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	<title>Erotische Literatur &#8211; UeLEX</title>
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	<description>Germersheimer Übersetzerlexikon</description>
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		<title>Ebener, Dietrich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Mar 2026 19:26:46 +0000</pubDate>
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		<title>Molvig, Kai</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/molvig-kai/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Aug 2025 18:27:15 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Kai Molvig war Tänzer und Pianist, bevor er Anfang der 1960er Jahre Übersetzer wurde. Er übersetzte etwa zwanzig Jahre lang vor allem amerikanische Autoren und Autorinnen und war, wie er selbst sagte, im Verlagsgeschäft als Übersetzer für Anzügliches bekannt. Kai Molvig kam am 3. Mai 1911 als Johannes Jakobus Molvig in Riga zur Welt. Sein [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Kai Molvig war Tänzer und Pianist, bevor er Anfang der 1960er Jahre Übersetzer wurde. Er übersetzte etwa zwanzig Jahre lang vor allem amerikanische Autoren und Autorinnen und war, wie er selbst sagte, im Verlagsgeschäft als Übersetzer für Anzügliches bekannt.</p>



<p>Kai Molvig kam am 3. Mai 1911 als Johannes Jakobus Molvig in Riga zur Welt. Sein norwegischer Vater Alf war 1896 siebzehnjährig aus Oslo nach Riga gekommen und machte dort als Holzhändler bei der bedeutenden niederländischen Holzexportfirma Fijn van Draat Karriere. Die Familie Fijn van Draat war wohlhabend, ihre Rigaer Gründerzeitvilla steht heute unter Denkmalschutz. 1904 heiratete Alf Molvig Agneta Fijn van Draat, die in Riga geborene Tochter seines Chefs. Das Paar hatte drei Söhne, Kai war der jüngste. Alf war angesehen und offenbar finanziell sehr erfolgreich, er war auch norwegischer Konsul. 1923 verstarb er, nur 44-jährig, vermutlich blieb seine Witwe mit den Söhnen in Riga. Der Verleger Heinrich Maria Ledig-Rowohlt, der Kai Molvig sehr gut kannte, erwähnte allerdings, dieser sei „mehrsprachig aufgewachsen, zuerst in Riga, später in Norwegen und dann in den Niederlanden“ (<a href="https://uelex.de/uebersetzer/heinrich-maria-ledig-rowohlt/" data-type="uelex_article" data-id="2007359">Ledig-Rowohlt</a> 1981).<span class="oes-note oes-popup" data-fn="15"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup15">15</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="15">Diese Aufenthalte in Norwegen und in den Niederlanden werden nur von Ledig-Rowohlt erwähnt. Kais Bruder Helge gab Ende 1945 in einem Meldeformular an, seit 1927 in Deutschland zu leben. Seine Mutter kehrte in die Niederlande zurück. Sie wurde 1957 wieder eingebürgert und starb 1961 in Utrecht. Kai Molvig unterhielt offenbar auch Kontakte zu seiner norwegischen Familie, 1981 musste er „plötzlich aus traurigem Anlaß“ dorthin. Diese familiären Kontakte erlauben den Schluss, dass er zeitlebens Norwegisch und Niederländisch beherrschte.</span> Berthold Forssman, Experte für Lettland und die lettische Sprache, hält es für wahrscheinlich</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>dass die Eltern Deutsch zumindest beherrschten und vermutlich auch in eine Kirche mit deutschen Gottesdiensten gingen, d. h. sich einer deutschen Gemeinde anschlossen. [&#8230;] Vielleicht haben die Eltern sogar miteinander Deutsch gesprochen, wie binationale Paare heute manchmal Englisch als Drittsprache sprechen. (E-Mail, 6. Juni 2025.)</p>
</blockquote>



<p>Tatsächlich gehörte die Familie der Reformierten Kirche an, die „vor allem Einwanderern aus den Niederlanden und anderen Calvinisten als Gotteshaus“ diente.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="16"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup16">16</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="16">So die Information unter dem Stichwort Reformierte Kirche in einem Online-Reiseführer Riga. </span>1929 machte Kai – der damals noch „Hans“ hieß – am dortigen deutschsprachigen Neuhumanistischen Gymnasium das Abitur, ein letztes Mal tauchte er im folgenden Sommer mit einer bestandenen Buchhaltungsprüfung in einer Rigaer Zeitung auf.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="17"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup17">17</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="17">Diese und weitere Informationen über die Familie Molvig in den Rigaer Jahren stammen aus verschiedenen Rigaer Zeitungen.</span> Anfang der 1930er Jahre zog er nach Berlin, ob direkt aus Riga, ist ungewiss, und absolvierte eine Tanzausbildung in der Ballettschule von Tatjana und Victor Gsovsky. Es folgten Solotänzer-Engagements, 1935 bis 1938 in Mainz, bis 1941 in Düsseldorf, danach in Essen und schließlich München. Spätestens seit dem Mainzer Engagement trug er den androgynen Künstlernamen Kai Molvig (Sator 2020: 839). In den 1930er Jahren lernte er den Schauspieler Charles Regnier kennen, mit dem er ein Leben lang eng verbunden blieb. Anatol Regnier schrieb: „Ob mein Vater und er ein richtiges Verhältnis hatten, weiß ich nicht, aber irgendwie gehörten sie zusammen, als ob sie sich entschieden hätten, füreinander da zu sein“ (Regnier 2024: 309). 1941 heiratete Charles Regnier <a href="https://uelex.de/uebersetzer/wedekind-pamela/" data-type="uelex_article" data-id="11590">Pamela Wedekind</a>, das Paar lebte ab 1942 mit Molvig in einer gemeinsamen Wohnung in München. Es sei „ein Dreierverhältnis, aber kein Dreiecksverhältnis“ gewesen, schreibt Armin Strohmeyr, eine Ménage-à-trois, die sie „etliche Jahre lang durchaus harmonisch führen“ (Strohmeyr 2020: 328). Darüber, wie der homosexuelle Molvig die Jahre des Nationalsozialismus in Berlin und den erwähnten anderen deutschen Großstädten er- und überlebt hat, ist nichts bekannt.</p>



<p>Nach dem Kriegsende trat er kaum noch als Tänzer auf und begann, als Pianist und Komponist zu arbeiten (Sator 2020: 839). Er begleitete Pamela Wedekind bei ihren Bühnenauftritten und „vertont in ihrem Auftrag Gedichte von Brecht, Walter Mehring und anderen&#8220;. (Regnier 2024: 259) Bei den Auftritten beeindruckte er nicht nur als Pianist: „Kai Molvig begleitete; etwas salopp, Salonstil, sehr weich und mit viel rhythmischem Empfinden. Ansonsten hätte man sich vielleicht die Adresse seines Schneiders aufnotieren sollen“ (Weick 1949). Der Komponist Hans Werner Henze nannte ihn „den Beau“ (Henze 1996). Anatol Regnier verehrte ihn und wollte als junger Mann „so elegant und lässig“ sein wie er, beschreibt ihn aber auch als „einen melancholischen Menschen, traurig, nie fröhlich. Sehr witzig.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Privat war der schlanke und zierliche M., der seine Umwelt durch Originalität und Witz beeindruckte, ein Eigenbrötler, Spötter und Skeptiker, unsicher, schüchtern, scheu und sehr empfindsam. Er wirkte verschlossen und war oft sehr deprimiert, öffnete und entfaltet sich aber in intelligenten komischen und selbstironischen Briefen. (Sator 2020: 840)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="18"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup18">18</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="18">Klaus Sator beruft sich auf <a href="https://uelex.de/uebersetzer/frielinghaus-helmut/" data-type="uelex_article" data-id="11614">Helmut Frielinghaus</a> und Anatol Regnier, dankt ihnen für „weiterführende Informationen“ zu Molvig.</span></p>
</blockquote>



<p>Nach dem Krieg begann er schwerhörig zu werden. Er musste eine neue Einkommensquelle finden und begann Ende der 1950er Jahre beruflich zum dritten Mal neu: Er wurde Übersetzer. Die Gründe sind nicht bekannt, aber es gibt Hinweise. Der Gedanke war vermutlich naheliegend, weil Charles Regnier und <a href="https://uelex.de/uebersetzer/wedekind-pamela/" data-type="uelex_article" data-id="11590">Pamela Wedekind </a>nebenberuflich aus dem Französischen übersetzten, Regnier Theaterstücke, Wedekind Belletristik (Brüning 2020). Zudem war Molvig mehrsprachig, er hatte im Elternhaus Norwegisch und Niederländisch und in Riga Lettisch und Russisch gelernt, er sprach ein geschliffenes Deutsch, das seine baltische Herkunft verriet. Wie er sein hervorragendes Englisch erworben hatte, ist leider nicht bekannt. Er war nie in den USA und vermutlich auch in keinem anderen englischsprachigen Land (Allers 2008: 65). Er war, wie Regnier betonte, unendlich belesen, ein sehr kritischer Leser und ein hervorragender Stilist, besaß eine große Bibliothek, schätzte und verehrte Thomas Mann, Fontane und Stifter (Regnier: 2025). In seiner „Mehrsprachigkeit und im ständigen Umgang mit künstlerischen Ausdrucksformen“, so <a href="https://uelex.de/uebersetzer/heinrich-maria-ledig-rowohlt/" data-type="uelex_article" data-id="2007359">Ledig-Rowohlt</a>, „liegen Anfang und Fundament dessen, was sich später, in der zweiten Hälfte seines Lebens, in einer neuen Laufbahn, im Umgang mit Sprache, fortsetzte“ (Ledig-Rowohlt 1981).</p>



