 bzw. 1925) lebten in dem Dorf <a href="https://uelex.de/uebersetzer/rothbart-irma/" data-type="uelex_article" data-id="2010689">Prigrevica Sveti Ivan</a> in der Vojvodina als Kinder relativ wohlhabender Bauern. Als Donauschwaben wurden ihre Eltern 1944 zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert, in sowjetische Arbeitslager verschleppt und kamen nach ihrer Freilassung 1948 als Flüchtlinge in das österreichische Aufnahmelager <em>Wagna </em>(Steiermark, nahe der Grenze zu Slowenien). Das Flüchtlingslager<em>,</em> meistens nur als Lager <em>Wagna</em> bezeichnet, bestand von 1914 bis 1963 als Barackensiedlung auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde. 1955 erhielt die Familie die österreichische Staatsbürgerschaft und somit hatte Elisabeth Edl, geboren am 16. Oktober 1956 in Wagna, die österreichische Staatsbürgerschaft. Die Eltern, die ihren ganzen Besitz durch Vertreibung und Enteignung verloren hatten, wurden dort Arbeiter, aber eine gute Ausbildung der Kinder war ihnen wichtig und sie haben die Tochter Elisabeth, was Schule und Studium angeht, immer unterstützt und in ihren Entscheidungen freie Wahl gelassen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Sprachbiographie</h2>



<p>Elisabeth Edl war seit ihrer Kindheit in verschiedenen Sprachmelodien zuhause und hatte ein frühes Bewusstsein für Sprachunterschiede entwickelt. Ihre Eltern und Verwandten sprachen aufgrund ihrer Herkunft in einem anderen Dialekt als die südsteirischen Nachbarn, die Großmutter konnte Ungarisch (das sie in der Schule gelernt hatte) und die Eltern Serbisch (zu ihren Schulzeiten war Serbisch Amtssprache). Elisabeth Edl besuchte vier Jahre die Volksschule in Leibnitz/Steiermark und acht Jahre den neusprachlichen Zweig im dortigen Gymnasium mit den Schulsprachen Englisch (8 Jahre), Latein (6 Jahre), Französisch (4 Jahre). Lieblingsfächer waren Deutsch, Geschichte, Englisch und Französisch, wobei zunächst ein großes Interesse an deutschsprachiger Literatur bestand; man rezitierte Theaterstücke in verteilten Rollen und auch fremdsprachige Stücke in Übersetzung (Shakespeare, Jean Anouilh, Calderón was sie sehr mochte). Und dann in der Abschlussklasse: dank einer ganz jungen Deutschlehrerin, lasen sie z.B. Handke (<em>Wunschloses Unglück</em>) und den Chandos-Brief von Hofmannsthal, der ihr in besonderer Erinnerung ist. Elisabeth Edl war eine Leseratte und hatte schon als Kind mit zehn, elf, zwölf Jahren jede Menge Karl May-Bücher gelesen. Mit vierzehn, fünfzehn, sechzehn waren Zola und Camus (in Übersetzung) ihre Lieblingsautoren, dann kam noch Saint-Exupéry dazu. Das erste Buch, das sie auf Französisch las, war <em>Le Petit Prince, </em>den sie dann Jahrzehnte später neu übersetzt hat.</p>



<p>Elisabeth Edl studierte von 1975 bis 1983 – nur unterbrochen durch das Schuljahr 1979/80 als Fremdsprachenassistentin am Lycée Jean Dautet in La Rochelle (Frankreich) – Germanistik und Romanistik (Französisch, dann noch Spanisch als Erweiterungsfach) in Graz, hat Deutsch und Französisch als Hauptfächer abgeschlossen mit je einer Diplomarbeit und zwei unabhängigen Prüfungsverfahren mit dem Abschluss „Lehramt“ (Titel Mag. phil.), das dem deutschen Staatsexamen entspricht. Sie hatte in beiden Fächern eine Vorliebe für das 20. Jahrhundert, in der französischen Literatur mochte sie vor allem die Dadaisten und Surrealisten, und lange Zeit war Raymond Queneau ihr unbestrittener Lieblingsautor. In der Germanistik studierte sie gleichermaßen Literatur- und Sprachwissenschaft, genoss also auch eine sehr solide Ausbildung in alter Sprache und Sprachentwicklung (Gotisch bis Neuhochdeutsch). Sie hat sich bevorzugt mit österreichischer Gegenwartsliteratur beschäftigt; für ihre Diplomarbeit über George Saikos Roman <em>Der Mann im Schilf</em> (spielt 1934, während des Nazi-Putsches und der Ermordung von Dollfuß) hat sie viel Sigmund Freud und Theweleit gelesen. Bei den Romanisten dagegen wurde moderne Sprachwissenschaft betrieben, und ihre Diplomarbeit war eine sprachwissenschaftlich-fachdidaktische Arbeit. Wichtig war ihr die hochschulpolitische Arbeit, also Institutsvertretung, Studienrichtungsvertretung und gewählte Studentenvertreterin bei den Romanisten.</p>



