Header Icon Header Icon
Logo

Suche in UeLEX

Elisabeth Freundlich, 1906–2001

21. Juli 1906 Wien (Österreich-Ungarn) - 25. Januar 2001 Wien (Österreich)
Original- und Ausgangssprache(n)
Englisch, Französisch
Zielsprache(n)
Deutsch

1950 kehrte die Schriftstellerin Elisabeth Freundlich (1906–2001) aus den USA in ihre Heimatstadt Wien zurück. Nachdem sie für ihre im Exil entstandenen Prosawerke keinen Verlag finden konnte, begann sie in den 1950er Jahren, zahlreiche Theaterstücke zeitgenössischer irischer und englischer Autoren zu übersetzen. Einige dieser Übersetzungen entstanden in Zusammenarbeit mit ihrem Ehemann, dem Philosophen und Dichter Günther Anders (1902–1992).

Lebensstationen

Elisabeth Freundlich wurde am 21. Juli 1906 in Wien geboren. Sie wuchs als Einzelkind in einem freisinnigen, assimiliert jüdischen Elternhaus auf. Eine enge Beziehung verband sie bis zu deren Tod mit ihrer Mutter Olga Freundlich (geb. Lanzer; 1880–1966). Der Vater, Jacques Freundlich (1874–1951), war Jurist, Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und des österreichischen Verfassungsgerichtshofs, außerdem Präsident der Arbeiterbank.

Elisabeth Freundlich absolvierte das Wiener Realgymnasium in der Albertgasse. Schulfremdsprachen waren Latein, Französisch und Englisch. Ihren beiden Englisch-Lehrerinnen hat sie in „der Emigration in den USA […] noch oft gedankt, daß sie uns eine akzentfreie Aussprache beigebracht haben, und das in einer Zeit, als man Sprachen noch nicht mit Kopfhörern lernte“ (Freundlich 1992: 58). Anschließend studierte sie an der Universität Wien von 1927 bis 1931 Germanistik (u. a. bei dem Romantikforscher Paul Kluckhohn), Romanistik und Theaterwissenschaft. Den Doktorgrad erwarb sie mit der 260 Seiten umfassenden Dissertation Clemens Brentano und die Bühne. Noch während des Studiums und bis 1934 wirkte sie unter dem Mädchennamen ihrer Mutter (Lanzer) hin und wieder als Dramaturgin und Regisseurin am Neuen Schauspielhaus Wien, 1932 in Berlin als Regieassistentin bei dem bedeutenden Filmemacher G.W. Pabst:

Meine Arbeit beim Film „L’Atlantide (oder: Die Herrin von Atlantis)“ geriet allerdings zu einer großen Enttäuschung, denn wenn man zu diskutieren begann, redeten alle durcheinander und ich war zu schüchtern und kam nicht zu Wort. (Ebd.: 64)

Elisabeth Freundlich hat sich bis zu ihrem 28. Lebensjahr für Politik nicht sonderlich interessiert, das Theater war ihr wichtiger (vgl. ebd.: 59). Dies änderte sich, als der Bundeskanzler Dollfuß sein austrofaschistisches Regime errichtete. Auch die sozialdemokratischen Partei wurde verboten und Jacques Freundlich im Februar 1934 mit fadenscheinigen Begründungen für längere Zeit inhaftiert. Ihre durch Jahrzehnte bewahrte antifaschistische Grundhaltung und „politische Wachsamkeit verdanke ich ganz sicher jenen Tagen“ (ebd.: 69). In der zweiten Hälfte der 30er Jahre reiste sie häufig nach Paris. Sie absolvierte einen Französisch-Kurs an der Sorbonne (Bolbecher 2021: 73) und kam in Kontakt zu deutschen politischen Flüchtlingen, auch zum Schutzbund deutscher Schriftsteller. 1937/38 engagierte sie sich in Pariser Hilfskomitees für die Spanische Republik und die internationalen Spanienkämpfer.1Über ihre Liebe zu einem der Spanienkämpfer, der im Juli 1937 bei Teruel gefallen ist, berichtet ihre Autobiographie (1992: 71–75); literarisch verarbeitet hat sie die Begegnung in ihrer Exil-Erzählung Invasion Day (1948) bzw. Wir waren ja wahnsinnig, damals (2022).

Zu Beginn der Okkupation Österreichs durch Hitlers Deutsches Reich flüchtete Elisabeth Freundlich im März 1938 mit ihren Eltern via Zürich nach Paris. Gleich vielen ins französische Exil entkommenen Österreichern ließen sich die Freundlichs als „Ex-Autrichiens“ registrieren – ein Zeichen des Protestes gegen jene Politiker in Berlin und Wien, nach deren Willen „die Bezeichnung Österreich zugunsten ihrer ‚Ostmark‘ für alle Zeiten aus dem Wortschatz getilgt werden“ sollte (Freundlich 1992: 82).

Freundlich war im Herbst 1938 in Frankreich an der Gründung der überparteilichen Liga für das geistige Österreich / Ligue de l’Autriche vivante als „Mitinitiatorin und Sekretärin“ beteiligt (Krist 2003: 155; vgl. Lester 1984: 48). An der Spitze der Liga stand der Schriftsteller und Übersetzer Emil Alphons Reinhardt (1945 umgekommen im KZ Dachau). Mit dem Kommunisten Otto Heller (1945 umgekommen im KZ-Außenlager Ebensee) arbeitete sie für die 1939 in acht Ausgaben erschienene zweisprachige Exil-Zeitschrift Österreichische Nachrichten / Nouvelles d’Autriche2Vorbildlich digitalisiert findet man die zwischen 38 und 52 Seiten starken Ausgaben in der ANNO-Datenbank der Österreichischen Nationalbibliothek (https://anno.onb.ac.at/)..

Von Otto Heller lernte ich, den gesellschaftlichen und historischen Wurzeln jeder Erscheinung nachzugehen, auch ließ er keine Sprachverschluderung durch. Darin war er so unerbittlich wie sein von ihm bewundertes Vorbild, sein großer Landsmann, der Satiriker Karl Kraus. […] Noch heute spüre ich manchmal den Wunsch, vor seinem unbestechlichen Urteil bestehen zu können. (Freundlich 1992: 91f.)

Nach Kriegsbeginn verfasste sie durch einige Wochen Österreich-Beiträge für das von Rudolf Leonhard verantwortete deutschsprachige Programm des französischen Rundfunks. Im Mai 1940 konnten die Freundlichs auf der Flucht vor den anrückenden deutschen Truppen nach Montauban im Süden Frankreichs entkommen. Der Ort gehörte nach der Kapitulation Frankreichs und der Errichtung des Vichy-Regimes zur „unbesetzten Zone“. Dort hielt Elisabeth Freundlich weiter Kontakt vor allem zu politischen Flüchtlingen. Selbst war sie kein Mitglied einer Partei, obwohl sie zum Verdruss ihres Vaters

damals liebend gern der K[ommunistischen] P[artei] beigetreten wäre […], aber in der Emigration gab es keine Neuaufnahmen. Dennoch wollte ich durch meine Haltung beweisen, daß ich der Aufnahme würdig gewesen wäre. Blicke ich heute nach vielen Jahren auf mein Leben zurück, dann muß ich dabei bleiben, daß die Kommunisten in der Emigration die besten Organisatoren, auch die hilfsbereitesten Menschen – selbst gegenüber Nicht-Parteigenossen – gewesen sind. (Freundlich 1992: 103)

Als prominentes Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Österreichs bekam Jacques Freundlich für sich und seine Familie im Herbst 1940 von der amerikanischen Botschaft in Marseille ein „Emergency Visa“. Doch mit der Vorstellung, Europa als privilegierter Flüchtling zu verlassen, konnte sich seine Tochter erst abfinden, als in Montauban der KP-Funktionär Arpad Haas entschied: „Du hast zu fahren“ (ebd.: 111).3Ausführlich beschrieben hat Freundlich die Szene in ihrer autobiographisch grundierten Erzählung Statt einer Ehrensalve aus dem Jahr 1956 (Freundlich 1956: 66f.).

