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Wilhelm Hoenerbach, 1911–1991

21. März 1911 Köln (Deutsches Reich) - 10. Mai 1991 Troisdorf (Bundesrepublik Deutschland)
Original- und Ausgangssprache(n)
Arabisch, Spanisch
Zielsprache(n)
Deutsch

Lebensweg

Wilhelm Hoenerbach wurde am 21. März 1911 in Köln geboren. Er studierte an den Universitäten Köln und Bonn Islamwissenschaft sowie romanische und englische Philologie. 1936 promovierte er in Bonn mit dem Hauptfach Islamwissenschaft. Als Assistent von Otto Spies wechselte er anschließend an die Universität Breslau, wo er sich 1939 für Islamwissenschaft und Semitistik habilitierte.

1946 kehrte Hoenerbach nach Bonn zurück und lehrte dort zunächst als Privatdozent. 1954 wurde er außerplanmäßiger Professor und Dozent im Beamtenverhältnis, 1959 übernahm er eine Gastprofessur an der University of Los Angeles. 1962 übernahm er den Lehrstuhl für Islamwissenschaft in Kiel. 1970 kehrte er nach Bonn zurück und trat die Nachfolge seines früheren Lehrers Otto Spies als Direktor des Orientalischen Seminars und des Seminars für Orientalische Sprachen an. 1976 wurde Hoenerbach emeritiert. Auch danach blieb er wissenschaftlich aktiv, veröffentlichte weiter, hielt Vorträge und unternahm zahlreiche Reisen. Am 10. Mai 1991 starb er in Troisdorf bei Bonn.

Ein besonderer Schwerpunkt seines Lebens und seiner wissenschaftlichen Tätigkeit war Spanien und die iberische Welt. Hoenerbach verfasste 21 Arbeiten in spanischer Sprache und nahm am wissenschaftlichen Leben der Universitäten Granada und Barcelona teil. Seit 1980 war er Mitherausgeber der Zeitschrift Andalucía Islámica. 1964 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Königlichen Akademie der Guten Literatur in Barcelona ernannt; 1982 erhielt er die Ehrendoktorwürde der dortigen Universität.

Hoenerbach unternahm außerdem zahlreiche Reisen in den Nahen Osten und nach Nordafrika, darunter nach Ägypten, Libyen, Tunesien und insbesondere Marokko. Darüber hinaus bereiste er mehrfach Mittelamerika und hielt sich zu Forschungs- und Kongresszwecken unter anderem in Mexiko, Panama und Kuba auf. 1965 hatte er eine viermonatige Gastprofessur in Mexiko inne.

Wissenschaftliches und übersetzerisches Werk

Hoenerbachs Werk umfasst rund 70 Veröffentlichungen. Sein besonderes Interesse galt dem westlichen Islam und insbesondere den historischen, kulturellen und literarischen Beziehungen zwischen der islamischen und der spanisch-europäischen Welt.

Bereits seine Dissertation Deutschland und seine Nachbarländer nach der großen Geographie des Idrisi (Stuttgart 1937/1938) und seine Habilitationsschrift Das nordafrikanische Itinerar des ʿAbdari vom Jahre 688/1289 (Leipzig 1940) zeigen seine frühe Hinwendung zur islamischen Geographie.

Ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschung war die arabische Dichtung, insbesondere die volkssprachliche Poesie. Gemeinsam mit Helmut Ritter veröffentlichte er Studien zum zagal, einer in der Volkssprache verfassten Strophenform. Weitere Arbeiten widmeten sich dem zagal des irakischen Dichters Ṣafīyad-Dīn al-Ḥillī sowie der arabischen Dichtung im mittelalterlichen Andalusien. In Dichterische Vergleiche der Andalus-Araber (Bonn 1973) untersuchte er eine einzigartige arabische Anthologie aus dem 11. Jahrhundert.

Eine besondere Bedeutung für seine übersetzerische Tätigkeit hatte die Geschichte des islamischen Spaniens. 1970 veröffentlichte Hoenerbach Islamische Geschichte Spaniens. Übersetzung der Aʿmāl al-aʿlām und ergänzender Texte, eine Übertragung des historischen Werkes des granadinischen Dichters und Staatsmannes Ibn al-Ḫaṭīb. Damit verband er philologische Arbeit mit der Erschließung historischer Quellen zur Geschichte Granadas. Zu seinen einschlägigen Veröffentlichungen gehören außerdem Spanisch-islamische Urkunden aus der Zeit der Nasriden und Moriscos (Bonn 1965) sowie Untersuchungen zur Agrarstruktur des granadinischen Sultanats und zum Besuch des deutschen Humanisten Hieronymus Münzer im eroberten Granada.

Hoenerbachs Interesse erstreckte sich darüber hinaus auf Kulturgeschichte, Volkskunde, Völkerkunde, Topographie und Geographie. In Cervantes und der Orient. Algier zur Türkenzeit (Walldorf-Hessen 1953) untersuchte er die Darstellung des osmanischen Algier im Werk Miguel de Cervantes‘ und verglich sie mit zeitgenössischen spanischen Quellen. Weitere Arbeiten beschäftigten sich unter anderem mit dem Zunft- und Marktwesen im heutigen Tetuan, dem nordafrikanischen Schattentheater und dem „Mauren- und Christen“-Festspiel in Andalusien.

Ein weiterer Forschungsbereich war die Stadt- und Kulturgeographie. Gemeinsam mit J. Kolenda untersuchte Hoenerbach die marokkanische Stadt Chefchaouen (Xauen) und ihre historischen und topographischen Beziehungen zur iberischen Welt. In Was bleibt uns vom arabischen Granada? (1984) wertete er arabische und spanische Quellen aus, um die historische Bausubstanz Granadas zu rekonstruieren und deren Wandel bis in die Gegenwart nachzuzeichnen.

Quellen

Schützinger, Heinrich (1992): Wilhelm Hoenerbach zum Gedenken. In: Die Welt Des Islams, 32 (1), S. 1–5.

Zitierweise

Polina Mikhaleva: Wilhelm Hoenerbach, 1911–1991. In: Germersheimer Übersetzerlexikon UeLEX (online), 7. November 2026.

Bibliographie

Übersetzungen (Zeitschriften, Anthologien)

Originalwerke

Detaillierte Bibliographie