<p>Unabhängig von Uni-Veranstaltungen, gab es eine Studentengruppe, in der man sich für Reformen der Lehre engagierte und Bücher des Germanisten Utz Maas las: seine Thesen zu Sprachnorm, Sprachpolitik (Kann man Sprache lehren? Für eine andere Sprachwissenschaft), Unterdrückung von Minderheitensprachen am Beispiel Frankreich interessierten, aber auch dessen Biographien und wissenschaftlichen Profile von mehr als 300 Sprachforscherinnen und Sprachforschern, die im Nationalsozialismus aus rassistischen oder politischen Gründen verfolgt wurden, emigrierten, im Konzentrationslager umkamen oder Suizid begingen.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="5"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup5">5</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="5">Beispielhaft einige Titel der Bücher von Utz Maas: <em>Sprachforschung in der Zeit des Nationalsozialismus: Verfolgung, Vertreibung, Politisierung und die inhaltliche Neuausrichtung der Sprachwissenschaft</em> (2016); <em>Sprachpolitik und politische Sprachwissenschaft</em> (1989), <em>Verfolgung und Auswanderung deutschsprachiger Sprachforscher 1933-1945</em> (1996).</span></p>



<p>Das Interesse für jüdische Autoren bzw. die Thematik der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung der Juden war da und Autoren wie Joseph Roth haben als Lesestoff sicher eine wichtige Rolle gespielt (s. ihr UeLEX-Artikel zu <a href="https://uelex.de/uebersetzer/redtenbacher-erna/" data-type="uelex_article" data-id="2011136">Redtenbacher</a> und ihre Übersetzungen von Berr, Frenzel, Weil, Green, Modiano).</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der Weg ins Übersetzen</h2>



<p>Übersetzen hat ihr schon während des Studiums Spaß gemacht, aber da bei den Romanisten die verpflichtenden Übersetzungsübungen literarischer Texte eigentlich eher Sprachkontrollübungen waren, hat Edl zusätzlich am damaligen Grazer Dolmetschinstitut weitere Veranstaltungen besucht, um mit anderen Textgattungen und Übersetzungsmethoden in Berührung zu kommen. Nach dem Studium war sie von 1983 bis 1989 Lektorin am Germanistischen Institut der Universität Poitiers, von 1989 bis 1995 Lehrbeauftragte an <em>der École Supérieure de Commerce</em>, Poitiers. Sie hat als Lektorin besonders gern Übersetzungskurse übernommen, sich große Mühe gemacht bei Textauswahl und Vorbereitung und mehrere Jahre hintereinander den Thème-Kurs geleitet, also die Übersetzung vom Französischen in die Fremdsprache Deutsch. </p>



<p>Und dann kam es zu einem ersten großen Übersetzungsauftrag. Ihr Lektorenkollege Wolfgang Matz hatte Kontakt zu Michael Krüger, dem Herausgeber der Zeitschrift <em>Akzente</em>, den sie kühn nach einem kleineren literarischen Text zum Übersetzen baten. Krüger hatte die vier Bände der <em>Cahiers</em> von Simone Weil in seiner Schublade, und die hat er ihnen angeboten, ohne eine Probeübersetzung zu verlangen. Ein wahnsinniges Angebot! Nach reiflicher Überlegung (wegen des Umfangs) sagten beide zu, bekamen sofort einen Übersetzervertrag für alle 4 Bände und haben Michael Krüger davon überzeugt, dass sie unbedingt noch einen Herausgebervertrag brauchten, die französische Vorlage war ja unkommentiert ohne Nachweis der meistens versteckten Zitate, Anspielungen etc. So haben sie sich ab 1989 nach den vormittäglichen Lehrveranstaltungen im Tandem von 14 bis 20 Uhr zehn Jahre lang durch die <em>Cahiers</em> gearbeitet. Von da an hatte die übersetzerische Tätigkeit im Leben von Edl einen vorrangigen Platz. Der erste Band der <em>cahiers</em> erschien 1992, der vierte 1998, da lebten sie bereits in München. Geld haben sie in der ganzen Zeit mit Unterrichten verdient.</p>



<p>Edl bemühte sich weiter um Übersetzungsaufträge französischer Werke des 20. Jahrhunderts. Sie wurde betraut mit der Übersetzung der Tagebücher von (dem ihr sehr geschätzten) Green, Frenkel und Berr, mit deren Nichte Mariette Job, die das Tagebuch ediert hat, sie immer noch in regelmäßiger Verbindung steht. Gemeinsam mit dem ehemaligen Hanser-Lektor Wolfgang Matz, mit dem sie seit 2004 verheiratet ist, hat sie seit Jahrzehnten  u.a. Gracq, Green, Flaubert, Simenon und Lyrik von Philippe Jaccottet, Wandelère und Yves Bonnefoy übersetzt.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="6"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup6">6</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="6">Wolfgang Matz war von 1987 bis 1995 in Poitiers (Frankreich), wo er am Institut für deutsche Sprache und Literatur lehrte und als Literaturübersetzer tätig war; von 1995 bis 2020 arbeitete er als Verlagslektor bei Hanser in München. Als Übersetzer französischer Prosa und Lyrik und Literaturkritiker wurde er mit dem Paul Celan-, dem Petrarca-Preis und 2024 mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet.</span></p>