<p>Alle, die mit ihm zu tun hatten, erwähnen, dass er Handarbeiten liebte. „Er strickte, häkelte und knüpfte und tat das auch in der Gegenwart ihm vertrauter Menschen“ (Sator 2020: 840); bei Ledig-Rowohlts Arbeitstreffen „häkelte Kai Molvig, der Selby-Übersetzer, abends beim Rotwein zierliche weiße Topflappen“ (Frielinghaus: 2008); Anatol Regnier erwähnt zahllose Strickarbeiten mit komplizierten, vielfarbigen Mustern.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="19"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup19">19</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="19">Mitteilung von Anatol Regnier, Telefongespräch 3. Mai 2025.</span> Diese Kompetenz ist für das Übersetzen durchaus relevant, denn anspruchsvolle Handarbeiten lehren vorausschauende Planung, äußerste Detailgenauigkeit und Frustrationstoleranz.</p>



<p>Um an Aufträge zu kommen, ergriff er die Initiative. Erhalten ist ein handschriftlicher Brief an den Insel-Verleger Fritz Arnold vom November 1960, in dem er <em>A Legacy</em> von Sybille Bedford zur Übersetzung vorschlug und eine dreiseitige Übersetzungsprobe beilegte.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Mrs. Bedford wäre damit einverstanden. Wenn es Ihnen nicht gefällt – hätten Sie dann vielleicht gelegentlich etwas Anderes für mich? Vorausgesetzt natürlich, daß Sie meine Übersetzungen „in Ordnung“ finden. (Insel Verlagsarchiv, DLA)</p>
</blockquote>



<p>Arnold fand sie „sehr brauchbar“, doch das Buch passe nicht zu Insel (ebd.). Die erste Übersetzung, die der Katalog der Deutschen Nationalbibliothek für ihn verzeichnet, ist der Roman <em>Meine Kinder essen Torf</em> des Niederländers Toon Kortooms, der 1961 im Rex-Verlag erschien. Wie es dazu kam, ist nicht bekannt, möglicherweise hatte Molvig persönliche Kontakte zu der in München ansässigen Niederlassung des Schweizer Verlags. Auch seine zweite und dritte Übersetzung waren Kortooms-Romane, danach übersetzte er nur noch aus dem Englischen, und zwar vorwiegend zeitgenössische amerikanische Autoren und Autorinnen. Die ersten Übersetzungen für Rowohlt waren 1967 Terry Southern <em>Candy oder die sexte der Welten</em> und 1968 Hubert Selby <em>Letzte Ausfahrt Brooklyn</em>. Im Juni 1968 schrieb der Rowohlt-Lektor Fritz Raddatz an Molvig, seine Arbeit an den Marginalientexten</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>für den Selby [ist] wie alle Ihre Arbeiten wieder ganz ausgezeichnet, und ich stimme auch mit Ihnen überein, daß es sicherlich richtig ist, diesen Text – wie Sie sagen – „nicht auf Edeldeutsch zu trimmen&#8220;. (Rowohlt Verlagsarchiv, DLA)</p>
</blockquote>



<p>Nachdem er für Rowohlt drei Titel übersetzt hatte, bot ihm der Verlag 1968 einen fünfjährigen<strong> </strong>„Ausschließlichkeitsvertrag&#8220; an: Er würde exklusiv für den Rowohlt Verlag übersetzen und dafür ein monatliches Fixum von DM 875 erhalten; Ledig-Rowohlt erhöhte die „Monatsrate ab 1.1.72 auf DM 1.250&#8243;.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="20"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup20">20</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="20">Eine solche de facto-Anstellung eines Übersetzers war und ist im (west)deutschen Verlagsgeschäft sehr unüblich, aber nicht einzigartig. Zu den bekanntesten Fällen zählen <a href="https://uelex.de/uebersetzer/koenig-traugott/" data-type="uelex_article" data-id="11615">Traugott König</a>, der vom Rowohlt Verlag für die Sartre-Übersetzungen einen Anstellungsvertrag mit einem Lektorengehalt erhielt, sowie Hans Wollschläger, dem der Suhrkamp-Verlag während der (langjährigen) Arbeit an James Joyce‘ <em>Ulysses</em> ein monatliches Fixum zahlte.</span> Vereinbart wurde auch, dass Molvig die Übersetzungen auf Band sprechen und diese Tonbänder an den Verlag schicken würde, der sie dann (auf&nbsp;Verlagskosten) von einer Typistin abschreiben ließ. Die sich daraus ergebenden Probleme mit der Bereitstellung und der Kompatibilität von Diktiermaschinen, Abspielgeräten und Bändern waren in den Vertragsjahren Gegenstand zahlloser Briefe. &nbsp;</p>



<p>Molvig bat häufig darum, das Lektorat nicht brieflich, sondern „im Team“ zu machen. Der damalige Rowohlt-Lektor <a href="https://uelex.de/uebersetzer/frielinghaus-helmut/" data-type="uelex_article" data-id="11614">Helmut Frielinghaus</a> erklärte, es habe</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>in fast jedem Programm Bücher [gegeben], auf deren Übersetzung Ledig selbst Einfluss nehmen wollte. In solchen Fällen zog er sich mit einem „Team“ – dem Leiter der Übersetzungsabteilung und dessen Assistentin, dem Übersetzer, wenn der dabei sein sollte, oder einem weiteren Lektor und seiner Frau, Jane – für drei, vier Tage, manchmal auch für eine ganze Woche in einen entlegenen Gasthof in Schleswig-Holstein oder in der Lüneburger Heide zurück, zur Arbeit „an der Front“, wie er den Geschäftsführern versicherte, wenn die über seine langen Abwesenheiten oder über die, wie sie fanden, überflüssige Geldausgabe stöhnten. (Frielinghaus 2008: 10)</p>
</blockquote>



<p>1971 bat Molvig Ledig-Rowohlt</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>für diesen SELBY um ein Team. Ich glaube, daß einige Partien mir gut gelungen sind, bei anderen bin ich unsicher. Es sind so viele „Ermessensfragen“ drin &#8211; was der Autor mit diesem und jenem sagen will – dazu die pausenlose Verwendung des Wortes „Scheiße“ (pardon), das sich ja bekanntlich in den meisten Fällen als einziges für das <em>pausenlose</em> „fucking“ anbietet, dazu die Frage, ob man die schier endlosen Wiederholungen wirklich so stereotyp mitmachen, oder nicht doch einiges streichen soll, etc. etc. (Rowohlt Verlagsarchiv, DLA)</p>
</blockquote>



<p>Ebenfalls 1971 schrieb er über John Updikes <em>Rabbit redux</em>: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Dieses Buch wirft für mich ziemlich neue Probleme auf. Ich verstehe <em>so</em> vieles nicht (d. h. endlose Recherche, die ich so liebe) und man sollte wohl längere Zeit in Amerika gewesen sein, um es zu übersetzen. (Ebd.)</p>
</blockquote>



<p>Die Übersetzung erschien 1973 als <em>Unter dem Astronautenmond</em>. Mit dem schriftlichen Lektorat dieses Romans war er sehr unzufrieden. Als Frielinghaus ein „Team“ für Eudora Welty <em>An Optimist’s Daughter</em> als zu aufwändig ablehnte, protestierte er:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Es hat sich bei UPDIKE eindeutig herausgestellt, daß dieser Weg für mich wenig taugt. Das war auch Frau Hohlweins Meinung und wir beschlossen, damals, es nicht noch einmal so zu machen. Es bleibt zu viel offen, auch bei einem relativ kurzen Buch. Von mir wird dann erwartet, daß ich ad hoc eine neue Lösung finde, wenn ein Änderungswunsch besteht, ich weiß von dieser eventuellen neuen Lösung nicht, ob sie Beifall findet usw. usf. (Ebd.)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="21"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup21">21</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="21">Liselotte Hohlwein war viele Jahre Assistentin der Übersetzungsabteilung.</span></p>
</blockquote>



<p>Bei <em>An Optimist’s Daughter</em> bat Molvig Ledig-Rowohlt, zwei Gedichte zu übersetzen, die Welty in dem Buch zitiert. Er, Molvig, könne sie nicht übersetzen, was er nicht erklärt, die Gründe scheinen allen Beteiligten bekannt. Ledig-Rowohlt übersetzte die Gedichte, wird aber im Buch nicht genannt.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="22"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup22">22</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="22">Die Autoren sind William Holmes McGuffey (1800-1873) und Robert Southey (1774 –1843). <em>Die Tochter des Optimisten</em>, Rowohlt 1973.</span></p>



<p>Das Verhältnis zwischen ihm und Molvig war von gegenseitiger Zuneigung geprägt. Anatol Regnier erinnert sich an Molvigs Bemerkung, dass „Ledig ihn sehr gemocht“ habe.</p>



<p>Molvig wusste offenbar genau, was er konnte – und was nicht. 1973 lehnte er John Gardners <em>The Sunlight Dialogues</em> ab, weil es</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>zu viele „mir“ unverständliche Amerikanismen und Americana (gleichbedeutend mit schier endlosen Recherchen, die mich immer ganz fertigmachen) [enthält], zu viel Assoziationswirrsal, die hin und wieder alles oder nichts bedeuten kann und somit <em>jeder</em> Interpretation offen steht. (Rowohlt Verlagsarchiv, DLA)</p>
</blockquote>



