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Dietrich Lutze, 1907–1990

25. Januar 1907 Berlin (Deutsches Reich) - 2. Dezember 1990 Berlin (Bundesrepublik Deutschland)
Original- und Ausgangssprache(n)
Dänisch, Schwedisch, Norwegisch
Zielsprache(n)
Deutsch

Von Werner Günther Dietrich Lutze sind im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek etwa zehn Titel verzeichnet, die ab 1941 in Deutschland veröffentlicht wurden, beginnend mit einem schwedisch-deutschen Lehrbuch, gefolgt von Sachbuch- und Literaturübersetzungen.

Details zu Lutzes Biographie konnten bisher nur ansatzweise ermittelt werden. Im Kürschner (1958: 449) hat er sich als Volkshochschuldozent bezeichnet und Berlin-Charlottenburg (Rückertstr. 6) als Adresse angegeben. Rätselhaft ist dort der bibliographische Hinweis „R[oman]: Dixmuide [Verschreibung für Dixmude?], Funk-N[ovelle] [19]26.“ Das in der Rubrik Übersetzungen gelistete Buch von Sven Hedin Im Kampf gegen Wüste und Tod (1944) ist in der Deutschen Nationalbibliothek (Leipzig und Frankfurt/M.) nicht vorhanden, wohl aber in einigen Universitätsbibliotheken sowie in Stockholm in Kungliga Biblioteket, der schwedischen Nationalbibliothek.1Den Hinweis gab mir Klaus-Jürgen Liedtke (Berlin), der auch Lutzes direkter Nachfolger als Schwedisch-Dozent an der Volkshochschule Berlin-Neukölln war. Getroffen hat er ihn allerdings nie (Email an AFK, 21. August 2026).

Während des Zweiten Weltkriegs hat Lutze außer dem Hedin-Band das Buch Den ryska ekvationen (Die russische Gleichung, Leipzig 1943) des schwedischen Diplomaten und prodeutsch bzw. nationalsozialistisch engagierten Publizisten Rütger Essén übersetzt. Lutze hat die 4. Auflage von Den ryska ekvationen benutzt, deren Vorwort auf „Stockholm, den 27. August 1941“ datiert ist. Besonders die in diese 4. Auflage eingefügten Schlusskapitel sind durch die Erwartung geprägt, dass Deutschland in dem Ende Juni 1941 begonnenen „Russland-Feldzug“ siegen werde. Dies müsse für die „europäische Sicherheit im Osten [zur] Schaffung einer europäischen Einheitsorganisation“ führen sowie zur „Ziehung fester und bleibender Grenzen für die russische Expansion nach Westen“ (Essén/Lutze 1943: 220).

Das Baltikum muß wieder von der russischen Herrschaft freigemacht und sein Dasein durch die Schaffung der bewaffneten europäischen Solidarität gesichert werden, die die Voraussetzung für jede dauerhafte Lösung des russischen Problems ist. Finnland muß seine natürliche und strategisch gegebene Grenze vom Finnischen Meerbusen über den Ladoga und Onega zum Weißen Meer erhalten. […] Leningrad – Petersburg – kann selbstverständlich seine Stellung als Industriezentrum nicht behalten […]. Damit wird ein mehr als zweihundertjähriger Mißgriff endlich korrigiert. (Ebd.: 221)

Um einen dauerhaften europäischen Friedenszustand zu erreichen, müsse auch die Ukraine selbständig werden, „ihr Platz (befindet sich) auf der europäischen Seite einer kommenden eurasiatischen Grenze“ (ebd.: 232).2Das 13. Kapitel (Blick in die Zukunft) schließt mit Sätzen über die „politische Zukunftsperspektive Europas nach Osten“, die so oder ähnlich auch aus dem Jahr 2026 stammen könnten: „Ein europäischer Zusammenhalt und eine feste Verteidigungsgrenze gegen Rußland, die ihrerseits eine hohe Verteidigungsbereitschaft bei den zunächst berührten Völkern und ihre Unterstützung durch eine allgemeine europäische Solidarität voraussetzt, die im Bedarfsfalle ihre Auslösung im Handeln findet – darin ist der erste Punkt des europäischen Programms zu erblicken.“ (Ebd.: 232)

Ob Lutze selbst Esséns Buch zum Übersetzen vorgeschlagen hat oder ob es sich um eine Auftragsarbeit handelte, kann nicht gesagt werden.

Als Lutzes zumindest quantitativ gewichtigste Publikation muss seine knapp 2000 Seiten umfassende deutsche Version der schwedischen Auswanderer-Tetralogie von Vilhelm Moberg (1898–1973) gelten.