<p>Seit 1995 lebt Edl in München als freie Romanistin und Literaturübersetzerin französischer Werke des 19. und 20. Jahrhunderts. 2013 erhielt sie eine August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur am Peter-Szondi-Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft der FU Berlin. Für ihre Übersetzungen und Editionen französischer Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts wurde sie mehrfach ausgezeichnet.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Das</strong> <strong>übersetzerische Œuvre</strong></h2>



<p>Elisabeth Edl hat literarische Werke des 19. und 20. Jahrhunderts aus dem Französischen übersetzt, die unterschiedlichsten Gattungen bzw. Textsorten angehören: Biographien, Briefe, Erzählungen, Essays, philosophische, politische und kunstgeschichtliche Sachtexte, Romane, Tagebücher, Theaterstücke. Die Originalwerke stammen von Autoren wie Hélène Berr, Yves Bonnefoy, Flaubert, Françoise Frenkel, Julien Green, Julien Gracq, Philippe Jaccottet, Patrick Modiano, George Sand, Georges Simenon, Stendhal, Jules Verne, Frédéric Wandelère und Simone Weil.</p>



<p>Zu Edls übersetzerischen Handeln gehört auch ihre Arbeit als Herausgeberin von eigens für die deutschen Ausgaben zusammengestellten französischen Texten (Auswahlen zu Flaubert, Jaccottet oder Colette). Eine differentielle Gruppierung der übertragenen Texte ergibt folgendes Bild: Edl hat zunächst Texte (oft Tagebücher) übersetzt, die die Lebensgeschichten jüdischer Autoren während der Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg thematisieren: Okkupationszeit, Verfolgung, Verhaftung, Entwurzelung und Exil. Mit Wolfgang Matz hat sie die <em>cahiers</em> von Simone Weil herausgegeben, später folgten die Tagebücher Julien Greens, Hélène Berrs und die noch vor 1945 entstandenen Texte von Françoise Frenkel. Auch mehrere Romane von Patrick Modiano (z.&nbsp;B. <em>D</em><em>ora Bruder</em>) sind dieser Thematik zuzuordnen. Eine zweite Gruppe umfasst die großen Romane des 19. Jahrhunderts von Stendhal, Flaubert und George Sand sowie die „modernen Klassiker“ Green, Gracq, Simenon (zusammen mit Wolfgang Matz) und Modiano. Eine dritte Gruppe umfasst die im Tandem mit Wolfgang Matz übersetzte Lyrik von Bonnefoye, Jaccottet und Wandelère.</p>



<p>Ein wichtiger Teil ihrer translatorischen Tätigkeit sind die den deutschen Ausgaben beigefügten Kommentare und Anmerkungen. Edl ergänzt den übersetzten Text jeweils durch Sacherklärungen, ein Nachwort bzw. einen Anhang. Der Sachkommentar kann umfassen: „Erklärungen zu historischem Hintergrund, zu politischem und sozialem Kontext, Hinweise auf Anspielungen oder versteckte Zitate, werk- und lebensgeschichtliche Erläuterungen, sowie das Aufzeigen von Querverbindungen zu anderen Werken des Autors, zu Briefen und Tagebüchern“ (Edl 2012: S. 31). Diese Erläuterungen sind auf den deutschen Leser zugeschnitten und sollen es ihm ermöglichen, das jeweilige Werk im historischen und ästhetischen Umfeld zu verstehen. Z.B. analysiert sie in ihren Anmerkungen zu Stendhals <em>Rot und Schwarz</em> (S. 764–868) den historischen, politischen und sozialen Hintergrund des Romans, und skizziert im Nachwort (S. 679–726) dessen Entstehungsgeschichte in Verbindung mit der Biografie Stendhals.</p>



<p>Editionsphilologische Angaben informieren über den jeweils benutzten Ausgangstext und weitere herangezogene Editionen, ferner über die eigenen Editionsprinzipien und vor allem über die Grundsätze der Übersetzung. Im Nachwort wird über die Entstehungsgeschichte und Rezeption des Werks berichtet, ergänzt um eine Kurzbiographie des Autors sowie zusätzliche Dokumente. Besonders aufwändig gestaltete sich die – durch mehr als zehn Jahre erarbeitete – deutsche Ausgabe der Notizhefte von Simone Weil: Ihr intensives Quellenstudium haben Edl und Matz in Anmerkungen zu Editionsgeschichte und Editionsprinzipien dargelegt (s. die Einleitung zu Band I, vgl. Cahiers I, S. 8 und S. 9–12; s. auch Cahiers II, S.356f., Cahiers III, S. 413 und Cahiers IV, S.365–367). Ihre Übersetzung fußt ausnahmslos auf den Originaltexten der Hefte von Simone Weil, wobei auf die ausgelassenen mathematischen Gleichungen, geometrischen Skizzen und Abschriften aus Texten anderer Autoren in Fußnoten hingewiesen wird. Da das französische Manuskript keine Zitatnachweise enthält, wurden diese von den Herausgebern ermittelt (vgl. Namensregister und Register der Bibelstellen, Glossar der Begriffe und Namen aus dem Sanskrit, Übersetzungen aus den Upanischaden und der Bhagavadgita).</p>