Ende September gelang ihr, wiederum gemeinsam mit den Eltern, bei Portbou die Flucht über die Pyrenäen nach Spanien und weiter nach Portugal. Dass sie von den spanischen Grenzbeamten nicht nach Frankreich zurückgeschickt wurden, bringt Freundlich in ihrem Erinnerungsbuch in Zusammenhang mit einem Flüchtling, der sich am Vorabend in Portbou das Leben genommen hatte:

Den Grenzbeamten war das höchst peinlich, sie befürchteten eine Kettenreaktion, sie wollten nicht Schuld an weiteren Verzweiflungstaten auf sich laden. […] [J]edenfalls ließ man an jenem Tag erst einmal sämtliche Flüchtlinge passieren. Der Selbstmörder, dessen Freitod uns die Freiheit erkauft hatte, hieß Walter Benjamin. Doch […] das erfuhr ich erst später. (Ebd.: 113)

In Coimbra, dem „Heidelberg von Portugal“ (ebd.: 115), bestand für einzelne Flüchtlinge die Aussicht auf „Professuren, Gastprofessuren wenigstens für ein Jahr“ (ebd.), aber die „Behörden gestatteten unseren Aufenthalt nicht, wir mußten weiter“ (ebd.). Auf einem Frachtschiff, das „bisher nur Südfrüchte von den Azoren nach Lissabon gebracht“ hatte (ebd.: 115), gelangte die Familie in die USA. „Am 26. November 1940 erreichten wir die rettende Küste der Vereinigten Staaten. Es war der Tag von Mutters sechzigstem Geburtstag“ (ebd.: 116). Zehn Jahre lang – bis zum 7. April 1950 – blieb Elisabeth Freundlich in den USA.

Sie bemühte sich als Erstes, über die American League of Writers und die Hilfsorganisationen der Quäker und Unitarier für in Europa zurückgebliebene „unbekannte Linksorientierte“ (ebd.: 117) Geld für Schiffspassagen und Einreisepapiere in die USA oder nach Mexiko zu beschaffen sowie Kontakte zu anderen geflüchteten bzw. emigrierten Österreichern herzustellen. Dank ihres Doktordiploms und ihrer Erfahrungen beim Theater bekam sie einen befristeten Lehrauftrag an einem College und hielt hier und da Vorträge. Aber eine Festanstellung mit einem geregelten Einkommen waren trotz ihrer vorzeigbaren Englisch-Kenntnisse ohne „American experiences“ (ebd.: 117) nicht zu bekommen. Sie absolvierte daher an der New Yorker Columbia University ein Zweitstudium in Library Science (M.A. 1943) und erhielt dann eine Stelle als Sachbearbeiterin am Metropolitan Museum:

Ich mußte die Nummern auf den Karten, auf denen die Kunstwerke verzeichnet waren, mit einem scharfen Messer auskratzen und neue Nummern einsetzen, eine höchst uninteressante Tätigkeit, die mich ganz und gar nicht zufriedenstellte. Trotzdem haben mich viele um diese Arbeit beneidet. (Ebd.: 118)

Nach der Kriegserklärung des Deutschen Reiches gegen die USA im Dezember 1941 wurden nach und nach viele Dozenten zur Armee eingezogen, wodurch es mehr Beschäftigungschancen für aus Europa geflüchtete Akademiker gab. Freundlich wurde Dozentin für Deutsch in Princeton und 1945 am Wheaton College in Massachusetts:

Ich hatte auf dem Campus zwei Zimmer und wollte mich oft zum Schreiben zurückziehen. Das war gar nicht so leicht, denn da war immer jemand, der einen besuchen wollte. Es gab unter ihnen so außergewöhnliche Menschen, die vom Typ her in Europa niemals hätten eine Universitätsstelle bekleiden können, unkonventionelle, menschlich großartige Kollegen. (Ebd.: 131)

Als ihre „wichtigste Tätigkeit in den USA“ (ebd.: 121) benannte sie ihre ehrenamtliche Mitarbeit an der zwischen 1942 und 1949 einmal pro Monat erscheinenden Austro American Tribune.4Die AAT erschien im ersten Jahrgang unter dem Namen Freiheit für Österreich. Chefredakteur war „William Green“, „ein mittels eines Visums der Hebrew Immigration Aid Society 1940 in die USA geflüchteter Wiener Arzt namens Dr. Wilhelm Gründorfer“ (Hertling 1997: 197). Ab Herbst 1943 verantwortete sie die Herausgabe des Feuilletons dieser Exil-Zeitschrift. Das Feuilleton konzipierte sie – unterstützt von Ferdinand Bruckner, Alfred Polgar und Berthold Viertel – als Sprachrohr der für die Wiederherstellung der staatlichen Unabhängigkeit Österreichs eintretenden Emigranten. Die Zeitschrift „wurde zu dem, was die Nouvelles d’Austriche hätte werden können“ (Hertling 1997: 108):

Damit gelang Freundlich etwas für die Emigration und das Exil wohl Einmaliges. Für diese wohl interessanteste und wichtigste Exilzeitung in den USA konnte sie Schriftsteller, Dichter, darstellende Künstler, Theaterfachleute, Musiker und Wissenschaftler von Weltrang heranziehen. (Ebd.: 197)

Namentlich gezeichnet erschienen von ihr selbst – allerdings unter dem Pseudonym Elisabeth Lanzer – in der Austro American Tribune ein Essay über Adalbert Stifter, ein Nachruf auf Romain Rolland, ein Aufsatz über Unsere Amerikanisierung und die deutsche Sprache5Nachdruck in Freundlich 1992: 147–150. sowie mehrere Filmkritiken6Besprochen werden Address unknown (antifaschistischer Film), Voice in the Wind (Emigramtenfilm), Lifeboat (Kriegsdrama von Hitchcock; Freundlich übt Kritik an der Darstellung der Schwarzen), Watch on the Rhine (Widerstandskämpfer-Film), This Land Is Mine (Antifaschismus). In Bahrs Werkbibliographie (2009) sind Freundlichs Veröffentlichungen erst ab dem Jahr 1953 erfasst.. Auch von Nicht-Österreichern hat Freundlich Beiträge eingeworben, von Heinrich und Thomas Mann, von Lion Feuchtwanger und Bertolt Brecht. Mit ihm – so der Blatt-Chefredakteur Wilhelm Gründorfer in einem Gespräch 1990 in Wien – soll es Anfang 1943 auch eine Beratung „zu dritt: Liesl Freundlich, Brecht und ich“ über die Kulturbeilage gegeben haben:

Brecht war sehr dafür, eine große Kulturzeitung für deutsche und österreichische Emigranten gemeinsam zu machen. Mit Recht. Brecht machte das Angebot nicht als Einzelperson, sondern als Vertreter sehr bekannter deutscher Schriftsteller. […] Es hat uns sehr leid getan, auf Brechts Angebot nicht eingehen zu können, aber hätten wir es getan, dann wäre die Austro-American Tribune keine Austro-American Tribune geworden. (Hertling 1997: 109)

Freundlich berichtete – ebenfalls 1990 im Gespräch mit Viktoria Hertling – von Treffen mit Brecht in Ruth Berlaus New Yorker Wohnung. Bei diesen Begegnungen wählten sie auch einige seiner Fotoepigramme für die Kulturbeilage aus (vgl. Freundlich 1992: 124).

Überhaupt kümmerte sich die Austro-American Tribune um Brechts Werk wie kein zweites Publikationsorgan – sie brachte seine Gedichte, Werknotizen, Auszüge aus Galilei, einen langen Aufsatz von Berthold Viertel über Brecht und die erste Besprechung der New Yorker Galilei-Aufführung in einer Emigrantenzeitschrift. Am wichtigsten aber war die Erstveröffentlichung einiger Bilder und Epigramme aus der Kriegsfibel. Mit einem Hinweis auf das aus der Antike stammende Epigramm als Ausdrucksform für zeitgeschichtliches Material hat Frau Freundlich diese „Fotogramme“ scharfsinnig als Gegenstücke zu Goyas Schrecken des Krieges vorgestellt. (Lyon 1989: 1555)

Die alliierten Besatzungsmächte gestatteten 1947 den Vertrieb der AAT in Österreich. Freundlich brachte dann in der Literaturbeilage auch Texte von jüngeren österreichischen Autoren – „alle eindeutig unbemakelt und von untadeliger Gesinnung“ (Freundlich 1992: 132). Ihre Erwartung, in Österreich durch diese Kontakte Interesse an im Exil entstandenen Werken österreichischer Autoren zu wecken, erfüllte sich nicht.