<p>Auch Ledig-Rowohlts Versicherung, man könne doch die Schwierigkeiten vielleicht gemeinsam lösen, vermochte ihn nicht umzustimmen.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="23"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup23">23</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="23">Der Roman erschien 1977 in der Übersetzung von Hermann Stiehl unter dem Titel <em>Der Ruhestörer oder die Gespräche mit dem Sonnen-Mann</em>.</span></p>



<p>Im Laufe der Jahre erwähnte er mehrfach einen „Amerikaner“, der ihm half. Wie das vergütet wurde, bleibt offen. Einmal bestätigte der Verlag, 500 DM gezahlt zu haben, und fragte Molvig, ob man ihm für einen ungewöhnlich hohen Arbeitsaufwand statt eines zusätzlichen Honorars Bücher im Wert von 100 Mark anbieten könne. Gelegentlich kontaktierte der Verlag per Telex eine Kontaktperson in New York, um unbekannte Ausdrücke zu klären.</p>



<p>Der im Dezember1968 geschlossene Exklusivvertrag endete im Oktober 1973. Im Januar 1974 bat Molvig den Verlag um drei Monate Urlaub. Frielinghaus informierte Kurt Busch, den Geschäftsführer für Finanzen und Verwaltung, dass Ledig-Rowohlt dem bei halbem Monatsgehalt zustimme, und fuhr fort:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Grundsätzlich sind wir nicht daran interessiert, Herrn Molvig noch auf längere Zeit durch einen Exclusivvertrag an uns zu binden, da es bei der Verlagerung der Schwerpunkte des Verlagsprogramms immer schwieriger wird, ihm die entsprechenden Aufträge in genügendem Umfang zu geben und wir Herrn Molvig andererseits nicht als Sachüberübersetzer heranziehen können. (Rowohlt Verlagsarchiv, DLA).</p>
</blockquote>



<p>Man werde den Vertrag zum 30. &nbsp;April 1975 auslaufen lassen. Das teilte er Molvig wenig später mit und versuchte auch, ihn zur Übersetzung anderer Bücher sowie dazu zu bewegen, seine Manuskripte künftig selbst zu tippen. Das wollte er keinesfalls: „Solange Herr Ledig mir dieses Entgegenkommen bezüglich der Herstellung meiner Manuskripte nicht entzieht, kann ich nicht darauf verzichten“, worauf Frielinghaus etwas schmallippig richtigstellte, es handele sich „um ein Entgegenkommen des <em>Verlages</em>“ (Ebd.). Tatsächlich erwähnte Molvig häufig, wie erbärmlich er Maschine schrieb, Anatol Regnier erinnerte sich:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Er arbeitet gewissenhaft, setzt sich selbst unter Druck, vertippt sich oft und kämpft mit Tipp Ex und zusammengeklebten Manuskriptseiten. (Regnier 2024: 263)</p>
</blockquote>



<p>Nach sechs Jahren und zwölf Titeln beendete der Verlag den Vertrag zum 30. April 1975 mit den Worten: „Wir hoffen, dass sich auch danach noch hin und wieder Gelegenheit zu einer Zusammenarbeit bietet.“ Tatsächlich übersetzte er „auch danach noch hin und wieder“ für Rowohlt; im Sommer 1977 flehte Ledig-Rowohlt ihn geradezu an, den „neuen Selby“ zu übernehmen, man sei bereit, dafür das geplante Erscheinungsdatum zu verschieben. Molvig nutzte die Gunst der Stunde und bat um die Veränderung der Nebenrechtsklausel „wie die bei Fischer für Jong“: „Der Übersetzer erhält von der 2. Auflage der hardcover-Ausgabe an 1% des verkauften und bezahlten Exemplars [sic].&#8220; Ledig-Rowohlt versuchte es mit dem Angebot, „Sie nach 10.000 verkauften Exemplaren mit 1% vom Warenwert zu beteiligen.“ Als Molvig beharrte, ging er „nur für diesen Vertrag“ darauf ein (Rowohlt Verlagsarchiv, DLA).</p>



<p>In den Jahren des Vertrages erhielt Molvig ein außergewöhnlich hohes Honorar von 25&nbsp;DM pro Normseite. Als Frielinghaus 1979 bei erneuten Honorarverhandlungen geltend machte, das sei „das höchste Übersetzerhonorar, das wir zahlen“, antwortete Molvig: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Ich weiß, daß ich gut bezahlt werde, im Rahmen des Üblichen. [&#8230;] Trotzdem werde ich mich bis zur Bahre nicht damit abfinden, daß der Stundenlohn meiner Putzfrau (die ich mir einmal im Monat leiste, da ich es allein nicht mehr schaffe) den meinen übersteigt. Ebensowenig, wie damit, daß alle Verlage so tun, als gäbe es keine Geldentwertung. (Ebd.)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="24"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup24">24</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="24">In diesem Brief fragt er auch spöttisch, ob Frielinghaus behaupten wolle, dass sich Dieter E. Zimmer für seine Nabokov-Übersetzung mit weniger als 25 DM zufriedengebe. Frielinghaus musste einräumen, dass das nicht der Fall war.&nbsp;</span></p>
</blockquote>



<p>Wegen des Lektorats von Selbys <em>Dämon</em> kam es 1980 zwischen Frielinghaus und Molvig zu einem im Ton ungewöhnlich scharfen Briefwechsel. Molvig fand das Lektorat einer „freien Mitarbeiterin“ furchtbar, sie habe eine Tendenz zu „Banalisierung und Simplifizierung&#8220;, was ihn so verbitterte, dass er den Brief mit dem Vorschlag schließt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Lassen Sie alles so, wie von Frau Schmidt geändert, und nennen Sie eine fiktive Person als Übersetzer. Das würde Zeit und Geld sparen und täte niemandem weh. Von meiner Person will ich in diesem Zusammenhang schweigen. (Ebd.)</p>
</blockquote>



<p>Frielinghaus reagierte sehr verärgert, wofür er sich wenig später entschuldigte. Auch Molvig ruderte zurück: „Ich wollte Sie meinerseits nicht verletzen. Das <em>will</em> ich, glaube ich, nie. Da ich es aber getan habe, bitte ich Sie herzlich um Entschuldigung.&#8220; (Ebd.)</p>



<p>In den Rowohlt-Jahren hatte Molvig sich im Verlagsgeschäft, wie er einer Lektorin sagte, einen Namen als Übersetzer für Anzügliches gemacht.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="25"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup25">25</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="25">Gespräch mit Ursula Köhler, 6. Mai 2025. </span>In einem privaten Gespräch sagte er einmal amüsiert: „Ich übersetze gerade wieder ein besonders schweinisches Buch.“ <span class="oes-note oes-popup" data-fn="26"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup26">26</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="26">Mitteilung von Anatol Regnier, Telefongespräch 3. Mai 2025. </span>Vielleicht deswegen bot ihm der Fischer Verlag die Übersetzung des Skandalbuches <em>Angst vorm Fliegen</em> von Erica Jong an, das 1976 erschien. Anatol Regnier erwähnt, die damalige Fischer-Lektorin Ursula Köhler habe sich zum 45. Jubiläum von <em>Angst vorm Fliegen</em> an einen Brief Kai Molvigs erinnert,</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>der mit „Sehr geehrte gnädige Frau“ begann und ihr dann alle Fehler auseinandersetze, die sie seiner Meinung nach bei der Redaktion gemacht habe. Sie habe viel dabei gelernt, meint sie, geradezu ein Schlüsselerlebnis sei das gewesen. (Regnier 2024: 263f.)</p>
</blockquote>



<p>Köhler hatte das Buch als junge, unerfahrene Lektorin auf den Tisch bekommen, weil ihre männlichen Kollegen damit nichts zu tun haben wollten. Sie bemühte sich, „das Buch ins Bürgerliche zu lektorieren“, was Molvig nicht duldete. In dem erwähnten, ausführlichen, sehr höflichen und liebeswürdigen Brief habe er Verständnis für ihre Situation gezeigt, sie aber ganz grundsätzlich korrigiert: Schweinisches, schrieb er wörtlich, müsse man schweinisch übersetzen. Köhler war von dem Brief so begeistert, dass sie ihn ans Schwarze Brett hängte (Köhler 2025).</p>