<p>Die deutsche Ausgabe präsentiert die <em>Aufzeichnungen</em> – ein in seiner Vielseitigkeit außergewöhnliches Werk mit verwirrender Vielzahl von Themen der häufig zusammenhanglos wirkenden, ungeordneten Notizen – als große intellektuelle und menschliche Dokumente des 20. Jahrhunderts. Die Ausgabe kann  als eigenständige, kritische Auseinandersetzung mit dem Werk Simone Weils bewertet werden, da es der Übersetzung formal und inhaltlich gelingt, den Zusammenhang und die gedankliche Kohärenz der differenten Themen und Textquellen sichtbar zu machen, den Spagat zwischen philologischer Präzision und literarischer Lesbarkeit zu meistern, und eine behutsam gestraffte Lesefassung zu erstellen.</p>



<p>Die Tagebücher von Berr und Frenkel sind berührende Dokumente der zeitgeschichtlichen Ereignisse und bedeutende Zeugnisse der Okkupationszeit während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich. Edl möchte die bedrückenden Lebensberichte, die von der Jagd auf jüdische Flüchtlinge, Verhaftungen, Misshandlungen von Geflüchteten und Gefangenen, Internierungen und Deportationen in Lager berichten, so getreu wie möglich wiedergeben. Es gelingt ihr, die verdichtete Darstellung der Zusammenhänge von Machtverhältnissen und persönlichen, erschütternden Erfahrungen, die präzise, nüchterne Beschreibung der Lebensumstände, die Unmittelbarkeit der Ausdrucksweise, die schnörkellose Erzählweise vollumfänglich zu erhalten.</p>



<p>Eine umfangreiche und herausfordernde Aufgabe stellte die Übertragung der schlicht „Journal“ genannten Tagebücher von Julien Green dar. Green verlässt Paris nach dem Einmarsch der Deutschen 1940 und thematisiert dies in dem Buch <em>Ende einer Welt </em>– seine Furcht, die Kulturnation Frankreich von den deutschen Barbaren zerstört zu sehen. Die siebenbändige Autobiographie, eine einzigartige literarische Langzeitbeobachtung, beginnt mit 1928 (die letzten vier ab 1981hat Edl übersetzt), ist ein Selbstzeugnis, in dem Green seine Kindheit und Jugend, den Ersten Weltkrieg in Frankreich, das Tagesgeschehen, Wirtschaft, historische Ereignisse, Erinnerungen und metaphysische Betrachtungen reflektiert. Der Roman <em>Erinnerungen an glückliche Tage</em>, den Green 1942 in Amerika geschrieben hat, evoziert noch einmal die Kindheit und Jugend in Paris, diese glückliche, unwiederbringliche Epoche. Der Übersetzung liegt die erst 2007 aus dem Nachlass, noch von Green selbst übertragene und leicht veränderte französische Fassung zugrunde, wobei er dem Rhythmus der französischen Sprache folgen will. Diese Übersetzung war Grundlage der vorliegenden deutschen Ausgabe, die von Edl mit dem englischen Original abgeglichen wurde. Das Vorwort für das amerikanische Publikum hat Green nicht mitübersetzt, Edl übernimmt es jedoch aus dem englischen Text von 1942 in ihre deutsche Ausgabe, erklärt es doch die historische Situation und die Intention, mit der Green das Buch schrieb. Green benutzt in seinem englischen Text immer wieder französische Begriffe und Wörter, erweckt also den Klang der fremden Sprache als Farbtupfer, der in der französischen Fassung dann wieder verloren geht. Edl belässt im deutschen Text, der sich ebenfalls an einen nichtfranzösischen Leser wendet, die französischen Ausdrücke und Klangfarben aus dem Buch von 1942.</p>



<p>Erneut sticht das editorische Interesse der Übersetzerin hervor, wenn sie mit Unterstützung ihres Freundes Eric Green, dem Sohn des Schriftstellers, das <em>journal intime</em> der letzten beiden Lebensjahre 1996-1998 übersetzt, das dann noch vor einer französischen Ausgabe auf Deutsch erschienen ist. Edl hat die Textpassagen zu Kunst, Literatur und Metaphysik, zu Gott und den Heiligen, zu Sünde und frommen Schriften akribisch studiert, um mit ihrer Übersetzung das breite thematische Spektrum auch dem deutschen Leser zu vermitteln, ohne die häufig spröde und karge Ausdrucksweise des Diaristen zu vereinfachen.</p>



<p>Ihre deutschen Übersetzungen von Flaubert und Stendhal ergänzt Edl durch wichtige Beigaben wie z.&nbsp;B. Stendhals Selbstrezension von <em>Rot und Schwarz</em> oder Balzacs Studie zur <em>Kartause von Parma. </em>Der Anhang zu Edls <em>Madame Bovary</em>-Ausgabe umfasst 200 Seiten mit Baudelaires Lobeshymne auf den Roman, der Übersetzung der Prozessdokumente (die hier zum ersten Mal in deutscher Sprache zu lesen sind), einer Chronik, einem Nachwort zu „Sprache und Übersetzung“ sowie einem Anmerkungsteil, in dem u.a. die Wortwahl an schwierigen Stellen begründet wird. Zu Edls übersetzerischem Œuvre gehören schließlich ihre übersetzungspoetologischen Überlegungen. In mehreren Aufsätzen hat sie ihre Übersetzungsstrategien und -techniken, ihr methodisches Vorgehen und die konkrete translatorische Tätigkeit erläutert sowie ihre übersetzerischen Entscheidungen begründet. Von großer Bedeutung ist in diesem Zusammenhang der (u.a. vom Hanser Verlag mit seiner Reihe <em>Hanser Klassiker Neuübersetzungen</em> benutzte) Begriff bzw. das Konzept der Neuübersetzung. Welche Ansprüche sie konkret an eine Neuübersetzung stellt, hat Edl mehrfach erläutert.</p>