In Bibliothekskatalogen nicht verzeichnet sind seine 1966 und 1972 entstandenen Übersetzungen des 1946 von Willy Brandt in Oslo auf Norwegisch und kurz darauf in Stockholm auf Schwedisch veröffentlichten Buches Forbrytere og andre tyskerne / Förbrytare och andra tyskar. In der 2007 in Bonn erschienenen, von Einhart Lorenz betrauten deutschen Ausgabe Verbrecher und andere Deutsche. Ein Bericht aus Deutschland 1946 fehlt der Name des Übersetzers im verlegerischen Peritext. In der Einleitung von Einhart Lorenz heißt es jedoch:

Ausgangspunkt für die vorliegende Ausgabe ist eine Übersetzung von Dietrich Lutze aus den Jahren 1966 und 1972. Sie ist vom Bearbeiter dieses Bandes durchgesehen, ergänzt, mit ausführlichen Anmerkungen versehen sowie mit deutschen Manuskripten Brandts verglichen worden, wobei dann in einigen Fällen deren Wortwahl übernommen wurde. Darüber hinaus haben Alexander Behrens und Heiko Uecker Lutzes Übersetzung sprachlich bearbeitet. […] Lutzes Übersetzungen befinden sich im Willy-Brandt-Archiv im Archiv der sozialen Demokratie in Bonn. (Lorenz 2007: 33)

Seine Frau Ruth Lutze3Die Ehe wurde 1933 beim Standesamt Berlin-Charlottenburg geschlossen, eine zweite Ehe 1985 beim Standesamt Berlin-Kreuzberg. (Mitteilung des Landesarchivs Berlin an Klaus-Jürgen Liedtke, 21. September 2026).hat ebenfalls übersetzt (u. a. zwei Jugendbücher von Andreas Christian Westergaard), gemeinsam haben sie in einem Stockholmer Schulbuchverlag ein deutsch-schwedisches und schwedisch-deutsches Wörterbuch herausgegeben (2. Aufl. 1969).

Dietrich Lutze starb am 2. Dezember 1990 in Berlin-Charlottenburg.4Mitteilung des Landesarchivs Berlin an Klaus-Jürgen Liedtke, 21. September 2026. Nachlassmaterialien scheinen sich nicht erhalten zu haben.

Anmerkungen

  • 1
    Den Hinweis gab mir Klaus-Jürgen Liedtke (Berlin), der auch Lutzes direkter Nachfolger als Schwedisch-Dozent an der Volkshochschule Berlin-Neukölln war. Getroffen hat er ihn allerdings nie (Email an AFK, 21. August 2026).
  • 2
    Das 13. Kapitel (Blick in die Zukunft) schließt mit Sätzen über die „politische Zukunftsperspektive Europas nach Osten“, die so oder ähnlich auch aus dem Jahr 2026 stammen könnten: „Ein europäischer Zusammenhalt und eine feste Verteidigungsgrenze gegen Rußland, die ihrerseits eine hohe Verteidigungsbereitschaft bei den zunächst berührten Völkern und ihre Unterstützung durch eine allgemeine europäische Solidarität voraussetzt, die im Bedarfsfalle ihre Auslösung im Handeln findet – darin ist der erste Punkt des europäischen Programms zu erblicken.“ (Ebd.: 232)
  • 3
    Die Ehe wurde 1933 beim Standesamt Berlin-Charlottenburg geschlossen, eine zweite Ehe 1985 beim Standesamt Berlin-Kreuzberg. (Mitteilung des Landesarchivs Berlin an Klaus-Jürgen Liedtke, 21. September 2026).
  • 4
    Mitteilung des Landesarchivs Berlin an Klaus-Jürgen Liedtke, 21. September 2026.

Quellen

Kürschner (1958) = Kürschners Deutscher Literatur-Kalender. 53. Jg. Hg. von Werner Schuder. Berlin: Walter de Gruyter & Co.
Lorenz, Einhart (2007): Einleitung. In: Willy Brandt: Verbrecher und andere Deutsche. Ein Bericht aus Deutschland 1946. Bearbeitet von Einhart Lorenz. Bonn: Verlag J.H.W. Dietz Nachf., S. 7–34. [S. 33f.: „Zur Übersetzung“].

Zitierweise

Kelletat, Andreas F.: Dietrich Lutze, 1907–1990. In: Germersheimer Übersetzerlexikon UeLEX (online), 22. September 2026.

Bibliographie (Auszug)

Übersetzungen (Buchform)

Originalwerke

Detaillierte Bibliographie