<p>Molvig war seit 1971 Mitglied im Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke, VdÜ, 1981 wurde er der zweite Träger des Hieronymusrings.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="27"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup27">27</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="27">„Im Jahr 1979, als es außer dem <a href="https://uelex.de/uebersetzerpreise/johann-heinrich-voss-preis/">Johann-Heinrich-Voß-Preis</a> sowie dem <a href="https://uelex.de/uebersetzerpreise/helmut-m-braem-uebersetzerpreis/">Helmut-M. Braem Preis</a> noch keine weiteren Übersetzerpreise gab, und Ledig die langjährige Rowohlt-Übersetzerin Susanna Brenner-Rademacher ehren wollte, kam er zusammen mit seinem Lektor Helmut Frielinghaus auf die Idee, nach dem Vorbild des Iffland-Rings, mit dem Schauspieler für besondere Leistungen geehrt werden, einen Übersetzerring zu stiften. Der Ring wurde nach dem Schutzheiligen der Übersetzer, dem Heiligen Hieronymus, benannt und sollte unter den Übersetzern selbst weitergereicht werden. Eine Dotierung war nicht vorgesehen. Der Übersetzerin Susanna Brenner-Rademacher wurde der Ring in einer feierlichen Zeremonie in Anwesenheit des Verlegers, des Lektors und von Ursula Brackmann überreicht.“ (Höbel/Kelletat 2023) Zweiter Stifter war der Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke, VdÜ. Der eigens angefertigte Ring wird für die Dauer von zwei Jahren verliehen. Der Preisträger, bzw. die Preisträgerin soll ihn an jemanden weitergeben, der oder die „wie sie im verborgenen wirkt und nach ihrer Ansicht zu Unrecht nirgends preisgekrönt wurde“.</span> Der Preis war 1979 anlässlich des 80. Geburtstags der Englisch-Übersetzerin Susanna Brenner-Rademacher gestiftet worden. Sie war auch die erste Preisträgerin, verstarb aber, bevor sie ihn weitergeben konnte. In einem Brief an Molvig verriet Frielinghaus, wie es dazu kam, dass der Ring an ihn ging: „Die Idee, daß Sie den Preis nun tragen sollen, ist von den Übersetzern, ich nehme an Frau Brackmann und Herrn Birkenhauer, gekommen.“ Molvig bedauerte, nicht zur Verleihung nach Bergneustadt reisen zu können. „Diese Anerkennung meiner Arbeit hat mir wohlgetan“, aber seine „leidige Harthörigkeit“ mache „ein Zusammensein mit Menschen in größerem Kreis einfach sinnlos“ (Rowohlt Verlagsarchiv, DLA).</p>



<p>In seiner Laudatio nannte Ledig-Rowohlt „den Einsiedler in München“ einen „genauen Beobachter, der über die Unvollkommenheit der Welt und der Menschen, seine eigene Person eingeschlossen, die bissigsten und witzigsten Kommentare abzugeben weiß“. Er erwähnte seine Schwerhörigkeit, „die ihn auf eine besondere Weise hellhörig zu machen scheint“, rühmte seine Kenntnis der Welt und seine „natürliche künstlerische Phantasie, die durch die Jahre der Zurückgezogenheit offenbar noch verstärkt wurde“ (Rowohlt Verlagsarchiv, DLA; vgl. Wenke 1982).</p>



<p>Molvig gab den Ring 1983 an Inge von Weidenbaum und Christine Koschel für deren Übertragung des Theaterstücks <em>Antiphon</em> von Djuna Barnes.</p>



<p>Zwischen 1960 und 1980 übersetzte er dreißig Titel, vor allem amerikanische Autoren wie Philip Roth, Hubert Selby, James Baldwin, John Updike, Eudora Welty, Tennessee Williams, Erica Jong. Er übersetzte auch Theaterstücke und Sachtexte, in den 1970er Jahren arbeitete er mindestens einmal für den deutschen <em>Playboy</em>. Seine vermutlich letzten Arbeiten waren 1981 Michael Korda, <em>Immer nur vom Feinsten</em>, für Piper, und Hubert Selby, <em>Requiem für einen Traum</em>, für Rowohlt.</p>



<p>Seine Übersetzungen wurden auch Jahre nach Erscheinen noch geschätzt. Als 2009 Philip Roths <em>Portnoys Beschwerden</em> in der Neuübersetzung von Werner Schmitz erschien, warfen einige Rezensenten einen Blick in die Molvig-Übersetzung von 1970. In der <em>Süddeutschen Zeitung</em> hieß es, es sei „einfach eine Freude, gleich zwei gute Übersetzungen von Roths ebenso komischen wie obszönen Roman zur Auswahl zu haben“ (Müller 2009), der Rezensent der <em>Frankfurter Allgemeinen Zeitung</em> hielt die Neuübersetzung für „eine Spur genauer“ und stilistisch oft für etwas besser; im Blick auf die Wortspiele und den „frechen kolloquialen Ton“ des Originals komme die Neuübersetzung allerdings nicht an die alte Fassung heran (Koppenfels 2009). Der Schriftsteller, Literaturkritiker und Übersetzer Jan Wilm besprach 2015 die Neuauflage des Romans <em>Die Preisgabe</em>, noch zehn Jahre später rühmt er „die Übersetzung von James Purdy durch Molvig [als] sehr gut, zärtlich, sanft, lyrisch, sehr gut lesbar“ (E-Mail, Mai 2025).</p>



<p>Die bislang letzte Neuübersetzung eines Molvig-Titels ist Erica Jongs <em>Angst vorm Fliegen</em>. Sie stammt von Lilian Peter und war 2025 für den Leipziger Buchpreis nominiert. Peter schreibt in ihrem Nachwort:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Hätte eine Übersetzerin 1976 noch den Ausdruck „Weib“ benutzt? Haben Frauen je davon gesprochen, „eine Nummer [zu] schieben“? Warum hat sich der Übersetzer entschieden, „my writing“ mitunter als „meine Schreiberei“ zu übersetzen statt mit „mein Schreiben“, wenn die Protagonistin über ihre eigene Arbeit spricht? (Peter: 520f.)<span class="oes-note oes-popup" data-fn="28"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup28">28</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="28">Solche Überlegungen sind nicht neu. Die Übersetzerin Eva Bornemann schrieb 1982: „Gewiß bekomme ich als Frau und als einigermaßen bekannte und versierte Übersetzerin neuerdings viel &#8218;Frauentexte&#8216;, will sagen Bücher, die von Frauen für eine vorwiegend weibliche Leserschaft geschrieben sind. Der Verlag sagt dann immer: &#8218;Ja, das Buch kann doch nur eine Frau übersetzen!&#8216; Und kritische weibliche Kollegen, die zum Beispiel das von Kai Molvig übertragene Buch von Erica Jong, <em>Fear of Flying</em> (Angst vorm Fliegen) gelesen hatten, stimmten zu: Das hätte besser einer Frau zur Übersetzung gegeben werden sollen.“ Bornemann vertritt in dem Vortrag die Ansicht, dass das Geschlecht des Übersetzenden keine Rolle spiele (Bornemann 1982).</span></p>
</blockquote>



<p>Die Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin Sula Textor hat sich eingehend mit der Neuübersetzung befasst. Sie stimmt Peter in dieser Beobachtung zu, allerdings in eingeschränkter Weise:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>„&#8217;Schreiberei&#8216; etwa verwendet Kai Molvig eben keineswegs immer, wenn die Erzählerin von ihrem &#8218;writing&#8216; spricht, sondern gezielt in wenigen, gut begründbaren Einzelfällen (die Erzählerin kämpft ja selbst lange damit, ihr Schreiben ernst zu nehmen; sie hat das, was man als misogyne Abwertung in &#8218;Schreiberei&#8216; lesen könnte, selbst verinnerlicht und muss sich erst davon freimachen). Allerdings habe ich die Übersetzungen nicht im Detail verglichen, kann also nicht ausschließen, dass sich an einigen Stellen doch auch eine zusätzliche Abwertung eingeschlichen hat. Das gleiche gilt für &#8218;Weib&#8216; und Komposita auf &#8218;Weiber&#8216;-, wobei sich darüber sicher streiten lässt und es bestimmt auch in den 70ern ÜbersetzerINNEN gegeben hätte, die so nicht übersetzt hätten. Darüber hinaus gibt es ein paar weitere Feinheiten bei der Wortwahl, besonders im Kontext von Beschreibungen weiblicher Lust, Benennung von Körperlichem, wo man von einem feministischen Standpunkt aus wohl anders übersetzt hätte. Meinem Eindruck nach waren es nur Details, die die Übersetzung als Text ihrer Zeit kennzeichnen, ihre Qualität aber kaum schmälern.&#8220; (E-Mail, Juni 2025)</p>



<p></p>
</blockquote>



<p>„Das Ende kommt“, schreibt Anatol Regnier, „als Kai Molvig einem Zivi, der ihn ein Jahr lang betreut hat, einen Ballettsprung zeigen will. Dabei stürzt er und bricht sich eine Hüfte.“ Die Operation gelingt, aber er will nicht mehr. 1996 stirbt er nach kurzem Aufenthalt in einem Pflegeheim in Moosburg an der Isar an den Folgen eines Schlaganfalls. „Er wird anonym bestattet, das wollte er so“ (Regnier 2024: 265).</p>