<p>So polemisiert sie gegen Anpassungen an den Zeitgeschmack, an vermutete Wissenslücken der Leser, an das „so modisch wie sinnfreie Kriterium der ‚Lesbarkeit“‘ (Edl 2014: 155), an eine nivellierte Stilnorm, welche die individuellen Stileigenschaften eines Autors unterdrückt. Das Postulat der Verständlichkeit kann leicht dazu führen, dass die Übersetzung bloß moderne Selbstverständlichkeiten zum Verstehen bringt und durch die Wortwahl eine Vertrautheit mit dem Gesagten erzeugt, die nur scheinbar ist. Elisabeth Edel kann der Bezeichnung Neuübersetzung nichts abgewinnen, ist die literarische Übersetzung doch die Beziehung zwischen einem Original (nicht vorhergehenden Übersetzungen) und seiner Übertragung in die Sprache des Übersetzers. Natürlich nimmt Edl Vorgängerversionen zur Kenntnis, „Mais une fois au travail, toutes mes décisions dépendent exclusivement du rapport de ma langue à l’original, et jamais d’une autre traduction.“ (Edl/Oliveira 2017: 552)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="7"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup7">7</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="7">„Aber sobald ich bei der Arbeit bin, hängen alle meine Entscheidungen ausschließlich von der Beziehung meiner Sprache zum Original ab und niemals von einer anderen Übersetzung.“ (Übersetzung: S.K.-L.) </span>Und weiter: „La question du style est l’unique but qui justifie la nouvelle traduction. C’est-à-dire&nbsp; que je me mets au travail uniquement quand l’analyse me donne la certitude de pouvoir arriver dans ma propre langue à un équivalent stylistique de l’original qui jusqu’ici n’a pas existé. Sans cette perspective le travail de traduction pour moi n’a aucun sens“ (Edl/Oliveira 2017: 557).<span class="oes-note oes-popup" data-fn="8"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup8">8</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="8">„Die Frage des Stils ist der einzige Grund, der eine Neuübersetzung rechtfertigt. Das heißt, ich mache mich nur dann an die Arbeit, wenn mir die Analyse die Gewissheit gibt, dass ich in meiner eigenen Sprache ein stilistisches Äquivalent zum Original erreichen kann, das es bisher noch nicht gab. Ohne diese Perspektive macht die Übersetzungsarbeit für mich keinen Sinn.“ (Übersetzung S.K.-L.)</span></p>



<p>Edl formuliert die Erfordernisse für die „Neuübersetzung von Klassikern“ (Edl 2014: 157f.) und die künstlerischen Kriterien einer adäquaten Übersetzung von Sinn und Form des jeweiligen literarischen Werks mit seinen ästhetischen Eigenschaften in die eigene, eigenständige Sprache (Edl 2014: 154), die einen möglichst unmittelbaren Zugang zum Original ermöglicht und die ursprüngliche kulturelle und historische Einbettung des Werkes sichtbar macht (vgl. Edl/ Oliveira 2017: 552f). Sie beginnt deshalb ihre Arbeit immer mit der Lektüre zeitgenössischer Autoren ihres Schriftstellers, so z. B. Stifter, Goethe, Fontane, Hoffmann zu Stendhal oder Fontane, Keller u.a. zu Flaubert. Sie möchte die Eigenarten einer bestimmten Epoche vergegenwärtigen, sprachliche Eigenheiten und Gewohnheiten der Flaubert- oder Stendhal-Figuren in Anlehnung an die deutschsprachige Kultur jener Zeit gestalten, sich sprachlich an den im 19. Jahrhundert in Deutschland geführten Diskursen orientieren. </p>



<p>Edl respektiert den Sprachgebrauch Stendhals, entsprechend werden die unterschiedlichen Ausdrucksweisen und Stileigentümlichkeiten in <em>Rot und Schwarz</em> bei der Übersetzung der vom heutigen Gebrauch abweichenden Anredeformen beibehalten. Edl folgt strikt der französischen Vorlage, indem sie die gesellschaftlichen Konventionen des französischen Textes mit den Graden persönlicher Intimität, formeller Höflichkeit, gesellschaftlicher Distanz bewahrt, so wenn die Herrschaften ihre Dienstboten siezen, um die im Frankreich Stendhals so wichtige gesellschaftliche Hierarchie zu betonen. Auch in <em>Die</em> <em>Kartause von Parma</em> legt Edl für das Vokabular den Sprachstand von Stendhals deutschsprachigen Zeitgenossen zugrunde (vgl. S. 715, Kommentar zur Übersetzung). So wie Goethe und Hoffmann italienische Wörter und Ausdrücke, Namen von Personen und Schauplätzen beibehalten, italianisiert auch Edl z.&nbsp;B. in <em>Die Kartause von Parma</em>: Fabrice wird Fabrizcio, Ranuce Ernest wird zu Ranuccio Ernesto, <em>Madame</em> oder <em>Mademoiselle</em> werden zu <em>Signora</em> und <em>Signorina (S. 553), </em>das franz. <em>Vous </em>für Dienstboten und Untergebene zu <em>Ihr</em> (für ital. <em>Voi</em>) etc.</p>



