Franz Wurm, 1926–2010
Franz Wurm hat sich zeitlebens als Lyriker und Schriftsteller verstanden. Zu seinem Lebenswerk gehören neben seinen eigenen Werken zweifellos auch seine zahlreichen Übersetzungen aus dem Französischen, darunter etwa zusammen mit Paul Célan jene gemeinsame Arbeit an den Gedichten von René Char, die ihre Freundschaft begründete, Gedichte von Paul Valéry und aus dem Tschechischen, etwa Werke von Vladimír Holan, der bei uns ohne die Übersetzungsarbeit von Franz Wurm wohl gänzlich unbekannt geblieben wäre. Franz Wurm war wohl auch ein «Genie» der Freundschaft. Er führte nicht nur eine enge Beziehung zu Paul Celan, auch Michael und Luzzi Wolgensinger, den Musiker Yehoshua Lakner in Zürich und Hans Georg Adler, den Chronisten der «verheimlichten Wahrheit» und Verfolgung der europäischen Juden, zählte er zu seinen Freunden. Ein ganzer Kosmos der Literatur und Geschichte des 20. Jahrhunderts vereinte ihn mit seinen Freunden, zu denen etwa auch der Dichter Michael Hamburger wie der Deutsch-Prager Johannes Urzidil ebenso wie Fritz Hochwälder, Friederike Mayröcker oder Günther Eich gehörten. In dem Nachwort der 1990 erschienenen Sammlung seiner Gedichte «Dirzulande», betitelt «Woher und bis heute», schrieb er: «Ich wohne in einer Wohnung. Wirklich zu Hause: in Freunden». (Dreyfus 2026)