<p><strong>Hinweise für weitere Recherchen</strong></p>



<p>Es gibt keine Arbeiten zu Kai Molvigs Biografie und übersetzerischem Werk, ein Nachlass existiert nicht. Das Literaturarchiv Marbach besitzt eine umfangreiche Korrespondenz zwischen Kai Molvig und Angestellten des Rowohlt-Verlages aus den Jahren 1968 bis 1984. Dokumente zur Jong-Übersetzung könnten sich in den Teilen des ebenfalls dort lagernden Archivs des Fischer-Verlags befinden, die (Stand Herbst 2025) noch nicht erschlossen sind.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<p><a id="_msocom_1"></a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Atabay, Cyrus</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/atabay-cyrus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sbaumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Apr 2025 19:40:24 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Cyrus Atabay, geboren am 6. September 1929 in Teheran, wurde von seinem Vater, der in den 1930er Jahren in Berlin Medizin studiert hatte, 1937 zum Schulbesuch nach Berlin geschickt.1Die biographischen Angaben folgen weitgehend Atabays autobiographischer Notiz anlässlich seiner Aufnahme in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung im Herbst 1993, erneut veröffentlicht 1997.Er besuchte das [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Cyrus Atabay, geboren am 6. September 1929 in Teheran, wurde von seinem Vater, der in den 1930er Jahren in Berlin Medizin studiert hatte, 1937 zum Schulbesuch nach Berlin geschickt.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="2"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup2">2</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="2">Die biographischen Angaben folgen weitgehend Atabays autobiographischer Notiz anlässlich seiner Aufnahme in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung im Herbst 1993, erneut veröffentlicht 1997.</span>Er besuchte das Arndt-Gymnasium in Dahlem und blieb bis zum Kriegsende in Deutschland. Im Sommer 1945 kam er zurück nach Persien, wo er seine Muttersprache erst wieder neu erlernen musste. Da sein Persisch für den Schulbesuch nicht ausreichte, wurde er auf eigenen Wunsch auf eine Schule in der Schweiz geschickt. In Zürich schrieb er in deutscher Sprache seine ersten Gedichte. 1952 begann er mit einem Germanistik-Studium in München. Erste eigene Gedichtbände erschienen in angesehenen Verlagen (Limes, Hanser).</p>



<p>Seit Anfang der 1960er Jahre lebte Atabay abwechselnd in Teheran und in London, wo er u.&nbsp;a. in Kontakt zu den Exilautoren Elias Canetti und Erich Fried kam. In Teheran gehörte er zu einem Kreis junger Schriftsteller, die seine Gedichte ins Persische brachten und mit deren Unterstützung er ihre Gedichte ins Deutsche übersetzte. So entstand die 1968 im Claassen Verlag veröffentlichte Anthologie <em>Gesänge von Morgen. Neue iranische Lyrik</em>.</p>



<p>Nach der iranischen Revolution von 1978 verließ Atabay Persien. In Großbritannien bekam er als nunmehr staatenloser Neffe von Schah Mohammad Reza Pahlavi politisches Asyl. 1983 siedelte er nach München über, wo er nach allerlei Hin und Her und Ernennung zum Ordentlichen Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste eine Aufenthaltserlaubnis erhielt (vgl. Reich-Ranicki 1982). 1990 wurde er mit dem Chamisso-Preis geehrt und 1993 in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen.</p>



<p>Seit 1981 erschienen seine Bücher vornehmlich in der Düsseldorfer Eremiten-Presse, mit deren Verlegern Friedolin Reske und Jens Olsson ihn eine langjährige Freundschaft verband (vgl. Olsson 1997). Insgesamt 14 bibliophil gestaltete Bücher hat Atabay in der Eremiten-Presse veröffentlicht, darunter sieben Bände mit Übersetzungen klassischer persischer Dichtung: Abul Ala Al-Ma’arri (10./11. Jh.), Omar Chajjam (11./12. Jh.), Rumi (13. Jh.), Hafis (14. Jh.) und Obeyd-e-Zakani (14. Jh.).</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Die Übertragungen ergänzte Cyrus Atabay durch kluge, aufschlussreiche Nachworte, sodass ich ihn einmal scherzhaft einen <em>poeta doctus</em>, einen „gelehrten Poeten“ nannte. Aber das hörte er nicht gern. Er beanspruchte nichts anderes, als originärer Dichter zu sein. Seine Übertragungen, sein eindringliches Erschließen persischer Lyrik wollte er auf keinen Fall losgelöst von seiner eigenen Dichtung, sondern als deren Fortführung gedeutet wissen. (Horst 1997: 58)</p>
</blockquote>



<p>Zum Wie seines Übersetzens hieß es im Juli 1995 in einem Brief an Friedolin Reske – mit Blick auf seinen Rumi-Band <em>Ich sprach zur Nacht. Hundert Vierzeiler</em>, der posthum 1996 zur Frankfurter Buchmesse erschien:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>So viel ich weiss, wählte ich für die Übersetzung die einfachsten Wörter, die einfachste Diktion: nur keine Rhetorik, nur keine Lügen! (Zit. in Olsson 1997: 94)</p>
</blockquote>



<p>Cyrus Atabay starb im Alter von 66 Jahren am 26. Januar 1996 in München, auf dem Nordfriedhof wurde er beigesetzt. Anderthalb Jahre später gab Werner Ross den Sammelband <em>Poet und Vagant – Der Dichter Cyrus Atabay</em> mit Aufsätzen von 22 Freunden und Weggefährten des „persischen Prinzen“ heraus. Das Thema Übersetzen wird leider in keinem der Beiträge gründlicher behandelt. Auch in den bald drei Jahrzehnten seither sind m. W. keine Studien zu seinen Übersetzungen erschienen. Auch um seine eigenen Gedichte haben sich Germanistik und Komparatistik bisher nicht großartig gekümmert (Ausnahmen: Masson 2002 und Chiellino 2016). Das mag an nicht vorhandenen Persisch-Kenntnissen liegen, ein Problem, auf das Christoph Meckel, der Atabay seit 1956 kannte, in seinen <em>Merkmalminiaturen </em>hinwies:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Kennt man einen Menschen, dem man nicht folgen kann in die andere Sprache? Man folgt ihm, mit gutem Willen und etwas Talent, in Ideologie oder Religion, in die Privatheit und in den Traum, in Beruf und Handwerk, Hoffnung, Sorge, weit hinaus in eine gemeinsame Sprache, aber nicht in eine, die man nicht kennt. „Die Auswirkung persischer Dichtung auf Atabay“, welcher Deutsche beurteilt das. (Meckel 1997: 76 f.)</p>
</blockquote>



<p>Vielleicht werden sich eines Tages iranische Germanisten und Übersetzungsforscher in Teheran oder Isfahan mit den persisch-englisch-deutschen Verflechtungen im Leben und Werk Cyrus Atabays beschäftigen können.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Reschke, Thomas</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/reschke-thomas-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 13 Jan 2025 20:44:45 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://uelex.de/?post_type=uelex_article&#038;p=2011480</guid>

					<description><![CDATA[]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mann, Mathilde</title>
		<link>https://uelex.de/uebersetzer/mann-mathilde-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sbaumann]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 11 Nov 2024 10:53:16 +0000</pubDate>
				<guid isPermaLink="false">https://uelex.de/?post_type=uelex_article&#038;p=2011191</guid>

					<description><![CDATA[Mathilde Mann war zwischen 1885 und 1924 eine der produktivsten Übersetzerinnen skandinavischer Literatur. In diesen fast vierzig Jahren übertrug sie mehr als 140 Werke aus dem Dänischen, Norwegischen und Schwedischen. Neben dem gesamten Prosawerk von Jens Peter Jacobsen übersetzte Mathilde Mann fünf skandinavische Nobelpreisträger: Bjørnstjerne Bjørnson, Selma Lagerlöf, Henrik Pontoppidan, Knut Hamsun und Johannes V. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Mathilde Mann war zwischen 1885 und 1924 eine der produktivsten Übersetzerinnen skandinavischer Literatur. In diesen fast vierzig Jahren übertrug sie mehr als 140 Werke aus dem Dänischen, Norwegischen und Schwedischen. Neben dem gesamten Prosawerk von Jens Peter Jacobsen übersetzte Mathilde Mann fünf skandinavische Nobelpreisträger: Bjørnstjerne Bjørnson, Selma Lagerlöf, Henrik Pontoppidan, Knut Hamsun und Johannes V. Jensen. Zu ihren größeren Erfolgen gehörten auch Übersetzungen von Hans Christian Andersen, Martin Andersen Nexø und Karin Michaëlis. Im Gegensatz zu vielen anderen Übersetzerinnen benutzte sie nie ein männliches Pseudonym. Was Mathilde Mann ebenfalls von ihren zeitgenössischen Kolleginnen und Konkurrentinnen unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie als alleinerziehende Mutter den Lebensunterhalt für sich und ihre beiden Kinder durch das Übersetzen verdiente.</p>



<p>Der deutsche Buchmarkt war für Skandinavien schon immer das Tor zur Weltliteratur, wie es der Göttinger Skandinavist Fritz Paul prägnant formuliert hat (Paul 1997: 194). Der Erfolg von Henrik Ibsen in Deutschland – das sogenannte Ibsen-Fieber – führte dazu, dass auch andere skandinavische Autoren, zunächst Dramatiker, später auch Romanautoren, in Deutschland bekannt und erfolgreich wurden. Von 1880 bis 1914 nahm die skandinavische Literatur eine führende Stellung ein, und in genau dieser Zeit war Mathilde Mann als Übersetzerin tätig. In einem Artikel in der dänischen Zeitung <em>Politiken</em> vom November 1894 über den „Literatur-Export nach Deutschland“ heißt es, dass Literatur neben Butter das wichtigste dänische Exportgut sei. Mathilde Mann wird hier als eine der bedeutendsten Vermittlerinnen nordischer Literatur in Deutschland vorgestellt (Anon. in <em>Politiken</em>, 11. November 1894).</p>



<p>Mathilde Mann übersetzte vor allem Belletristik, aber auch Reiseliteratur, kunsthistorische Sachbücher und sogar ein Kochbuch. Da sie von der Übersetzung von Literatur lebte, musste sie sich dem Markt anpassen. Noch heute sind einige von Mathilde Manns Übersetzungen erhältlich, denn viele skandinavische Klassiker wurden seither nicht mehr neu ins Deutsche übertragen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Biografie</h2>