Im April 1950 kehrte Freundlich mit ihrem Ehemann Günther Anders7Die beiden hatten 1944 in Amerika geheiratet, die Ehe wurde 1955 geschieden. Die Beziehung zwischen Freundlich und Anders behandelt ausführlich Raimund Bahr im Kapitel 23 Leben in der Endzeit seiner Anders-Biographie (2010: 231–251). nach Europa zurück. Am 12. Mai 1950 beschrieb sie in einem ersten Brief an ihre Mutter, die mit Jaques Freundlich von Amerika nach Zürich remigriert war, ihre Eindrücke von der zerstörten Innenstadt Wiens:

Mein geliebtes Engerl, […] Wir fuhren gestern abends mit der Stadtbahn bis zum Karlsplatz und gingen Oper, Kärtnerstraße, Stefansplatz, Graben, Herrengasse, Schottentor, wo wir in einem kleinen Beisl sehr gut assen und dann mit dem 58 nach Haus fuhren. Ich war, auch beim Anblick des Stefansturms, der ein fremder Turm ist, weil er vor einem völlig zertrümmerten Dach nach oben zeigt, von nichts erschüttert, aber auch nicht voll Genugtuung. Man hat einfach das Gefühl: So mußte es kommen und die hier verstehen ja wahrscheinlich kaum, was ihnen geschehen.

Elisabeth Freundlich lebte von 1950 bis zu ihrem Tod am 25. Januar 2001 in Wien. Ihre Absicht war, sich gleich nach der Rückkehr mit den in Amerika entstandenen Prosawerken als freischaffende Schriftstellerin zu etablieren. Zwar war – vielleicht durch Vermittlung des ebenfalls im New Yorker Exil lebenden Schriftstellers F.C. Weiskopf – schon 1948 in der französisch-deutschen Besatzungszone in Überlingen am Bodensee ihre novellenartige Erzählung Invasion-Day erschienen (unter dem Pseudonym Elisabeth Lanzer), aber wahrgenommen wurde dieses Buch so gut wie gar nicht.8Eine Besprechung immerhin ließ sich finden, sie stammt von dem Emigranten und einstigen Mitarbeiter der Nouvelles d’Autriche Ludwig Ullmann und erschien im Aufbau (New York) am 3. Juni 1949. Weitere im Exil entstandene Werke, darunter die Erzählung Der Stein der Weisen9In Der Stein des Weisen geht es um die Erinnerung an Widerstandskämpfer, die in den 30er Jahren von Paris aus antifaschistische Tarnschriften herstellten und nach Deutschland schafften, darunter ein Aufruf Heinrich Manns an die Deutschen, Hitler zu stürzen: „Bleibt dieser Mensch, ist Deutschland verloren. Beseitigt den falschen Führer! Kämpft ihn nieder! Erhebt euch!“ (Freundlich 1986a: 35). Auf die Bitte, seinen Text für den Stein der Weisen verwenden zu dürfen, antwortete Heinrich Mann aus seinem Exil in Kalifornien am 13. März 1947: „Sehr verehrte Doctor Freundlich, Ihre Erzählung habe ich mit lebhafter Teilnahme gelesen. Die Idee des Rahmens [Frühling und Herbst 1945 in Paris; AFK] ist glücklich, die gut gezeichneten Personen der Teile convergieren; getrennt, sind sie einander nicht fremd, auch damit ergreifen sie. Besonders meine ich den alten Botaniker, und bin zufrieden, dass gerade er meinen Aufruf findet. Selbst besitze ich weder diesen, noch irgendeine meiner Botschaften. Haben Sie Exemplare und wollen Sie mir Abschriften geben? Es wäre sehr lieb. […] Mit den besten Grüssen / Ihnen ergeben / Heinrich Mann“ (Schneider 1982: 111). und ihr familiengeschichtlicher Roman Der Seelenvogel, wurden erst 1986 veröffentlicht – zu Beginn ihres neunten Lebensjahrzehnts. Erst mit diesen Publikationen war sie „als Schriftstellerin […] heimgekehrt“ (Seifert 1986).

Den Lebensunterhalt hatte sie in den 50er, 60er und 70er Jahren u. a. durch journalistische Arbeiten verdient, insbesondere durch hunderte Artikel über je Aktuelles aus dem österreichischen Kulturleben für die Tageszeitung Mannheimer Morgen (vgl. die Auflistung in Bahr 2009: 15–113). Erwähnenswert sind ferner ihre Beiträge für die Frankfurter Hefte, für das in Bonn erscheinende SPD-Blatt Vorwärts10Dort erschien am 7. Februar 1962 ihr Aufsatz Bücher, die uns nicht erreichten. „Literatur im Exil“ wartet auf ihre Darstellung (Nachdruck in Freundlich 1992: 154–157). sowie die jüdische Wiener Zeitschrift Die Gemeinde, in der sie in den Jahren 1964 bis 1966 mehrmals ausführlich über den Frankfurter Auschwitz-Prozess berichtete. Die nationalsozialistische Vernichtungspolitik ist auch Thema ihrer in jahrelangen Archivrecherchen entstandenen Dokumentation Die Ermordung einer Stadt namens Stanislau (1986b).

Übersetzen

Zu ihrer Sprachbiographie, ihren übersetzerischen Aktivitäten oder gar ihrer „Translationspoetik“ hat sich Elisabeth Freundlich in ihren autobiographischen Texten nicht ausführlicher geäußert. Aus einzelnen Andeutungen lässt sich erkennen, dass sie erste Erfahrungen im Hin und Her zwischen verschiedenen Sprachen schon im schulischen Fremdsprachenunterricht gesammelt haben dürfte. Aus der Studienzeit erinnerte sie sich an einen Germanistik-Kurs Gotisch für Anfänger, in dessen Verlauf es u. a. um die heiter-kuriose Aufgabe ging, „moderne Zeitungsartikel ins Gotische zu übersetzen“ (Freundlich 1967: 22). Dass die jahrelangen Aufenthalte im französischen und amerikanischen Exil zu vielfachem Dolmetschen und Übersetzen (für Behörden, Botschaften, Hilfsorganisationen usw.) geführt haben werden, bedarf keines Nachweises. Im Pariser Exil dürfte zudem ihre Mitarbeit an den durchgehend deutsch-französisch publizierten Österreichischen Nachrichten / Nouvelles d’Autriche das Erstellen oder zumindest Redigieren von Übersetzungen französischer Beiträge beinhaltet haben, auch wenn die Namen von Übersetzern in der Zeitschrift nirgendwo genannt wurden.

Als Verantwortliche für den Kulturteil der Austro-American Tribune hat Freundlich mit ganz wenigen Ausnahmen keine Übersetzungen veröffentlicht. Zu den Ausnahmen gehören zwei längere Gedichte: zum einen Louis Aragons Der Walzer der Zwanzigjährigen (1940), übersetzt von dem 1938 aus Wien nach New York geflüchteten Ernst Waldinger11Waldinger war 1944 wie Elisabeth Freundlich in Wieland Herzfeldes Aktivitäten zur Gründung des Aurora-Verlags involviert, er konnte – anders als Freundlich – in diesem New Yorker Exilverlag 1946 auch ein eigenes Buch veröffentlichen: Die kühlen Bauernstuben. und gedruckt 1944 im September-Heft, sowie zum anderen Stephen Vincent Benéts Litanei für Diktaturen, 1945 im Februar-Heft. Die stark gekürzte deutsche Version von Benéts Mitte der 1930er Jahre entstandenem Langgedicht stammt von dem aus Wien in die USA geflüchteten Juristen Siegfried Eisgrau. Ob diese beiden Nachdichtungen von Freundlich angeregt wurden, lässt sich nicht sagen.

