Jacob Mittelmann, 1909–1975
Jacob Marcus Mittelmann war der Sohn des Rauchwarenhändlers Abraham Mittelmann (1874–1945) und dessen Ehefrau Ettel Ester geborene Halberstam (1880–1959). Die Mutter war eine Verwandte der bedeutenden Leipziger Rauchwarendynastie Ariowitsch.
Mittelmann hatte einen Bruder Norbert (1906–1985) und eine Schwester Sara Hanna (Steffi) verheiratete Kuttin (1913–2008). Er heiratete 1944 in Jerusalem Jehudit geborene Meyuchas (1917–1985). Aus dieser Ehe ging 1945 die Tochter Rachel verheiratete Polivoda hervor. Mittelmann war seit Kindheits- und Studientagen mit Fritz Grübel (später: Fred Grubel, 1908–1998), dem späteren Vizepräsidenten des Leo-Baeck-Instituts in New York eng befreundet. Grubels Vater, der Kaufmann und Schriftsteller Sally/Salomon Grübel (1876–1940), war ein Onkel des Schriftstellers Joseph Roth.
Mittelmann studierte von 1928 bis 1932 Jura in Heidelberg und Leipzig. 1934 promovierte er an der Leipziger Juristenfakultät bei Paul Koschaker (1879–1951) und Martin David (1898–1986) mit einer rechtshistorischen Studie zur altisraelitischen Levirats- bzw. Schwagerehe. Mittelmann wollte die Richterlaufbahn einschlagen, was aber mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten unmöglich wurde.
Im März 1934 emigrierte er mit seinen Eltern und Geschwistern nach Palästina, wo er 1936 erneut das Anwaltsexamen ablegte. Von 1939 bis 1947 war er als Rechtsanwalt zugelassen. Nach der Erkrankung an einem Nervenleiden konnte er den Beruf nicht mehr ausüben und eröffnete ein Übersetzungsbüro.
Mittelmann trat als Herausgeber und Übersetzer aus dem Hebräischen, Jiddischen und Arabischen in die deutsche Sprache hervor. Als sein Hauptwerk im Bereich des Literaturübersetzens kann die 1964 in der Züricher Manesse Bibliothek der Weltliteratur erschienene, 521 Seiten umfassende Anthologie Hebräische Erzähler der Gegenwart betrachtet werden (2. Auflage 1983 in der Buchreihe Meisterwerke der Weltliteratur). Mit einigen Übersetzungen ist er auch in dem 1987 veröffentlichten Band 20 Erzähler aus Israel der Erkundungen-Reihe des DDR-Verlags Volk und Welt vertreten. Für den Solothurner Schweizer Jugend-Verlag hat er 1965 und 1975 zwei Jugendbücher aus dem Hebräischen übersetzt.