<p>Mathilde Charlotte Bertha Friederike Mann, geborene Scheven, kam am 24. Februar 1859 als Tochter eines Medizinalrats in Rostock zur Welt. Über ihre Kindheit ist nicht viel bekannt, sicher ist, dass sie viele Sprachen erlernte. Neben Dänisch, Norwegisch und Schwedisch soll sie auch Englisch, Französisch und Italienisch beherrscht haben.</p>



<p>Mit 19 Jahren heiratete sie 1878 den Kaufmann Friedrich Johann Bernhard Mann, der mit den später berühmt gewordenen Manns aus Lübeck verwandt und dänischer Konsul in Rostock war. Das Paar bekam zwei Kinder, 1879 die Tochter Anna Catharina und im Jahr darauf den Sohn Johann Bernhard. Aber schon wenige Jahre später wurde das junge Familienglück getrübt: F.&nbsp;J. Bernhard Manns Firma ging 1885 in Konkurs, und ihm drohte eine Gefängnisstrafe. Er verlor seinen Titel als Konsul, durch Bittbriefe, die er und seine Frau 1887 an den Großherzog von Mecklenburg-Schwerin richteten, erreichte er immerhin eine Begnadigung (Kalbe 2002: 98). Zu diesem Zeitpunkt war die Familie bereits nach Kopenhagen umgezogen, da F.&nbsp;J. Bernhard Mann in Rostock keine berufliche Zukunft mehr hatte. Das Ende seiner Karriere läutete den Beginn des Berufslebens seiner Frau ein. Zwei Wochen nach ihrer Ankunft in Kopenhagen im Jahr 1885 begann sie zu übersetzen – eine naheliegende Beschäftigung für eine Frau und Mutter ohne Berufsausbildung, die aber im Elternhaus Fremdsprachen erlernt hatte. Bereits fünf Jahre später kam es zu einem weiteren Umbruch in ihrem Leben, denn im Jahr 1890 trennte Mathilde sich von Bernhard Mann (Brief an Sophus Bauditz, 24. April 1890), und dreieinhalb Jahre später folgte die Scheidung. Ihr Mann habe schwere psychische Probleme gehabt, schreibt sie in einem Brief an den Schriftsteller Erik Skram (Brief an Erik Skram, 15. Dezember 1894).<span class="oes-note oes-popup" data-fn="4"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup4">4</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="4">Die Briefe von Mathilde Mann an Sophus Bauditz, Holger Drachmann, Peter Nansen, Amalie Skram und Erik Skram sowie die Briefe von Peter Egge, Jakob Knudsen, Karin Michaëlis und Henrik Pontoppidan an Mathilde Mann befinden sich in Det Kongelige Bibliotek (Die Königliche Bibliothek) in Kopenhagen.</span> Sie behielt die Kinder, für die sie nun allein sorgen musste, weil sie keinen Unterhalt erhielt (Brief an Erik Skram, 2. März 1891).</p>



<p>Aus den Quellen geht hervor, dass Mathilde Mann auch privat Deutschunterricht gab, um Geld zu verdienen, (Universitätsarchiv Rostock, 1.11.0 Personalakte Mathilde Mann) und dass sie vom See-Amt in Rostock als staatlich geprüfte Dolmetscherin für die nordischen Sprachen vereidigt wurde (Brief an Peter Nansen, 23. November 1894). Von 1893 bis 1895 wohnte sie in Warnemünde.</p>



<p>Ab 1895 kümmerte sie sich sieben Jahre lang um den Haushalt ihres Schwagers Otto Giese, der Bürgermeister in Hamburg-Altona war, und um die Erziehung seiner drei kleinen Kinder, die ihm Mathilde Manns Schwester hinterlassen hatte. Ihre eigenen Kinder waren im Internat in Warnemünde. Während dieser Zeit in Altona übersetzte sie unter anderem Werke von Peter Nansen, aber auch von Amalie Skram, Bjørnstjerne Bjørnson, Sophus Scandorph, Sophus Bauditz und Jonas Lie.</p>



<p>Mathilde Mann spricht oft und sehr direkt über ihre prekäre finanzielle Lage: So geht z. B. aus einem Interview anlässlich ihres 25-jährigen Jubiläums hervor, dass „Armut“ sie gezwungen habe, mit dem Übersetzen zu beginnen (Anon. in <em>Politiken</em>, 14. November 1910), aber ebenso oft schreibt sie ihren Briefpartnern, wie viel Freude ihr die Arbeit mache (z. B. in Briefen an Peter Nansen, 17. Mai 1892 und 9. Januar 1915) Ihr größter Stolz sei, dass sie ihre beiden Kinder allein habe großziehen können und dass aus ihnen etwas geworden sei: Ihr Sohn machte in der Marine Karriere, ihre Tochter heiratete einen dänischen Maler (Anon. in <em>Politiken</em>, 14. November 1910). 1907 zog Mathilde Mann nach Kopenhagen zurück, wo auch ihre Tochter Anka und ihr Schwiegersohn Oscar Matthiesen lebten.</p>



<p>1910, als sie ihr 25-jähriges Jubiläum als Übersetzerin feierte, wurde ihr die königliche Goldmedaille für Kunst und Wissenschaft „Ingenio et arti“ verliehen, wie die dänische Tageszeitung <em>Politiken</em> berichtete (Anon. in <em>Politiken</em>, 14. November 1910).</p>



<p>Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ging die Blütezeit der skandinavischen Literatur in Deutschland zu Ende – auch Mathilde Mann war davon betroffen. Am 20. Oktober 1914 schreibt sie in einem Brief an den Schriftsteller Sophus Bauditz, dass sie gerade acht Romane für die Herbstsaison übersetzt habe, als am 1. August der Krieg ausgebrochen sei, alles stillstehe, Verträge storniert würden und sie „lahmgelegt“ werde. Zum ersten Mal seit 29 Jahren habe sie Zeit. Sie blieb vorerst in ihrem Häuschen in Nymindegab in Dänemark, das sie als Sommersitz nutzte.</p>



<p>Mathilde Mann übersetzte weiterhin, aber hauptsächlich ältere Werke von Autoren, die in Deutschland bereits bekannt waren, wie Bjørnson, Strindberg, Jacobsen, Pontoppidan und Hamsun. 1921 bewarb sie sich um eine Stelle als Dänisch-Lektorin an der Universität Rostock und gab als Grund für ihre Rückkehr nach Deutschland „die Valuta-Verhältnisse“ an (Universitätsarchiv Rostock, 1.11.0 Personalakte Mathilde Mann). Es scheint plausibel, dass ihr das Leben in Dänemark zu teuer wurde, da ihre Honorare in deutscher Währung gezahlt wurden und die Inflation in Deutschland zu der Zeit bereits eingesetzt hatte. Sie bekam die angestrebte Anstellung als Dänisch-Lektorin. Sie wusste, dass sie zunächst kein Gehalt bekommen würde, hatte aber die Hoffnung, dass dies sich ändern würde. Von 1921 bis 1923 unterrichtete Mathilde Mann Dänische Sprache und Literatur an der Universität Rostock.</p>



<p>Ihre Personalakte im Archiv der Universität besteht vor allem aus Briefen und Dokumenten, die von ihrem bitteren Kampf um ihr Gehalt zeugen. Sie appelliert an die Universität und droht mit Kündigung. Sie argumentiert, dass ihre Übersetzungsarbeit darunter leide, dass sie wegen ihres Unterrichts weniger Zeit dafür habe, aber sie bleibt in Rostock, weil die Lehrtätigkeit ihr Befriedigung gibt, wie sie 1922 schreibt. Die Frage ist, ob sie – „mittellos“, wie es in ihrer Personalakte heißt – eine Alternative gehabt hätte. In Rostock konnte Mathilde Mann bei Verwandten ihres bereits 1910 verstorbenen Ex-Mannes wohnen und so Kosten sparen. Allerdings hatte sie gesundheitliche Probleme, weswegen sie ihre Lehrveranstaltungen für das Wintersemester 1923/24 absagen musste. Das mecklenburgische Ministerium für Unterricht bezahlte ihr einige dänische Bücher, das Abonnement der Zeitung <em>Politiken</em> sowie eine einmalige Wirtschaftsbeihilfe, ein wirkliches Gehalt für ihre Arbeit als Dänisch-Lektorin erhielt sie jedoch nie (Universitätsarchiv Rostock, 1.11.0 Personalakte Mathilde Mann).</p>



<p>Als eine Art Wiedergutmachung wurde ihr die Ehrendoktorwürde verliehen. Sie war die dritte Frau an der Rostocker Philosophischen Fakultät, die diesen Titel erhielt, und die erste, der er ausschließlich für ihre eigenen Leistungen verliehen wurde; die beiden vorigen Ehrendoktorinnen hatten ihre Ehemänner bei deren Forschungsvorhaben unterstützt. Mathilde Mann erhielt die Würdigung, da sie, wie es in der Urkunde heißt:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>in selbstloser Hingabe lange Zeit hindurch den Interessen der philosophischen Fakultät und der Studentenschaft gedient und durch hervorragende Übersetzungen der nordischen, namentlich der dänischen Literatur die enge Verknüpfung des deutschen Geisteslebens mit dem nordischen gefördert hat.</p>
</blockquote>