<p>Die meisten Übersetzungen der großen Romane des 19. Jahrhunderts&nbsp;reflektieren, so Edl, nicht die ästhetischen Eigenschaften des Werkes mit den vieldimensionalen auditiven Nuancen von Rhythmus, Ton, Klang, Wortspielen, der Balance von Wortwahl, klanglicher, assoziativer Schicht und diskursivem Sinn des Textes und geben weder den historischen Sprachstand des Autors noch den des heutigen Lesers wieder (vgl. Edl 2014: 158). Und im Nachwort zu ihrer Übersetzung <em>von Madame Bovary </em>spricht Edl ihren Vorgängern ab, den stilistischen Rang oder gar den ästhetischen Charakter des Romans überhaupt erkannt zu haben. „Das Ziel der Übersetzung ist die möglichst vollkommene, das heißt möglichst restlose Verwandlung, Neuerschaffung des Originals: <em>Dasselbe</em> aber mit anderen Worten“(ebd.: 167). Eine gute „Neuübersetzung“ muss den fremden Text mit seinen im Netz der originalen Sprache verwobenen Wort- und Vorstellungswelten im Deutschen durchscheinen lassen, „zwischen dem Jetzt des Lesers und dem präzisen Damals des Autors“ vermitteln (vgl. Edl/Matz 2022: 116).</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Elisabeth Edls <em>Madame Bovary</em></strong></h2>



<p>2012 erschien im Hanser-Verlag Edls Neuübersetzung von Flauberts <em>Madame Bovary</em>. Die 758 Seiten umfassende Ausgabe enthält neben der Übersetzung (S. 9–451) einen Anhang mit der aufsehenerregenden, in die Zukunft hinein wirkenden Rezension und Lobeshymne Charles Baudelaires auf <em>Madame Bovary</em>, die Prozessdokumente gegen Flaubert, eine Zeittafel zur Biographie Flauberts, sowie ein Nachwort zur Entstehungsgeschichte des Romantextes mit den biographischen, literarischen und werkgeschichtlichen Bezügen, zum Presse- und Leserecho seiner Zeit und der Wirkung auf die Schriftsteller bis heute sowie die Äußerungen Flauberts zu seinem Roman. Eine editorische Notiz informiert über Textgrundlage, eigene Editions- und Übersetzungsprinzipien. Die Übersetzung und die mit ihr verbundenen Anmerkungen und editorischen Notizen erachtet Edl als untrennbare Einheit, die das französische Original im historischen und ästhetischen Kontext verdeutlichen.</p>



<p>Bei der Übersetzung der Flaubert-Texte werden die sprachpaarspezifischen Probleme in Bezug auf Syntax und Lexik besonders deutlich. Ein Unterschied grundsätzlicher Art sind aneinandergereihte Relativsätze, die im Französischen normal, im Deutschen hingegen nicht nur unschön, sondern mitunter sogar missverständlich sind und denen Edl verbundene kurze Hauptsätze vorzieht. Ein Fallstrick ist der Satzbau, da im Französischen die Hauptaussage am Satzende liegt. Besonders problematisch ist daher der deutsche Nebensatz, der mit einem tonlosen Hilfsverb oder Präfix endet, da, wo der französische Satz ein finales, betontes Substantiv oder Verb setzt. Da Flaubert die Wortstellung bewusst gestaltet, markante Wörter ans Ende setzt, folgt Edl dem Prinzip des französischen Satzbaus mit der Endstellung, um das nachklappernde Präfix oder deutsche Hilfsverbklumpen am Satzende zu umgehen.</p>



<p>Dies lässt sich eindrucksvoll demonstrieren am wörtlich wiederholten Schlusssatz der <em>Éducation sentimentale</em>: „C’est là ce que nous avons de meilleur“ (gemeint ist ein zurückliegender Bordellbesuch der Freunde). Die wörtliche Übersetzung „Das war das Beste, was wir gehabt haben“ zerstört die in Rhythmus und der Betonung des Schlussworts durchkomponierte ästhetische Satzkonstruktion. Edl verwandelt den Nebensatz in ein Substantiv und erhält nach syntaktischer Umstellung die Ausdruckskraft des Satzes: „Für uns war’s im Leben das beste!“</p>



<p>Dem Prinzip der Desillusionierung folgt Flaubert am Romanende von <em>Madame Bovary</em> mit der platten, trivialen Aussage über den Apotheker Homais: „Il vient de recevoir la croix d’honneur“. Während alle Vorgängerübersetzungen diesen Schlusssatz des Romans mit einem Verb beenden, akzentuiert Edl die Bedeutung des selbstzufriedenen Apothekers langersehntes Kreuz der Ehrenlegion: „Seit kurzem hat er das Kreuz der Ehrenlegion.“ An unzähligen Stellen in den von ihr übersetzten Texten von Flaubert, versucht Edl daher stets, den am Inhalt und Satzrhythmus orientierten Sinn der Wortstellung nachzubilden. Edl gibt hierzu viele Beispiele in ihren Aufsätzen von 2012, 2014 und 2022.</p>