Als übersetzerisches Tun im weitesten Sinne können Freundlichs in der AAT unter dem Namen Elisabeth Lanzer veröffentlichte Filmkritiken verstanden werden.12Folgende Filmbesprechungen lassen sich nachweisen: This Land is Mine (ATT, 1. Juli 1943), Watch on the Rhine (ATT, 3. Oktober 1943), Films are Weapons (ATT, 7. Februar 1944), Voice in the Wind (ATT, 8. April 1944), Address Unknown (ATT, 10. Mai 1944). Sie sah im Kino die Originalversionen und stellte die sich aus den englischsprachigen Dialogen ergebenden Geschichten dann zusammenfassend für die Leser der AAT in deutscher Sprache dar. An diese „translatorische Handlung“ schloss sich ihre – mitunter äußerst kritische – Bewertung des jeweiligen Films an.13Kritik an Voice in the Wind (Drehbuch: Friedrich Torberg, Regie: Arthur Ripley, Hauptrolle: Franz Lederer): „Das Ganze ist, als wäre die Technik des Films eben erst erfunden, als wäre sie amüsantes Spiel an sich und nicht herrliche Möglichkeit der dramatischen Gestaltung, die hier bis zum Überdruss vergeudet wird. All dies wäre unerheblich und unwichtig, träfe es nicht die Emigration an einer empfindlichen Stelle. Bewiese es nicht den ganzen Unernst, mit dem hier versucht wird, Emigrantenleid den Amerikanern nahe zu bringen.“ (ATT, 8. April 1944). Aus übersetzungswissenschaftlicher Sicht ist ihre Besprechung des Films Address Unknown besonders interessant. Denn hier referiert sie nicht nur den Handlungsstrang des Films, sondern sie vergleicht ihn mit seinen Vorlagen – es geht ihr um die Darstellung und Beurteilung einer (in heutiger Terminologie) intersemiotischen Übersetzung. Ein längeres Zitat sollte das Niveau und die politische Stoßrichtung ihrer Kritik aus dem Mai 1944 erkennen lassen:

Der Film hat eine Geschichte zur Grundlage, die im Jahr 1938 erstmals im Story Magazine erschien und dann von Readers Digest übernommen wurde. Sie fand auf diese Weise weiteste Verbreitung und erregte großes Aufsehen. Dies mit gewissem Recht. Sie zeigte anhand der Korrespondenz zweier Geschäftspartner, eines jüdischen Amerikaners deutscher Abkunft und eines „arischen“ Deutschen, die Verwüstungen an Geist und Charakter, die das Naziregime schon in seinen Anfängen, selbst ohne jede Drohung oder physische Gefährdung auszuüben imstand war. […] Die Transponierung der Handlung aus dem Material der Erzählung in das des Films ist kaum versucht. Allzusehr bleibt man der Grundidee des Briefwechsels treu, ohne nach adäquaten Ausdrucksmitteln zu suchen […]. Im Zentrum des Films steht ein psychologisches Problem: die Verwandlung des Bürgers Schulz aus einem braven, gutherzigen Familienvater in einen machtgierigen rücksichtslosen Ehrgeizling: schließlich wird er selbst zum Gejagten. […] Der Hintergrund der Handlung ist der aufsteigende Nationalsozialismus und deshalb ist der Film scheinbar nicht aktuell. Aber gerade jetzt, da das Ende des Nationalsozialismus in greifbare Nähe rückt, ist es dringend geboten, sich jenen Menschenschlag vor Augen zu führen, mit dem fertig zu werden, eines der schwierigsten Probleme des neuen Deutschland sein wird. Die führenden Naziverbrecher zu erledigen, wird verhältnismässig leicht sein, gegenüber der Aufgabe, jenen Typ immer wieder zu entlarven und unschädlich zu machen, der die deutsche Misere seit eh und je verschuldete, den Typ, dessen Darstellung im wilhelminischen Deutschland Heinrich Manns Tat war und den Brecht wieder in Furcht und Elend des Dritten Reiches gezeigt hat. […] In diesem Sinn ist Address Unknown unendlich wichtig, regt zum Nachdenken an, wirft ein Problem auf: wie weit ist re-education möglich und bei wem, und was kann getan werden, damit der „Untertan“ in Deutschland endlich, endlich unschädlich gemacht wird. […] Niemand, dessen Lebenszentrum der Kampf gegen den Faschismus ist, wird das Kino verlassen, ohne zu wissen, dass diesem Typ in einem neuen Deutschland der schwerste und entscheidendste Kampf gelten wird. Und deshalb muss man diesen Film gesehen haben.

Freundlichs Erwartung, dass nach der militärischen Niederlage des Deutschen Reiches die im Exil auf ihre Mitwirkung im Re-Education-Prozess wartenden Schriftsteller, Künstler und Politiker in ihre Heimatländer zurückgerufen würden, hat sich für die westdeutschen Besatzungszonen und das wiedererstandene Österreich nicht erfüllt. Im Kapitel Von der Rückkehr zur Heimkehr ihrer Autobiographie heißt es: „lange Zeit hatte ich das Gefühl: Wir sind unerwünscht“ (Freundlich 1992: 146). Eine Ausnahme gab es: Viktor Matejka, von 1938 bis 1944 Häftling im KZ Dachau, nach dem Krieg als Vertreter der KPÖ in Wien Kulturstadtrat; er

erließ einen flammenden Aufruf an alle zur Rückkehr: Man brauche sie dringend zum Wiederaufbau. Matejkas Aufruf wurde im Ausland gehört. Wir druckten ihn in der Austro-American-Tribune ab, er wurde von vielen ausländischen Blättern übersetzt und nachgedruckt. Sonst erfolgte nichts. (Ebd.: 142)14Auch das erste Treffen mit Matejka nach ihrer Rückkehr aus den USA („Stürmisch flog ich ihm beim Wiedersehen an den Hals.“) hat Freundlich in den Fahrenden Jahren erwähnt (1992: 135).

Das Unerwünschtsein zeigte sich u. a. darin, dass ihre aus Amerika mitgebrachten, auch vom Widerstand gegen die Nazis handelnden Exil-Erzählungen wie ihre „österreichisch-jüdische Familiensaga“ (ebd.: 137) Der Seelenvogel kein Interesse fanden. Nach vielen erfolglosen Kontaktaufnahmen bei österreichischen und westdeutschen Literaturverlagen schrieb sie am 1. Februar 1954 an ihre Mutter:

Dass meine Geschichten nirgends hineinpassen, ist natürlich traurig und Elan lähmend. Aber vielleicht wird es doch noch. Inzwischen übersetzen. Ich bin nicht guter Stimmung.15Nachlass Deutsches Literaturarchiv Marbach, Kiste 37, Mappe 8.  – Ähnlich in einem Brief an Joseph Kalmer vom 6. März 1956: „Und warum freuen Sie sich, dass ich an eine neue Übersetzung gehen muss. Wo ich doch viel lieber den Roman schrübe [sic]?“ (Bahr 2011)

Mit dem Übersetzen als zeitweiligem „Broterwerb“ (Freundlich 1992: 137) hatte sie zusammen mit Günther Anders schon Anfang der 50er Jahre begonnen. Gleich anderen remigrierten Autoren sicherte sie diesen Broterwerb durch das Übersetzen von Theatertexten. Ihre Bibliographie verzeichnet ein knappes Dutzend solcher Übersetzungen. Die Stücke wurden – bis auf eine Ausnahme – von Bühnenverlagen wie dem Österreichischen Bühnenverlag Kaiser & Co. oder dem Strassegg-Verlag vertrieben,16Klaus Völker vermutet, dass der Kontakt zu Strassegg von Berthold Viertel vermittelt wurde (E-Mail an AFK, 3. Januar 2021). was bedeutet, dass sie nicht im Buchhandel erhältlich waren. Auffällig ist ferner eine Konzentration auf eher Unterhaltsames, falls man den Gattungsbezeichnungen auf den Titelseiten trauen darf: „Tragikomödie“, „Burleske“, „Komödie“, „unwahrscheinliche Komödie“, „burleske Komödie“.

