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Nora Wydenbruck, 1894–1959

15. Januar 1894 London (Großbritannien) - 29. August 1959 London (Großbritannien)
Original- und Ausgangssprache(n)
Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch
Zielsprache(n)
Englisch, Deutsch, Französisch

Nora Wydenbruck,1Vollständiger Name: Gräfin Eleonora Frederika Agnes Augusta Maria von Wydenbruck, nach der Heirat: Nora Purtscher-Wydenbruck. Tochter von Graf Christoph Anton Maria von Wydenbruck, Sekretär der österreichisch-ungarischen Botschaft, und Gräfin Maria von Fugger-Babenhausen, wurde am 15. Januar 1894 in London geboren (Erhart 1999: 591; Braun 1959: 40). Im Alter von zwei Jahren zog sie mit ihrer Mutter und Schwester nach Kärnten, wo sie auf dem Familiensitz, Schloss Meisselberg bei Maria Saal, aufwuchs (Wydenbruck 1932: 6) und von englischen und französischen Kindermädchen erzogen wurde (Erhart 1999: 592). Hierdurch wurde frühzeitig der Grundstein für ihre Mehrsprachigkeit gelegt. Nach Stationen in Kopenhagen, Dresden und Wien, die hauptsächlich der Bildung gewidmet waren (Wydenbruck 1932: 29; Wydenbruck 1956: 50, 111), lernte Wydenbruck in Klagenfurt den Tier- und Landschaftsmaler Alfons Purtscher kennen. 1919 heiratete sie gegen den Willen ihrer Familie Purtscher (Wydenbruck 1956: 129), mit dem sie zunächst in Klagenfurt und Pörtschach am Wörthersee, dann ab 1926 bis zu ihrem Tod 1959 in London lebte (Erhart 1999: 599, 600, 606, 682).

In England gab sie 1933 ihre österreichische Staatsangehörigkeit auf und nahm die britische an (Wydenbruck 1956: 181). Während des Krieges war sie als Freiwillige für die Zivilverteidigung tätig (Wydenbruck, Manuskript zu My Two Worlds, zit. in Erhart 1999: 634). Sie unterstützte Flüchtlinge, darunter auch ihre Cousine, die Schriftstellerin und Upton Sinclair-Übersetzerin Hermynia zur Mühlen, die mit ihrem Mann Stefan I. Klein nach England entkommen war. Von August 1943 bis 1945 wohnten beide bei ihr (Erhart 1999: 643).

Nora Wydenbruck war zunächst als Dichterin und Malerin tätig, nach ihrer Übersiedlung nach London 1926 übernahm sie auch journalistische und zunehmend übersetzerische Tätigkeiten. Sie trat außerdem als Herausgeberin und Autorin, insbesondere von Biographien und historischen Romanen, hervor. Zwei Dichter beeinflussten Wydenbrucks Wirken maßgeblich: Rainer Maria Rilke und T. S. Eliot. So zählen ihre englische Übertragung von Rilkes Duineser Elegien und ihre deutsche Übertragung von T. S. Eliots Four Quartets, sowie einiger seiner Theaterstücke, zu ihren bekanntesten Übersetzungen. Mit beiden Dichtern pflegte sie eine persönliche Verbindung. Mit Rilke korrespondierte sie von 1921 bis 1924 (Erhart 1999: 601), mit Eliot verband sie seit ihrem ersten Treffen noch während des Zweiten Weltkriegs 1945 bis zu ihrem Tod 1959 eine intensive Arbeits- und Freundschaftsbeziehung (ebd.: 199-205), die sie als großen Vorteil bei der Übersetzung seiner Werke verstand (Wydenbruck 1956: 187, 188).