<p>Die Professoren der Philosophischen Fakultät sorgten für ein zügiges Verfahren. Als Mathilde Mann am 1. Dezember 1924 die Ehrendoktorwürde verliehen wurde, war sie durch eine Krebserkrankung schon stark geschwächt. Am 14. Februar 1925, zehn Tage vor ihrem 66. Geburtstag, starb sie.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Übersetzungen</h2>



<p>Mathilde Mann berichtet im Artikel in der Zeitung <em>Politiken</em> 1894, dass sie aus einem erzkonservativen Elternhaus stammte und keine „modernen“ Bücher lesen durfte. Deshalb war sie anfangs sehr erschrocken über die nordische Literatur und wählte die „unschuldigsten Dinge“ zum Übersetzen aus.</p>



<p>Sie scheint sich jedoch schnell an die modernen skandinavischen Bücher mit ihren gewagten und fortschrittlichen Themen gewöhnt zu haben. So übersetzte sie zum Beispiel mehrere Werke von Peter Nansen, der erotische Themen sehr liberal und offen behandelte. Sie muss seine Werke gemocht haben, denn sie setzte sich tatkräftig für sie ein und schaffte es, das Interesse des Verlegers Samuel Fischer vom S. Fischer-Verlag zu wecken. Sie kämpfte auch für den Roman <em>Gertrude Colbjørnsen</em> (1879) von Erik Skram, der sich ebenfalls mit Ehe und Sexualität beschäftigte, aber den Verlegern in Berlin zu „realistisch“ erschien und gekürzt werden sollte (Briefe an Erik Skram, 20. März 1889 – 11. April 1891). Erik Skram und Mathilde Mann gaben jedoch nicht nach, und schließlich wurde das Buch in voller Länge veröffentlicht – ein Triumph für Skram und seine Übersetzerin.</p>



<p>Die Übersetzung des Romans <em>Forskrevet</em> (<em>Verschrieben</em>,Leipzig 1892) von Holger Drachmann sei nach vier Monaten aus Berlin zurückgekommen, schreibt Mathilde Mann 1891 in einem Brief an den Schriftsteller: „Es ist den Herren zu ‚geistreich.‘ Sie wünschen sich Feuilleton – und Leihbibliothekenfutter!“ (Brief an Holger Drachmann, 28. März 1891) Offensichtlich bevorzugte Mathilde Mann „geistreiche“, realistische und moderne Literatur. Sie übersetzte viele Werke der skandinavischen Autoren der frühen Moderne, etwa Erik Skram, Holger Drachmann und auch Jens Peter Jacobsen. Ihre „sehr gelobte“ Übersetzung seines Romans <em>Niels Lyhne</em> war ihr persönlicher Durchbruch als Übersetzerin, erzählte sie 1894 in <em>Politiken</em>. Aber anders als der einflussreiche Literaturkritiker Georg Brandes, Herausgeber eines Buches über die wichtigsten zeitgenössischen männlichen Autoren Skandinaviens (<em>Det Moderne Gjennembruds Mænd</em>, 1883, dt. Die Männer des Modernen Durchbruchs), ignorierte sie die Autorinnen des Modernen Durchbruchs nicht.</p>



<p>Die Skandinavistin Annegret Heitmann verweist in ihrem Aufsatz über <em>Skandinavische Schriftstellerinnen in Deutschland</em> auf eine Bibliografie der Rezeptionsdokumente aus dem Zeitraum 1870–1914, aus der hervorgeht, dass „fast ein Viertel der damals in Deutschland gelesenen skandinavischen Schriftsteller Frauen waren“ (Heitmann 1997: 207). Laut einer digitalen literaturwissenschaftlichen Studie (Nielsen Degn et al. 2025: 5) wurden 20 % der Romane in diesem Zeitraum (1870-1914) von Frauen geschrieben. Mehr als ein Viertel der von Mathilde Mann übersetzten Werke stammen von Frauen, was ihr besonderes Interesse an Autorinnen bestätigt. Mathilde Mann übersetzte unter anderem Werke von Victoria Benedictsson, Amalie Skram, Anne Charlotte Leffler, Illa Christensen, Erna Juel-Hansen und Adda Ravnkilde, die sich mit Liebe, Sexualität und Ehe und Frauenrechten auseinandersetzten. Später übertrug sie mehrere Bücher von Karin Michaëlis ins Deutsche, darunter deren Skandalroman <em>Den farlige Alder</em> (<em>Das gefährliche Alter, </em>Berlin 1910) über die Wechseljahre und sexuellen Wünsche einer 40-jährigen Frau, der international Aufsehen erregte und in Deutschland zum größten Erfolg der Autorin wurde.</p>



<p>Mathilde Mann konnte es sich allerdings nicht leisten, ihre Aufträge rein nach ihren Interessen auszuwählen. So übersetzte sie neben der von ihr so geschätzten modernen Literatur auch spätromantische Unterhaltungsliteratur z.&nbsp;B. von Carit Etlar sowie zahlreiche Werke des dänischen Autors Sophus Bauditz, die in Deutschland sehr erfolgreich wurden. In den Übersetzungen Mathilde Manns spiegelt sich der Pluralismus der frühen Moderne: ästhetisch innovative Werke ebenso wie konservativ-reaktionäre, Trivialliteratur ebenso wie intellektuell anspruchsvolle.</p>



<p>Über Mathilde Manns Leistungen heißt es im Nachruf, den die Tageszeitung <em>Politiken</em> am Tag nach ihrem Tod im Februar 1925 veröffentlichte, dass sie mehr als 500 dänische Werke übersetzt habe und dass es ihr gelungen sei, das deutsche Publikum mit dem modernen dänischen Geist vertraut zu machen (Anon. in <em>Politiken</em>, 25. Februar 1925).</p>



<p>Ob Mathilde Mann wirklich 500 Werke übersetzt hat, lässt sich nicht nachprüfen, da es bislang noch keine vollständige Bibliografie gibt. Sie hat dem deutschen Publikum auf jeden Fall mindestens 100 dänische und etwa 40 schwedische und norwegische Werke sowie einige englische und französische Werke zugänglich gemacht. Außerdem geht aus der Korrespondenz mit Autorinnen und Autoren hervor, dass sie viele Theaterstücke und auch Erzählungen für Zeitungen und Zeitschriften ins Deutsche übertragen hat. Einige ihrer Übersetzungen wurden nie veröffentlicht, obwohl sie sich zum Teil jahrelang darum bemühte.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-align-left">Karriere und Netzwerk</h2>



<p>Die Zeitung <em>Politiken</em> war für Mathilde Mann unentbehrlich für den Aufbau ihrer Karriere. Wo immer sie lebte, hatte sie ein Abonnement. Hier kommt wieder Peter Nansen ins Spiel, der nicht nur Romane schrieb, sondern bis 1896 auch als Journalist für <em>Politiken</em> arbeitete, danach als Verlagsdirektor zum dänischen Verlag Gyldendal wechselte und für Mathilde Mann in all den Jahren einer ihrer bedeutendsten Kontakte war. Ihre Beziehung zu ihm kann als Beispiel für ihre Arbeitsweise dienen.</p>



<p>Wie bereits erwähnt übersetzte Mathilde Mann seine Romane und fand für sie einen deutschen Verlag. Sie war das Bindeglied zwischen Autor und Verlag, zwischen Dänemark und Deutschland. So handelte sie das Honorar für sich und Nansen aus und schickte die deutschen Rezensionen an ihn. Sie verhalf Nansen zum Erfolg in Deutschland, und im Gegenzug unterstützte er sie. Es gibt mehrere Briefstellen, in denen sie Peter Nansen bittet, eine Notiz über eine Übersetzung von ihr zu bringen, zum Beispiel im Brief vom 14. Februar 1894, und am 19. Februar 1894 findet man die Erwähnung in <em>Politiken</em>. Auf diese Weise schuf sie sich einen Namen als Vermittlerin dänischer Literatur in Deutschland. Dass sie dabei eine bewusste Strategie verfolgte, zeigt sich etwa in der folgenden Bitte, die sie an Nansen richtete, kurz nachdem sie 1894 nach Warnemünde umgezogen war: </p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p>Könnten Sie einen kleinen Hinweis in die Zeitung aufnehmen, dass ‚Niobe‘ in autorisierter Übersetzung von Frau MM an die Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart verkauft worden ist? Könnten Sie eine kleine Notiz hinzufügen, dass seine (ich überlasse Ihnen das Epitheton ornans – sagen Sie nur nicht geschieden!) Übersetzerin jetzt in Warnemünde lebt und dass sie weiterhin an der Übersetzung skandinavischer Literatur arbeitet?“ (Brief an Peter Nansen,14. Februar1894). <span class="oes-note oes-popup" data-fn="5"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup5">5</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="5">Dänischer Originaltext: „Vil De lade komme en lille Notiz i Bladet at ,Niobe’ er bleven solgt til Deutsche Verlags-Anstalt i Stuttgart i autoriseret Oversættelse af Fru M.M.? Kan De da tilføje en liden Notiz, at dens (Epitheton ornans overlader jeg til Dem – sig bare ikke fraskildte!) Oversætterske nu boer i Warnemünde og at hun stadig bliver ved med at overføre sk. Litteratur?“</span></p>
</blockquote>