Den Ratschlag, sich um die Theaterstücke des irischen Dramatikers Sean O’Casey (1880–1964) zu bemühen, hat ihr Bertolt Brecht gegeben (Freundlich 1992: 137). Die von ihr ins Deutsche gebrachten O’Casey-Stücke wurden „alle auch aufgeführt“ (ebd.: 138). Zu einem beachtlichen Bühnenerfolg brachte es ihre „für die deutsche Bühne übersetzt[e] und bearbeitet[e]“ Version einer „unwahrscheinlichen Komödie“ des „liebenswerten, aber weniger bedeutenden Iren […] Paul Vincent Carroll“ (ebd.). Carrolls (1900–1968) bzw. Freundlichs Der widerspenstige Heilige hatte seine Uraufführung am Wiener Akademietheater mit Hermann Thimig in der Titelrolle (ebd.)17Dass Thimig im „Dritten Reich“ ein gefeierter Regisseur sowie Bühnen- und Filmstar war und von Hitler 1944 auf die sog. „Gottbegnadeten-Liste“ der wichtigsten Künstler des NS-Staates aufgenommen wurde (vgl. Klee 2007: 611), hat Freundlich in ihrem Erinnerungsbuch nicht angemerkt., die deutsche Erstaufführung gab es am Nationaltheater Mannheim und danach ging das Stück noch „über viele deutsche Bühnen“ (ebd.).

Theater- und auch übersetzungsgeschichtlich bedeutender ist Freundlichs Beschäftigung mit O’Casey, beginnend mit seinem in den 1920er Jahren geschriebenen Preispokal (The Silver Tassie):

[O’Casey] wollte ich übersetzen, ahnte freilich nicht, daß ich dadurch in eine üble Intrige geraten würde. Ich wählte O’Caseys Anti-Kriegsstück The Silver Tassie. […] Es geht darin um einen siegreichen Fußballer, der im Ersten Weltkrieg zum Krüppel geschossen wird, und den seine Verlobte verläßt, weil sie einen gesunden Mann vorzieht. „Das Stück will nichts anderes zeigen, als daß Frieden besser ist als Krieg. Und wer würde das leugnen?“ schrieb mir damals O’Casey.18Der Brief, geschrieben am 16. Juli 1953, findet sich in der vierbändigen Ausgabe der O’Casey-Briefe (Vol. II. Edited by David Krause. New York: Macmillan Publishing 1980, S. 980 ff.). „Ein weiterer Brief an E. Freundlich vom 8. 2. 1954 ist abgedruckt S. 1028 f., sie hatte geschrieben, dass The Silver Tassie auch in Wien aufgeführt wird. In der Ausgabe der Briefe ist sonst kein Brief an Freundlich abgedruckt. Aber es gibt sicher noch mehr Briefe, und E. F. und Anders haben O’Casey auch besucht und persönlichen Kontakt gehabt“ (E-Mail von Klaus Völker an AFK, 3. Januar 2021). Ich dachte, daß ein Publikum, das eben einen Krieg durchgemacht hatte, das am besten verstehen würde. (Ebd.: 137)

Doch dann sprach sich in der „kaltkriegerisch verhetzten Wiener Presse“ (ebd.: 138) herum, dass der irische Autor Kommunist sei. Berthold Viertel, der 1948 aus dem amerikanischen Exil nach Europa zurückgekehrt war, wollte das Stück 1952 in Wien aufführen, musste aber nach Zürich ausweichen. Fritz Kortner inszenierte den Preispokal 1953 am Westberliner Schiller-Theater. In den Frankfurter Heften wurde kurz darauf, genauer: im August 1953 ein Teil des als besonders provozierend empfundenen zweiten Akts des Preispokals abgedruckt,19Die Namen der Übersetzer wurden in dem Heft nicht genannt. In der September-Ausgabe der Frankfurter Hefte findet sich in der Rubrik Mitteilungen dann jedoch der Hinweis: „Der Preispokal von Sean O’Casey, dessen zweiten Akt wir im August-Heft (Seite 610 ff.) zum größten Teil abdruckten, wurde von Elisabeth Freundlich und Günther Anders aus dem Englischen übertragen“ (S. 729). zusammen mit Freundlichs Bericht über die Berliner Aufführung unter dem Titel Kortners bitterer Pokal. Die Premiere hatte am 20. Juni stattgefunden und einen regelrechten Theaterskandal ausgelöst. Kortner schilderte den Hergang Jahre später, am 11. Januar 1966, in einem (auf Deutsch verfassten) Brief an den O’Casey-Forscher und Herausgeber Ronald Ayling:

Die Aufführung des Preispokal fiel unglücklicherweise mit der Rebellion in der DDR – dem 17. Juni – zusammen, wodurch den West-Berlinern, die in jenen Tagen höchst kriegerisch gestimmt waren und auf eine bewaffnete Intervention der Amerikaner hofften, die pazifistische Tendenz des Stückes wie provozierender Hohn klang. Dieser Grund mag zum Teil den anhaltenden Theaterskandal erklären, jedoch nicht ganz. Ich fürchte, das soldatische Ehrgefühl wurde durch meine Inszenierung verletzt, die sich nicht darauf beschränkte, den Krieg als unmenschlich anzuprangern, sondern ihn als Wahnsinnsaktion einer scheinbar unheilbaren Geisteserkrankung darzustellen bemüht war. Ich las das in dem Stück und führte es weitgehend durch. Die atavistische Kampfanbetung drückte sich schon im 1. Akt durch die delirante Glorifizierung des Sportheros aus. Vom Sportdelirium in das Kriegsdelirium schien mir ein durchaus inszenierbarer Übergang, der auch optisch und akustisch durch lang ausgespielte Szenenübergänge unterstützt wurde. Besoffene Sanitäter, die karnevalistisch in Frauenkleidern steckten und die Bahren mit den Verwundeten schwankend über einen langen Zickzackweg, Lieder grölend, beförderten, erregten einen besonderen heftigen Protest. Doch gerade von diesen Sanitätern, und dann von den Soldaten, diese unvergleichlichen Lieder singend, ging für den von Stück und Aufführung beeindruckten Teil des Publikums die stärkste, wie mir gesagt wird, unvergessene Wirkung des Abends aus. Aber in jenen Wochen dominierte ein anderer Teil des Publikums, eine andere Gattung, in der Verfassung des Losgehenwollens und nicht aufnahmebereit dafür, wie es denn, ein Jahr nach der Mobilmachung, ausschaut.20Den Auszug aus dem Kortner-Brief teilte mir am 2. Januar 2021 Klaus Völker in einer E-Mail mit.

Die Dramen-Übersetzungen von Freundlich bzw. Freundlich und Anders haben sich im Repertoire der deutschsprachigen Bühnen nicht durchgesetzt. Ursache dafür waren – so Klaus Völkers Urteil von 1968/72 – die „mangelhaften deutschen Texte“ (Völker 1972: 120). Freundlichs Übersetzung z. B. von Cock-a-Doodle Dandy unter dem Titel Gockel, der Geck „enthielt sinnentstellende Fehler sowie fahrlässige und politisch verharmlosende Streichungen“ (ebd.: 121). Generell seien „alle O’Casey-Übersetzungen von Freundlich/Anders zu spröde, ungestisch, unpoetisch.“21Klaus Völker, E-Mail an AFK, 3. Januar 2021. Völker fügte den Satz an: „Persönlich schätzte ich Freundlich sehr, auch ihre Bücher.“

Gelungenere Übersetzungen wurden in den 1960er und 70er Jahren erarbeitet, nachdem 1968 Suhrkamp für Westdeutschland, Österreich und die Schweiz bzw. der Henschelverlag für die DDR die Vertretung für alle Dramen O’Caseys übernommen hatten. Für Peter Zadeks Wuppertaler Inszenierung (Premiere 21. November 1968) wurde Der Preispokal von Tankred Dorst erneut übersetzt. Ein kurzer Passus aus den beiden Versionen lässt schon erkennen, worauf Völkers Kritik zielte:

Freundlich/Anders (1952)

Der Kauernde: Und des Herren Hand kam über mich und führte mich hinaus im Geiste des Herrn und setzte mich ab inmitten eines weiten Tales. / Und ich blickte, und siehe, es stand da ein großes Heer, und es war ein ungeheurer Haufe. / Und Er sprach zu mir: „Du Menschenkind, weissage um dieses Heer. Meinst du, ich kann aus ihm einen Hügel machen von verdorretem Gebein?“ […] und ich antwortete, Herr, Herr, nur Du wissest die Antwort. Und er sprach zu mir: „Weissage zum Winde und sprich zum Winde: so redet der Herr: Wind, Wind, komm herzu aus den vier Windecken und blase diese Lebendigen an, auf daß sie sterben.“ […] und ich weissagte, wie Er es mir befohlen hatte, und der Odem wich aus ihnen, und siehe, die Sehnen sanken dahin und sie zerfielen Bein um Bein, und der sehr große Haufe ward ein Hügel von dürrem Gebeine. (Zit. nach O’Casey 1953: 610 f.)