Wydenbrucks translatorisches Œuvre reicht jedoch weit über die genannten Übertragungen hinaus und zeichnet sich durch eine große Vielfalt an Sprachen, Genres und Stoffen aus. Sie übersetzte zumeist aus dem Französischen, Deutschen, Englischen und Italienischen, aber auch aus dem Portugiesischen (Erhart 1999: 674) – hauptsächlich ins Englische, aber auch ins Französische und Deutsche. Die übersetzten Genres beinhalten Lyrik, Prosa, Theaterstücke, Essays und Briefe; die inhaltliche Bandbreite reicht von Politik und Gesellschaft über Liebe bis zur Religion. Zu den von ihr übersetzten Autorinnen und Autoren zählen Felix Braun, Fritz Hochwälder, Hans Egon Holthusen, Christine Lavant, Hans Huyn, Alfred Neumann, Paul Morand, Jean-Louis Curtis, Vita Sackville-West, Graham Greene, Bruce Bliven und Antonia Pozzi.

Wydenbruck setzte sich auf vielfältige Weise für die Kulturvermittlung ein. Dies wird nicht nur anhand ihres umfangreichen und breit gefächerten translatorischen Schaffens deutlich. Die von ihr gehaltenen Vorträge zeugen ebenfalls davon: im englischen Sprachraum über „Modern Austrian Literature“ in Oxford, London, Eton und Cambridge (Erhart 1999: 673, Schneider 1999: 85) und Rilke, z.B. in London (Erhart 1999: 662), sowie im deutschsprachigen Raum, beispielsweise in Wien, über T. S. Eliot (ebd.: 662). Auch in Radiosendungen war sie zu beiden Dichtern zu hören, so mit dem Vortrag „Rilke‘s Vanished World“ bei BBC (ebd.: 671) oder mit ihrem Wiener Vortrag über T. S. Eliot im Klagenfurter „Sender Alpenland“ (ebd.: 662). Ihre Ansichten zur Translation äußerte sie unter anderem im 1954 in Wien gehaltenen Vortrag „Mittler zwischen den Sprachen: Kunst und Gefahr des Übersetzens“ (ebd.: 585), aber auch in Diskussionen, wie in der Diskussionsrunde zu „Problems of Translation“, zu der sie vom PEN-Club in London eingeladen wurde (ebd.: 663, 664).

Trotz ihrer großen Verdienste um Translation und Kulturvermittlung wurde Nora Wydenbruck nie mit nennenswerten Preisen ausgezeichnet. 1954 wurde jedoch anlässlich ihres 60. Geburtstags ihr zu Ehren eine Buch- und Bilderausstellung in Klagenfurt veranstaltet.

Anmerkungen

  • 1
    Vollständiger Name: Gräfin Eleonora Frederika Agnes Augusta Maria von Wydenbruck, nach der Heirat: Nora Purtscher-Wydenbruck.

Quellen

Braun, Felix (1959): Nora Wydenbruck. In: Wort in der Zeit. Hg. von Rudolf Henz. Jahrgang 5, Nr. 12, S. 40–41.
Erhart, Andrea (1999): Nora Purtscher-Wydenbruck (1894–1959). Mediator Between the English- and German-Speaking Cultures: Rilke, Eliot, Lavant, Braun, Janstein. 2 Bd. Diss. Univ. Innsbruck.
Schneider, Ursula A. (1999): Andrea Erhart: Nora Purtscher-Wydenbruck (1894–1959). Mediator Between the English- and German-Speaking Cultures: Rilke, Eliot, Lavant, Braun, Janstein. Including Chronological and Biographical Data about her Life and Work. In: Mitteilungen aus dem Brennerarchiv (1999), Nr. 18, S. 84–87.
Wydenbruck, Nora (1932): An Austrian Background. London: Methuen.
Wydenbruck, Nora (1956):. My Two Worlds: An Autobiography. London: Longmans Green.

Archiv

Teil-Nachlass im Robert-Musil-Institut für Literaturforschung der Universität Klagenfurt / Kärntner Literaturarchiv.
Teil-Nachlass (5 Archivboxen) in der Wienbibliothek im Rathaus, Wien.

Zitierweise

Maier-Rezić, Christine: Nora Wydenbruck, 1894–1959. In: Germersheimer Übersetzerlexikon UeLEX (online), 5. Februar 2026.