<p>Und Edl möchte vielleicht dem Flaubertschen Anspruch des „richtigen Wortes“ folgen, wenn sie in <em>Lehrjahre der Männlichkeit</em> – um beim deutschen Leser das Flair und die Aura des 19. Jahrhunderts zu evozieren – französische historische Termini beibehält, deren Bedeutung der deutsche Leser kaum kennen dürfte. Einige dieser Wörter werden daher beim deutschen Leser eben diesen besonderen Eindruck (wahrscheinlich) nicht hinterlassen. So etwa <em>Diener mit Aigretten (</em>Flaubert/Edl 2012: 512), ein historischer Kopfschmuck mit Reiherfedern, <em>Vesuvierinnen</em> (ebd.: 426) für revolutionäre Arbeiterinnen, oder die Boudoir Atmosphäre mit <em>Nargileh </em>‘Wasserpfeife‘ und <em>Magots</em> für groteske chinesische Porzellanfiguren (ebd.: 350) oder Gasthausatmosphäre mit <em>Bischof</em>, einem violetten Mischgetränk (ebd.: 531).</p>



<p>Translatorische Herausforderungen sind zudem sprachliche Eigenheiten in Anspielungen, Wortspielen und Doppeldeutigkeiten. Flauberts radikalen Anspruch, für alles, was er sagen wolle, gebe es nur <em>ein</em> einziges richtiges Wort, <em>einen</em> einzigen richtigen Ausdruck, <em>einen</em> richtigen Satz, möchte Edl gerecht werden, indem sie der ästhetischen Struktur mit der sprachlich stilistischen Sprachgestalt, der bis ins Kleinste durchgestalteten Sprache in Klang, Rhythmus, präziser Wortwahl, Stil und Melodie des Textes in ihrer Übersetzung nachspürt.</p>



<p>Als sich Charles Bovary der Schulklasse vorstellen soll, brüllt er im französischen Original ein schwer verständliches „Charbovari“ und spannt dabei den Wagen als <em>char</em> wortwörtlich vor den Ochsen, den <em>bœuf</em>, als den er sich gleich selbst bezeichnet. Bei Edl blökt der Neue „Schahbovarie“ und macht sich damit zum Schafbock, der in seinem Genuschel anklingt. Ein weiteres Textbeispiel verdeutlicht, wie Edl nicht die lexikalische Wortbedeutung der Tierarten, sondern – um dem ästhetischen Anspruch gerecht zu werden – die ironische rhythmisierte Alliteration des Originaltextes und seine Nuancen als das Wesentliche erkennt. Der französische Satz lautet: „Il causa culture, veaux, vaches, volailles et conseil municipal“, und die Übersetzung verdeutlicht spöttisch die provinzielle Mittelmäßigkeit von landwirtschaftlichen Komitees: „Er hielt Reden über Rapsanbau, Kälber, Kühe und Karnickel oder den Gemeinderat.“ Und wenn Emma beim Essen den Anblick ihres selbstzufriedenen und lange kauenden Gatten fast nicht mehr aushält und die Worte fallen: „Charles était long à manger“, dann staunt man tatsächlich, dass dieser bei René Schickele „mit grossem Appetit“ essen darf. Bei Caroline Vollmann steht korrekter: „Charles ass langsam.“ Edl folgt der rhythmisch-melodischen Klangschicht mit Vokalfolgen und wählt: „Charles ass und ass“, und erst jetzt wird Emmas fast schon gehässiger Blick auf ihn durch die Sprache spürbar, er wird versteckt zum Wiederkäuer.</p>



<p>Im Nachwort-Abschnitt „Zu Sprache und Übersetzung“ (ebd.: 643-653) begründet Edl an ausgewählten Beispielen die Notwendigkeit einer Neuübersetzung und zeigt auf, warum sie immer wieder auf ganz andere Lösungen kommt als die gegen dreißig Interpreten, die das Buch schon vor ihr ins Deutsche übertragen haben:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Der ganze Roman muss Satz für Satz auf seine verschiedenen Bedeutungsebenen hin durchgehört werden. Satz für Satz muss entschieden werden, was den künstlerischen Sinn <em>gerade hier</em>, in jedem Einzelfall trägt: Bedeutung, Wort und Satzklang, Wort und Satzrhythmus, Wortwahl, Sprachregister und so weiter. (Ebd.: 650)</p>
</blockquote>



<p>Im Nachwort zu ihrer Übersetzung <em>von Madame Bovary</em> hält Edl sich nicht zurück mit ihrer vernichtenden Kritik an ihren blassen Vorgängern. Sie erachtet alle bereits existierenden und aufgelisteten ca. 30 Übersetzungen der <em>Bovary,</em> die seit 1858 entstanden sind, durchweg als ungenau, sachlich falsch, unangemessen und sonders unbrauchbar (ebd.: 643f.). „Niederschmetternd“ nennt Edl in einer Nachbemerkung alle Übersetzungen im Vergleich mit Flauberts Maßstäben. Keine Übersetzung „scheint sich der Herausforderung überhaupt bewusst zu sein“. Selbst die besten Übersetzungen „verfehlen die spezifische Qualität ganz und gar“, gewinnen keine eigene Sprache noch beachten sie die Ästhetik des Autors. Deutsche Leser des Romans könnten bisher „weder die hohe Wertung seines stilistischen Ranges nachvollziehen noch überhaupt den ästhetischen Charakter, der diesen Ausnahmerang begründet“. Ein vernichtendes Urteil, das Edl belegt mit Beispielen zu Satzbau, Wortwahl und Sprachebene, Idiomatik sowie Doppelsinn und Wortspiel.</p>