Tankred Dorst (1968)

Der Kauernde: Und des Herrn Hand war über mir, und trug mich hinauf im Geist des Herrn und setzte mich nieder mitten in einem Tal. Und ich sah um mich und erblickte eine Menge, die dastand, und es war ein großes Heer. Und er sprach zu mir: Menschensohn, kann dieses große Heer zu einem Tal verdorrter Beine werden? […] Und ich antwortete, Herr, du weißt es. Und Er sprach, so verkündige es ihnen, und dem Wind sage, er möge kommen aus den vier Winden und den Lebenden zuwehen, daß sie sterben. […] Und ich verkündete es, und der Atem verließ sie, und die Waffen fielen von ihnen ab, und es kam ein Beben und Zittern, und die Gebeine brachen auseinander, Bein für Bein, und sie starben und das große Heer wurde zu einem Tal verdorrter Beine. (Zit. nach O’Casey 1978: 306 f.)

Weitere übersetzerische Aktivitäten von Elisabeth Freundlich dürften sich bei gründlicherer Durchsicht ihres im Deutschen Literaturarchiv Marbach aufbewahrten Nachlasses ermitteln lassen. Für die 1950er Jahre könnte insbesondere der sehr umfangreiche Briefwechsel mit ihrer Mutter22Im Zeitraum 28. April 1950 bis 25. Mai 1961: 467 Briefe von Elisabeth Freundlich an ihre Mutter Olga Freundlich und 471 Briefe der Mutter an ihre Tochter. aufschlussreich sein, wie erste Stichproben ergaben. Z. B. berichtet am 26. Februar 1954 Freundlich, dass sie eine „Option für 2 schöne englische Bände“ habe, und fragt ihre Mutter: „Vielleicht kannst Du vorübersetzen?“23Nachlass Elisabeth Freundlich im DLA Marbach, Kiste 37, Mappe 8.

Nicht um die Erstellung, sondern um die Verhinderung einer Übersetzung geht es in einem Brief, den Freundlich am 8. April 1963 aus Wien nach Israel schickt, an Dolf Michaelis und Eva-Michaelis Stern, die Schwester von Günther Anders. In ihrem Brief beklagt Freundlich, dass Hannah Arendts eben im New Yorker in Fortsetzungen erschienene Reportage Eichmann in Jerusalem

demnächst in Buchform bei Viking Press, N.Y. herauskommen soll […], und was noch viel schlimmer ist, auch in Deutschland bei Piper kommen soll. Günther [Anders], Charlotte [Zelka bzw. Zelkowitz] und ich sind über diese Publikation völlig niedergeschmettert. Günther kann sich da aus begreiflichen Gründen [als Ex-Ehemann von Hannah Arendt] natürlich nicht einmischen, aber ich gedenke alle mir zur Verfügung stehenden Hebel in Bewegung zu setzen. Habt Ihrs gelesen, könnt Ihrs begreifen? Die Vorwürfe gegen das israelische Gericht und Eure Regierung liegen natürlich ausser meiner Kompetenz, nichtsdestoweniger wüsste ich gern, was man bei Euch darüber denkt. Angeblich soll das Buch auch in Israel herauskommen. Aber die Vorwürfe gegen die Judenräte, die eigentlich schuld an allem sind, wären, wenn das Buch in Deutschland herauskommt, ein entsetzlicher Schaden. Seht Ihr eine Möglichkeit die deutsche Ausgabe zu verhindern? Ich mobilisiere alle noch vorhandenen deutsch-jüdischen Kreise. […] Die sehr zurückhaltenden Angriffe gegen H. A. im New Yorker Aufbau habt ihr gewiss gesehen, begreiflicherweise wäre der Aufbau lieber stolz auf eine so bedeutende Schriftstellerin, die die Verfasserin zweifellos ist. Aber das ist eine rein moralische Frage und in dieser handelt sie eben farbenblind. Ich denke, daß vielleicht auch das Leo Baeck Institut, dessen Vorstand Dolf doch angehört, etwas unternehmen könnte, vielleicht auch Eva Reichmann in London. (Zit. nach Bahr 2011)

1977 erschien im Wiener Europaverlag und 1981 als Taschenbuchausgabe bei Rowohlt Elisabeth Freundlichs letzte und zugleich umfangreichste Übersetzung: John A. Williams Night Song – Ein Roman aus der Jazz-Szene. Ich vermute, dass sie selbst den Roman dem Wiener Verlag für die Übersetzung vorgeschlagen hat. Zur Diskriminierung der Schwarzen in den USA hatte sie sich schon in ihren Exiljahren geäußert, etwa in ihrer Kritik des Hitchcock-Kriegsdramas Lifeboat, die sie unter dem Titel „Films are Weapons“ in der Austro American Tribune vom 7. Februar 1944 veröffentlichte:

Dass der Neger die übliche Negerrolle spielt, als Taschendieb dargestellt werden muss, dass ihm gegenüber auch in dieser Lage [eine Gruppe Schiffbrüchiger in einem Rettungsboot] die Schranken nicht fallen, passt zu der Verantwortungslosigkeit des ganzen Films.

Das Interesse an den Emanzipationsbestrebungen der Schwarzen in den USA zeigt sich auch in ihren Berichten über die beiden Erstaufführungen von Stücken James Baldwins 1965 im Theater an der Wien und 1968 im Wiener Volkstheater.24Beide Aufführungskritiken erschienen in einer Tageszeitung: 1. Die Sünderecke des James Baldwin. Europäische Erstaufführung von Amen Corner durch ein Negerensemble im Theater an der Wien. In: Mannheimer Morgen, 12./13. Juni 1965; 2. Der Mord an einem Negerjungen. Blues für Mr. Charlie von James Baldwin als deutschsprachige Erstaufführung im Wiener Volkstheater. In: Mannheimer Morgen, 30. Oktober 1968. Mit ihrer Night Song-Übersetzung kehrte sie nicht zuletzt dorthin zurück, wo sie als Exulantin durch zehn Jahre auch die Kultur und die Sprache jener anderen Welt kennengelernt hatte, von der Williams in seinem heute als Klassiker geltenden Roman erzählt.