<p>Auch als Peter Nansen später bei Gyldendal arbeitete, profitierte Mathilde Mann davon, da er ihr immer wieder interessante Neuerscheinungen schickte und sie zum Beispiel mit dem dänischen Schriftsteller Gustav Wied bekannt machte, dessen Werke sie später übersetzte.</p>



<p>So wie sie eine persönliche Beziehung zu Peter Nansen pflegte, freundete sie sich auch mit anderen Autoren an, darunter Sophus Bauditz, Henrik Pontoppidan und nicht zuletzt Karin Michaëlis. Die Anbahnung und Pflege von Kontakten zum Zweck des beruflichen Fortkommens scheint sie hervorragend beherrscht zu haben.</p>



<p>Obwohl Mathilde Mann in fast jedem Brief an Peter Nansen und andere Autoren, mit denen sie ein Vertrauensverhältnis pflegte, ihre schwierige finanzielle Situation ansprach, begegnete sie Autoren und Verlegern auf Augenhöhe. Selbstvertrauen, sehr gute Sprachkenntnisse und Geschäftssinn verhalfen ihr, als Übersetzerin großes Ansehen zu erlangen. Sie legte sich kein männliches Pseudonym zu wie etwa die österreichischen Übersetzerinnen <a href="https://uelex.de/uebersetzer/franzos-marie/" data-type="uelex_article" data-id="11568">Marie Franzos</a> oder Mathilde Prager, sondern arbeitete immer unter ihrem eigenen Namen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Arbeitsprozess</h2>



<p>Was wissen wir noch über ihren Arbeitsprozess? Aus dem <em>Politiken</em>-Artikel von 1894 sowie ihrer Korrespondenz geht hervor, dass sie, wenn sie in der Zeitung von einem neuen Buch las, den Autor oder die Autorin anschrieb und fragte, ob sich das Buch für eine deutsche Übersetzung eigne und sie die Rechte dafür bekommen könne. Oft musste sie sich das Buch vom Autor ausleihen, begann dann mit der Übersetzung und schickte entweder einen Auszug oder sogar das ganze Typoskript an einen Verlag. Wenn der erste Verleger kein Interesse zeigte, schickte sie es an den nächsten, bis sie einen Verleger fand, der das Buch herausbringen wollte. Dann handelte sie das Honorar für sich und die Autoren aus und schickte ihnen ihren jeweiligen Anteil. Das Korrektorat der Druckfahnen gehörte ebenfalls zu ihren Aufgaben, und nach Erscheinen des Buches schickte sie dem Autor ein Exemplar sowie die deutschen Pressestimmen. Dieser Arbeitsprozess war nicht unproblematisch. Erstens musste Mathilde Mann oft das ganze Buch übersetzen, um es deutschen Verlegern anbieten zu können, da diese die skandinavischen Sprachen nicht beherrschten. Wenn keiner das Buch verlegen wollte, war ihre ganze Arbeit umsonst. Wenn die Verleger zu lange brauchten, um sich zu entscheiden, riskierte Mathilde Mann, dass die Autoren das Buch von jemand anderem übersetzen ließen. Auch die Honorarverhandlungen waren mühsam. Der Verleger wollte so wenig wie möglich zahlen, da er nicht wusste, ob das Buch ein Erfolg werden würde. Der Autor wiederum wollte einen möglichst großen Anteil am Honorar. Überließ sie zu Beginn ihrer Karriere den meisten Autoren ein Drittel des Honorars, so war es später oft die Hälfte.<span class="oes-note oes-popup" data-fn="6"><a href="javascript:void(0)"><sup id="popup6">6</sup></a></span><span class="oes_note_popup oes-popup__popup" data-fn="6">In einem Brief an den Schriftsteller Erik Skram vom 9. Dezember 1894 schreibt Mathilde Mann, sie habe am Anfang ihrer Karriere nur Jonas Lie und Bjørnstjerne Bjørnstjerne die Hälfte des Honorars gegeben, alle anderen Autoren hätten ein Drittel bekommen. Dagegen heißt es in einem Brief an den Autor Jakob Knudsen (Brief vom 4. Dezember 1913), dass auch andere Autoren die Hälfte bekommen hätten.</span> All diese unbezahlte Arbeit mit den Verträgen, die heute von Literaturagenten und Verlagsmitarbeitern erledigt wird, scheint viel Zeit und auch Geld in Anspruch genommen zu haben.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Zusammenfassung</h2>



<p>Mathilde Mann stammte aus einer bildungsbürgerlichen Familie, über die wenig bekannt ist, außer dass sie ihr sehr gute Sprachkenntnisse und Selbstvertrauen mit auf den Weg gab. Der Bankrott ihres Mannes machte es notwendig, dass sie durch das Übersetzen zum Lebensunterhalt beitrug. Später als alleinerziehende Mutter war sie gezwungen, alles zu übersetzen, was sich verkaufen ließ. Dass ihr Hauptinteresse der modernen Literatur galt, die Themen wie Frauenleben, Sexualität, Ehe, Scheidung usw. behandelte, geht aus ihrer Korrespondenz hervor.</p>



<p>Während ihrer fast vierzig Jahre währenden Tätigkeit als Übersetzerin hat Mathilde Mann zahlreiche bedeutende Werke ins Deutsche übertragen. Bereits zu ihren Lebzeiten erlangte sie große Bekanntheit, wurde in Dänemark mit einem renommierten Preis und in Deutschland mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. Sie zählt auch aus heutiger Sicht zu den wichtigsten Vermittlerinnen skandinavischer Literatur im deutschsprachigen Raum.</p>


<div class="oes-panel-container oes-panel-container-image" id="figure_2011920"><div class="oes-accordion-wrapper"><div class="oes-accordion-panel oes-panel active"><figure class="oes-panel-figure "><div class="oes-panel-image oes-modal-toggle"><div class="oes-panel-image-container oes-modal-toggle-container"><img decoding="async" id="oes-panel-image-center" src="https://uelex.de/wp-content/uploads/2025/04/Die-Pest-in-Bergamo-e1744404062316.jpg" alt=""><span class="fa fa-expand"></span></div></div><div class="oes-modal-container"><span class="oes-modal-close dashicons dashicons-no"></span><div class="oes-modal-image-container"><img decoding="async" class="oes-modal-image-2011920" src="https://uelex.de/wp-content/uploads/2025/04/Die-Pest-in-Bergamo-e1744404062316.jpg" alt="" id="oes-modal-image-center"></div><div class="oes-modal-content-text oes-modal-content-text-2011920 active"><div class="oes-modal-content-subtitle"></div><table class="oes-table-pop-up"><tr><th>Beschreibung</th><td>Mathilde Manns Übersetzung von 1911 in einer Neuausgabe von 1977. (Foto © Andreas F. Kelletat)</td></tr><tr><th>Datum</th><td>10. April 2025</td></tr></table></div></div><figcaption><div class="oes-panel-figcaption oes-panel-figcaption-2011920 active"><div class="oes-modal-figcaption-credit">Mathilde Manns Übersetzung von 1911 in einer Neuausgabe von 1977. (Foto © Andreas F. Kelletat)</div></div></figcaption></figure></div></div></div>


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		<title>Kibat, Otto</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Oct 2024 09:19:23 +0000</pubDate>
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		<title>Wyle, Niklas von</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Andreas Kelletat]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Jan 2024 22:12:26 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Niklas von Wyle gehört zu jenen deutschsprachigen Übersetzern, deren Leben und Werk vergleichsweise früh gründlicher erforscht wurde. Schon 1895 hieß es im Brockhaus über ihn: Wyl (Wyle), Niklas von, Humanist, Übersetzer und Maler, geb. um 1410 zu Bremgarten im Aargau aus ritterbürtigem Geschlecht, Ratsschreiber in Nürnberg, 1449 in Eßlingen, 1470 zweiter Kanzler Ulrichs V. von [&#8230;]]]></description>
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<p>Niklas von Wyle gehört zu jenen deutschsprachigen Übersetzern, deren Leben und Werk vergleichsweise früh gründlicher erforscht wurde. Schon 1895 hieß es im Brockhaus über ihn:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><strong>Wyl </strong>(Wyle), Niklas von, Humanist, Übersetzer und Maler, geb. um 1410 zu Bremgarten im Aargau aus ritterbürtigem Geschlecht, Ratsschreiber in Nürnberg, 1449 in Eßlingen, 1470 zweiter Kanzler Ulrichs V. von Württemberg, starb 13. April 1479 [&#8230;] Besonders durch Äneas Sylvius, den späteren Papst Pius II., wurde W. für den Humanismus gewonnen. Durch seine 18 gar zu sklavisch übertragenden <em>Translatzen</em> (zuerst handschriftlich und in Einzeldrucken; Gesamtausgabe Eßlingen 1478; neu hg. von A[dalbert] von Keller 1861 als 57. Publikation des Stuttgarter Litterarischen Vereins) hat er Novellen und Traktate des Enea Silvio, Poggio, Petrarca u. a. in Deutschland bekannt gemacht. (Brockhaus’ Konversations-Lexikon. 14. Aufl. Bd. 16. Leipzig 1895, S. 883)</p>
</blockquote>



<p>Mit seinen &#8222;tütschungen&#8220; bzw. &#8222;translatzen&#8220; haben sich zuletzt – im Anschluss an die grundlegenden Arbeiten von Morrall und Schwenk – Renate Noll-Wiemann, Hans J. Vermeer und Rüdiger Zymner gründlicher befasst.</p>
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