<p>Für ihre Neuübersetzung der <em>Madame Bovary</em> hat Edl sehr viele, oft geradezu panegyrische Kritiken im Feuilleton bekommen: „Großartige Übersetzung“. „Aber die mit Abstand genaueste und schönste Übersetzung ist ihr schon geglückt.“ (Andreas Isenschmid, Die Zeit, 6. Dezember 2012). „Die Übersetzerin Elisabeth Edl hat die Herausforderung mit ihrer kunstvollen Neuübersetzung bravourös bewältigt.“ „Der Sprachmeister hat in Elisabeth Edl seine kongeniale Übersetzerin gefunden“ (Edi Zollinger, Neue Zürcher Zeitung, 31. Oktober 2012). „Ihre volle Schönheit entfaltet diese Übersetzung aber im Bau, in der Melodie und im Rhythmus der Sätze, bis hin in die verborgene Semantik der Wortstellung.“ (Andreas Isenschmid, Die Zeit, 6. Dezember 2012). „Eine wunderschöne, wunderbar lesbare Übersetzung. Und ein Buch, das frühere Ausgaben sichtlich überragt.“ (Denis Scheck, Die Welt, 15. Mai 2017) „Dank der neuen <em>Madame Bovary</em> wird Flaubert erstmals auch auf Deutsch als Sprachkünstler erlebbar.“ (Stefana Sabin, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag, 28. Oktober 2012). „Elisabeth Edl findet in ihrer Übersetzung einen Ton, der Flauberts beißende Ironie, die manchmal grob, dann wieder sehr versteckt sein kann, überzeugend trifft“ (Georg Oswald, Frankfurter Allgemeine Zeitung|, 16. Dezember 2012).</p>



<p>Seit 1998 übersetzt Edl das Werk von Patrick Modiano, der 2014 den Literaturnobelpreis erhielt „für seine Erinnerungskunst<strong>,</strong> mit der er die unfassbarsten menschlichen Schicksale heraufbeschworen hat und die Lebenswelt der Besatzungszeit enthüllte“. Die Stadt Paris spielt (<em>Unfall in der Nacht</em>) eine zentrale Rolle in seinen Schriften, luftig und leicht beschriebene Erinnerungen an die Jugend, an seine Zeit als junger Mann und angehender Schriftsteller in Paris (<em>Die Tänzerin),</em> das Nachkriegsparis (<em>Aus tiefstem Vergessen</em>), das Paris der sechziger Jahre (<em>Gräser der Nacht</em>), die Welt der Pariser Bohème (<em>Im Café der verlorenen Jugend</em>), Stimmungen (<em>Stammbaum</em>). Das obsessive namentliche Aufzählen und Beschreiben von Orten, Straßen, Plätzen, Bars, Kirchen und sogar von konkreten Personen, alten Telefonnummern und Straßenadressen, ebenso wie die präzisen Angaben historischer Fakten, vermischen sich mit Träumen oder geheimnisvoller Vergangenheit der Personen <em>(Schlafende Erinnerung</em>). Modiano gesteht: „Ich erfinde nichts. Alle Personen, von denen ich spreche, haben gelebt. Ich treibe die Genauigkeit sogar so weit, sie mit ihrem richtigen Namen zu nennen.“ Elisabeth Edl gelingt in präzis-protokollarischer Ausdrucksweise sowohl die Pariser Stadtlandschaft in knapper, klarer, ja schlichter Sprache und mit topographischer Genauigkeit zu vergegenwärtigen, als auch den fließenden Rhythmus der französischen Texte zu bewahren, den das Gehen und das Tempo der Spaziergänge im minutiös beschriebenen Paris bestimmt. Sie trägt dem eleganten Fluss des französischen Textes und dessen ästhetischer Wirkung stilistisch Rechnung mit harmonischem, symmetrischem Satzbau, rhythmischem Gleichmaß und dem meditativen Legato, das wir mit Modianos Romanen verbinden.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><strong>Fazit</strong></h2>



<p>Die mehrfach preisgekrönte Übersetzerin Elisabeth Edl wird ihrem Anspruch gerecht, die Besonderheiten, die ästhetische Einmaligkeit, den Ton, aber auch die Diskursstruktur der Originaltexte einzufangen. Ihre Übersetzungen komplexer literarischer Werke überzeugen durch ihren einerseits präzisen und andererseits freien und kreativen Umgang mit der Zielsprache Deutsch. Es gelingt Edl die Stimmung, das Gefühl, das Leben und die jeweilige Welt der Originaltexte erlebbar zu machen.</p>



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		<title>Poestion, Josef Calasanz</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 26 Oct 2024 08:07:13 +0000</pubDate>
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		<title>Goyert, Georg</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/goyert-georg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Oct 2024 17:25:16 +0000</pubDate>
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