Anmerkungen

  • 1
    Über ihre Liebe zu einem der Spanienkämpfer, der im Juli 1937 bei Teruel gefallen ist, berichtet ihre Autobiographie (1992: 71–75); literarisch verarbeitet hat sie die Begegnung in ihrer Exil-Erzählung Invasion Day (1948) bzw. Wir waren ja wahnsinnig, damals (2022).
  • 2
    Vorbildlich digitalisiert findet man die zwischen 38 und 52 Seiten starken Ausgaben in der ANNO-Datenbank der Österreichischen Nationalbibliothek (https://anno.onb.ac.at/).
  • 3
    Ausführlich beschrieben hat Freundlich die Szene in ihrer autobiographisch grundierten Erzählung Statt einer Ehrensalve aus dem Jahr 1956 (Freundlich 1956: 66f.).
  • 4
    Die AAT erschien im ersten Jahrgang unter dem Namen Freiheit für Österreich. Chefredakteur war „William Green“, „ein mittels eines Visums der Hebrew Immigration Aid Society 1940 in die USA geflüchteter Wiener Arzt namens Dr. Wilhelm Gründorfer“ (Hertling 1997: 197).
  • 5
    Nachdruck in Freundlich 1992: 147–150.
  • 6
    Besprochen werden Address unknown (antifaschistischer Film), Voice in the Wind (Emigramtenfilm), Lifeboat (Kriegsdrama von Hitchcock; Freundlich übt Kritik an der Darstellung der Schwarzen), Watch on the Rhine (Widerstandskämpfer-Film), This Land Is Mine (Antifaschismus). In Bahrs Werkbibliographie (2009) sind Freundlichs Veröffentlichungen erst ab dem Jahr 1953 erfasst.
  • 7
    Die beiden hatten 1944 in Amerika geheiratet, die Ehe wurde 1955 geschieden. Die Beziehung zwischen Freundlich und Anders behandelt ausführlich Raimund Bahr im Kapitel 23 Leben in der Endzeit seiner Anders-Biographie (2010: 231–251).
  • 8
    Eine Besprechung immerhin ließ sich finden, sie stammt von dem Emigranten und einstigen Mitarbeiter der Nouvelles d’Autriche Ludwig Ullmann und erschien im Aufbau (New York) am 3. Juni 1949.
  • 9
    In Der Stein des Weisen geht es um die Erinnerung an Widerstandskämpfer, die in den 30er Jahren von Paris aus antifaschistische Tarnschriften herstellten und nach Deutschland schafften, darunter ein Aufruf Heinrich Manns an die Deutschen, Hitler zu stürzen: „Bleibt dieser Mensch, ist Deutschland verloren. Beseitigt den falschen Führer! Kämpft ihn nieder! Erhebt euch!“ (Freundlich 1986a: 35). Auf die Bitte, seinen Text für den Stein der Weisen verwenden zu dürfen, antwortete Heinrich Mann aus seinem Exil in Kalifornien am 13. März 1947: „Sehr verehrte Doctor Freundlich, Ihre Erzählung habe ich mit lebhafter Teilnahme gelesen. Die Idee des Rahmens [Frühling und Herbst 1945 in Paris; AFK] ist glücklich, die gut gezeichneten Personen der Teile convergieren; getrennt, sind sie einander nicht fremd, auch damit ergreifen sie. Besonders meine ich den alten Botaniker, und bin zufrieden, dass gerade er meinen Aufruf findet. Selbst besitze ich weder diesen, noch irgendeine meiner Botschaften. Haben Sie Exemplare und wollen Sie mir Abschriften geben? Es wäre sehr lieb. […] Mit den besten Grüssen / Ihnen ergeben / Heinrich Mann“ (Schneider 1982: 111).
  • 10
    Dort erschien am 7. Februar 1962 ihr Aufsatz Bücher, die uns nicht erreichten. „Literatur im Exil“ wartet auf ihre Darstellung (Nachdruck in Freundlich 1992: 154–157).
  • 11
    Waldinger war 1944 wie Elisabeth Freundlich in Wieland Herzfeldes Aktivitäten zur Gründung des Aurora-Verlags involviert, er konnte – anders als Freundlich – in diesem New Yorker Exilverlag 1946 auch ein eigenes Buch veröffentlichen: Die kühlen Bauernstuben.
  • 12
    Folgende Filmbesprechungen lassen sich nachweisen: This Land is Mine (ATT, 1. Juli 1943), Watch on the Rhine (ATT, 3. Oktober 1943), Films are Weapons (ATT, 7. Februar 1944), Voice in the Wind (ATT, 8. April 1944), Address Unknown (ATT, 10. Mai 1944).
  • 13
    Kritik an Voice in the Wind (Drehbuch: Friedrich Torberg, Regie: Arthur Ripley, Hauptrolle: Franz Lederer): „Das Ganze ist, als wäre die Technik des Films eben erst erfunden, als wäre sie amüsantes Spiel an sich und nicht herrliche Möglichkeit der dramatischen Gestaltung, die hier bis zum Überdruss vergeudet wird. All dies wäre unerheblich und unwichtig, träfe es nicht die Emigration an einer empfindlichen Stelle. Bewiese es nicht den ganzen Unernst, mit dem hier versucht wird, Emigrantenleid den Amerikanern nahe zu bringen.“ (ATT, 8. April 1944).
  • 14
    Auch das erste Treffen mit Matejka nach ihrer Rückkehr aus den USA („Stürmisch flog ich ihm beim Wiedersehen an den Hals.“) hat Freundlich in den Fahrenden Jahren erwähnt (1992: 135).
  • 15
    Nachlass Deutsches Literaturarchiv Marbach, Kiste 37, Mappe 8.  – Ähnlich in einem Brief an Joseph Kalmer vom 6. März 1956: „Und warum freuen Sie sich, dass ich an eine neue Übersetzung gehen muss. Wo ich doch viel lieber den Roman schrübe [sic]?“ (Bahr 2011)
  • 16
    Klaus Völker vermutet, dass der Kontakt zu Strassegg von Berthold Viertel vermittelt wurde (E-Mail an AFK, 3. Januar 2021).
  • 17
    Dass Thimig im „Dritten Reich“ ein gefeierter Regisseur sowie Bühnen- und Filmstar war und von Hitler 1944 auf die sog. „Gottbegnadeten-Liste“ der wichtigsten Künstler des NS-Staates aufgenommen wurde (vgl. Klee 2007: 611), hat Freundlich in ihrem Erinnerungsbuch nicht angemerkt.
  • 18
    Der Brief, geschrieben am 16. Juli 1953, findet sich in der vierbändigen Ausgabe der O’Casey-Briefe (Vol. II. Edited by David Krause. New York: Macmillan Publishing 1980, S. 980 ff.). „Ein weiterer Brief an E. Freundlich vom 8. 2. 1954 ist abgedruckt S. 1028 f., sie hatte geschrieben, dass The Silver Tassie auch in Wien aufgeführt wird. In der Ausgabe der Briefe ist sonst kein Brief an Freundlich abgedruckt. Aber es gibt sicher noch mehr Briefe, und E. F. und Anders haben O’Casey auch besucht und persönlichen Kontakt gehabt“ (E-Mail von Klaus Völker an AFK, 3. Januar 2021).
  • 19
    Die Namen der Übersetzer wurden in dem Heft nicht genannt. In der September-Ausgabe der Frankfurter Hefte findet sich in der Rubrik Mitteilungen dann jedoch der Hinweis: „Der Preispokal von Sean O’Casey, dessen zweiten Akt wir im August-Heft (Seite 610 ff.) zum größten Teil abdruckten, wurde von Elisabeth Freundlich und Günther Anders aus dem Englischen übertragen“ (S. 729).
  • 20
    Den Auszug aus dem Kortner-Brief teilte mir am 2. Januar 2021 Klaus Völker in einer E-Mail mit.
  • 21
    Klaus Völker, E-Mail an AFK, 3. Januar 2021. Völker fügte den Satz an: „Persönlich schätzte ich Freundlich sehr, auch ihre Bücher.“
  • 22
    Im Zeitraum 28. April 1950 bis 25. Mai 1961: 467 Briefe von Elisabeth Freundlich an ihre Mutter Olga Freundlich und 471 Briefe der Mutter an ihre Tochter.
  • 23
    Nachlass Elisabeth Freundlich im DLA Marbach, Kiste 37, Mappe 8.
  • 24
    Beide Aufführungskritiken erschienen in einer Tageszeitung: 1. Die Sünderecke des James Baldwin. Europäische Erstaufführung von Amen Corner durch ein Negerensemble im Theater an der Wien. In: Mannheimer Morgen, 12./13. Juni 1965; 2. Der Mord an einem Negerjungen. Blues für Mr. Charlie von James Baldwin als deutschsprachige Erstaufführung im Wiener Volkstheater. In: Mannheimer Morgen, 30. Oktober 1968.

Quellen

Alge, Susanne (1994): Elisabeth Freundlich. Bibliographie. In: Spalek, John M. / Feilchenfeldt, Konrad / Hawrylchak, Sandra H. (Hg.): Deutschsprachige Exilliteratur seit 1933. Bd. 4: Bibliographien. Schriftsteller, Publizisten und Literaturwissenschaftler in den USA. Teil 1: A – G. Bern, München: Saur, S. 466–478.
Bahr, Raimund (Hg.) (2009): Elisabeth Freundlich. Werkbibliographie. Wien, St. Wolfang: Ed. Art Science.
Bahr, Raimund (2010): Günther Anders. Leben und Denken im Wort. Wien, St. Wolfgang : Edition Art Science.
Bahr, Raimund (2011): Ausgewählte Briefe von Elisabeth Freundlich, zusammengestellt von Raimund Bahr. In: litera[r]t, zeitschrift für literatur (Wien, St. Wolfgang), Heft 1, Jänner 2011 (online: www.editionas.net/literart/01_09_literart.html; Aufruf 04.01.2021). [Auszüge aus Briefen u. a. an Ernst Bloch, Karola Bloch, Jaques Freundlich, Joseph Kalmer, Hans Mayer, Dolf Michaelis und Eva Michaelis-Stern, Robert Neumann].
Bolbecher, Siglinde (2021): „Im Exil bin ich geworden, die ich bin“. Die fahrenden Jahre der Elisabeth Freundlich. In: Dies.: Die Fäden der Ariadne. Schriften. Wien: Theodor Kramer Gesellschaft (Zwischenwelt, Bd. 16), S. 70–74.
Buchholz, Lisette (2001): „Soll dir aus einem Schmerz etwas zuwachsen“. Über Elisabeth Freundlich. In: Zwischenwelt. Zeitschrift für Kultur des Exils und des Widerstands (Wien) Jg. 18 (2001), Nr. 1, S. 7–9.
Dorst, Tankred (1968) = Sean O’Casey: Der Preispokal. In: Ders.: Stücke 1, 1920–1940. Hg. und mit einem Vorwort von Wolfgang Schuch. 2., leicht veränderte Aufl. Berlin (DDR): Henschelverlag 1978, S. 283–347.
Freundlich, Elisabeth (1956): Statt einer Ehrensalve. In: Dies.: Finstere Zeiten. Vier Erzählungen. Mit einem Nachwort von Werner Fuld. Mannheim: persona verlag 1986, S. 58–93.
Freundlich, Elisabeth (1967): Germanistik – damals und heute. Kein Vergleich wissenschaftlicher Tendenzen. In: Jens, Walter / Raddatz, Fritz J. (Hg.): Hans Mayer zum 60. Geburtstag. Eine Festschrift. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Verlag, S. 21–41.
Freundlich, Elisabeth (1986a): Finstere Zeiten. Vier Erzählungen. Mit einem Nachwort von Werner Fuld. Mannheim: persona verlag.
Freundlich, Elisabeth (1986b): Die Ermordung einer Stadt namens Stanislau. NS-Vernichtungspolitik in Polen 1939–1945. Wien: Österreichischer Bundesverlag. [Neuausgabe: Wien: Theodor Kramer Gesellschaft 2016].
Freundlich, Elisabeth (1992): Die fahrenden Jahre. Erinnerungen. Hg. und mit einem Nachwort von Susanne Alge. Salzburg: Otto Müller Verlag.
Freundlich (2001) = Antiquariat Meindel & Sulzmann OEG: Aus der Bibliothek von Elisabeth Freundlich. [Katalog mit 847 zum Verkauf angebotenen Büchern].
Freundlich, Elisabeth (2022): Wir waren ja wahnsinnig, damals. Erzählung. Hg. und mit einem Nachwort von Andreas F. Kelletat. Mannheim: persona verlag.
Freundlich/Anders (1952) = Sean O’Casey: Warum wir hier sind und weshalb [2. Akt des Stücks „Der Preispokal“, übersetzt von Elisabeth Freundlich und Günther Anders]. In: Frankfurter Hefte Jg. 8 (1953), H. 8, S. 610–619.
Hackl, Erich (2001): Die Namen der Dinge. Salut für Elisabeth Freundlich. In: Kommune. Forum für Politik, Ökonomie, Kultur Jg. 19 (2001), H.3, S. 61–66.
Hertling, Viktoria (1997): Exil und Post-Exil: Elisabeth Freundlichs Erinnerungsbuch „Die fahrenden Jahre“. In: Modern Austrian Literature, Vol. 30, No. 1 (1997), S. 102–116.
Kelletat, Andreas F. (2022): „Zu Hause ist jetzt und hier“. [Nachwort]. In: Freundlich, Elisabeth: Wir waren ja wahnsinnig, damals. Erzählung. Mannheim: persona verlag, S. 111–123.
Klee, Ernst (2007): Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main: S. Fischer.
Krist, Martin (2003): „Wir sterben alle unseren eigenen Tod!“ E. A. Reinhardt (1889–1945). In: Reinhardt, E. A.: Tagebuch aus den Jahren 1943/44, geschrieben in den Gefängnissen der Gestapo in Menton, Nizza und Les Baumettes (Marseille). Hg. von Martin Krist. Wien: Turia + Kant, S. 147–166.
Lanzer, Elisabeth [= Elisabeth Freundlich] (1948): Invasion-Day. Eine Erzählung. Überlingen am Bodensee: Werner Wulff Verlag. [Neuausgabe: Mannheim: persona verlag 2022].
Lester, Conrad H. (1984): „Freies Österreich“. In: Reiter, Franz Richard (Hg.): Unser Kampf. In Frankreich für Österreich. Interviews mit Widerstandskämpfern. Wien, Köln, Graz: Hermann Böhlaus Nachf., S. 42–60.
Lyon, James (1989): Brecht auf dem Broadway. In: Spalek, John M. / Strelka, Joseph (Hg.): Deutschsprachige Exilliteratur seit 1933. Bd. 2: New York, Teil 1. Bern: Francke Verlag, S. 1549–1564.
O’Casey, Sean (1978): Warum wir hier sind und weshalb. [Auszug aus dem 2. Akt des Stücks „Der Preispokal“, übersetzt von Elisabeth Freundlich und Günther Anders]. In: Frankfurter Hefte Jg. 8 (1953), H. 8 (August), S. 610–619.
O’Casey, Sean (1978): Der Preispokal (The Silver Tassie). Eine Tragikomödie in vier Akten. Aus dem Englischen von Tankred Dorst. Liedtexte von Karl Wesseler. In: O’Casey, Sean: Stücke 1, 1920–1940. Hg. und mit einem Nachwort von Wolfgang Schuch. 2., leicht veränderte Aufl. Berlin (DDR): Henschelverlag, S. 283–347.
Schneider, Peter-Paul (1982): Kannten Sie Heinrich Mann? Ein Brief Heinrich Manns an Elisabeth Freundlich. In: Arbeitskreis Heinrich Mann. Mitteilungsblatt Nr. 17. Lübeck, S. 107–112.
Seifert, Heribert (1986): Schreiben gegen das Vergessen. Zwei Bücher von Elisabeth Freundlich. In: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 169, 24. Juli 1986, S. 25f.
Völker, Klaus (1972): Irisches Theater II: Sean O’Casey. 2., überarbeitete Aufl. München: Deutscher Taschenbuch-Verlag. (Dramatiker des Welttheaters, dtv 6855).

Sonstige Quellen

E-Mails von Klaus Völker (Berlin) an Andreas F. Kelletat, 2. und 3. Januar 2021.

Archiv

Nachlass Elisabeth Freundlich: Deutsches Literaturarchiv Marbach (41 Archiv-Kästen).

Zitierweise

Kelletat, Andreas F.: Elisabeth Freundlich, 1906–2001. In: Germersheimer Übersetzerlexikon UeLEX (online), 7. Februar 2026.
BeschreibungElisabeth Freundlich, ca. 1950 (© persona verlag, Mannheim)
Datum20. Januar 2026
Elisabeth Freundlich, ca. 1950 (© persona verlag, Mannheim)

Bibliographie (Auszug)

Übersetzungen (Buchform)

Übersetzungen (Zeitschriften, Anthologien)

Originalwerke

Detaillierte Bibliographie